Traditionell sind der formelle Gläubigerschutz sowie die damit verbundene vorsichtige und imparitätische Bewertung zentrale Elemente in der handelsrechtlichen Rechnungslegung. Der deutsche Gesetzgeber schafft gesetzliche Rahmenbedingungen um die Interessen der Gläubiger zu schützen und nimmt dabei Abstriche bei der Informationsbereitstellung in Kauf. Die IFRS haben das Ziel ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild zu vermitteln, um wirtschaftliche Entscheidungen Externer zu unterstützen. Das hat zur Folge, dass in der IFRS-Bilanzierung eine möglichst zeitnahe und realistische Bewertung vorzufinden ist um die benötigten Informationen bereitstellen zu können. Die Zielsetzung der handelsrechtlichen Rechnungslegung ist offensichtlich nicht deckungsgleich mit den Zielen der IFRS. Jedoch wollte die Bundesregierung mit dem BilMoG die handelsrechtliche Rechnungslegung weiterentwickeln und die Informationsfunktion eines HGB-Abschlusses stärken um eine maßvolle Annährung an die IFRS zu erreichen. Im Falle von börsennotierten Wertpapieren lassen sich über den Börsenkurs des Wertpapiers die Marktpreise und damit zeitnahe Werte relativ leicht ermitteln. Allerdings stehen diese Werte nicht unbedingt im Einklang mit den GoB der handelsrechtlichen Rechnungslegung. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit kritisch mit der Frage, wie börsennotierte Wertpapiere handelsrechtlich zu bilanzieren sind. Nachfolgend gilt ein Wertpapier als börsennotiert, wenn es eine Zulassung zum Handel an einer Börse hat, wobei der Ort des Börsenplatzes primär irrelevant ist (§ 7 Abs. 3 RechKredV). Es soll schwerpunktmäßig untersucht werden, wie diese im Zugang zu bewerten sind und wie sich spätere Wertentwicklungen auf den Buchwert der Wertpapiere auswirken. Die Arbeit soll ein Bild darüber verschaffen, inwieweit ein Bilanzleser eines handelsrechtlichen Jahresabschlusses Einblicke in die tatsächlichen Verhältnisse des Wertpapierportfolios des bilanzierenden Unternehmens erhält. Dabei soll auch die Aussagekraft und die Relevanz sowie die Berechtigung des Börsenkurses für die Bewertung diskutiert werden. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich hierbei auf die Sichtweise des Wertpapierhalters und geht auf die Bilanzierung von Wertpapieren bei dem Emittenten nicht weiter ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Wertpapierbegriff
3 Zuordnung zu dem Anlage- oder Umlaufvermögen im Erwerbszeitpunkt
4. Umwidmung der Wertpapiere
5 Bewertung
5.1 Grundlagen der Bewertung
5.2 Wertpapiere im Anlagevermögen
5.3 Wertpapiere im Umlaufvermögen
6 Kritische Würdigung
7 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die handelsrechtliche Bilanzierung von börsennotierten Wertpapieren nach dem HGB. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie diese Wertpapiere beim Zugang zu bewerten sind, welche Auswirkungen spätere Wertentwicklungen auf den Buchwert haben und inwieweit ein Bilanzleser Einblicke in die tatsächlichen Verhältnisse des Wertpapierportfolios eines Unternehmens erhält.
- Handelsrechtliche Grundlagen und Bilanzierung von Wertpapieren
- Kriterien für die Zuordnung zum Anlage- oder Umlaufvermögen
- Methoden der Bewertung bei Zugang und Folgebewertung
- Diskussion der Aussagekraft und Relevanz des Börsenkurses
- Kritische Würdigung der Bewertungsvorschriften und Auswirkungen auf den Gläubigerschutz
Auszug aus dem Buch
3 Zuordnung zu dem Anlage- oder Umlaufvermögen im Erwerbszeitpunkt
Wertpapiere erfüllen die Kriterien eines Vermögensgegenstandes i.S.d. § 246 Abs. 1 Satz 1 HGB und müssen deshalb beim wirtschaftlichen Eigentümer angesetzt werden. Unterschieden wird in Wertpapiere des Anlage- oder Umlaufvermögens, weswegen diese im Erwerbszeitpunkt entsprechend zuzuordnen sind. Die Unterscheidung ist zum einen notwendig, da verschiedene Bewertungsvorschriften für das Anlage- und das Umlaufvermögen gelten und zum anderen um die Bilanz korrekt analysieren zu können.
Im Anlagevermögen sind „nur die Gegenstände auszuweisen, die bestimmt sind, dem dauernden Geschäftsbetrieb zu dienen“ (§ 247 Abs. 2 HGB). Das ausschlaggebende Kriterium ist folglich die Zugehörigkeit zu dem dauernden Geschäftsbetrieb. Nach herrschender Meinung ist für die Zugehörigkeit allerdings nicht die rein zeitliche Dimension sondern vielmehr der verfolgte Zweck entscheidend. Dieser Zweck muss eine gewisse Dauerhaftigkeit aufweisen und er muss dem Geschäftsbetrieb dienen. Allein die Haltedauer der Wertpapiere reicht damit nicht für eine Zuordnung aus, sondern ist grundsätzlich nur ein Anhaltspunkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Diskrepanz zwischen dem handelsrechtlichen Gläubigerschutz und der IFRS-Informationsfunktion und definiert den Untersuchungsrahmen für die Bilanzierung börsennotierter Wertpapiere nach HGB.
2 Wertpapierbegriff: Hier werden die rechtlichen Grundlagen von Wertpapieren sowie die Unterscheidung zwischen Gläubiger- und Teilhaberwertpapieren dargelegt.
3 Zuordnung zu dem Anlage- oder Umlaufvermögen im Erwerbszeitpunkt: Es wird analysiert, nach welchen Kriterien Wertpapiere zum Erwerbszeitpunkt den verschiedenen Vermögenskategorien zugeordnet werden müssen.
4. Umwidmung der Wertpapiere: Dieses Kapitel thematisiert die Voraussetzungen und Konsequenzen, wenn sich der Verwendungszweck von Wertpapieren im Zeitablauf ändert.
5 Bewertung: Hier werden die allgemeinen Bewertungsgrundsätze sowie spezifische Vorschriften für das Anlage- und Umlaufvermögen detailliert betrachtet.
5.1 Grundlagen der Bewertung: Dieses Kapitel behandelt die Zugangs- und Folgebewertungsprinzipien sowie Bewertungsvereinfachungsverfahren für Wertpapiere.
5.2 Wertpapiere im Anlagevermögen: Fokus auf der Folgebewertung gemäß dem gemilderten Niederstwertprinzip und der Problematik der dauernden Wertminderung.
5.3 Wertpapiere im Umlaufvermögen: Erläuterung der Folgebewertung unter Anwendung des strengen Niederstwertprinzips und der Abhängigkeit von der Veräußerungsabsicht.
6 Kritische Würdigung: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Eignung des Börsenkurses als Bewertungsmaßstab und den Auswirkungen subjektiver Bilanzierungsentscheidungen.
7 Thesenförmige Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit in prägnanten Thesen zusammen.
Schlüsselwörter
Bilanzierung, HGB, börsennotierte Wertpapiere, Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Bewertung, Anschaffungskosten, Niederstwertprinzip, Börsenkurs, Gläubigerschutz, Informationsfunktion, Umwidmung, Beteiligungen, Wertaufholungsgebot, stille Reserven.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die handelsrechtliche Bilanzierung börsennotierter Wertpapiere unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorschriften des HGB.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Zuordnung von Wertpapieren zum Anlage- oder Umlaufvermögen, deren Bewertung bei Zugang und Folgebewertung sowie die kritische Reflexion des Bilanzrechts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, wie diese Wertpapiere zu bewerten sind und inwieweit der Jahresabschluss ein realistisches Bild des Wertpapierportfolios vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse handelsrechtlicher Vorschriften, ergänzt durch Stellungnahmen des IDW und einschlägige Fachliteratur zur Rechnungslegung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Bewertungsmethoden für Anlage- und Umlaufvermögen, der Umwidmung von Wertpapieren sowie der kritischen Diskussion zur Eignung des Börsenkurses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie HGB-Bilanzierung, Niederstwertprinzip, Anschaffungskosten und Gläubigerschutz charakterisiert.
Warum spielt das Niederstwertprinzip bei Wertpapieren eine so große Rolle?
Das Niederstwertprinzip ist entscheidend, da es das vorsichtige Gebot der handelsrechtlichen Rechnungslegung widerspiegelt und maßgeblich festlegt, wie Wertminderungen den Bilanzansatz beeinflussen.
Welche Bedeutung hat der Börsenkurs für die Bewertung?
Obwohl der Börsenkurs als Indikator für den beizulegenden Zeitwert dient, wird seine Aussagekraft in der Arbeit kritisch hinterfragt, insbesondere bei marktbeeinflussenden Faktoren.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2012, Bilanzierung von börsennotierten Wertpapieren nach HGB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211043