Eine kindliche Philosophie der Welt auf der Basis des Alterns oder "DER HARTMUT ERKLERT EUCH DI WELT"


Seminararbeit, 2003

58 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Herzlich Willkommen in dieser Welt! Herzlich Willkommen zu Hause!

Wir alle waren einmal das, was einige von uns heute gerne noch wären: ein Kind. Jedoch werden wir alle früher oder später uns damit abfinden müssen bzw. haben wir das bereits getan, um in das, in der Kindheit angestrebte Zeitalter der Erwachsenenwelt überzutreten.

„ Mit Erfolg? “

„ Ich meine, denken sie, da ß sie diesen Schritt zu ihrer Zufriedenheit getan haben? “ „ Nein? “

„ Ja? “

Ich frage ja eigentlich nur um herauszufinden, was dabei wichtig und bedeutsam sein könnte. Wann sagt man mir, ob ich erwachsen bin? Muß ich das fühlen? Weiß ich das? Wir können ja einmal mit dem zusammentragen wichtiger Argumente für das Erwachsensein beginnen:

Autofahren!

Lange aufbleiben und weggehen! Immer Recht haben dürfen! Bestimmen tun sie auch alles! Sex haben!...

„ Oh Entschuldigung! Naja, es sind halt temperamentvolle Kinder. “

Aber für den Anfang war das doch schon mal gar nicht schlecht, zumindest aus der Sicht eines Kindes.

Ein Kind? Nun ja, vielleicht ist es ja von höherer Bedeutung nicht mit dem Erwachsensein zu beginnen, sondern mit der Kindheit? Jeder von uns Menschen ist, wird oder war es - ein Kind. Ein Kind mit Bewußtsein, mit einer eigenen Vorstellung, mit Ansichten und Meinungen und mit vielem, vielem mehr. Und wir alle, oder ich will lieber sagen fast alle, da ich diese Annahme hier nicht generalisieren möchte, haben uns, sofern wir unsere Kindheit als abgeschlossen betrachten, eigentlich nichts sehnlicher gewünscht, als so schnell wie nur irgendwie möglich ‚groß‘ zu werden. Doch kann uns das denn wirklich gelingen, daß wir zu einem bestimmten Zeitpunkt sagen können: ‚Nun bin ich erwachsen!‘, oder: ‚Nun bin ich kein Kind mehr!‘? Ein Kind als eigenständige Person und ein Kind in einer eigenständigen Welt. Und diese Welt als eine eigene Welt mit einem Sichtbild namens Ich, um das zu sein, was man ist, ein Kind.

Oder noch anders! Wir Leben einen Film und dieser Film ist für alle Hauptdarsteller in seiner Gesamtheit nicht vollständig wahrnehmbar, aber das geht ja auch gar nicht bei ca. 6 Milliarden Hauptdarstellern. Der Hauptdarsteller ist oder besser sollte man sein ganzes Leben lang sein, nur man muß ja einmal irgendwann bewußt mit den ‚Dreharbeiten‘ anfangen. Und die Antwort auf die hier gerade eben nicht gestellte Frage lautet: Die Kindheit!. Alle unsere Ursprünge welche sich ausschließlich auf uns als Person oder Mensch in diesem Leben beziehen, was davor war bzw. danach kommt interessiert zwar, sollte hier jedoch außen vorgehalten werden, fangen in unseren eigenen Kindheit an. Doch um unsere hier wichtigen Ursprünge betrachten zu wollen, reicht es, uns unser erwachsenes Kindheitsphänomen ab der III. Phase, der „Phase des Spielalters“ [Abb. I: Entwicklungsmodell der Identität nach Erikson (1956, S. 150 f.)] zu betrachten.

„ Haben sie gern gespielt? “

„ Man war mit weniger zufrieden? “ „ Heute, ja heute...? “

Doch ich glaube, daß viele von uns früher so waren, wie ihre Kinder heute sind und unsere Eltern waren so wie wir jetzt. Ich kann mich da natürlich auch täuschen, aber was würde dagegen sprechen? Kinder entdecken ihre Welt auf ganz eigene Weise, gewiß mit ein paar Richtlinien, welche sich verständlicher Weise im Laufe der Zeit verändern mögen. Und eigentlich macht doch alles Spaß, was eigentlich verboten ist. Und was wir als unvernünftig bezeichnen. Warum können wir Erwachsene in den meisten Lebenslagen nicht auch mal so sein? Sich einfach treiben lassen. Das tun was man gerade tut, ohne großartig darüber nachzudenken, was man da gerade tut. Einfach laut reden, wo alles flüstert. Singend und tanzend durch die Straßen laufen.

Und nicht nur wenn man verliebt ist. Immer! Aber das können wohl nicht mal die Kinder. Aber vielleicht fast.

Schaffen wir schon! Nur wenn ich immer zur doofen Klavierstunde muß...!

„ Na bitte, da haben wir es ja schon. “

„ Und wie war es bei ihnen? “

Selten ist man so wie früher. Aber ich schweife ein bißchen ab, ich wollte ja in der “oberen Pike” anfangen. Und zwar in der von heute. Moderne oder Postmoderne? Nein, für unsere belange ist die Bezeichnung egal, da der Inhalt wohl wesentliche Gemeinsamkeiten, in selbstverständlich sehr unterschiedlichen Ausprägungen, welche die entsprechende Zeit ungefähr wiederspiegeln, aufweisen wird. Kinder sind heutzutage einem unendlichem Meer an materiellem Reichtum ausgesetzt. Jede neue Puppe und jedes neue Modellflugzeug muß her. Manchmal funktioniert das auch, manchmal hingegen nun auch wieder nicht. Ökonomische Ressourcen nennt es die Wissenschaft, wir nennen es das nötige Kleingeld. Oder haben sie schon mal im Supermarkt an der Kasse gehört: ‚Entschuldigen Sie bitte, aber ich glaube, ich habe meine ökonomischen Ressourcen auf dem Schrank zu Hause liegengelassen!‘? Und vorallem, verstehen Kinder das? Warum hat die Arzttochter Anne Marie Braun (aus der Fernsehserie des ZDF, „Nesthäkchen“, BRD 1983) fünf Puppen aus Porzellan, während ihre Freundin Margot (Sie wohnt im Hinterhaus!) nur drei alte Teddybären besitzt? Und beide sind Freundinnen. Also verstehen sie das. Und zwar besser als wir. Sie verstehen nämlich (noch), daß es ja eigentlich egal ist, wie reich oder nicht reich man ist bzw. aus welchem sozialen Millieu man entstammt etc.. Man mag sich eben. Natürlich gibt es das später auch, aber ich denke doch schon ein bißchen differenzierter. Aber warum verlernen wir das? Oder vergessen wir, weil wir nicht mehr so sein wollen? Wenn das so ist, dann sage ich: „Sehr schade!“. Wie oft hört man: ‘Bei Geld hört die Freundschaft auf!’? Müßte es denn nicht eigentlich gerade hier heißen: ‘Bei Geld fängt Freundschaft gerade erst einmal an!’? Gerade weil das Geld heute wichtiger denn je ist? Können denn heute in der Erwachsenwelt nur noch oberflächliche Freundschaften bestehen? Kinder wollen erleben. Spüren das sie frei sind. Aus sich mit Hilfe ihrer Phantasie herausgehen und dann dabei über sich hinaus wachsen. Nicht für irgendwen. Für sich selber! Ich sagte ja schon, „...eine eigene Welt in der ersten Person, melodisch verkörpert, in Worte gekleidet, läßt du dich fallen und tritt‘s in Aktion...“ (aus “Eines Tages” von der LP “Old Nobody” der Gruppe BLUMFELD, Hamburg 1999).

Kinder können ihren Traum nicht leben. Dafür haben sie doch noch viel zu viele Träume. „Lebe deinen Traum!“? Ja kann man denn das? Natürlich! Aber ist es ein Traum, mir vorzustellen, daß ich in absehbarer Zukunft mal einen PKW Mercedes Benz fahren, eine Yacht und ein Haus in den Bergen haben werde? Ist ein Traum nicht noch ein bißchem mehr? Etwas mit Worten nicht faßbares? Dem Tüpfelchen auf dem I einfach noch einen kleinen Bogen mitgeben, damit es gleichzeitig ein kleines O sein kann? Wir leben in einer schnell wandelbaren Welt mit vielem erklärbaren und vielem, was unseren Horizont übersteigt. Vielleicht hab ich ja morgen keinen Führerschein mehr. Wozu da ein Mercedes?

Den kannst du ja auch deinen Kindern vererben! *grinst*

Wer weiß ob ich überhaupt mal den Segelschein machen werde. Wozu da der Traum von einer Yacht? Und ganz bestimmt ist mir die Luft in den Bergen viel zu dünn und ich muß, sagt mein Arzt, mein Berghüttlein verlassen.

Aber natürlich kann ich mir als Traum auch vornehmen, einmal ein guter Vater zu werden.

„ Oh Entschuldigung: Nat ü rlich kann man auch eine gute Mutter werden wollen! “

Aber was will ich mir da vornehmen? Wovon will ich träumen? Davon, wie ich es bei anderen gesehen habe? Warum?

„ Möchten sie eine Antwort haben? “ „ Ja? “

Nein so einfach mache ich es ihnen hier nicht. Der für mich zentrale Punkt bei der Sache hier ist, was mein obiges Beispiel sicher vermuten läßt. Wir träumen nicht mehr von irgendwas. Irgendwas was uns unsere Phantasie vorgibt. Wir beziehen wohl unsere Welt und unser Leben sehr stark auf unsere Träume und im Gegenzug beziehen sich Träume auf unser Leben und damit auf unsere Welt, ganz einfach, weil uns diese einfach zu wichtig geworden ist. Zumindest diese, was die Träume betrifft,

welche wir als Lebensträume beziffern. Aber hat sonst der Traum noch irgendeine Bedeutung für uns? Ich meine hier die anderen Träume. Setzen wir uns damit auseinander, was wir letzte Nacht geträumt haben? Mehr als ein: „Na ich hab’ heut Nacht wieder einen Blödsinn geträumt!“, hört man selten. Und es soll ja auch keine ‘Traumdeutung’ nach Sigmund Freud sein, aber vielleicht ein bißchen mehr. Aber vielleicht hat man als Erwachsener ja aber auch gar keine Zeit mehr dafür. Oder man denkt, man hat keine Zeit und nimmt sich diese gar nicht erst? Obwohl ja eigentlich genug davon da wäre, die Uhr fängt ja auch immer wieder von vorne an, soll heißen, daß

...ich nie nach Hause kommen kann und sagen kann: Mutti heute konnte ich gar nicht den Geschirrspüler anmachen, weil dafür keine Zeit mehr war? Furchtbar!

Stimmt. Zeit ist ja immer da. Und egal von welchen Zeitpunkten ich ausgehe, ich kann immer eine genaue Zeitspanne angeben und umgekehrt.

„ Einfach, nicht? “

Können sie sich noch daran erinnern, als ihre Mutter ihnen sagte, sie sollen beim Läuten der Kirchturmglocken zu Hause sein oder wenn sich die Straßenlaternen einschalten? Oder ähnliches? Weit, weit, weit interpretierbar!

Man sieht also, wenn auch nur ansatzweise, das soll hier aber genügen, daß es sehr schwer ist, eine Erwachsenenwelt mit Kinderaugen sehen zu können. In der Praxis bleibt einem Kind natürlich nichts anderes übrig, als sich gewissen Regeln und Normen zu unterwerfen. Doch zum Glück hält ja diese Erwachsenenwillkür nicht immer 24 Stunden am Tag an. Aber um das ganze Phänomen nun einmal theoretisch betrachten zu können, habe ich für heute den HARTMUT eingeladen.

Hartmut, Hartmut! *Jippi*

Wir woll‘n den Hartmut sehn, wir woll’n...!

Der HARTMUT ist die klügste Comicfigur auf der ganzen Welt. Allerdings seiner ganz eigenen. Alles was er in ihr anfängt, das schafft er auch. Naja und ganz so fremd wird sie uns dann doch nicht erscheinen, weil der HAGGI, der „Papa“ vom HARTMUT, dem HARTMUT und seiner Welt richtig tolle Sachen geschenkt hat. Es gibt nämlich einen „Mäcdonnelt“, einen „Alldie“, für die “Katse” vom HARTMUT lecker “Wiskaß” und für’s Brot zum oben drauf ein bißchen „Nutella“ und noch ganz vieles mehr. Der HAGGI meint, diese Sachen hätten sich bei uns bewährt und deshalb kann’s ja für den HARTMUT auch nicht so schlecht sein. Und für uns ist es ja auch leichter und bequemer, mit Gewohnheiten konfrontiert zu werden, denn so sind unsere kognitiven Fähifkeiten nicht all zu sehr beansprucht, da wir nicht auch erst noch ein Papiertaschentuch in ein “Tempo” verwandeln müssen. Ja da können wir uns viel mehr auf das konzentrieren, damit wir auch nichts verpassen, was der HARTMUT uns zu sagen hat. Und eigentlich braucht der HARTMUT diese Dinge ja auch, genauso wie wir, denn so kann er sich viel besser auf seine Rolle als Phantasielehrer konzentrieren. Und damit wir auch alles verstehen können, sind am Ende im Anhang alle wichtigen HARTMUT-Strips, welche man braucht, um das alles hier zu verstehen, chronologisch nach diesem Aufsatz geordnet. Auch wenn nicht immer darauf hingewiesen wurde.

So nun aber bitte ganz still, *pssst!*, ich werde meine „ Zwischenansagen “ auch einstellen und dann kann‘s ja losgehen.

Der HARTMUT, eine postmoderne Comicfigur. Sehr einfacher und stilisierter, subjektiver und allgemeiner Zeichenstil. Manch einer würde einfach ‘Strichmännekigen’ dazu sagen oder vielleicht sogar ‘Geschmiere’ oder ‘Gekrakel’. Ziel in der Geburtsstunde des HARTMUT’S war es, einen Comic zu zeichnen, welcher sich von Zeichnungen eines sechsjährigen Kindes nicht allzu sehr unterscheiden sollte. Und auch das Schriftbild, welches uns dem HARTMUT seine Welt erklärt, ist auf dieses Kindesalter zugeschnitten worden. Was heißt das nun? Haben wir es hier mit einem Comic zu tun, welches für Kinder geschrieben worden ist? Zuerst muß man ganz klar sagen: Nein!. Der Autor Hartmut “HAGGI” Klotzbücher wollte 1991, als er den erste Strip mit dem Titel “DI ABENTEUER FOM HARTMUT” zeichnete, welcher dann auch im gleichen Jahr im Fanzine “Au Weia” erschien, eher ein erwachsenes Publikum ansprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Und auch gab mir der erste Eindruck das Gefühl, daß diese Art Comics zu zeichnen, aus meheren Gründen nicht sehr für jüngeres Publikum geeignet ist.

Zum einen ist da eine sehr außergewöhnlich Art der Sprech- und Schreibweise.

“Wenn 2 Kinnder sich inn der Santkißte um 1 Spilzeug streiten, fangen si ahn zum hauen unt mit Sant schmeisen.”

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ziel war es so zu schreiben, wie ein Schulanfänger, welcher die Grundregeln beherrscht, allerdings noch nicht in die Feinheiten der Orthographie und der Grammatik vorgedrungen ist. Dies bedeutet natürlich, daß er Wörter oder Formulierungen, welche er nicht kennt, so schreibt, wie er sie sprechen würde.

Natürlich könnte es hierbei zu unterschiedlichen Schreibweisen kommen, wenn mehere Autoren, aus unterschiedlichen Landesteilen Geschichten nach dem Muster vom HARTMUT gezeichnet und geschrieben hätten. Hartmut Klotzbücher ist gebürtiger Schwabe, was auch in der Sprache vom HARTMUT bemerkbar ist. Im schwäbischen Dialekt spricht man die Vorsilbe “er” im allgemeinen wie ein “vr”. So hat z. B. das “verzehlen” beim HARTMUT nichts mit ‘unserem’ verzählen zu tun.

Für Kinder, welche mit schwäbischer Mundart aufgewachsen sind, ist es dabei nicht so leicht zu verstehen, daß beim schreiben der f-Laut nicht mitgeschrieben wird. Auch beim Satzbau merkt man, das der Autor versucht hat, kindliche Züge zu Tage treten zu lassen. Allerdings meine ich, daß er es manchmal ein bißchen mit dem “verdrehen” des Satzes übertrieben hat, so daß man merken könnte, daß die kindliche Satzbauweise von einem Erwachsenen bzw. jemanden, welcher einen Satzbau nach den Regeln der deutschen Sprache zu schreiben versteht, künstlich erzeugt wurde. “DER HARTMUT IST 1 KLEINER JUNGE WOH ÜBER ALLES FOLL GUT BESCHEIT WEIS.” (Einband DER HARTMUT ERKLERT EUCH DIE WELT, Rückseite) Ich bin der Meinung, wenn man geschrieben hätte: “...WOH FOLL GUT ÜBER ALLES...”, wäre man näher an eine kindliche Beschreibung der Situation herangekommen, da die letzte Verschachtelung für mich aufzeigt, das der Erzeuger des Geschriebenen mehr Einblick in die Grammatik hat , als es einem 6-jährigen zustehen sollte. Zumindest könnte ich mir vorstellen, als Kind diesen Satz in diesem Satzbau gesprochen und geschrieben zu haben. Aber ich bin genau so der Meinung, daß hier weder der Autor noch ich recht haben werden, was kindlicher ist und was nicht. Erstens weil wir damit nicht in Wettstreit getreten sind und zweitens, weil es ja nicht nur bei der Ausprache, sondern auch beim Satzbau regionale Verschiedenheiten gibt. Wir haben halt beide versucht unsere kindlichen Sprech- und Schreibweisen zu reproduzieren und haben dabei unterschiedliche Ergebnisse erziehlt. Aber es sollte ja keiner gewinnen, es sollte ja aufzeigen, daß es sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich ist, kindlich geschriebene Sprechweisen zu generalisieren.

Comic ist eine Welt, welche man mit alle fünf menschlichen Sinnen wahrnehmen kann. Nicht so ganz wirklich, aber induktiv. Induktion bedeutet, daß Wahrnehmungsobjekte nur Andeutungsweise oder in ähnlichen Formen oder Beschreibungen zu sehen sind und daraus wir mit Hilfe unserer Erfahrungen und kognitiven Fähigkeiten die “wirkliche” Form produzieren. Im Comic wird dies sogar sehr oft sehr bewußt gemacht, um beispielsweise die Spannung zu halten. ‘Mann sieht den Schatten des Mörders, doch zu hören ist er nicht.’ Kann man im Comic hören? Natürlich! Zwar nicht mit einer Geräuschkulisse, aber induktiv.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ich hoffe niemand hat bis jetzt seine Katze in die Toillette fallen lassen, doch das Geräusch kann sich jeder gut vorstellen. Es genügen drei Dinge: ein PLATTSCH, ein Richtungspfeil, ein paar nach oben spritzende Tropfen. Fertig ist das Geräusch in unserem Kopf, als ob ein schwerer Gegenstand ins Wasser fällt. Und es muß sich dabei nicht mal um ein Toilettenbecken handeln. Und mit viel Phantasie und Vorstellunskraft kann man es vielleicht sogar hören. Und schon hat man induktiv gehört. Noch ein Beispiel. Wie fühlen wir beim Comiclesen? Eigentlich fühlen wir ja immer irgend etwas. Deswegen könnten wir doch diese Frage übergehen? Und hier müssen wir ein induktives Nein hervorbringen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Beule am Kopf haben die meisten schon einmal gehabt. Und auch der damit verbundene Schmerz ist weit bekannt. Ob nun Schirm oder Melone, ein harter Gegenstand schmerzt am Kopf, einem unserer empfindlichsten Körperteile. Und wieder drei Hinweise: ein Pfeil, drei Sternchen und ein “Aua!” genügen vollkommen. Und schon erleben wir einen Comic. Aber Induktion heißt auch noch mehr. Ein Comic hat ein Phänomen, das kein anderes visuelles Medium aufweist. Naja visuelles Medium reicht wohl vorne und hinten nicht aus als Definition eines Comics, für den Vergleich mußte diese Reduktion jedoch vollzogen werden. Aber nun erst einmal zu diesem Phänomen. Ich meine die Tatsache, daß ein Comic keine wirklich durchgehende Art der Beschreibung oder Erzählung ist. Es besteht aus meheren Einzelteilen, räumliche Sequenzen kann man diese nennen, jedoch spricht die Mehrheit der Comicanhänger von den sogennanten ‘Panels’. Die Zeit wird quasi unterbrochen. Man springt in der Zeit. Zwischen jedem einzelnem Panel zu einem anderen vergeht ein gewisser Zeitraum. Dieser Zeitsprung oder der Spalt zwischen den einzelnen Panels nennen amerikanische Comic-Liebhaber gerne auch “DEN RINNSTEIN”. Und die Zeit verrinnt. Doch das macht ja nichts. Wir füllen diese Zeit ja aus, induktiv. Und jetzt kommt das besondere! Genau hier kommt die Phantasie oder die Lebenserfahrung dazu. Ob wir wollen oder nicht. Wir müssen, weil ansonsten der Faden des Comicinhaltes mehrfach gerissen wäre und wir damit nicht im Stande wären, diesen zu lesen, geschweige denn, diesen zu verstehen. Wir interpretieren für uns in diese Rinnsteine hinein, was wir wollen. Von der Struktur zwar meistens gleich, da viele Menschen für verschiedene Situationen gleiche Erfahrungen gesammelt haben. Aber dank unserer Phantasie trotzdem individuell. Und damit ist wohl jedes gelesene Comic etwas absolut einzigartiges. Und gleichzeitig ordnet der Zwischenraum zwischen den Panels, die jeweilig zueinandergehörenden Panels an. Und er macht noch mehr. Er erschafft das Panel, welches gerade gelesen wird in den Zustande des “Hier & Jetzt”. Davor kommt die Vergangenheit und danach die Zukunft. Nur kann hier das “Hier & Jetzt” so oft wiederholt werden, wie man selber will. Und damit trifft auf Zukunft und Vergangenheit genau das gleiche zu. Weiterhin besteht ein Comic ja natürlich aus Bildern und Sprache. Zusammenfassend kann man beide Kategorien zu Symbolen vereinen. Zum einen gibt es die “Symbole der Sprache, der Wissenschaft und der Kommunikation”. Damit ist die Sprache gemeint, mit allem was im Comic und damit auch im Leben dazugehört: ARD, 127 Millionen, Mutter, www.comic.de, &, §, =, SPRECHBLASE, Æ, €. Alles “Symbole des praktischen Gebrauchs”. Und dann gibt es noch die Symbole , welche man als Bilder bezeichnet. Und Comic-Bilder kennt nun wirklich fast jeder.

Und je ähnlicher die dargestellten Bilder mit dem “Original” übereinstimmen, je höher ist der symbolische wertvolle Gehalt eines Comic-Strips. Und darüber hinaus kann man Bilder natürlich auch als bildliche Zeichen bezeichnen und die Sprache beinhaltet dann die restlichen oder anderen Zeichen. Und um jetzt auf die Definition eines Comics zurück zu kommen, gehen wir zurück bis zu dem Zeitpunkt, als das Comic lediglich als visuelles Medium bezeichnet wurde, und fassen zusammen, oder wie Scott McCloud sagen würde: Comics sind, “ZU RÄUMLICHEN SEQUENZEN ANGEORDNETE, BILDLICHE ODER ANDERE ZEICHEN”.

Desweiteren lebt der HARTMUT in relativen menschenähnlichen Realitäten. In seiner kindlichen Art beschäftigt er sich doch oftmals mit den eigentlichen Problemen der Erwachsenen. Ich verweise z. B. noch einmal auf den auf Seite 10 hingewiesenen und im Anhang vollständig gezeigten Strip DER HARTMUT ERKLERT EUCH DEN KRIG. Oder aber auch auf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Nur was der ganze Strip mit ‘nem “Bennetonplakat” zu tun hat, ja...??)

oder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alles was wir im Leben erleben, erlebt der HARTMUT in seiner Welt. Oder sagen wir fast alles. Blöde Theaterbesuche mit der Tante, Raumschiff Enterprise bei Nacht, Club-Urlaub auf Mallorca oder der erste Besuch bei Madame “Moulin Rouge”. Ja alles das gibt es beim HARTMUT und seiner Welt auch. Und diese ist genau auf den nur 3 cm großen Supermann zugeschnitten. Alles paßt. Alles ist immer erreichbar. Wo immer man eine Pistole braucht, zieht der HARTMUT seinen 45-er Colt und kann so alle Bären abschießen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Eine kindliche Philosophie der Welt auf der Basis des Alterns oder "DER HARTMUT ERKLERT EUCH DI WELT"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Kindheit im Comic
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
58
Katalognummer
V21152
ISBN (eBook)
9783638248365
Dateigröße
24043 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich eigentlich mehr um einen journalistischen Essay als um eine Hausarbeit, da aufgrund des &quot,innovativen Potentials des Genre Comic&quot, diese als solche bewertet wurde, passt die Zuordnung &quot,Hausarbeit&quot, hier besser.
Schlagworte
Eine, Philosophie, Welt, Basis, Alterns, HARTMUT, ERKLERT, EUCH, WELT, Proseminar, Kindheit, Comic
Arbeit zitieren
Oliver Hoyer (Autor), 2003, Eine kindliche Philosophie der Welt auf der Basis des Alterns oder "DER HARTMUT ERKLERT EUCH DI WELT", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21152

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