Analyse des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne


Seminararbeit, 2002
47 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Darstellung des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne
1.1. Abgrenzung des Marktes für Handarbeitsgarne
1.2. Analyse des Marktes für Handarbeitsgarne anhand rele- vanter Kriterien

2. Analyse des wirtschaftlich relevanten Umfeldes

3. Teilnehmeranalyse
3.1. Wettbewerber
3.2. Kunden (Subfinale Zielgruppen)
3.3. Kunden (Finale Zielgruppen)

4. Analyse des Versorgungs- und Ersatzobjekte
4.1. Versorgungsobjekte
4.2. Ersatzobjekte

5. Abschlußbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Textilwirtschaft

Abbildung 2: Vergleich der Einsatzgebiete und der Garneigenschaften verschiedener Spinnverfahren

Abbildung 3: Systematisierung von Textilfasern

Abbildung 4: Abgrenzung des Marktes für Handarbeitsgarne

Abbildung 5: Marktvolumen (Skizze) für Handarbeitsgarne 1985-2002

Abbildung 6: Hauptwettbewerber des deutschen Marktes für Handar- Beitsgarne 10

Abbildungen 7 – 10, die an die Allensbacher Marktanalyse 2000 angelehnt wurden, werden aufgrund ausdrücklicher Copy-Right-Bestimmungen hier nicht angeführt

Abbildung 11: Frage 1: Kaufverhalten

Abbildung 12: Frage 2 Verwendungszweck

Abbildung 13: Frage 3a:Wichtigkeit der Marke beim Kauf

Abbildung 14: Frage 3b: Wichtigkeit des Preises beim Kauf

Abbildung 15: Frage 3c: Wichtigkeit der Qualität beim Kauf

Abbildung 16: Frage 3d: Wichtigkeit der Beratung beim Kauf

Abbildung 17: Frage 4: Zeitpunkt der Kaufentscheidung

Abbildung 18: Frage 5: Aufsuchen der Handarbeitsabteilung

Abbildung 19: Frage 6: Anzahl der gekauften Artikel pro Kopf

Abbildung 20: Frage 7: Hauptmotivation für das Handarbeiten

Abbildung 21: Frage 8: Ausführungsort

Abbildung 22: Frage 9: Anzahl der gefertigten Teile pro Jahr

Abbildung 23: Frage 10: Erlernen der Grundkenntnisse

Abbildung 24: Frage 11: Globalzufreidenheit Handarbeitsabteilung Karstadt

Abbildung 25: Frage 12a: Zufriedenheit Beratung

Abbildung 26: Frage 12b: Zufriedenheit Preis

Abbildung 27: Frage 12c: Zufriedenheit Sortiment

Abbildung 28: Frage 13: Akzeptanz alternativer Bezugsquellen

Abbildung 29: Frage 14: Annahme „Komplett Set“ Häkelgarntasche

Abbildung 30: Frage 15a: Geschlecht der Befragten

Abbildung 31: Frage 15b: Alter der Befragten

Abbildung 32: Frage16: Beruf der befragten

Abbildung 33: Frage 17: Monatliches Nettoeinkommen der Befragten

Abbildung 34: Netto-Umsatz Einzelhandel mit konfektionierten Strickwaren

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Abbildung 1: Die Textilwirtschaft

Anhang 2: Abbildung 2: Vergleich der Einsatzgebiete und der Garn- eigenschaften verschiedener Spinnverfahren

Anhang 3: Abbildung 3: Systematisierung von Textilfasern

Anhang 4: Abbildung 4: Abgrenzung des Marktes für Handarbeits- Garne

Anhang 5: Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG, geführt am 15.03.02

Anhang 6: Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handarbeitsfach- Geschäft „Die Handarbeitsstub‘n“ in München, geführt am 25.03.02

Anhang 7: Interview mit Frau Weiland, Inhaberin Handarbeitsfach- Geschäft „Wolltruhe“ in Dachau, geführt am 26.03.02 28

Anhang 8: Interview mit Frau Weixelmann, Verkäuferin Handarbeits- Fachgeschäft „Wolle und Handarbeit“ in Bad Reichenhall, geführt am 30.03.02 30

Anhang 9 – 12 an Allensbacher Marktanalyse 2000 anglehnt. Aufgrund ausdrücklicher Copy-Right-Bestimmungen hier nicht abgebildet.

Anhang 13: eintägige Befragung von Kunden der Handarbeitsabtei- lung Karstadt-Oberpollinger München, durchgeführt von Nadine Fritzen und Stephan Stienecke, am 19.03.02 Fragebogen:

Ergebnisse: Abbildungen 11 – 33

Anhang 14: Abbildung 34: Netto-Umsatz Einzelhandel BRD mit konfektionierten Strickwaren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Darstellung des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne

1.1. Abgrenzung des Marktes für Handarbeitsgarne

Garne sind innerhalb[1] der Textilwirtschaft (vgl. Abb.1) der Branche Textilindustrie zuzuordnen,[2] und entstehen im Spinnerei-Betrieb (vgl.Abb. 2) durch das mehrfache Gleichrichten, Verdrehen und Strecken von Natur- oder Chemiefasern (vgl. Abb. 3) zu endlosen, fadenförmigen Gebilden.[3] Der überwiegende Anteil der hergestellten Garne wird nach weiteren Schritten zur Produktion technischer Textilien[4] verwendet oder der Bekleidungs- bzw. Haus- und Heimtextilienindustrie zugeführt. (vgl. Abb. 1).

Nur aus einem relativ geringen Anteil der produzierten Garne werden Handarbeitsgarne hergestellt, die man entsprechend der häufigsten Handarbeitstechniken in Strick-, Häkel-, Stick- und Nähgarne einteilen kann.[5]

Dem zu analysierenden Markt für Handarbeitsgarne (vgl. Abb. 4) ist der Markt für Handarbeitsartikel übergeordnet, dem die Warengruppen Handarbeitsgarne, Tapisserie-Erzeugnisse, Handarbeits- und Schneiderscheren, Nadeln sowie Handarbeitszubehör aus Metall zugeordnet werden.[6] Handarbeitsartikel lassen sich ihrerseits von Kurzwaren (u.a. Knöpfe, Reißverschlüsse, Bänder) und Meterwaren (Stoffe aller Art) abgrenzen.[7]

Der Begriff „deutscher Markt“ für Handarbeitsgarne wird in Anlehnung an Kotler/Bliemel[8] aufgefaßt als Gesamtheit der möglichen Käufer von Handarbeitsgarnen in Geschäften des Einzelhandels[9] auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland.

Entsprechend der vorgenommenen Abgrenzung wird im folgenden der deutsche Markt für Handarbeitsgarne mit den Segmenten Strick-, Häkel-, Stick- und Nähgarnen untersucht.

1.2. Analyse des Marktes für Handarbeitsgarne anhand relevanter Kriterien

Das[10] Marktvolumen[11] als Kennzahl für die Größe des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne betrug im Jahr 2000 gemäß BTE ca. 485,7 Mio. Euro.[12],[13] Für das Jahr 2001 wurden vom BTE keine offiziellen Zahlen mehr veröffentlicht,[14] aber ausgehend von einem durchschnittlichen nominalen Wachstum von – 5 %[15] zwischen 1998 und 2000 kann mit einem Schätzintervall von –2,5 bis –7,5 % als Trend ein ungefähres Marktvolumen 2001 zwischen 473 und 449 Mio. Euro, sowie für 2002 zwischen 415 und 461 Mio. Euro geschätzt werden (vgl. Abb 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Marktvolumen (Skizze) für Handarbeitsgarne 1985-2002[16]

Manche Hersteller bzw. Händler geben zwar individuelle (nominale) Umsatz-steigerungen von 5-10 % für das Jahr 2001 an,[17] ob dies allerdings auf den Markt insgesamt übertragen werden kann, ist nicht abzuschätzen.

Wie in Abb. 5 skizziert, hatte der deutsche Markt für Handarbeitsgarne, ausge-

löst durch einen Strickboom Anfang der 80er Jahre, 1985 seinen Höhepunkt, büßte aber seitdem mehr als 60 % dieses Volumens wieder ein.[18]

Entscheidender Faktor für das Volumen des Marktes für Handarbeitsgarne ist die Verbrauchernachfrage nach Handstrickgarnen.[19] Der massive Einbruch des Marktvolumens ab 1985 wird begleitet von einem Absinken des Pro-Kopf Verbrauchs an Strickgarnen von 550 gramm (1985) auf 220 gramm (1989).[20] Die anderen Segmente Häkel-, Stick- und Nähgarne konnten das Einbrechen des Gesamtmarktes in keiner Weise kompensieren bzw. mußten aufgrund des nachlassenden Verbraucherinteresses bezüglich Handarbeiten ebenfalls Einbußen hinnehmen.[21]

Eine Aufteilung des Marktvolumens auf die jeweiligen Segmente Strick-, Häkel-, Stick- und Nähgarne ist aufgrund fehlender Daten nicht möglich. Zu Marktpotential, Marktsättigungsgrad, Rentabilität des Marktes und realer Preisentwicklung können aus gleichem Grund keine Angaben oder Schätzungen vorgenommen werden.

Angaben zu Marktanteilen oder Umsätzen einzelner Herstellerunternehmen von Handarbeitsgarnen bzw. Marktanteile der auf dem deutschen Markt angebotenen Marken sind ebenfalls nicht veröffentlicht und konnten auch nicht anderweitig in Erfahrung gebracht werden.

Da der Markt seit Jahren einen kontinuierlichen Umsatzrückgang zu verzeichnen hatte, herrschte unter den Herstellerunternehmen ein starker Wettbewerbsdruck. Unmittelbare Folge dieser Entwicklung waren zahlreiche Betriebsschließungen bzw. Produktionsverlagerungen ins Ausland,[22] und eine zunehmende Konzentration der Branche. Beispiele hierfür sind der Aufkauf der Firma Schachenmayr GmbH bzw. deren Markenrechte durch den Coats Konzern (jetziger Coats-Viyella Konzern) 1984,[23] oder die Übernahme der Ackermann-Göggingen AG durch die Amann Group 1994.[24]

Als Reaktion auf die stark absinkende Nachfrage sei es Ende der 80er Jahre zu starken Preissenkungen und (als Folge davon) zu einer sinkenden Qualität der angebotenen Handarbeitsgarne gekommen.[25] Dies kann aber nur als kurzfristige Phase (vor allem zum Abbau von Überkapazitäten) eingeschätzt werden, da heute die Qualität der Garne der meisten Hersteller als nahezu gleich hoch angesehen wird.[26]

Der Nachfragerückgang ab 1985 hatte auch großen Einfluß auf die Absatzwege.[27] Zu Boom-Zeiten wurden Handarbeitsgarne hauptsächlich über den Einzelhandel (v.a. Handarbeitsfachgeschäfte, aber auch Kaufhäuser, Versandhandel, z.T. SB-Märkte bzw. Discounter), aber auch über Wochenmärkte und Garagenverkauf vertrieben.[28] Zwischen 1986 und 1992 mußten aber allein in West-Deutschland ca. 47 % der Handarbeitsfachgeschäfte (von 5.122 auf 2.670),[29] in Gesamtdeutschland zwischen 1994 und 1999 mindestens 14,5 % (Handarbeitsfachgeschäfte nicht mehr getrennt erfaßt)[30] schließen. Demzufolge teilen sich heute nach Expertenmeinung Fachhandel und Kaufhäuser den Umsatz in etwa zu gleichen Anteilen, während dem reinen Versandhandel nur noch eine geringe bzw. den anderen oben genannten Formen keine Bedeutung mehr beigemessen wird.[31]

2. Analyse des wirtschaftlich relevanten Umfeldes

Als maßgebliche wirtschaftspolitischen Veränderungen Deutschlands ist zum einen die im Jahr 1990 stattgefundene Wiedervereinigung Deutschlandes zu nennen. Die Ausweitung des Absatzmarktes auf die neuen Bundesländer hat aber das Marktvolumen durch den Zuwachs an potentiellen Kunden nur kurzfristig erhöhen können,[32] langfristig konnte dadurch der Abwärtstrend des Marktes nicht gestoppt werden.

Zum anderen ist die Einführung des Euro zum 01.01.2002 in Deutschland anzuführen. Da aber keine Informationen über den Einfluß der Währungsumstellung auf die Preisentwicklung im Bereich Handarbeitsgarne vorliegen, kann hierlediglich die für die Hersteller vereinfachte Abwicklung des Zahlungsverkehrs bei der Beschaffung auf europäischer Ebene als Vorteil angeführt werden.

Entscheidender für die weitere Marktentwicklung dürften Prognosen der zukünftigen Anzahl bzw. des zukünftigen Altersaufbaus der Bevölkerung Deutschlands sein. Die Anzahl der Menschen wird gemäß Statistischem Bundesamt bis zum Jahre 2050 von heute 82 Mio. auf ca. 65 – 70 Mio. abnehmen.[33] Geht man vereinfachend davon aus, daß davon zu gleichen Teilen Frauen und Männer betroffen sind,[34] bedeutet dies einen durchschnittlichen jährlichen Rückgang der weiblichen Bevölkerung von 145.000 Frauen im Laufe der nächsten 50 Jahre. Neben diesem Absinken der Anzahl Frauen gibt es starke Veränderungen bezüglich des Altersaufbaus der weiblichen Bevölkerung. Aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1960 und 1970, der seitdem abnehmenden Geburtenzahl und der ansteigenden Lebenserwartung nimmt der Anteil älterer Menschen beständig zu.[35] „Heute kommen 40 sechzig-Jährige und Ältere auf 100 Personen zwischen 20 und 59 Jahren, im Jahr 2050 etwa 80.“[36]

Neben diesen kaum beeinflußbaren demographischen Entwicklungen mit großem Einfluß auf den Markt für Handarbeitsgarne gibt es aber auch andere gesellschaftliche Veränderungen von Bedeutung. Als Beispiel hierfür sind Lehrplanänderungen an Grund- und Hauptschulen anzuführen.[37] So würde man in den meisten Bundesländern das Fach Handarbeiten nicht mehr annähernd mit der gleichen Qualität und Intensität vermitteln, wie das früher der Fall gewesen sei.[38] Als Konsequenz würden viele Mädchen die für das Stricken, Häkeln, Sticken oder Nähen notwendigen Techniken und Fertigkeiten nicht mehr oder nur eingeschränkt erlernen.[39] Darüber hinaus bedeutet die Einschränkung des Faches Handarbeiten an Schulen auch einen Rückgang der Nachfrage für Handarbeitsgarne der entsprechenden Altersstufen.

3. Teilnehmeranalyse

3.1. Wettbewerber

Aufgrund der nicht veröffentlichten Marktanteile oder Verkaufszahlen der in

Abb. 6 aufgezählten Hauptwettbewerber des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne kann die Beurteilung der konkurrierenden Herstellerunternehmen nur in begrenztem Umfang und in qualitativer Form vorgenommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Hauptwettbewerber des deuschen Marktes für Handarbeitsgarne[40]

Besonders stark und mit breitgefächertem Markenportfolio ist die Coats GmbH im deutschen Markt vertreten, die mit den jeweiligen Marken alle Marktsegmente des Handarbeitsmarktes (Stricken/Sticken/Häkeln/Nahen) abdeckt. Mit der deutschen Traditionsmarke Schachenmayr Nomotta bzw. Regia (von Schachenmayr) und der Marke Gedifra dürfte Coats im Bereich Strickgarne zu den Marktführern gehören, im Bereich Stickgarne ist die Marke Anchor stark imMarkt vertreten.[41] Zur Stellung der Näh- und Häkelgarnen im Markt liegen keine Informationen vor. Ein großer Vorteil der Coats GmbH könnte neben der flächendeckenden Distribution in Kauf- und Warenhäusern bzw. dem Handarbeitsfachhandel die Zugehörigkeit zum Coats-Viyella Konzern darstellen, da hierdurch beträchtliche Synergieeffekte über die gesamte Wertschöpfungskette zu erwarten sind.

Durch den gewachsenen Stellenwert von Kauf- und Warenhäusern bei der Distribution von Handarbeitsgarnen (im Vergleich zu anderen Vertriebsformen des Einzelhandels),[42] ist wachsender Konkurrenzdruck durch Handelsmarken wie z.B. die neu von Karstadt AG eingeführten bzw. neu erworbenen Strickmarken Patricia und Schewe zu erwarten.[43]

Weitere Konkurrenten für die Coats GmbH im Segment Strickgarne stellen die Lana Grossa GmbH, die sich nach eigenen Aussagen auf den gehobenen Handarbeitsfachhandel spezialisiert hat,[44] und Tochterunternehmen der Albers Gruppe (Austermann, Schöller+Stahl) dar.[45] Letztere bieten ein breites Produktangebot mit der Handelsmarke Alwo, den Qualitätsmarken Schöller/Esslinger und Stahl sowie der Exklusivmarke Austermann an,[46] so daß sie sicherlich zu den Hauptkonkurrenten von Coats zu rechnen sein dürften.

Im Marktsegment Nähgarne (zum Handnähen oder Nähmaschine) dürften die Amann Group (Amann GmbH,Ackermann GmbH) und die Gütermann AG die größten Konkurrenten untereinander sein. Genauere Einschätzungen können dazu aber nicht vorgenommen werden.

Über die Madeira GmbH kann neben den in Abb. 6 ersichtlichen Informationen nur die Einschätzung einer erfahrenen Fachhändlerin angegeben werden, die Madeira zwar (im Vergleich zu Coats usw.) zu den etwas kleineren Unternehmen der Branche zählt, dafür aber größenbedingte Vorteile bei Kreativität und Flexibilität sieht.[47]

Als Besonderheit gilt es zu erwähnen, daß sich trotz des Verdrängungswettbewerbes aufgrund des rückgängigen Marktvolumens die oben aufgeführten Hersteller (und andere) im Jahr 2000 zur Initiative Handarbeit e.V. zusammengeschlossen haben, um mit gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit den Markt wiederzubeleben und eine Imagekampagne für das Handarbeiten zu starten.[48] Der hauptsächliche Kommunikationskanal der Initiative liegt dabei auf einer gemeinsamen Internetplattform für Handarbeitsinteressierte, die diesen allerhand Tips und Tricks rund ums Handarbeiten, ein Forum zum gegenseitigen Austausch, die Möglichkeit zum Download von Mustern und Anleitungen, sowie Informationen mit Links zu den diversen Mitgliedern der Initiative bietet.[49] Neben dem Internet-Auftritt führt die Initiative aber auch Schulwettbewerbe und Wettbewerbe an Modeschulen aus, um wieder mehr junge Mädchen und Frauen für das Handarbeiten zu begeistern.[50] Diese Bündelung von Investitionsausgaben führt nach Aussage der Initiative bereits zu den gewünschten Erfolgen.[51] Geplant sind in näherer Zukunft eine Anbindung des Fachhandels zum Internetportal der Initiative und weitere Nachwuchsförderung.[52]

Bemerkenswert ist in Bezug auf die Kommunikationsstrategie der im Markt vertretenen Hersteller, daß neben der dargestellten gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit der Branche die einzelnen Unternehmen keine klassische Produkt- oder Markenwerbung in Frauenzeitschriften oder Fernsehen schalten. Als Grund hierfür sind vor allem die hohen Kosten entsprechender Anzeigenschaltungen denkbar, die in Zeiten rückläufigen Marktvolumens scheinbar nicht in Betracht kommen.

Allerdings veröffentlichen die meisten der oben genannten Unternehmen eigene Handarbeitsmagazine (v.a. Strick- und Stickmagazine), die zwar hauptsächlich am point of sale in Fachgeschäften oder Kaufhäusern, aber auch zum Teil im Zeitschriftenhandel zu erwerben sind. Diese Magazine und Hefte können somit neben den klassischen POS-Materialien als das maßgebliche Kommunikationsmedium bezeichnet werden, daß in aller Regel aber nur die bereits handarbeitenden Frauen erreicht.

Das Internet wird auch von den einzelnen Anbietern und Händlern als Kommunikations- und Informationsplattform zunehmend genutzt.[53] Zwar stellt das Internet eine kostengünstige Alternative dar, allerdings gilt auch hier (wie bei den Spezialmagazinen), daß überwiegend die gezielt nach Informationen rund ums Handarbeiten suchende Frau bzw. der am Unternehmen Interessierte angesprochen wird, und somit die Streuwirkung als eher gering einzuschätzen ist. Trotzdem unterstreicht die zunehmende Internetpräsenz die Modernität und Aktualität des Handarbeitens bzw. der anbietenden Unternehmen, und dürfte daher für die Imagebildung bezüglich Handarbeiten gerade bei jungen Frauen von hohem Stellenwert sein.

3.2. Kunden (Subfinale Zielgruppen)

Als subfinale Zielgruppen können entsprechend der Begriffsdefinition nach Meyer[54] im Markt für Handarbeitsgarne als Zwischenanbieter bzw. –nachfrager Groß- und Einzelhändler identifiziert werden. Indirekt treten als Marktbeeinflusser[55] Markthelfer (z.B. Verbände, Marktforschungsinstitute) oder in jüngerer Zeit auch Meinungsbildner (v.a. weibliche Filmstars oder Topmodels)[56] auf.

Zur Frage, inwieweit Herstellerunternehmen von Handarbeitsgarnen gegenwärtig Großhändler einschalten oder direkt Einzelhändler beliefern (bzw. prozentuale Verteilungen zwischen diesen), konnten keine aussagekräftigen Informationen in Erfahrung gebracht werden.

In Bezug auf den Einzelhandel wurden unter dem Punkt 1.2. bereits wesentliche Veränderungen aufgezeigt und dabei auf den Bedeutungszuwachs von Waren- bzw. Kaufhäusern gegenüber dem Handarbeitsfachhandel bezogen auf das Marktvolumen hingewiesen.

Auf Grund der höheren Einkaufsmacht der Waren- bzw. Kaufhäuser und der infolgedessen zu gewährenden Sonderkonditionen dürfte der Handarbeitsfachhandel für die Hersteller weiterhin von größter Bedeutung sein. Vergleicht man die Aufschlagskalkulationen (Einkaufs- zu Verkaufspreis), zeigen sich bei einheitlichen Verkaufspreisen deutliche Rentabilitätsvorteile für die Hersteller beim Fachhandel (Aufschlagskalkulationen EK-VK: Bsp. Karstadt über 200 %,[57] Fachhändler 100%[58] = 33,3 % mehr für Hersteller). Weitere Vorteile des Fachhandels für den Hersteller sind die Akzeptanz exklusiverer und damit teuerer Garne (Bsp: Effektstrickgarn von Lana Grossa: 6,50 E, Karstadt dagegen verkauft generell keine Produkte, die teurer sind als 5 E[59]). Darüber hinaus scheidet für die Hersteller bei den Fachhändlern die Konkurrenz durch Handelsmarken aus, wohingegen Warenhäuser wie Karstadt seit neuesten aufgrund der höheren Margen (Aufschlagskalkulation bis 300 %)[60] Eigenmarken ins Programm aufgenommen haben.

In Folge der nachlassenden Befähigung vieler Frauen zum Handarbeiten (siehe oben 2.2.), übernehmen Fachhändler kostenlos die Schulung und Vermittlung von entsprechenden Techniken bzw. helfen ihren Kunden bei aufkommenden Problemen.[61] Dies ist unbedingte Voraussetzung bei vielen Händlern, um überhaupt überlebensfähig zu bleiben, da sie sich so einen hohen Anteil an Stammkunden sichern.[62] Die Bedeutung dieses Service im Sinne einer Verkaufsförderung entdecken neuerdings auch Warenhäuser wie Karstadt,[63] die diesen im Unterschied zu Fachgeschäften aber nur sehr begrenzt anbieten können.

Der allgemein hohe Beratungs- und Anleitungsbedarf der Frauen beim Kauf läßt eine Nutzung des Internets als zusätzlichen Absatzkanal der Hersteller als Direktvertrieb an den Endverbraucher unwahrscheinlich erscheinen. Darüber hinaus dürfte es im Interesse der Hersteller liegen, ein weiteres Absinken der Zahl an Handarbeitsfachgeschäfte nicht noch zu fördern.

[...]


[1] Gliederungspunkte 1.- 4. in Anlehnung an Meyer / Davidson (Offensives Marketing 2001), S. 206 ff

[2] Vgl. Breitenbacher (Textilindustrie 1983), S. 21

[3] Vgl. Hofer (Textil- und Modelexikon 1988), S. 183; vgl. Hermann (Standortsicherung 1996), S.

113; vgl. Riesch (Lage und Perspektiven 2000), S. 104

[4] Sammelbegriff für alle Industrie-Textilien, die nicht zu Bekleidungs- und Wohntextilien i.w.S.

gehören. Bsp: Formteile für Autos und Flugzeuge, meizinische und militärische Textilien, Fang

und Schutznetze, usw.: vgl. Hofer (Textil- und Modelexikon 1988), S. 488

[5] Vgl. BTE (BTE-Statistik-Report 1995), S. 3; vgl. BBE-Unternehmensberatung (BBE Branchen-

report 1995), S. 1

[6] Vgl. BBE-Unternehmensberatung (BBE Branchenreport 1995), S. 3, vgl. BTE (BTE-Statistik-

Report 1995), S. 1

[7] Vgl. BTE (BTE-Statistik-Report 1995), S. 1; vgl. BBE-Unternehmensberatung (BBE Branchen

report 1995), S. 3f

[8] Vgl. Kotler / Bliemel (Marketing-Management 2001), S. 237

[9] Betriebsformen bzw. Systematisierung des Einzelhandels: vgl. Müller-Hagedorn (Handel

1998), S. 41 ff

[10] Vorgehensweise in Anlehnung an die von Meyer vorgeschlagenen Kriterien zur Marktbe-

wertung: vgl. Meyer / Davidson (Offensives Marketing 2001), S. 115 f

[11] Definiert als Gesamtheit aller realisierten Absatzerlöse eines Marktes: vgl. Becker (Marketin-

Konzeption 2001), S. 395

[12] Vgl. BTE (Statisitk-Report 2001), S. 95; ausgewiesen als vorläufiger Wert, da ab August 2000

die Erhebung der Warengruppe Handarbeiten eingestellt wurde

[13] Für alle genannten Zahlen gilt: Umrechnungsfaktor DM in Euro: 0,51129 mit anschließender

Rundung

[14] Vgl. BTE (Textilmarkt 2000), S. 2

[15] Vgl. BTE (Statistik-Report 2001), S. 95

[16] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BTE (Statistik-Report 2001), S. 95; vgl. BTE

(Statistik-Report 1995), S. 3 f

[17] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 24; vgl. Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handar-

beitsfachgeschäft „Die Handarbeitsstub’n“ in München, geführt am 25.03.02, Anhang S. 28

[18] Vgl. BTE (Statistik-Report 2001), S. 95; vgl. BTE (Statistik-Report 1995), S. 3

[19] Vgl. BTE (BTE-Statistik-Report 1995), S. 4

[20] Vgl. ebenda, S. 4

[21] Vgl. BBE-Unternehmensberatung (BBE Branchenreport 1995), S. 6 f

[22] Vgl. ebenda, S. 6

[23] Vgl. O.V. (Ortsportrait 2002), Anhang S. 48

[24] Vgl. Amann Group (Das Unternehmen 2002), Anhang S. 49

[25] Vgl. BTE (Statistik-Report 1995), S. 3

[26] Vgl. Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handarbeitsfachgeschäft „Die Handarbeits-

stub’n“ in München, geführt am 25.03.02, Anhang S. 27

[27] Vgl. BBE-Unternehmensberatung (BBE Branchenreport 1995), S. 6

[28] Vgl.ebenda, S. 117 ff

[29] Vgl.ebenda, S. 118

[30] Vgl. BTE (Statistik-Report 2001), S. 112

[31] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 24

[32] Vgl. BBE-Unternehmensberatung (BBE Branchenreport 1995), S. 6

[33] Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland (Bevölkerug 2000), S. 18

[34] Vgl. ebenda, S. 14

[35] Vgl. ebenda, S. 10 und 13f

[36] Ebenda, S. 15

[37] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 24; vgl. Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handar-

beitsfachgeschäft „Die Handarbeitsstub’n“ in München, geführt am 25.03.02, Anhang S. 27

[38] Vgl. Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handarbeitsfachgeschäft „Die Handarbeits-

stub’n“ in München, geführt am 25.03.02, Anhang S. 27

[39] Vgl. ebenda, S. 27

[40] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Initiative Handarbeiten e.V. (Wer liefert was

2002), Anhang S. 60 ff

[41] Vgl. Coats GmbH (Wie über uns 2002), S. 54

[42] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 24

[43] Vgl. ebenda, S. 25

[44] Vgl. Lana Grossa GmbH (Die Philosophie 2002), Anhang S. 59

[45] Vgl. Schöller und Stahl GmbH (Wir über uns 2002), Anhang S. 55

[46] Vgl. Austermann Vertriebs-GmbH (Unternehmensportrait 2002), Anhang S. 56

[47] Vgl. Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handarbeitsfachgeschäft „Die Handarbeits-

stub’n“ in München, geführt am 25.03.02, Anhang S. 27

[48] Vgl. Initiative Handarbeiten e.V. (Handarbeiten im Trend 2002), Anhang S. 64 f

[49] Vgl. Initiative Handarbeiten e.V. (Über die Initiative Handarbeit 2001), Anhang S. 60

[50] Vgl. Initiative Handarbeiten e.V. (Aktuelle Aktionen 2002), Anhang S. 67

[51] Vgl. Initiative Handarbeiten e.V. (Handarbeiten im Trend 2002), Anhang S. 65

[52] Vgl. ebenda, Anhang S. 65

[54] „Subfinale Zielgruppen sind alle Einzelwirtschaften, die bezogen auf die angebotenen Objekte

oder auf die Anbieter nach einflußrelevanten Merkmalen homogen sind, die Realisierung der

Zielsetzung direkt oder indirekt beeinflussen oder Zwischennachfrager erst ermöglichen“:

Meyer (Absatzmarktprogramm 1996), S. 70

[55] Vgl. Meyer P.-W. (Machbare Wirtschaft 1973), S. 88 f

[56] Vgl. Initiative Handarbeiten e.V. (Handarbeiten im Trend 2002), Anhang S. 64 f; Vgl. Initiative

Handarbeiten e.V. (Needle Work Design 2002), Anhang S. 66

[57] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 25

[58] Vgl. Interview mit Frau Weixelmann, Verkäuferin Handarbeitsfachgeschäft „Wolle und Hand-

arbeit“ in Bad Reichenhall, geführt am 30.03.02, Anhang S. 32

[59] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 25

[60] Vgl. ebenda, Anhang S. 25

[61] Vgl. Interview mit Frau Meyereder, Inhaberin Handarbeitsfachgeschäft „Die Handarbeits-

stub’n“ in München, geführt am 25.03.02, Anhang S. 26

[62] Vgl. ebenda, Anhang S. 25; vgl. Interviev Frau Weiland, Inhaberin Handarbeitsfachgeschäft

„Wolltruhe„ in Dachau, geführt am 26.03.02, Anhang S. 29

[63] Vgl. Interview mit Frau Landgraf, Zentraleinkäuferin Kurzwaren, Handarbeiten: Karstadt AG,

geführt am 15.03.02, Anhang S. 25

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Analyse des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Marketing)
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
47
Katalognummer
V21133
ISBN (eBook)
9783638248211
ISBN (Buch)
9783638701044
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Marktes, Handarbeitsgarne
Arbeit zitieren
Christian Faupel (Autor), 2002, Analyse des deutschen Marktes für Handarbeitsgarne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21133

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