Faust als Lebensphilosophie
In vier Teilen
Teil 1) Faust als Tragödi
Teil 2) Das Dämonische im Faust
Teil 3) Liebeszauber
Teil 4) Erlösung: das Ewig-Weibliche
Inhaltsverzeichnis
Teil 1): Faust – eine Lebenstragödie?
Tragisches: "Die Tragik des Lebens: Leben mit dem Tod"
1. Goethes Arbeit am "Faust"
2. "Faust" als Tragödie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Goethes "Faust" unter dem Aspekt der Lebensphilosophie und analysiert die Verknüpfung von Tragik, Dämonie und Erlösung. Dabei wird die Entstehungsgeschichte des Werkes im Kontext von Goethes eigenem Leben und seiner Auseinandersetzung mit tragischen Strukturen und antiken Vorbildern beleuchtet, um ein tieferes Verständnis für die "Faust"-Tragödie als Weltdrama und Heilsdichtung zu entwickeln.
- Goethes Arbeitsphasen und die biografische Einbettung der Faust-Entstehung.
- Die Entwicklung vom Urfaust über das Fragment zur vollendeten Tragödie.
- Gattungstheoretische Analyse: Faust als "reine Tragödie" im Spannungsfeld von Antike und Moderne.
- Das "Stirb und Werde" als Grundprinzip der Entwicklung des Dichters und der Titelfigur.
- Die Rolle der dionysischen Spannung und des Teufelspaktes im dualistischen Weltbild.
Auszug aus dem Buch
Dichter und Dichtung
Goethe hat gewünscht, dass wir sein ganzes Lebenswerk als eine Einheit erfassen mögen. Man kann den "Faust" nicht aus dem Zusammenhang von Goethes Leben herauslösen, sondern man muss Goethes geistige Gestalt in der Faustdichtung vor Augen haben. Goethe musste den Faust erst leben, bevor er ihm dichterische Gestalt geben konnte. Deshalb wird man viele Parallelen zwischen Goethes Leben und der Entstehungsgeschichte seiner Tragödie finden.
Schon als Kind hat Goethe ein "Faust"-Puppenspiel gesehen und eines der Volksbücher gelesen. Auch das "Faust"-Fragment von Lessing (1759) soll er in seiner Jugend gelesen haben. Die Faustgestalt hat ihn so stark gefesselt, dass er ihr 1771 selber Gestalt geben wollte. Da war er gerade 22 Jahre alt! (Welcher 22-jährige heutzutage würde den "Faust" überhaupt freiwillig lesen wollen?) Aus dieser ersten Arbeitsperiode enstand also das, was wir heute als Urfaust bezeichnen. Goethe wollte sein erstes Manuskript vernichten, nachdem er es umgeschrieben hatte - vorher gab er es allerdings einer gewitzten Dame namens Luise von Göchhausen zu lesen, die es ohne sein Wissen abschrieb. Diese Abschrift wurde erst 1887 entdeckt und erhielt die Bezeichnung "Urfaust". Danke Luise!
Zusammenfassung der Kapitel
Teil 1): Faust – eine Lebenstragödie?: Dieser einführende Abschnitt beleuchtet Goethes Verhältnis zur Tragik und führt das Konzept des "Symparanekromenoi" als methodischen Zugang zur Lebensphilosophie in Goethes Werk ein.
Tragisches: "Die Tragik des Lebens: Leben mit dem Tod": Hier wird der Ursprung der Tragödie im griechischen Kontext und deren spirituelle sowie musikalische Grundlagen untersucht, um die Tragik als Ringen mit einer unsterblichen Seele in einer vergänglichen Welt zu definieren.
1. Goethes Arbeit am "Faust": Dieser Teil dokumentiert chronologisch die verschiedenen Schaffensphasen Goethes, von der Entstehung des Urfausts über das Fragment bis hin zur Vollendung des zweiten Teils, und analysiert die biografischen Einflüsse wie etwa die Begegnung mit Schiller.
2. "Faust" als Tragödie: Das abschließende Kapitel analysiert die Gattungsproblematik des "Faust", prüft verschiedene Tragödienbegriffe und verortet das Werk in der Spannung zwischen antiker Form und moderner Ausprägung.
Schlüsselwörter
Goethe, Faust, Tragödie, Lebenstragödie, Faustidee, Dämonie, Katharsis, Urfaust, Stirb und Werde, Mythos, Lebensphilosophie, Antike, Weltdrama, Mephisto, Erlösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Goethes "Faust" nicht nur als literarisches Werk, sondern als Lebensphilosophie, die Goethes eigene existenzielle Krisen und sein Ringen mit der "Gott-Natur" widerspiegelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entstehungsgeschichte des Faust-Stoffes, die Definition des Tragischen bei Goethe, die Bedeutung antiker Mythen und die Rolle der Dämonie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethes "Faust" durch die Verbindung von biografischen Erlebnissen und einer bewussten Gestaltung zu einer "reinen Tragödie" und letztlich zur Heilsdichtung wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine gattungs- und formanalytische Methode angewandt, die den "Faust" im Kontext der griechischen Tragödientheorie betrachtet, ergänzt durch biographische Bezüge.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung der Arbeitsphasen (Urfaust, Fragment, Faust I & II) sowie eine theoretische Reflexion über Wesen, Wirkung und Wandlung des Tragödienbegriffs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die dionysische Spannung, der tragische Urtatbestand, das Prinzip "Stirb und Werde" und die Integration von Antike und Mittelalter.
Welche Bedeutung kommt der "Schaffenspause" im Leben Goethes zu?
Die Schaffenspause wird als notwendige produktive Krisenzeit verstanden, in der Goethe durch Distanz zur Welt und Reifung die Voraussetzungen für die Weiterführung seines "Hauptgeschäftes" schuf.
Inwiefern spielt der "Prolog im Himmel" eine Rolle für das Verständnis als Erlösungsdrama?
Der Prolog etabliert eine höhere, göttliche Ebene, die sicherstellt, dass die Tragödie trotz der dämonischen Anfechtungen nicht im rein Negativen endet, sondern eine "Korrektur von oben" zulässt.
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- Renja Lüer (Autor), 1992, Goethes Faust als Lebensphilosophie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210775