Der Third Way als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen im Verhältnis zu Interessenverbänden


Hausarbeit, 2010
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie des Third Way

3 Definition und Typologie von Interessenverbänden

4 Interessenverbände und der Third Way
4.1 Die Gewerkschaften
4.2 Die Arbeitgeberverbände
4.3 Die Nichtregierungsorganisationen

5 Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

‚Tripartismus‘ war das Stichwort, das während der vorletzten Amtszeit der Labour Party deren Verhältnis zu Interessengruppen prägte. Dieser stellte eine besondere Form des Korporatismus dar, bei dem zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften eine institutionalisierte Zusammenarbeit besteht. Mit der Machtübernahme Margaret Thatchers verloren die Interessenverbände diese Möglichkeit der Einflussnahme und büßten an Bedeutung ein.[1] 1997 zeichnete sich wiederum eine Veränderung ab, denn nach 18 Jahren in der Opposition schaffte die Labour Party mit Tony Blair den Sprung auf die Regierungsbank und Interessenverbände konnten wieder auf eine stärkere Einflussnahme hoffen. Aus der Labour Party war jedoch inzwischen New Labour geworden. Der neue Vorsitzende proklamierte den ‚Third Way‘ in Abgrenzung zu der „outdated ideology of state-control of the Old Left and the laissez-faire of the new Right.”[2] Damit wollte man Antworten Fragen geben, die sich durch den gesellschaftlichen Wandel und auf welche die traditionellen Parteien nicht adäquat reagieren konnten. In diesem Zusammenhang sollen sich die folgenden Ausführungen mit der Frage beschäftigen, warum sich diese Modernisierung im Sinne der Theorie des Third Way schließlich auch im Verhältnis der Partei zu verschiedenen Interessenverbänden widerspiegelte.

Dazu soll zu Beginn der Analyse eine grundlegende Bestimmung des Third Way erfolgen, um davon ausgehend das Verhältnis der Partei zu den Interessengruppen genauer zu betrachten. Nachdem diese definiert und ihre Typologie vorgestellt worden ist, werden die die jeweiligen Interessengruppen betreffenden gesellschaftlichen Veränderungen, die Antwort der Third Way-Vertreter und das Verhältnis der Interessengruppen zu New Labour beleuchtet. Gegenstand der Betrachtung werden die traditionellen Interessengruppen der Arbeitgeber und insbesondere der Arbeitnehmerschaft als auch die neuere Gruppe der Nichtregierungsorganisationen sein.

2 Die Theorie des Third Way

Begann die Veränderung der Labour Party bereits in den 1980er Jahren, war es doch vor allem Tony Blair, der nach der Übernahme des Parteivorsitzes 1993 für eine rasche Modernisierung der Partei, die von nun an New Labour hieß, und der Sozialdemokratie Großbritanniens sorgte.[3] Maßgeblich für die theoretische Debatte um den Third Way und eine Anpassung sozialdemokratischer Werte an die sich wandelnde Gesellschaft ist der Soziologe ANTHONY GIDDENS, dessen Ideen großen Einfluss auf die Politik Tony Blairs hatten.[4]

Der Begriff des Third Way wurde in der Vergangenheit bereits von linker als auch von rechter Seite genutzt, um einen neu eingeschlagenen Weg jenseits der bisherigen Alternativen zu benennen.[5] Im Fall von New Labour dient er zur Beschreibung einer Abkehr vom bisherigen Kurs der Sozialdemokratie sowie einer Überwindung des durch Margaret Thatcher geprägten Neoliberalismus: „It is a third way in the sense that it is an attempt to transcend both old-style social democracy and neoliberalism.”[6] Der Third Way bestimmt sich demnach in erster Linie durch Abgrenzung, was einen kurzen Blick auf seine beiden Orientierungspole notwendig macht.

Die alte Sozialdemokratie ist nach GIDDENS vor allem durch ihr Vertrauen in den Staat gekennzeichnet. Dieser ist für die Wohlfahrt seiner Bürger verantwortlich und muss daher in die Wirtschaft und andere Lebensbereiche eingreifen. Zentrale Prinzipien sind die Gleichheit aller, Kollektivismus und Korporatismus.[7] Um diese Werte umzusetzen, wird der Markt im Sinne des Tripartismus reguliert und gesteuert, seine Mechanismen teilweise außer Kraft gesetzt: „Collective decision-making, involving government, business and unions, partly replaces market mechanisms.”[8]

Das neoliberale Gegenmodell setzt dagegen auf freie Märkte und eine autonome Zivilgesellschaft, welche auf sich gestellt und nur durch individuelle Initiativen angetrieben den größten Nutzen für die Gesellschaft erbringen. Ein Eingreifen von staatlicher Seite wird daher abgelehnt, denn nicht der Staat bringe seinen Bürgern Wohlfahrt, sondern das auf freien Märkten herrschende Wachstum: „Welfare should be understood not as state benefits, but as maximizing economic progress.“[9] Durch die Freiheit des Marktes entstehende Ungleichheiten werden hingenommen, da die Annahme gilt, dass entschlossene und fähige Individuen in die Position aufsteigen können, die ihren Eignungen entspricht.[10]

[...]


[1] Vgl. Jones, Bill et al.. Politics UK, Harlow: Pearson Education. 2007. S. 268.

[2] Rede von Tony Blair, Confederation of British Industry Annual Dinner am 27. May 1998, zitiert nach: Rawnsley, Andrew. Servants of the People. The Inside Story of New Labour. London: Hamish Hamilton. 2000. S. 309.

[3] Vgl. Stephens, Philip. Tony Blair. The Making of a World Leader. London: Viking Penguin. 2004. S. xii, Heffernan, Richard. New Labour and Thatcherism. Political Change in Britain. Basingstoke: Palgrave. 2001. S. 83.

[4] Vgl. Turowski, Jan. Sozialdemokratische Reformdiskurse. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 2010. S. 60.

[5] Vgl. Giddens, Anthony. The Third Way. The Renewal of Social Democracy. Cambridge: Polity Press. 1998.S. 25, Turowski, Sozialdemokratische Reformdiskurse, S. 62.

[6] Ibid., S. 26.

[7] Vgl. ibid., S. 7ff., Turowski, Sozialdemokratische Reformdiskurse, S. 70.

[8] Giddens, The Third Way, S. 9.

[9] Ibid., S. 13.

[10] Vgl. Turowski, Sozialdemokratische Reformdiskurse, S. 70, Giddens, The Third Way, S. 13.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Third Way als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen im Verhältnis zu Interessenverbänden
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Auslandswissenschaft - Englischsprachige Gesellschaften)
Veranstaltung
„Managing Globalisation? Politik, Verbände und Nichtregierungsorganisationen in Großbritannien“
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V210836
ISBN (eBook)
9783656384120
ISBN (Buch)
9783656385240
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
Verbände, Interessengruppen, Third Way, Großbritannien
Arbeit zitieren
Elisabeth Winter (Autor), 2010, Der Third Way als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen im Verhältnis zu Interessenverbänden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210836

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