Insbesondere der Zeitraum von Mai 1989 bis Oktober 1989 steht beispielhaft für eine Deutschlandpolitik der Zurückhaltung, sowohl auf deutscher, wie auch auf internationaler Ebene, in dem Voraussagen über die Zukunft so gut es ging vermieden wurden. Dennoch erhoben sich die ersten Stimmen, die den Fall der Mauer forderten, wenngleich sie eine politische Einheit Deutschlands zu diesem Zeitpunkt nicht im Sinn hatten. In der folgenden Seminararbeit soll nun also die Zeitspanne von Mai 1989 bis Oktober 1989 näher beleuchtet werden. Welche Akteure vertraten welchen Standpunkt? Welche Deutschlandpolitik vermittelten die einzelnen Regierungen und welche Ziele verfolgten sie?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutschlandpolitik bis Mai 1989
2.1 Innerdeutsche Beziehungen bis Mai 1989
2.2 Internationale Beziehungen bis Mai 1989
3. Deutschlandpolitik von Mai 1989 bis Oktober 1989
3.1 Das deutsch-deutsche Verhältnis
3.2 Amerikanische Deutschlandpolitik
3.3 Sowjetische Deutschlandpolitik
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die deutsche Deutschlandpolitik in der kritischen Phase zwischen Mai 1989 und Oktober 1989, um zu analysieren, wie die Bundesrepublik Deutschland, die USA und die Sowjetunion auf die sich zuspitzenden politischen Ereignisse reagierten und welche strategischen Ziele sie verfolgten.
- Analyse der innerdeutschen Beziehungen vor dem Hintergrund der Fluchtbewegungen.
- Untersuchung der amerikanischen Deutschlandpolitik und der Rolle von Präsident George Bush.
- Betrachtung der sowjetischen Haltung unter Michail Gorbatschow und der Perestroika-Politik.
- Herausarbeitung der Divergenz zwischen politischer Ideologie und der realen Entwicklung im Herbst 1989.
- Bewertung der Stabilitätsbestrebungen der beteiligten Mächte vor dem Mauerfall.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das deutsch-deutsche Verhältnis
Wolfgang Schäuble sollte später einmal über das Regierungshandeln im Herbst 1989 sagen: „Wir saßen wie Kinder vorm Weihnachtsbaum und haben uns die Augen gerieben.“ In weit traf diese Aussage tatsächlich zu? Und galt sie auch für alle Beteiligten?
Zentrales Motiv für die Zeit von Mai bis Oktober 1989 schien grundsätzlich die Zurückhaltung zu sein, und das bei allen Akteuren. Natürlich fand eine aktive Unterstützung des Umbruchs in der DDR nicht statt. Und doch übten die Ereignisse, die im Sommer 1989 von statten gingen einen systematischen Druck auf die DDR-Führung, sowie auf die Entscheidungsträger der Bundesrepublik, der USA und der Sowjetunion aus. Über 150.000 Menschen flohen im Sommer nach Öffnung des Eisernen Vorhangs über das osteuropäische Ausland in die Westdeutschen Botschaften, von wo sie mit Zügen weiter in die BRD fuhren.
Die größte Angst der Bundesregierung im Mai 1989 – und als deutschpolitisch Verantwortlichem besonders von Bundeskanzleramtschef Rudi Seiters – war eine Destabilisierung der DDR durch äußeren Druck. Wer konnte schon vorausahnen, wie eine an der Macht klebende SED-Führung unter Bedrängnis auf innere Probleme reagieren würde?
Bei einem der Besuche Seiters bei Honecker verstärkte sich der Eindruck einer Konfrontation möglichst aus dem Weg zu gehen zu wollen. Zwar sprach Seiters von einer Stabilität, die nur durch Wandel und Anpassung möglich sei. Gleichzeitig betonte er aber auch dass Rückschläge in den Beziehungen vermieden werden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand der Deutschlandpolitik zwischen 1949 und 1990 und erläutert das Ziel der Seminararbeit, die Zeitspanne von Mai bis Oktober 1989 näher zu beleuchten.
2. Deutschlandpolitik bis Mai 1989: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Rahmenbedingungen der innerdeutschen sowie internationalen Beziehungen vor dem Umbruchsjahr 1989.
3. Deutschlandpolitik von Mai 1989 bis Oktober 1989: Der Hauptteil analysiert die konkreten deutsch-deutschen, amerikanischen und sowjetischen Reaktionen und Strategien während der sich zuspitzenden Krise im Sommer und Frühherbst 1989.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Primärziel aller Akteure die Wahrung der Stabilität war und die tatsächliche politische Entwicklung die Akteure im Herbst 1989 überholte.
5. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und Literaturangaben der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Deutschlandpolitik, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Wiedervereinigung, SED-Führung, Kalter Krieg, Michail Gorbatschow, George Bush, Helmut Kohl, Mauerfall, Stabilität, Wandel, Außenpolitik, Innerdeutsche Beziehungen, Ostblock.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der deutschen Deutschlandpolitik in der Zeit von Mai bis Oktober 1989 und analysiert die politischen Handlungsspielräume sowie die Reaktionen der Bundesrepublik, der USA und der Sowjetunion vor dem Mauerfall.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Stabilitätswahrung in Europa, der Umgang mit der DDR-Flüchtlingswelle, die amerikanische Containment-Politik sowie die sowjetische Reformpolitik unter Gorbatschow.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die politischen Standpunkte und Handlungen der Regierungen in dieser dynamischen Phase zu untersuchen, um zu verstehen, warum die Akteure eine Destabilisierung der DDR zu vermeiden suchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Dokumenten, Berichten und zeitgenössischen Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das deutsch-deutsche Verhältnis, die Rolle der USA unter Präsident Bush und die Haltung der sowjetischen Führung unter Gorbatschow detailliert analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Deutschlandpolitik, Wiedervereinigung, Stabilität, Kalter Krieg und der Umbruch 1989.
Warum war für die Bundesregierung die Vermeidung einer Destabilisierung der DDR so wichtig?
Man fürchtete, dass eine Destabilisierung durch äußeren Druck unvorhersehbare Konsequenzen und ein politisches Chaos nach sich ziehen könnte, auf das die SED-Führung möglicherweise unkontrolliert reagiert hätte.
Wie veränderte sich die Haltung der USA gegenüber der deutschen Frage im Jahr 1989?
Die USA befürworteten zunehmend ein Ende der Spaltung Europas und unterstützten unter Bush das Selbstbestimmungsrecht, wobei sie gleichzeitig versuchten, die Stabilität im Verhältnis zur Sowjetunion zu wahren.
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- Björn Harms (Author), 2012, Die Deutschlandpolitik während der Wende. Standpunkte der BRD und DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210931