[...] Case Management gewinnt seit einiger Zeit in
Deutschland permanent an Bedeutung. Die Qualität der Hilfestellung während und nach
der stationären Versorgung bezüglich des Unterstützungs- und Koordinierungsbedarfes der
Patienten ist in großem Maße abhängig von den Informationen, welche bereits im Vorfeld
und während des stationären Aufenthaltes an die Patienten und deren Angehörige sowie an
die weiter versorgenden Einrichtungen gegeben werden. Case Management untergliedert
sich in Fallmanagement (Verbesserung der Hilfe im konkreten Fall) und Systemmanagement
(Verbesserung der Versorgung im Geltungsgebiet).
Was aber versteckt sich hinter dem Begriff "CASE MANAGEMENT" und für welche
Probleme bietet es Lösungsansätze (Ewers und Schaeffer 2005, S. 7)? Wo liegen die
Chancen, die Grenzen und die Schwierigkeiten des Case Managements hinsichtlich der
Koordination von multidisziplinären Netzwerken? Welche Herausforderungen stellen sich
dem Case Manager, wenn er zwischen den unterschiedlichen Trägern der Dienstleistungen
und dem Patienten vermitteln muss? Wo liegen die Stärken und die Zukunft eines Hilfesystems, in welchem alle Teilleistungen auf die Erfüllung eines Zieles ausgerichtet werden?
Dies sind die Fragen, denen ich in meiner Arbeit nachgehen möchte.
Mit dieser Arbeit möchte ich anhand meines beschriebenen Fallbeispiels in Kapitel 2 die
Versorgungs- und Schnittstellenproblematik auf der Systemebene analysieren (Kapitel 3)
und anschließend in Kapitel 4 Case Management als Lösungsstrategie für eben diese Problemlage
mit Fallbezug vorstellen. Im weiteren Verlauf meiner Arbeit werde ich im Rahmen
der praktischen Fallbearbeitung im Case Management die Phasen des Regelkreises
beschreiben. In Kapitel 5 wird dann ein Versorgungs-/ Hilfeplan für das konkrete Fallbeispiel
erstellt. Abschließend werden die Ergebnisse in Kapitel 6 nochmals kurz zusammengefasst.
Die Arbeit schließt mit einer persönlichen Stellungnahme hinsichtlich noch bestehender
Schwierigkeiten und Hürden bei der Umsetzung von Case Management im Gesundheitswesen
ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Ziel der Abschlussarbeit
2. Fallbeschreibung
2.1. Sozialanamnese
2.2. Krankheitsverlauf
3. Analyse der Defizite und Probleme auf der Systemebene
3.1. Schnittstellenprobleme und Versorgungsdefizite
3.2. Die Schnittstellendefizite im Einzelnen
3.3. Kooperation und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Akteuren
4. Case Management als Lösungsstrategie
4.1. Definition Case Management
4.2. Die Kernfunktionen des Case Management
5. Entwicklung des Versorgungs- und Hilfeplans
5.1. Regelkreis im Case Management
5.2. Fallbezug zum Regelkreis
5.3. Versorgungsplan Frau A.
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, anhand eines konkreten Fallbeispiels die Versorgungs- und Schnittstellenproblematik innerhalb des Gesundheitssystems zu analysieren und Case Management als effektive Lösungsstrategie vorzustellen. Dabei soll aufgezeigt werden, wie durch professionelle Koordination und die Aktivierung individueller Ressourcen eine verbesserte Patientenversorgung erreicht werden kann.
- Analyse der Schnittstellenproblematik im Gesundheitswesen
- Methodik des Case Management als Unterstützungsstrategie
- Praktischer Fallbezug anhand eines komplexen Versorgungsbedarfs
- Entwicklung eines individuellen Versorgungs- und Hilfeplans
- Bedeutung der Kommunikation zwischen den Akteuren
Auszug aus dem Buch
3.1. Schnittstellenprobleme und Versorgungsdefizite
Ewers (2011, S. 29-32) bezeichnet in seiner Grafik vier Hürden auf dem Weg zu einer integrierten und kontinuierlichen Versorgung „Diskontinuität, Medikalisierung, Ökonomisierung und Desintegration“.
Mit dem Konzept des Unterstützungsmanagement (Wendt 1995) gibt es bereits zahlreiche Ansätze zur Bewältigung der Fragen nach einer von der WHO 1978 bei der Konferenz in Alma-Ata besiegelten Forderung nach einer kontinuierlichen Gesundheitsversorgung.
Desintegration als Folge fehlender Vernetzung von Versorgungsangeboten und –prozessen sowie das zumeist temporäre Versorgungshandeln und die Vernachlässigung von personeller Kontinuität (Diskontinuität) beeinträchtigt aber bis heute eine bedarfsgerechte Reaktion auf den demographischen und epidemiologischen Wandel. Außerdem erweisen sich die einseitige Überbewertung ökonomischer und medizinischer Relevanzkriterien bei der Versorgungssteuerung und –gestaltung (Medikalisierung /Ökonomisieren)als kontraproduktiv für eine integrierte und kontinuierliche Versorgung (Ewers 2012, S.24).
Desintegration und Diskontinuität werden zu den Hauptproblemen innerhalb von und zwischen den budgetierten Sektoren des Gesundheitswesens gezählt. Sie scheinen auch ein Grund für mangelnde Effizienz und Effektivität, für fehlende Transparenz und Qualität sowie für unzureichende Patienten- und Ergebnisorientierung zu sein (vgl. Ewers, Schäffer 2005: 8 f.). Diskontinuität, Medikalisierung und Desintegration als primäre Herausforderung der Gesundheitsversorgung werden im Fallbeispiel wie folgt deutlich:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Ziel der Abschlussarbeit: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Versorgungskette im deutschen Gesundheitssystem ein und stellt das Ziel vor, Case Management als Lösungsansatz zu evaluieren.
2. Fallbeschreibung: Hier wird die detaillierte Sozial- und Krankheitsanamnese der Klientin Frau A. dargelegt, welche die Grundlage für die spätere Fallanalyse bildet.
3. Analyse der Defizite und Probleme auf der Systemebene: Dieses Kapitel identifiziert spezifische Schnittstellenprobleme und Kommunikationsdefizite zwischen den medizinischen Akteuren und Kostenträgern.
4. Case Management als Lösungsstrategie: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Case Managements, seine Definition und die drei zentralen Kernfunktionen (Advocacy, Broker, Gate-Keeper) erarbeitet.
5. Entwicklung des Versorgungs- und Hilfeplans: Das Kapitel beschreibt den praktischen Regelkreis des Case Managements und führt diesen anhand der konkreten Erstellung eines Versorgungsplans für Frau A. aus.
6. Zusammenfassung: Abschließend werden die Ergebnisse reflektiert und die Notwendigkeit sowie die Vorteile eines koordinierten Case Managements für das Gesundheitswesen hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Case Management, Versorgungsmanagement, Gesundheitswesen, Schnittstellenprobleme, Fallmanagement, Systemmanagement, Versorgungsplan, Patientenorientierung, Ressourcenaktivierung, Rehabilitation, Interdisziplinarität, Sozialarbeit, Unterstützungsbedarf, Koordination, Gesundheitsqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Analyse von Versorgungsproblemen im deutschen Gesundheitssystem und zeigt auf, wie Case Management dazu beitragen kann, diese Defizite durch Koordination und Netzwerkarbeit zu beheben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Überwindung von Schnittstellenproblemen, das Management von Patientenressourcen, der Einsatz von Versorgungsplänen sowie die praktische Anwendung der Case-Management-Kernfunktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, am Beispiel einer Klientin zu belegen, dass durch eine strukturierte Steuerung (Case Management) eine erhebliche Verbesserung der Versorgungssituation erzielt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Fallanalyse als Methode, bei der theoretische Konzepte des Case Managements auf einen realen, komplexen Patientenfall angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt zunächst eine systematische Problemanalyse, gefolgt von einer theoretischen Einordnung des Case Managements und der praktischen Anwendung des Regelkreises inklusive der Erstellung eines konkreten Hilfeplans.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Case Management, Schnittstellenprobleme, Versorgungsplanung, Patientenorientierung und interdisziplinäre Netzwerkarbeit charakterisiert.
Warum lehnte die Krankenkasse bzw. der Rententräger die Forderungen von Frau A. ab?
Die Gutachter bewerteten die physischen Unfallschäden der Klientin als lediglich „leichte Abnutzung“, was zu einer Ablehnung der Rentenansprüche und zu einem massiven Kommunikationsdefizit führte.
Wie trägt das Case Management zur psychischen Entlastung von Frau A. bei?
Durch die Vermittlung an Psychologen, die Organisation eines privaten Unterstützungskreises und die koordinierte Klärung finanzieller Fragen konnte Frau A. aktiv entlastet werden, um sich wieder auf ihre Genesung zu konzentrieren.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2013, Lösung von Versorgungs- und Schnittstellenproblematiken auf der Systemebene durch Case Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211069