Seit 1996 sind Ausschreibungen im öffentlichen Verkehr der Schweiz möglich. Diese Arbeit analysiert mit Hilfe eines mathematischen Modells, welche wirtschaftswissenschaftlichen Effekte bei Ausschreibungen zu beobachten sind und stellt Überlegungen zu damit verbundenen Problemen an. Wie sich zeigte, sind Ausschreibungen in vielen Fällen ein probates Mittel zur Kostensenkung, jedoch mit gewissen Einschränkungen.
„Wenn Viele fahren wollen, wird es teurer“ (2011), sagte MEIER-EISENMANN über die zunehmende Anzahl an Pendlern im öffentlichen Verkehr. Dies widerspricht gängigen Theorien. Sowohl die Konsumenten als auch die öffentliche Hand sehen die Preise lieber sinken. Aus diesem Grund sind seit 1996 Ausschreibungen im öffentlichen Verkehr möglich. Im Bereich Bahn werden Ausschreibungen kontrovers diskutiert, im Busbereich wird davon bereits Gebrauch gemacht.
Diese Arbeit zeigt die Funktionsweise von Ausschreibungen sowie damit verbundene Problemstellungen auf. Zunächst werden ein historischer Überblick sowie die politische Entwicklung der Thematik wiedergegeben. Darauf folgend werden einige wirtschaftliche Überlegungen dargelegt, welche anschliessend mittels eines mathematischen Modells vertieft werden. Im Schlusskapitel werden mögliche Fragestellungen für weitere Arbeiten aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Öffentlicher Verkehr im Wandel der Zeit
2.1 Historischer Rückblick
2.2 Aktuelle Situation
3 Politische Lage
3.1 Ziele der Bahnreform 2
3.2 Verkehr als Attraktivitätsfaktor der Schweiz
3.3 Ausschreibungen im regionalen Personenverkehr
3.3.1 Ausgangslage
3.3.2 Ablauf von Ausschreibungen
3.3.3 Verpflichtung zu Ausschreibungen?
3.3.4 Gefahren bei Ausschreibungen von bestehenden Linien
3.4 Zusammenfassung
4 Wirtschaftliche Überlegungen
4.1 Marktform
4.2 Externe Effekte
4.3 Art des Gutes
4.3.1 Öffentlicher Verkehr: Ein öffentliches Gut?
4.3.2 Der öffentliche Verkehr; ein Monopol, dass keines sein darf
4.3.3 Die Nachteile eines Monopols
4.3.4 Wieso kein staatliches Monopol?
4.4 Privatisierter Personentransport
4.5 Die Lösung: Ausschreibungskonkurrenz
4.5.1 Positive Erfahrungen mit Ausschreibungen
4.5.2 Einschränkungen von Ausschreibungen
4.6 Zusammenfassung
5 Ökonomische Analyse
5.1 Definition der Parameter
5.2 Die Wohlfahrt in Abhängigkeit zum Preis
5.3 Ausschreibungen aus Unternehmenssicht
5.4 Kostenstrukturen im öffentlichen Verkehr
5.5 Wie tief wird das Gebot sein?
5.6 Die Gefahr bei Ausschreibungen ohne Höchstpreis
5.7 Preisdruck bei Ausschreibungen
5.8 Maximale Anzahl an Offerten
5.9 Regionale Wohlfahrt
5.10Zusammenfassung
6 Erkenntnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern öffentliche Ausschreibungen im regionalen Personenverkehr in der Schweiz ein effektives Instrument zur Kostensenkung darstellen, und analysiert dabei die damit verbundenen ökonomischen Mechanismen sowie politischen Rahmenbedingungen.
- Historische Entwicklung und aktuelle Situation des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz
- Politische Einordnung durch die Bahnreform 2 und die Rolle von Ausschreibungen
- Wirtschaftswissenschaftliche Analyse des öffentlichen Verkehrs als natürliches Monopol
- Mathematische Modellierung der Wohlfahrtseffekte und Preiskalkulation bei Ausschreibungen
- Einflussfaktoren wie regionale Wohlfahrt und optimale Anzahl an Anbietern
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Der öffentliche Verkehr; ein Monopol, dass keines sein darf
Transportdienstleistungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie relativ hohe Fixkosten mit sich bringen. Ein Aussenstehender wird hier wohl als erstes an die Fahrzeuge denken. Ein Transportunternehmen muss die geeigneten Fahrzeuge anschaffen, denn ohne Fahrzeuge kann es auch die Dienstleistung des Transportes nicht erbringen. Hat es mehrere Fahrzeuge die gleichzeitig eingesetzt werden sollen, braucht es auch mehrere Fahrer. Falls diese fest angestellt sind, sind auch die Lohnkosten kurz bis mittelfristig fixe Kosten. Doch mit dem Erwerb von Fahrzeugen und der Anstellung von Fahrern ist ein Betrieb noch nicht selbstständig möglich. Ein Transportunternehmen muss zudem eine geeignete Infrastruktur bereitstellen und diese bewirtschaften. Dies bedeutet, dass es über geeignete Standorte verfügen muss, an denen die Fahrzeuge untergestellt und gewartet werden können. Dies kann durch eine zentrale Garage sichergestellt werden. Bei einer Buslinie müssen Plätze erstellt werden, an denen Passagiere ein- und aussteigen können. Der Vertrieb der Karten muss organisiert sein. Die Verkaufsstände müssen bewirtschaftet werden, was wiederum Personal benötigt. Um einen reibungsfreien Betrieb zu gewährleisten ist ein Kontrollsystem nötig. Dieses koordiniert verschiedene Linien und sichert die Anschlüsse zu Drittbetreibern. Ein solches Kontrollsystem verlangt nach qualifiziertem Personal. Um im Personentransport tätig zu sein, muss man grosse Investitionen und fixe Kosten bewältigen. Wurden diese Investitionen erst einmal getätigt und der Betrieb aufgenommen, bringt ein einzelner Fahrgast kaum zusätzliche Kosten. Die Grenzkosten eines zusätzlichen Passagiers sind folglich äusserst gering. Problematisch wird es, wenn die Kapazitätsgrenze eines Fahrzeuges erreicht wird. In diesem Falle wird ein weiteres, oder falls vorhanden, ein grösseres Fahrzeug benötigt. Dies bedeutet, dass die Kosten sprunghaft um einen Fixbetrag ansteigen. Betrachtet man den Verlauf der Kostenfunktion in Abhängigkeit zur Anzahl der Fahrgäste, ist ein Treppenförmiger Verlauf erkennbar. Da ein grosses Fahrzeug mehr Fahrgäste aufnehmen kann, werden die Kosten auf mehr Personen verteilt, was tiefere Durchschnittskosten mit sich bringt.
Laut MANKIW UND TAYLOR deutet eine stetig sinkende Durchschnittskostenkurve auf ein natürliches Monopol hin.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problematik steigender Kosten im öffentlichen Verkehr und führt in die Thematik der Ausschreibungen als mögliches Lösungsmodell ein.
2 Öffentlicher Verkehr im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel gibt einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Mobilität und beleuchtet die aktuelle Bedeutung des öffentlichen Verkehrs als Grundversorgung.
3 Politische Lage: Es wird die gesetzliche Entwicklung durch die Bahnreformen erläutert, wobei der Fokus auf den Rahmenbedingungen für Ausschreibungen im Busverkehr liegt.
4 Wirtschaftliche Überlegungen: Dieser Teil ordnet den öffentlichen Verkehr ökonomisch ein, analysiert Marktformen sowie externe Effekte und begründet die Notwendigkeit von Ausschreibungskonkurrenz.
5 Ökonomische Analyse: Hier wird mittels eines mathematischen Modells die Wohlfahrt in Abhängigkeit von Preisen und Anbieteranzahl untersucht sowie die Dynamik von Ausschreibungen analysiert.
6 Erkenntnisse: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Ausschreibungen ein probates, wenn auch aufwendiges Mittel zur Kostensenkung sind.
Schlüsselwörter
Ausschreibungen, öffentlicher Verkehr, Kostensenkung, Bahnreform, natürliches Monopol, Wohlfahrt, Preiskalkulation, Wettbewerb, Transportunternehmen, regionale Wohlfahrt, Wirtschaftlichkeit, Marktform, Effizienz, Privatisierung, Grenzkosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Wirksamkeit von Ausschreibungen im öffentlichen Verkehr der Schweiz als Instrument, um die Kosten zu senken und die Effizienz des Systems zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die politische Entwicklung der Bahnreformen, die ökonomische Einordnung des Verkehrs als natürliches Monopol sowie die spezifischen Bedingungen und Herausforderungen von Ausschreibungsverfahren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob Ausschreibungen im öffentlichen Verkehr ein probates Mittel zur Kostensenkung sind, was durch eine ökonomische Analyse und Modellbildung beantwortet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus politischer Kontextualisierung, wirtschaftswissenschaftlicher Theorie (Marktformen, Externe Effekte) und eine mathematische Modellierung der Wohlfahrtseffekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine politische Bestandsaufnahme und eine ökonomische Analyse, in der Parameter für Ausschreibungen definiert, Wohlfahrtsverluste berechnet und das Verhalten von Unternehmen in Ausschreibungssituationen modelliert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ausschreibungskonkurrenz, natürliches Monopol, öffentliche Hand, Transportdienstleistungen und Wohlfahrtsmaximierung geprägt.
Warum ist das "natürliche Monopol" ein zentrales Konzept in dieser Hausarbeit?
Es dient als theoretische Begründung, warum der öffentliche Verkehr effizient nur durch einen Anbieter pro Linie betrieben werden kann, was wiederum die Notwendigkeit begründet, den Wettbewerb vor den eigentlichen Betrieb zu verlagern.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der regionalen Wohlfahrt?
Der Autor stellt fest, dass die Vergabe an lokale Unternehmen positive Multiplikatoreffekte für die Region hat, weist aber darauf hin, dass ein zu starker Ausschluss externer Anbieter den wettbewerblichen Preisdruck abschwächen könnte.
- Citar trabajo
- Kay Lehnert (Autor), 2012, Ausschreibungen im öffentlichen Regionalverkehr der Schweiz zur Kostensenkung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211288