William Morris Hughes Drang zur Annexion der deutschen Pazifikkolonien

Untersuchung der gesellschaftlichen Akzeptanz


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort
1.1 Einleitung
1.2 Zielsetzung

2 William Morris Hughes - „Fighting like a weasel”

3 Treibende Faktoren für Hughes Interessenartikulation
3.1 William Hughes‘ Sicht von Deutschland
3.2 Sicherheitsfaktoren
3.3 Wirtschaftsfaktoren

4 Gegenstimmen

5 Fazit/Schlussfolgerung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Während der Suche nach einem Referatsthema für das Proseminar „Die Pariser Friedenskonferenz von 1919/20 in globaler Perspektive“ stieß ich auf William Morris Hughes, der sich als große und vor allem äußerst interessante Persönlichkeit herausstellte. Sein Handeln und Schaffen interessierte mich von Beginn an, besonders durch seine Position als Premierminister eines der Dominions, die auf den Friedenskonferenzen zur Beendigung des ersten Weltkriegs zum ersten Mal ein Mitspracherecht in internationalen Verhandlungen bekamen. So stieß ich während der Quellensuche auf einen Artikel, der aufzeigte, dass die Meinung die Mr. Hughes hinsichtlich der Mandatsfrage vertrat, durchaus nicht ohne Gegenstimmen im Volk aufgenommen wurde. Diese Kontroverse erschien mir bedeutend und gab mir den Anlass diese Arbeit zu schreiben.

1.1 Einleitung

„Australia feels whole-heartedly that it would be an injustice and a menace to the European and native inhabitants of the South Pacific if the German colonies of that region were to be returned to Germany after the signing of the treaty of peace.”[1]

Das eingangs angeführte Zitat aus der New York Times zeigt deutlich die Stellung Australiens zu den deutschen Kolonien im Südpazifik. Klar wird hierbei, dass es für Australien unabdingbar war, die Gebiete zu annektieren. William Morris Hughes, der damalige australische Premierminister, war ebenfalls bestrebt die südpazifischen Kolonien zu übernehmen und in die Hand Australiens unter der Leitung des Commonwealth zu übergeben. Mit Nachdruck kämpfte er auf den Pariser Friedenskonferenzen von 1919/20 für die Annektierung der Kolonien und betonte, dass dies von vitalem Interesse für die Sicherheit des Empires sei. Doch wurden auch Gegenstimmen laut, die besagten, dass Australien nicht in der Lage und Position sei die Inseln im Pazifik zu verwalten und zu regieren, dass es für Australien in der momentanen Position nicht vorstellbar sei, ein so großes Wagnis einzugehen und die wirtschaftliche wie auch personelle Kraft fehle, um den Pazifik zu regieren.[2]

1.2 Zielsetzung

In der vorliegenden Hausarbeit soll anhand von verschiedenen Quellen untersucht werden, von welchen Faktoren Mr. Hughes‘ Interesse an den deutschen Pazifikkolonien getrieben wurde und ob es Gegenstimmen dazu gab. War es von vorne herein klar, dass die Gebiete annektiert werden sollten? Welche Faktoren beeinflussten Hughes‘ vorgehen auf den Pariser Friedenskonferenzen? Welche Handlungsalternativen hatte er?

Zunächst wird kurz William Hughes‘ Position auf den Pariser Friedenskonferenzen dargestellt, um anschließend die Gründe die für die Annektierung der Gebiete sprachen, aufzuzeigen und diesen die Gegenstimmen gegenüberzustellen. Diese sollen schließlich in einem abschließenden Fazit mit Mr. Hughes‘ Politik und Vorgehen verglichen werden, um so über die Fragestellung zu entscheiden.

2 William Morris Hughes – „Fighting like a weasel“

„[…], but we who are conquerors, who have suffered so much, who have given up the rights for which we went to war, not to have set out clearly, that the Pacific Islands shall be ours, that the right to make economic treaties should remain, and indemnities be exacted, is to me inexplicable”[3][4]

William Morris Hughes, der Premierminister und offizieller Vertreter Australiens auf den Pariser Friedenskonferenzen von 1919 bis 1920 war, machte es klar und deutlich, welche Position er in Bezug auf die deutschen Gebiete im Pazifik hatte. So sagte er bereits 1918, dass der Besitz der Inseln, vor allen Neu Guinea und die angrenzenden Inseln, nötig für die Sicherheit des Commonwealth und somit unabdingbar für Australien sei.[5] Er macht klar, dass für ihn kein anderer Weg als die Annexion und die damit verbundene Verweigerung der Rückgabe der Gebiete an Deutschland in Frage kam.

So kam es dazu, dass während die Zukunft der Gebiete auf den Konferenzen diskutiert wurde, Mr. Massey, der Premierminister von Neuseeland, und Hughes aufzeigten, dass die Vergabe eines Mandats anstelle der direkten Annexion nur Probleme aufwerfen würde. Des Weiteren sei es wahrscheinlich, dass diejenigen, die die Aufgabe der Verwaltung übernehmen müssten, weniger gewillt seien die Finanzierung zu übernehmen, wenn der dauerhafte Besitz nicht garantiert wäre.[6]

,,President Wilson asked if Messrs. Massey and Hughes were laying down an ultimatum to the conference. Mr. Massey said: ‚No.‘ Mr. Hughes was deaf and had a telephone fastened to his ear.[7] He had his face turned from the President, so did not hear the question. Some one [sic!] nudged him and interrupted his speech. He asked that the question be repeated. ‚Are you laying an ultimatum to the conference?’ he was asked. ‚Yes‘, he replied, ‚Its about that.‘“ [8]

Dieses Gespräch zwischen Wilson und Hughes zeigt, wie Hughes den Umgang mit dem großen Staatsmann pflegte und welche Meinung er von ihm hatte. Außerdem fragte sich Hughes, warum es Präsident Wilson erlaubt sei über die Geschicke der Welt zu bestimmen, denn „America’s great part in the war did not entitle the President to be the god in the machine at the Peace Conference.“[9]

Wilson brachte die Idee auf, die Gebiete als Mandate zu vergeben. Allerdings wurde dies von Hughes und seinen Unterstützern nicht geteilt. So war es an Lloyd George Hughes davon zu überzeugen, dass die C-Mandate im eigentlichen Sinne einer direkten Annexion mit wenigen Einschränkungen entsprachen. Schlussendlich lenkte Hughes ein und akzeptierte das Mandatssystem anstelle der Annexion.[10]

Allerdings konnte er damit nicht zufrieden sein, denn für ihn war klar, dass der nächste Krieg im Pazifik ausgetragen werden würde.[11] Auch befürchtete er die

wachsende Macht Japans und damit einhergehend die zukünftigen Einschränkungen die Australien zugunsten Japans hinnehmen werden müsste.[12]

[...]


[1] Australia's Views on German Islands. […], in: New York Times (30 Jan. 1919), S. 10.

[2] Australia Wants No Empire in Pacific. Former German Colonies Not Desirable Declares Melbourne Age, in: Los Angeles Times (3 May. 1919), S. I3.

[3] Macmillan, Margaret: Paris 1919. Six Months that Changed the World, New York 2003, S. 103.

[4] Cabinet Criticized By Mr. W. M. Hughes. Australien Prime Minister’ Declares That Interest of His Country Were Not Considered at the Versailles Conference, in: The Christian Science Monitor ( 20 Nov. 1918), S. 1.

[5] Mr. Hughes and Pacific Islands. Australian Prime Minister Says Possession of the Islands Is Necessary for the Safety of the Commonwealth, in: The Christian Science Monitor (13 Jul. 1918), S. 1.

[6] Vgl. Williams, E. T.: Japan‘s Mandate in the Pacific, in: The American Journal of International Law, Vol. 27 (1933), S.432.

[7] Weniger ein Telefon, vielmehr ein Hörgerät das Hughes hinderlicherweise tragen musste. Vgl. Macmillan, Margaret: Paris 1919. Six Months that Changed the World, New York 2003, S. 103 – 104.

[8] Williams, E. T.: Japan‘s Mandate in the Pacific, in: The American Journal of International Law, Vol. 27 (1933), S.432.

[9] George, David Lloyd: Memoirs of the Peace Conference, vol. 1, S. 120 – 121.

[10] Vgl. Jones, Dorsey D.: The Foreign Policy of William Morris Hughes of Australia, in: The Far Eastern Quarterly, Vol. 2 No. 2 (Feb. 1943), S. 158.

[11] Vgl. Ebd., S. 160.

[12] Ebd., S. 159.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
William Morris Hughes Drang zur Annexion der deutschen Pazifikkolonien
Untertitel
Untersuchung der gesellschaftlichen Akzeptanz
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Pariser Friedenskonferenz 1919/20 in globaler Perspektive
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V211445
ISBN (eBook)
9783656393887
ISBN (Buch)
9783656394358
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Aufgrund mangelnder Literatur wurde diese Hausarbeit hauptsächlich auf Basis verschiedenster Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit erstellt.
Schlagworte
Australien, Pariser Friedenskonferenz, William Morris Hughes, Kolonien, Mandate, deutsche Pazifik Kolonien, 1919, 1920
Arbeit zitieren
Andreas Dick (Autor), 2012, William Morris Hughes Drang zur Annexion der deutschen Pazifikkolonien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211445

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: William Morris Hughes Drang zur Annexion der deutschen Pazifikkolonien


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden