Erfolgskontrolle Edutainment - Effektive Bildungsmethode oder reine Unterhaltung?


Bachelorarbeit, 2012
76 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Begriffserklärung und Gegenstandsbestimmung
2.1 Der Bildungsbegriff
2.1.1 Historische und wortgeschichtliche Annäherung an den Begriff Bildung
2.1.2 Festlegung eines Bildungsbegriffs
2.2 Der Unterhaltungsbegriff
2.2.1 Allgemeine Überlegungen zum Begriff Unterhaltung
2.2.2 Festlegung eines Unterhaltungsbegriffs
2.3 Definition: Edutainment

3 Anwendungsfelder des Edutainments
3.1 Medien
3.1.1 Fernsehen
3.1.2 Internet und Computerspiele
3.2 Incentive-Events/ Incentive-Reisen
3.3 Museen
3.4 Science-Center
3.5 Markenwelten
3.6 Schulveranstaltungen

4 Edutainment als Grundlage gesundheitlicher Präventionsmaßnahmen: Exemplarische Untersuchung schulischer Alkoholprävention
4.1 Das Forschungsumfeld: Willy-Brand-Realschule
4.2 Ziel der empirischen Untersuchung
4.3 Methodik der Untersuchung
4.4 Die Ausgangssituation
4.4.1 Das veränderte Trinkverhalten von Jugendlichen
4.4.2 Die spezifische Alkoholgefahr für Jugendliche
4.5 Das Präventionsprogramm
4.5.1 Inhalte der Alkoholprävention
4.5.2 Der gezielte Einsatz von Emotionen
4.6 Die Erfolgskontrolle
4.6.1 Der Wissenstest
4.6.2 Die Durchführung
4.6.2.1 Vorbereitung
4.6.2.2 Lehrer-Gruppen
4.6.2.3 Edutainment-Gruppen
4.6.3 Ergebnisse
4.6.3.1 Leistungszuwachs
4.6.3.2 Motivation

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Bildungskomponenten

Abb. 2: Unterhaltungskomponenten

Abb. 3: Anteil alkoholkonsumierender 12- bis 17- jähriger Jugendlicher in %

Abb. 4: Anteil alkoholkonsumierender 18- bis 25- jähriger Erwachsener in %

Abb. 5: Verteilung der Fehleranzahl in den Edutainment-Gruppen

Abb. 6: Verteilung der Fehleranzahl in den Lehrer-Gruppen

Abb. 7: Fehleranzahl nach Einflussfaktor Geschlecht

Abb. 8: Fehleranzahl nach Einflussfaktor Alter

Abb. 9: Fehleranzahl nach Einflussfaktor Jahrgangsstufe

Abb. 10: Einfluss auf das Trinkverhalten (Edutainment-Gruppen)

Abb. 11: Einfluss auf das Trinkverhalten (Lehrer-Gruppen)

Abb. 12 + 13: Einfluss auf das Trinkverhalten (unter Ausschluss der Option 4)

Abb. 14 + 15: Einfluss auf die Lernmotivation

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

Unterhaltung und Bildung, zwei Begriffe, die im allgemeinen Sprachgebrauch im Widerspruch zu stehen scheinen, werden mit dem Neologismus Edutainment zusammengeführt. Sind Wissenserwerb und Unterhaltung miteinander vereinbar, oder ist der Trend, der einen starken Anstieg des Edutainments zeigt, eine Gefahr für die Bildung? Spätestens seit POSTMANS medienkritischem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode" (1986), in dem diese zwei Bereiche als klare Gegensätze aufgefasst werden, ist die Diskussion um das unterhaltsame Lernen in der Medienwissenschaft und Pädagogik entfacht. Mehr und mehr erhält diese Thematik aber auch Einzug in das Aufgabenfeld des Eventmanagers. Bei Incentives, der Unternehmenspräsentation oder auch kulturellen Events hat die Symbiose aus Bildung (Education) und Unterhaltung (Entertainment) eine tragende Rolle. Zu untersuchen ist nun, inwieweit sich diese Bereiche tatsächlich vereinbaren lassen. Ist Edutainment als große Chance bei der Wissensvermittlung zu verstehen, oder besteht die Gefahr, durch unterhaltsame Aufbereitung von Informationen, deren Ernsthaftigkeit in Frage zu stellen und den Wissenszuwachs der Rezipienten zu vermindern? Kann Unterhaltung wirklich eine Methode des Lehrens und Lernens sein? Können mit emotionalisierenden Edutainment-Veranstaltungen nachweisliche Erfolge bei der gesundheitlicher Präventionsarbeit erzielt werden? Und sollte In Folge dessen Entertainern und Eventmanagern Zutritt in Bildungsinstitutionen gewährt werden?

1.2 Aufbau der Arbeit

Um der Frage, ob Edutainment als sinnvolle Bildungsmethode zu verstehen ist, auf den Grund zu gehen muss eine Begriffsdefinition des Edutainments erfolgen. Für eine Bedeutungserklärung des Neologismus ist in einem ersten Schritt eine Betrachtung der Begriffe Bildung und Unterhaltung und deren Definition erforderlich. Nach einer historischen und wortgeschichtlichen Annäherung an den Begriff Bildung, bei dem exemplarisch Ansätze aus der Philosophie und der Pädagogik betrachtet werden, folgt die Erarbeitung eines Unterhaltungsbegriffs. Des Weiteren werden diese beiden Kernelemente des Edutainments festgelegt und auch der Begriff des Edutainments definiert. Im nächsten Schritt werden verschiedenen Anwendungsformen und -gebiete des Edutainments vorgestellt. Dabei wird sowohl die Motivation und der Leitgedanke der Betreiber bzw.

Anwender, als auch die Wirkung auf die Rezipienten thematisiert. Neben dem Edutainment in der Medienwelt, dargestellt an den Beispielen Fernsehen und Computerspiele, werden in diesem Schritt Incentives, Museen, Science-Center, Markenwelten und Schulveranstaltungen zum Thema. Nach einer theoretischen Vorstellung dieser Anwendungsfelder wird das Augenmerk auf das Edutainment als Grundlage gesundheitlicher Präventionsmaßnahmen gerichtet. Mit Hilfe einer empirischen Erhebung wird betrachtet, ob bei einer Edutainment- Präventionsveranstaltung ein nachweislicher Wissenszuwachs bei den Rezipienten zu verzeichnen ist. Diese Fragestellung wird exemplarisch an der Alkoholprävention in der Willy-Brand-Schule Herten untersucht. Erarbeitet wird, ob Schüler, die an einer emotionalisierenden Informationsveranstaltung einer externen Referentin aus der Eventbranche teilgenommen haben, nach dieser über einen anderen Wissensstand verfügen als Schüler, welche die selben Inhalte von ihren Fachlehrern mit klassischen Unterrichtsmethoden vermittelt bekommen haben. Diese Untersuchung erfolgt über die Auswertung eines Wissenstest, mit dem sowohl der Lernerfolg, als auch die Motivation der Schüler, sich weiter mit dem Thema zu befassen und ihre Einstellung zum eigenen Trinkverhalten zu überdenken, analysiert werden.

2 Begriffserklärung und Gegenstandsbe- stimmung

2.1 Der Bildungsbegriff

2.1.1 Historische und wortgeschichtliche Annäherung an den Begriff Bildung

Der Begriff Bildung lässt sich als Homonym, also Wort mit zwei Bedeutungsebe- nen, bezeichnen denn er beschreibt sowohl den Prozess des Gebildetwerdens als auch das Endergebnis dieses Prozesses. Bildung ist demnach eine gewollte Aneignung und Weiterentwicklung von Kenntnissen und Fähigkeiten, sowie deren Besitz. In der pädagogischen Diskussion wird der Bildungsbegriff dabei vorrangig aus kulturanthropologischer, lernzieltheoretischer oder soziologischer Sicht betrachtet. Beim kulturanthropologischen Ansatz stehen die Übermittlung und Weiterentwicklung von Kulturgütern im Vordergrund, betrachtet wird dem- nach eine subjektive Seite der Kultur. Der lernzieltheoretische Ansatz fokussiert die Befähigung zum allgemein erfolgreichen Umgang mit der Welt, während der soziologische Ansatz als Arbeit an Verhaltensweisen, die das Leben als Individu- um und soziales Wesen in einer Gesellschaft sichern, verstanden werden kann[1].

Wortgeschichtlich ist der Begriff Bildung auf das Wort „Bild“ zurückzuführen, das in seiner althochdeutschen Form „bilidi“ seit dem 9. Jahrhundert in der deutschen Sprache nachweisbar ist. Erste Ursprünge des Begriffs lassen sich aber bereits in der Schöpfungsgeschichte der Bibel finden. „Dann sprach Gott: Lasst uns den Menschen machen als unser Abbild uns ähnlich“[2], heißt es dort im Buch Genesis und der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: „Wir alle spiegeln mit ent- hülltem Antlitz die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn“[3]. Auch diese Bibelverse lassen ein doppeltes Verständnis von Bildung zu. Zum einen wird auch hier die Bildung als ein Prozess und eine Entwicklung verstan- den, denn der Mensch wird zu einem Abbild geformt. Zum anderen bezeichnet Bildung auch in diesen Versen einen Ist-Zustand, denn der Mensch ist als ein Abbild Gottes geschaffen, seine Bildung also das Ergebnis der Schöpfung[4].

Auch zum Ende des 15. Jahrhundert fand der Bildungsbegriff noch vorrangig religiöse Verwendung. Das Verhältnis von Gott, Mensch und Natur stand hier im Mittelpunkt des Bildungsdenkens. PARACELSIUS (1493-1541) näherte sich dem Begriff aus einem naturphilosophischen Ansatz heraus, indem er sein Verständ- nis für Bildung als eine Entwicklung der Beziehung des Menschen zu Gott, aber auch seiner Umwelt beschrieb. Für LUTHER bestand die Bildung um 1520 aus drei Bereichen: „zum einen: daß er wisse, was er tun und lassen soll. Zum ande- ren: wenn er nun siehet, daß er aus seinen Kräften nicht tun noch lassen kann, dann soll er wissen, wo ers hernehmen, suchen und finden soll, damit er das tun und lassen könne. Zum dritten: daß er wisse, wie ers suchen und holen soll“[5]. Mit diesen Ausführungen zur Bildung konzentrierte sich LUTHER bereits auf die Selbstbildung und gezielte Weiterentwicklung des Menschen. Laut seiner Defini- tion ist ein Mensch demnach dann gebildet, wenn er weiß, wie er sich in seiner Umwelt und in seiner Beziehung zu Gott verhalten kann und wo und auf welche Weise er dies erlernen kann.

Ihren eigentlichen Höhepunkt erreichte die Deutung des Bildungsbegriffs mit dem Neuhumanismus, wenngleich in gegensätzlicher Interpretation durch WILHELM VON HUMBOLDT (1767-1835) und GEORG WILHELM FRIEDRICH HEGEL (1770-1731). Für HEGEL stand Bildung im Dienste der Allgemeinheit. Er verwendet diesen Be- griff synonym mit den Substantiven Erziehung und Pädagogik. „Die Pädagogik ist die Kunst, die Menschen sittlich zu machen“[6], so formuliert HEGEL den Auftrag der Bildung. Damit drückt er aus, dass ein Mensch dann gebildet ist, wenn er nach den Normen und Regeln seiner Gesellschaft leben kann und alles Schlech- te ablegt. HEGELS Auffassung von Bildung hatte also weniger mit der individuel- len Weiterentwicklung des Menschen zu tun, als mit einer Anpassung an den Staat und an allgemeine Moralvorstellungen[7].

Ganz anders sah dieses Verständnis bei HUMBOLDT aus. Für HUMBOLDTS Bil- dungsverständnis war die Individualisierung des Menschen von zentraler Bedeu- tung, für die nach seiner Auffassung jegliche Freiheitsbeschränkungen störend sind. „Der wahre Zweck des Menschen - nicht der, welchen die wechselnde Nei- gung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt - ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist die Freiheit die erste, und unerlassliche Bedingung“[8], schreibt HUMBOLDT in seiner Publikation „Ideen“ (1792). Für HUMBOLDT ist Bildung dem- nach dann geglückt, wenn der Mensch sich zu einer ausgewogenen Persönlich- keit entwickelt, die aber nicht Konform zu anderen Menschen sein muss, sondern Individualität erkennen lässt. Weil für eine solche Entwicklung laut HUMBOLDT Freiheit die wichtigste Voraussetzung ist, richtete er sich mit seinen Schriften und Theorien vor allem gegen Freiheitsbeschränkungen, die dem Menschen durch den Staat auferlegt wurden. Damit nimmt er auch kritischen Bezug zu HEGELS Bildungsthesen[9].

WOLFGANG KLAFKI beruft sich in den fünfziger und sechziger Jahren in seinen Studien vor allem auf HUMBOLDT und betrachtet Bildung mit einer gesellschafts- kritischen Sichtweise. Für ihn lassen sich die bisherigen Bildungstheorien in zwei verschiedene Kategorien unterteilen: die materialen und die formalen Bildungs- theorien. Materiale Bildungstheorien sind laut KLAFKI dadurch gekennzeichnet, dass sie vom Objekt ausgehen. Bildung wird als Aneignung und Besitz von mög- lichst viel Wissen verstanden. Bildung besteht also aus Inhalten und wird deshalb als Objekt bezeichnet. Formale Bildungstheorien sind solche, bei denen eben nicht Inhalte und Wissen im Vordergrund stehen, sondern die Formung und Ent- wicklung des Menschen auf geistiger und seelischer Ebene[10]. Gebildetsein be- deutet laut dieser Ansätze also über Denkweisen und Handlungskompetenzen zu verfügen, bzw. diese zu erlernen. KLAFKI selbst geht davon aus, dass dann von Bildung gesprochen werden kann, wenn eine Verknüpfung dieser beiden Ver- ständnisebenen gelingt. Er versteht Bildung als den Prozess der aktiven Ausei- nandersetzung des Individuums mit der Gesellschaft und einem damit wachsen- den Verständnis für seine Umwelt. Darin sieht er die einzige angemessene Ver- haltensweisen zu erlernen, um ein aktiver Teil der Gesellschaft zu werden. In diesem Kontext kann Bildung erneut als Entfaltung der eigenen Individualität ver- standen werden, was einen Anknüpfungspunkt an den Bildungsbegriff nach HUMBOLDT deutlich macht[11].

Diesem Ansatz folgt auch HARTMUT VON HENTIG mit seiner kritischen Bearbeitung des Bildungsbegriffs in den siebziger Jahren. HENTIGS Kritik richtet sich in erster Linie gegen die Auffassung Bildungsinstitutionen als einzigen Ort des Lernens zu verstehen. Für ihn existieren für jedes Individuum eine Vielzahl von Bildungsbe- reichen. HENTIG geht demnach davon aus, dass Schulbildung allgemeine Le- bensbildung nicht ersetzen kann und der Mensch durch seine Umfelder und so- zialen Kontakte geprägt und damit auch gebildet wird[12]. ERNST CLOER orientiert sich an diesen Auseinandersetzungen, fokussiert bei sei- nen Überlegungen zur Bildung Ende der achtziger Jahre aber deren Notwendig- keit, indem er Bildung als Voraussetzung für das Überleben eines Individuums, dem Leben in einer humanen Gesellschaft und das Fortbestehen des Individu- ums und der Gesellschaft, klassifiziert[13]. Zur Jahrtausendwende forderte HELMUT PEUKERT, dass bei der Untersuchung des Bildungsbegriffs eine permanente Ent- wicklung vordergründiger Betrachtung bedarf. „Wenn die Erziehungswissenschaft die Zukunft der nächsten Generationen realistisch in den Blick nehmen will, wird sie unvermeidlich auch zu einer kritischen Theorie der Gesellschaft und ihrer Geschichte“[14], formuliert PEUKERT seine Einschätzung über den Bildungsbegriff für die Erziehungswissenschaft dezidiert aus. Ähnlich wie KLAFKI geht dabei auch PEUKERT davon aus, dass Bildung sowohl gesellschaftliches und kollektives Ler- nen wie auch das Erleben und Erlernen individueller Kompetenzen bedeutet[15]. Dieser Gedankengang, sowie HENTIGS Forderung nach der Anerkennung unter- schiedlicher Bildungsräume, findet auch in der heutigen Bildungsdiskussion gro- ßes Gehör. So unterscheiden das Konzept für den Nationalen Bildungsbericht (BMBF 2004) oder auch der 12. Kinder- und Jugendbericht zwischen formalen und non-formalen Bildungsorten. Heranwachsende werden als Subjekte ihres Bildungsprozesses in den Fokus der Betrachtung gerückt.[16] Bildung beweist sich mehr und mehr als interdisziplinäre Herausforderung für die Pädagogik, Psycho- logie und auch die Politik, die mit Schulleistungsuntersuchungen wie der PISA- Studie versucht neue Rückschlüsse und Entscheidungshilfen für die Bildungspoli- tik zu gewinnen.

Der Begriff Bildung findet zudem Verwendung, weil er ein Grundrecht beschreibt. Das Recht auf Bildung ist gemäß Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Men- schenrechte der Vereinten Nationen ein Menschenrecht. Dieses Recht findet besonders großes Gehör, weil es als eine Voraussetzung zur Fähigkeit auch an- dere persönliche Rechte einzufordern zu verstehen ist. Nur wer sich bildet, kennt seine eigenen Rechte und kann für diese einstehen. Bildung wird damit also zur Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes und eigenständiges Leben.

2.1.2 Festlegung eines Bildungsbegriffs

Durch die historische und wortgeschichtliche Annäherung an den Begriff Bildung ist deutlich geworden, dass eine Reduzierung auf eine einheitliche Definition kaum möglich ist. Der Bildungsbegriff war und ist einem starken Wandel unter- worfen und wurde aus unterschiedlichen Kontexten und Ansätzen heraus betrachtet. Außerdem ist Bildung nicht allein für die Erziehungswissenschaft rele- vant, sondern weckt interdisziplinäres Interesse. Auch in der Theologie, Soziolo- gie, Psychologie und im Recht spielt die Auseinandersetzung mit der Bildung eine übergeordnete Rolle.

Deshalb muss eine spezifische Begriffsdefinition gefunden werden, die für das Thema dieser Arbeit, das Edutainment und seine Erfolgskontrolle, relevant ist.

In der Arbeit wird daher folgende Begriffsdefinition zugrunde gelegt:

- Bildung beschreibt sowohl den Prozess des Gebildetwerdens, als auch das Endergebnis dieses Prozesses.
- Sie findet ein Leben lang statt und wird sowohl selbstgesteuert als auch von anderen Menschen beeinflusst.
- Bildung ist ein mehrdimensionaler Begriff, denn er bezieht sich sowohl

auf einzelne Individuen als auch auf die Gesellschaft. Das bedeutet, dass der Mensch seine Persönlichkeit im Bewusstsein gegenüber sich selbst, seinen Mitmenschen und seiner Umwelt entwickelt und ausprägt[17].

- Der Zuwachs von Wissen und Fähigkeiten gehören genauso zur Bildung

wie auch die Übernahme persönlicher und sozialer Verantwortung.

- Bildung wird von vielen unterschiedlichen Faktoren beeinflusst und bedarf daher regelmäßiger Überprüfung[18]. Grafisch lässt sich das im Folgenden verwendete Bildungsverständnis so darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bildungskomponenten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Wiater (2002)

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird unter Berücksichtigung der angeführten Bildungsdefinition vor allem das fremdgesteuerte Lernen untersucht. Erfolgskontrollen finden vorrangig über eine Untersuchung des Wissenszuwachses, folglich konkret auf der Sachebene statt.

2.2 Der Unterhaltungsbegriff

2.2.1 Allgemeine Überlegungen zum Begriff Unterhaltung

„Unterhaltung ist nicht immer lustig. Nichts jedoch ist weniger lustig als der Ver- such, sie zu definieren“[19], merkte PRAGER bereits 1971 an und brachte damit die Schwierigkeiten der Gegenstandsbestimmung der Unterhaltung auf den Punkt. Der Unterhaltungsbegriff wird vor allem mit Spaß und Vergnügen in Verbindung gebracht und in die Freizeit eingeordnet. Dabei steckt hinter diesem Substantiv ein viel größeres Bedeutungsspektrum. Die verbale Kommunikation, die Instandsetzung technischer Geräte und der Zeitvertreib werden ebenso mit dem Begriff der Unterhaltung bezeichnet, wie der Dienstleistungssektor der Unterhaltungsindustrie, auf den im folgenden der Fokus gerichtet wird. Doch auch wenn man sich bei der Annäherung an den Unterhaltungsbegriff allein auf diese dritte Verständnismöglichkeit beschränkt, bleibt eine klare Definition der Unterhaltung schwierig. Ein Grund, der eine eindeutige Wortdefinition erschwert, ist, dass Unterhaltung durch individuelle Kriterien und subjektives Empfinden gekennzeichnet ist. Unterhaltung beschreibt das, was „auch vom Zuschauer als unterhaltsam akzeptiert wird“[20], so formuliert HICKETHIER das individuelle Empfin- den als Kriterium für den Unterhaltungswert. URSULA DEHM folgt diesem Gedan- kengang und bezeichnet Unterhaltung als eine Form von Beziehungen, die Per- sonen mit anderen Personen oder Objekten eingehen. Unterhaltung kennzeich- net die emotionale Qualität eines Verhältnisses zu Personen oder Objekten[21]. Als Unterhaltung kann demnach nur das bezeichnet werden, was nicht als langweilig empfunden wird und individuelles Interesse weckt. Diese subjektive Einschät- zung macht eine allgemein gültige Definition der Unterhaltung quasi unmöglich[22]. Zusätzlich wird eine Gegenstandsbestimmung der Unterhaltung dadurch er- schwert, dass sich der Begriff durch ein immenses Gebiet von Forschungen zieht und in fast jedem Lebensbereich eine Rolle spielt. Besonders für die Wirtschaft steigt die Bedeutung der Unterhaltung, denn das wachsende Angebot von Infor- mationen, Dienstleistung und Freizeitmöglichkeiten führt zu einem deutlichen Nachfragemarkt. Der Konsument kann auf ein großes Angebot von Freizeitange- boten und Medien zurückgreifen. Um konkurrenzfähig zu bleiben müssen Anbie- ter ihre Produkte exakt an den Kunden anpassen. Seine Wünsche, die oftmals von seinem individuellen Unterhaltungsempfinden gesteuert werden, entscheiden über die Entwicklung der Produkte. Der Konsument fordert dabei selbstbewusst immer mehr das, was sein persönliches Interesse weckt. Insbesondere bei For- men der Unterhaltung, deren Konsum nicht direkt mit den finanziellen Möglichkei- ten des Endverbrauchers zusammenhängt, wie zum Beispiel dem Fernsehen oder dem Internet, spielt der Unterhaltungswert eine der größten Entscheidungs- rollen für den Rezipienten.[23]

Ebenfalls diskussionswürdig ist die Frage, ob die positive Konnotation des Unter- haltungsbegriffes unantastbar genannt werden kann. KHORRAMI merkt dazu an, dass Unterhaltung eben nicht automatisch etwas mit Spaß zu tun haben muss und eigentlich nur ausdrückt, dass etwas über das Normale hinausgeht. Dazu müssen nicht zwangsläufig positive Gefühle gehören. Auch fast alle negativen Gefühle wie Melancholie, Angst, Schrecken, Ungewissheit und Spannung, Miss- gunst und Hinterlist, teilweise sogar das Bewusstsein von Macht und Gewaltaus- übung können als unterhaltsam empfunden werden.[24] Folgt man dieser These, lässt sich daraus ein Unterhaltungsverständnis ableiten, das Emotionen als Indikator für die Unterhaltung verwendet. Das Individuum ist also immer dann unterhalten, wenn es emotionale Einflüsse erfährt.

Für diese Arbeit von mindestens genauso großer Bedeutung wie die Frage, ob beim Unterhaltungsbegriff von einer rein positiven Bedeutungsebene ausgegan- gen werden kann, ist die Frage in welchem Verhältnis die Begriffe Unterhaltung und Bildung zu sehen sind. Mit seinem vielfach diskutierten Werk „Wir amüsieren uns zu Tode“ entfachte der Medienkritiker, POSTMAN, in den achtziger Jahren eine Grundsatzdiskussion um die Beziehung dieser beiden Begriffe. Während POSTMAN einen wirklichen Bildungszuwachs durch den Einsatz von Unterhaltung stark in Frage stellte, haben sich die Meinungen in der heutigen Zeit in eine ganz andere Richtung entwickelt. In vielen Bereichen wird Unterhaltung bereits als große Chance der Wissensvermittlung verstanden. Nach HAACKE ist die Verbin- dung von Bildung und Unterhaltung zwingend notwendig und „Belehrung ohne Unterhaltung unerträglich“[25]. Für Haacke können Informationsvermittlung und Bildung demnach schon fast als Legitimationen gesehen werden, um Menschen zu unterhalten, denn die Unterhaltung erleichtert die Wissensvermittlung. Viele Pädagogen und Medienwissenschaftler folgen diesem Ansatz, sodass die Neo- logismen Infotainment (Information + Entertainment) und Edutainment (Education + Entertainment) sich inzwischen auch im deutschen Sprachgebrauch etabliert haben.[26]

2.2.2 Festlegung eines Unterhaltungsbegriffs

Die allgemeine Betrachtung des Begriffs Unterhaltung hat gezeigt, dass auch hinter dieser Bezeichnung eine weit größere Bedeutungsebene zu beachten ist, als es seine Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch erwarten lässt. Unter- schiedliche Begriffserklärungen und konträre Meinungen über die Bedeutung, den Sinn und die Qualität der Unterhaltung machen eine allgemeingültige und interdisziplinäre Definition schwierig. Deshalb muss auch für diesen Begriff eine Definition gefunden werden, welche für die Erarbeitung des Themas „Edutain- ment“ relevant ist.

Im weiteren Verlauf wird dabei von folgendem Unterhaltungsverständnis ausge- gangen:

- Unterhaltung kann in allen Lebensbereichen stattfinden und beinhaltet passive Formen der Unterhaltung (Medienkonsum) und aktive Formen (Unternehmungen).
- Unterhaltung ist vom subjektiven Empfinden geprägt. Der Rezipient ent- scheidet, was ihn unterhält.
- Von Unterhaltung kann gesprochen werden, wenn eine emotionale Beein- flussung stattfindet, wobei die Emotionen nicht zwangsläufig als positiv empfunden werden müssen.
- Unterhaltung und Bildung sind keine Antonyme und schließen sich dem- nach nicht aus. Als Gegenteil von Unterhaltung ließe sich der Begriff der Langeweile platzieren.

Grafisch lässt sich das in dieser Arbeit verwendete Unterhaltungsverständnis wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Unterhaltungskomponenten Quelle: eigene Darstellung

2.3 Definition: Edutainment

Bei dem Begriff Edutainment handelt es sich um eine Kombination der englischen Begriffe "Education" und "Entertainment". Education kann mit den Nomen Bildung, Lernen oder Erziehung übersetzt werden. Entertainment steht im Deutschen für Unterhaltung oder Vergnügen. Die sprachliche Synthese dieser englischen Begriffe meint also eine Wissensvermittlung mit großem Unterhaltungswert oder aus der anderen Perspektive heraus betrachtet, Unterhaltung, die den Wissenszuwachs von Rezipienten fördert. Mit dieser Verschmelzung werden zwei Ausdrücke zusammengeführt, die im Widerspruch zu stehen scheinen. Der Begriff Unterhaltung wird, wie bereits beschrieben, vorrangig mit Spaß, Geselligkeit, Leichtigkeit und Oberflächlichkeit in Verbindung gebracht. Man ordnet ihn somit maßgeblich im Freizeitbereich ein. Bildung hingegen ist ein Substantiv, das mit Arbeit, Anstrengung, Ernst, Weiterentwicklung und Tiefe konnotiert wird. Demnnach wird es also der Arbeitszeit zugeordnet.

Das Phänomen Edutainment ist in beiden Bereichen wieder zu finden. Auf der einen Seite wird in der Bildung, also der Schule oder auch sonstigen Institutionen der Wissensvermittlung, auf Unterhaltung zurückgegriffen. Wichtige Informationen werden so aufbereitet, dass ihre Aufnahme den Rezipienten Spaß machen. „Die Aufnahme von Informationen, das heißt Lernen, wird nachweisbar begünstigt, wenn der Stoff auch fesselt”[27], schreibt ELISABETH NOELLE-NEUMANN dazu. Demnach soll die Lernmotivation dadurch erhört werden, indem der Wissenserwerb Spaß macht und unterhält. Edutainment ist also im Arbeitsalltag auszumachen.

Insbesondere in der Medienlandschaft und der Eventbranche hat dieser Begriff aber auch durch eine andere Nutzung an Relevanz gewonnen. Eine Begründung für die zunehmende Verwendung des Edutainmentbegriffes ist das steigende Interesse der Bevölkerung, sich auch in der Freizeit weiterzubilden. „Unterhaltung ohne Belehrung ist sinnlos und leer”[28], so formulierte es HAACKE bereits 1970, wobei seine These in der heutigen Zeit keinerlei Bedeutung einbüßt. Die Nachfrage nach unterhaltender Bildung weckt bei immer mehr Menschen großes Interesse[29]. Für die Eventbranche ist diese Methode außerdem von eminenter Wichtigkeit, weil sie in vielen Aufgabenbereichen der Eventagenturen wieder zu finden ist. Die Methode des Edutainments wird bei Aus- und Weiterbildungszwecken eingesetzt. Zudem machen sie sich viele Unternehmen zur eigenen Präsentation mit zum Beispiel Marken-Erlebniswelten zu nutzen. Dabei werden die Marken oftmals multimedial inszeniert um die Philosophien des jeweiligen Unternehmens darzustellen und die Marke für den Konsumenten greifbar und erlebbar zu machen.

3 Anwendungsfelder des Edutainments

3.1 Medien

3.1.1 Fernsehen

Das Medium Fernsehen war das Erste, in dessen Zusammenhang der Begriff Edutainment auftauchte. Zum Thema wurde das unterhaltsame Lernen durch die ersten Vorschulsendungen in den USA in den sechziger Jahren. Als Vorreiter sei die "Sesamstraße" (Sesame Street) genannt. In eine Sendung mit lustigen, sympathischen Figuren wurden Wissensbeiträge eingefügt. In Deutschland wurde die "Sesamstraße" in synchronisierter Form das erste Mal 1973 ausgestrahlt. Deutsche Produktionen folgten 1976. Bei der "Sesamstraße" werden, genau wie bei den Formaten "Sendung mit der Maus" oder "Löwenzahn", Wissensbeiträge in eine unterhaltsame Rahmenhandlung eingebettet. Dabei wird von der Grundannahme ausgegangen, dass Motivation und eigenes Interesse wesentliche Vorraussetzungen für erfolgreiches Lernen sind. Dieses Interesse soll geweckt werden, indem ein Moderator oder eine Figur, meist in einer Alltagssituation, auf ein Problem oder eine Fragestellung aufmerksam wird. Diese wird dann in einem Wissensbeitrag beantwortet und die Zusammenhänge erklärt. Kindersendungen sind aber nicht die einzigen Formate, die sich des Edutainments bedienen. Auch Quizsendungen wie "Wer wird Millionär" verbinden Unterhaltung und Information. Ein unterhaltsamer Moderator, in diesem Fall Günther Jauch, bringt die Zuschauer zum lachen und weckt ihr Interesse, wobei Fragen aus den unterschiedlichsten Themenbereichen die Zuschauer informieren. Der bildende Beitrag von Fernsehprogrammen ist aber nicht in allen Formaten so offensichtlich, wie in den genannten Exemplaren.

Auch in Seifenopern kann ein Bildungsgedanke nachzuweisen sein. Mit der gezielten Einbindung von Themen wie HIV, Drogenabhängigkeit, ungewollte Schwangerschaft oder Homosexualität, werden Jugendliche gezielt mit prekären sozialen Bereichen konfrontiert, welche sie zum Nachdenken anregen sollen. Dass Soaps das Ziel verfolgen Rezipienten zu bilden, ist aber nicht selbstverständlich. Entscheident sind dafür in erster Linie der Inhalt sowie die Aufbereitung der Sendung. Im Allgemeinen lässt sich festhalten, dass Soaps eine gute Plattform für die Wissensvermittlung, explizit im aufklärenden oder präventiven Bereich, bieten, da in diesen Formaten die Inhalte bestmöglich

personalisiert und emotionalisiert werden können[30]. Doch das Edutainment im Fernsehen hat nicht nur Befürworter. Allgemein kann gesagt werden, dass sich bei der Diskussion um den Bildungserfolg des Fernsehens ein großes Spannungsfeld zwischen pessimistischen und euphorischen Stimmen auftut[31]. Als einer der größten Kritiker des Edutainments im Fernsehen und den Medien im Allgemeinen ist an dieser Stelle POSTMAN zu nennen. In seinem bekanntesten, 1985 publizierten Werk "Wir amüsieren uns zu Tode", spricht er dem Fernsehen jeglichen bildenden Charakter ab. Bei seiner Beschreibung der kulturellen und sozialen Folgen des Fernsehens fokussiert er mögliche Gefahren und sieht in diesem Medium keine Chance für Bildung. Für ihn ist das Fernsehnen ein reines Unterhaltungsmedium. Auch Nachrichtensendungen spricht der Kritiker jede Zweckerfüllung für die sinnvolle Information der Rezipienten ab. "Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert”[32]. POSTMAN kritisiert an Nachrichtensendungen, dass sie mit angenehmer Musik verbunden werden und das unterschiedliche Nachrichten direkt aufeinander folgen. Laut POSTMAN hat der Zuschauer auf diese Weise keinerlei Chance selbst nachzudenken. Die direkte Abfolge hat dem Medienkritiker nach zur Folge, dass die Rezipienten wichtige und unwichtige Informationen nicht mehr unterscheiden können, sich nach dem Konsum von Nachrichten aber selbst für gebildet halten. "Unwissenheit lässt sich allemal beheben. Aber was sollen wir tun, wenn wir die Unwissenheit für Wissen halten?”[33] Laut dem Medienkritiker sind Bildung und Unterhaltung nicht zu vereinen. Da das Fernsehen, nach seinen Ansichten, ein reines Unterhaltungsmedium ist, besitzt es keinerlei Bildungswert.

Bei der Auseinandersetzung mit POSTMANS Thesen darf allerdings nicht vergessen werden, dass er seinen Bestseller "Wir amüsieren uns zu Tode" vor über 25 Jahren publizierte. Der Medienkritiker geht bei seinen Ausführungen sehr radikal vor und versäumt es auf den gesellschaftlichen Kontext zu achten. Entwicklungen und Veränderungen in der Gesellschaft lässt er vollkommen außer Acht. Er steht dem Medium Fernsehen grundsätzlich mit großer Ablehnung gegenüber. Pädagogische Handlungsmöglichkeiten werden in keinerlei Hinsicht genannt oder untersucht. Damit verpasst POSTMAN zu dem Stichwort Medienkompetenz zu gelangen. Bei der Bearbeitung der Frage, ob Fernsehen Menschen bilden kann, ist der Begriff Medienkompetenz als ein Schlüsselbegriff anzusehen, denn der objektive Betrachter der Medien erkennt sowohl Chancen als auch Herausforderungen und Gefahren für die Rezipienten. Die Chancen der neuen Medien zum eigenen Vorteil, wie zum Beispiel zur Weiterbildung, zu nutzen und die Gefahren zu kennen und damit Risiken zu minimieren, sind wichtige Bereiche der Medienkompetenz. Unter Medienkompetenz versteht man also die Fähigkeit Medien selbstbewusst und interessenorientiert anwenden zu können, dabei die eigene Identität zu entwickeln, sowie seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und sich zu integrieren. Um diese Fähigkeiten zu erlangen, ist Bildung erforderlich[34]. Das bedeutet also, dass nur wer den richtigen Umgang mit dem Fernsehen und anderen Medien gelernt hat, diese wiederum auch zur Weiterbildung nutzen kann. “Das Fernsehen macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer", so lautet eine berühmte und oftmals zitierte These des Literaturkritikers MARCEL REICH-RANICKI. Diese provokante Aussage bringt die Bedeutung der Medienkompetenz genau auf den Punkt. Nur wer eine Vorbildung besitzt, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kann, in der Lage ist Informationen kritisch zu betrachten und zu hinterfragen, nur für den bietet das Fernsehen eine Möglichkeit der Bildung, sodass von einer erfolgreichen Anwendung des Edutainment gesprochen werden kann.

3.1.2 Internet und Computerspiele

Viele Anbieter von Edutainmentprodukten sind im Multimediabereich zu finden. Für Medien und Softwareunternehmen sind die Edutainmentprodukte ein wichtiger Absatzmarkt geworden. Die meisten Produkte werden in der Computer- und Internetbranche angeboten.[35] In dieser Branche muss, wie generell beim Edutainment, zwischen zwei Formen unterschieden werden. Gegenüber stehen sich die Integration von Lerninhalten in Spiele und die Einbindung von Spielen in Lerninhalte. Erstgenanntes kann Kompetenzen einschließen, die bei der Nutzung von herkömmlichen Computerspielen oder Internetanwendungen nebenbei erworben werden. Genauso werden von den Unternehmen aber auch gezielt Lernelemente in Spiele eingebaut. Dabei resultiert das Interesse, bildende Inhalte ins Spiel zu integrieren, in der Regel nicht aus pädagogischen, sondern aus ökonomischen Gründen[36]. Die Softwareunternehmen können mit dieser Methode potentielle Nutzer und Käufer gewinnen. Diese sind bei Spielen beispielsweise Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter für gewöhnlich nicht identisch. Mit Edutainment lassen sich sowohl Kinder, als auch ihre Eltern locken. Den Kindern wird mit der Präsentation einer umfangreichen Unterhaltung, spannenden Spielwelten und Abenteuern eine Menge Spaß versprochen. Eltern werden mit eingebauten Lerninhalten und dem angeblichen pädagogischen Nutzen der Spiele geködert. An dieser Stelle gewinnt der Begriff Medienkompetenz, in diesem Fall die der Eltern, nicht die der Rezipienten, noch einmal große Bedeutung. Eltern müssen in der Lage sein den tatsächlichen Bildungswert eines Computerspiels zu erkennen, richtig einzuschätzen und auf eine sinnvolle Weise für ihr Kind zu nutzen. Das Bewusstsein, dass bei dieser Art von Spielen die Unterhaltung meistens im Vordergrund steht, muss gewährleistet sein. Trotzdem darf der allgemeine Einfluss der Medien nicht einfach verdrängt oder ignoriert werden. Ein Verständnis dafür, dass das Wissen in der heutigen Zeit stark durch die Medien geprägt ist, ist für den richtigen Umgang mit selbigen eine Grundvoraussetzung. „Was wir über die Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. Das gilt nicht nur für unsere Kenntnisse der Gesellschaft und der Geschichte, sondern auch für unsere Kenntnisse der Natur”[37]. Diese These LUHMANNS fasst den Einfluss der Medien zusammen. Informationen aus dem Internet überwiegen gegenüber denen, die durch eigene Primärerfahrungen gesammelt wurden. Diese Tatsache zeigt ganz deutlich auf, dass ein Bewusstsein für die neuen Medien und eine Kompetenz mit ihnen umzugehen, in der heutigen Zeit unerlässlich sind. Es ist ein Grundverständnis über die unterschiedlichen Medien und eben auch deren Bildungswert erforderlich. Kategorisierungen von Medien und Inhalten können dabei helfen beispielweise Computerspiele richtig einzuschätzen.

Insgesamt lassen sich in der Computerspielbranche die Edutainmentprogramme in fünf Formen kategorisieren. Diese unterscheiden sich in ihrer Intention, Lernorientierung und spielerischen Einbindung voneinander. Zwei dieser Anwendungen lassen sich klar dem Bereich der Unterhaltungsprogramme mit integrierten Bildungselementen einordnen[38].

[...]


[1] Köck, P. (2003)

[2] Genesis 1,26

[3] 2. Korinther 3, 12ff.

[4] Vgl. Reinhardt, U. (2007) S.17ff.

[5] Luther M. (1520) In: Luthers Werke (1966) S.204

[6] Hegel, G. W. F. (1833) S.218

[7] Vgl. Cobben, P. (2006) S. 167-169

[8] Humboldt, W. v. (1980)

[9] Vgl. Konrad, F.-M. (2010) S. 38ff.

[10] Vgl. Reinhardt, U. (2007)

[11] Vgl. Graichen, O. (2002) S. 20ff.

[12] Vgl. Schmidt, S. (2009)

[13] Vgl. Reinhardt U. (2007) S. 29ff.

[14] Peukert, H. (1992)

[15] Vgl. Breidbach, S. (2007)

[16] Vgl. Grunert, C., Wensierski, H.-J. (2008) S.10

[17] Vgl. Köck, P. (2003)

[18] Vgl. Reinhardt, U. (2007)

[19] Vgl. Prager, G. (1971)

[20] Hickethier, K. (1979)

[21] Vgl. Dehm, U. (1988)

[22] Vgl. Reinhardt, U. (2007) S.38

[23] Vgl. Khorrami, N. (2011)

[24] Vgl. Khorrami, N. (2011)

[25] Haacke, W. (1970) S.123

[26] Vgl. Reinhardt, U. (2007) S.45

[27] Noelle-Neumann, E. (1993)

[28] Haacke, W. (1970)

[29] Reinhardt, U. (2003)

[30] Vgl. Reisenberger, A. (2010)

[31] Vgl. Mattusch, U. (1997) S.102

[32] Postman, N. (1986)

[33] Postman, N. (1986) S. 133ff.

[34] Vgl. Rein, A. v. (1996) S.20

[35] Vgl. Reinhardt, U. (2003) S.212

[36] Vgl. Reinhardt, U. (2003) S.212ff.

[37] Luhmann, N. (2004) S.9

[38] Vgl. Reinhardt, U. (2003) S. 212ff.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Erfolgskontrolle Edutainment - Effektive Bildungsmethode oder reine Unterhaltung?
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Veranstaltung
Eventmanagement und Entertainment
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
76
Katalognummer
V211556
ISBN (eBook)
9783656396093
ISBN (Buch)
9783656396505
Dateigröße
3532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Unterhaltung, Neologismus, Edutainment, Wissenserwerb, Lernen, Event, Entertainment, Eventmanagement
Arbeit zitieren
Karla Knitter (Autor), 2012, Erfolgskontrolle Edutainment - Effektive Bildungsmethode oder reine Unterhaltung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211556

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