Verhaltenstheoretische Soziologie: Der lerntheoretische Ansatz in der Soziologie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
7 Seiten

Leseprobe

Thema 3: Verhaltenstheoretische Soziologie - Der lerntheoretische Ansatz in der Soziologie -

- Hypothese -

> Hypothesen sind Gerüste, die man vor dem Gebäude aufführt und die man abträgt, wenn das Gebäude fertig ist. Sie sind dem Arbeiter unentbehrlich; nur muß er das Gerüste nicht für das Gebäude ansehn.<

Goethe (3, 558), Maximen und Reflexionen

Thema dieser Hausarbeit ist der lerntheoretische Ansatz der Verhaltenstheoretischen Soziologie. Hauptaugenmerk wird hierbei auf die Hypothesen der Verhaltenstheorie von George Caspar Homans (1974) gelegt. Doch bevor ich auf dieses spezielle Gebiet eingehe, möchte ich eine Einordnung vornehmen und die Begrifflichkeiten genau abstecken.

Zum einen möchte ich den allgemeinen Begriff der Lerntheorie erklären und zum anderen Behaviorismus definieren.

Lerntheorien sind Modelle und Hypothesen, die versuchen, das Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären. Der augenscheinlich komplexe Vorgang des Lernens, also der relativ stabilen Verhaltensänderung, wird dabei mit möglichst einfachen Prinzipien und Regeln erklärt. Die Lernpsychologie entwickelt solche Theorien und überprüft mit Hilfe empirischer Untersuchungen ihren Gehalt. Der Überblick über die wichtigsten lerntheoretischen Ansätze und Aussagen zeigt, dass sich die meisten der vorhandenen Lerntheorien auf besondere, einzelne Formen des Lernens konzentrieren.

Behaviorismus ist eine sozialpsychologische Forschungsrichtung, die sich nur mit dem objektiv beobachtbaren und messbarenVerhalten beschäftigt. „Behaviorismus ist eine von dem amerikanischen Psychologen J.B. Watson begründete Richtung der Psychologie. Ausgangspunkt für den B. ist die Forderung, Psychologie solle sich zur Gewährleistung einer möglichst objektiven Betrachtungsweise und Analyse ihres Forschungsgegenstandes auf die Untersuchung des tatsächlichen Verhaltens beschränken. Konsequent werden deshalb die Analyse innerseelischer Vorgänge oder die Methode der Selbsterforschung (Introspektion) als unwissenschaftlich abgelehnt und Begriffe wie Bewusstsein, Denken, Fühlen und Wollen aus der psychologischen Forschung ausgegrenzt. Besonders intensiv hat sich der B. mit lernpsychologischen Fragen beschäftigt, weil sich seine an den klassischen Naturwissenschaften orientierte Methodik, in deren Zentrum das Experiment steht, auf diesem Sektor gut verwirklichen lässt. Während die meisten (frühen) Behavioristen ihre Versuche hauptsächlich mit Tieren anstellten, experimentierte Watson auch im Humanbereich. Seine Versuche mit dem kaum einjährigen Albert, dem er, zusammen mit seiner Ehefrau, nach dem Prinzip des bedingten Reflexes (Konditionierung) eine intensive Furcht vor weißen Ratten beibrachte, sind heute noch berüchtigt. Watson wollte damit nachweisen, dass solche, vor allem in frühester Kindheit, antrainierten Ängste ein Leben lang erhalten bleiben. Er nannte sie bedingte Ängste und vertrat die Ansicht, dass man nach seiner Methodejedes Lebewesen bzw.jeden Gegenstand zur Ursache von Angstreaktionen machen könne.

Der extreme B. wurde später auch als klassischer B. bezeichnet. Er wurde in dieser Form v.a. von Watson vertreten und ist eine reine Reiz-Reaktions-Psychologie, deren Wurzeln in die Reflexologie hineinreichen

Spätere Vertreter des B. (Neobahaviorismus) haben im Gegensatz zu Watson versucht, in ihre theoretischen Ansätze auch nicht direkt beobachtbare organismische Vorgänge einzubeziehen. Mit ihrem Konzept der intervenierenden (dazwischentretenden) Variabelen gebe sie allerdings nicht den behavioristischen Grundsatz auf, dass nur direkt beobachtbares Geschehen Gegenstand einer wissenschaftlich zu nennenden Psychologie sein dürfe, da sie die fraglichen Variablen durch die Versuchsbedingungen, unter denen sie erschlossen werden, operational definieren (Operationalisierung).

Der deskriptive B. von B. F. Skinner konzentriert sich im Wesentlichen auf die Feststellung von Beziehungen zwischen dem Verhalten eines (tierischen) Organismus, den vorausgehenden Bedingungen und den aus einem bestimmten Verhalten resultierenden Effekten.

Typische und weit verbreitete Anwendungen behavioristischer Lehren sind die verschiedenen Formen derVerhaltensmodifikation und der programmierte Unterricht“ (Schülerduden, Psychologie 2002: 47-48).

Nach dem die wichtigsten Begriffe geklärt sind, um das weitere Verständnis zu sichern, möchte ich nun genauer auf die von Homans aufgestellten Hypothesen eingehen (1972: 61­69). Der im August 1910 in Boston, Massachusetts geborene Soziologieprofessor George Caspar Homans erlangte diese durch eigene Fallstudien und Experimente, ähnlich der Vorangehensweise eines Physikers. Eine typische Vorangehensweise von Behavioristen, wie in der oberen Definition auch nachzulesen war. Häufig dienten hier auch Tierversuche zum Mittel, um den allgemeinen Charakter von Verhaltensmustern erkenntlich zu machen. Die Black-Box-Methode oder auch die Skinner-Box sind nur zwei bekannte Beispiele. „Die Anwendung der Skinnerschen Lerntheorie in der Soziologie führt zu einem größeren Erkenntnisfortschritt in der Soziologie als die Anwendungen anderer Lerntheorien und die Anwendung anderer sozialpsychologischer Theorien (Opp 1973: 45).

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Verhaltenstheoretische Soziologie: Der lerntheoretische Ansatz in der Soziologie
Hochschule
Universität Leipzig
Autor
Jahr
2007
Seiten
7
Katalognummer
V211086
ISBN (eBook)
9783656387596
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhaltenstheoretische, soziologie, ansatz
Arbeit zitieren
Gabriele Beyer (Autor), 2007, Verhaltenstheoretische Soziologie: Der lerntheoretische Ansatz in der Soziologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211086

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