Das 20. Jahrhundert war geprägt von drei großen Wellen der Demokratisierung und den damit verbundenen Übergängen von autoritären zu liberaldemokratischen politischen Systemen. Die dritte Demokratisierungswelle begann mit einem Militärputsch in Portugal im Jahre 1974 und breitete sich von dort über Griechenland, Spanien, Lateinamerika, Ost- und Südostasien, bis zum Zusammenbruch der kommunistischen Systeme Osteuropas in den Jahren 1989 - 1991, aus (Merkel 2010: 17.
Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Betrachtung der dritten Demokratisierungswelle in der „Sozialistischen Föderativen Republik – SFR Jugoslawien“, im Einzelnen die Teilrepubliken Slowenien und das Kosovo, die mit den Unabhängigkeitserklärungen von Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 eingeleitet wurde und den Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens bedeutete (Bundeszentrale für Politische Bildung: 24.06.2011).
Hierzu wird ein kurzer Rückblick auf die Geschichte genommen und ein Abriss der Gegenwart aufgezeigt. Anschließend erfolgt die Hinleitung und Erklärung der zu behandelnden Forschungsfrage. Die Klärung der zentralen Begriffe, die Erläuterung der Fallauswahl sowie die Darlegung der zu untersuchenden Variablen erfolgt im vierten Kapitel. Die Gegenüberstellung der erhobenen Daten zu den Teilrepubliken Slowenien und des Kosovo, des ehemaligen Jugoslawiens wird in Kapitel fünf erfolgen. Abschließend erfolgt das Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Rückblick und Gegenwart
3. Festlegung der Forschungsfrage
4. Theorie, Begriffe, Variablen und Operationalisierung
4.1. System- und Kulturtheorie
4.2. Zentrale Begriffe
4.2.1. Demokratiebegriff am Konzept der „Embedded Democracy“
4.2.2. Defekte Demokratie
4.2.3. Systemtransformation
4.2.4. Transition
4.3. Fallauswahl, Variablen und Operationalisierung
5. Gegenüberstellung der Entwicklungen im Systemtransformationsprozess von Slowenien und des Kosovo
5.1. Staatlichkeit
5.2. Politische Partizipation
5.3. Rechtsstaatlichkeit
5.4. Institutionelle Stabilität
5.5. Politische und gesellschaftliche Integration
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungen im Systemtransformationsprozess der ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kosovo, wobei der Fokus auf der Forschungsfrage liegt, welche Gründe für die divergierenden Transformationspfade dieser beiden Länder verantwortlich sind.
- Vergleich der Systemtransformation zwischen Slowenien und dem Kosovo
- Anwendung des Konzepts der "Embedded Democracy"
- Analyse der Staatlichkeit, politischen Partizipation und Rechtsstaatlichkeit
- Untersuchung der institutionellen Stabilität und gesellschaftlichen Integration
- Einfluss sozio-ökonomischer Bedingungen und ethnischer Konflikte
Auszug aus dem Buch
5.1. Staatlichkeit
Unter Betrachtung der vier Kriterien Monopol der staatlichen Gewalt, staatliche Identität, keine Störungen durch religiöse Dogmen sowie der grundlegende Aufbau der Verwaltung wird, gemäß dem Transformationsatlas 2010 der Bertelsmann Stiftung, die Staatlichkeit Sloweniens und des Kosovos wie folgt bewertet:
Bis zum Jahre 2007 wurden 43 religiöse Gemeinschaften in Slowenien formal registriert. Die einzelnen religiösen Dogmen üben keinen direkten Einfluss auf das politische Geschehen in Slowenien aus. Dennoch konnte die Römisch-Katholische Kirche ihren Einfluss auf verschiedene soziale Subsysteme, darunter die Bereiche Bildung, Gesundheit, Wirtschaft und Medienorganisation ausdehnen. Es ist anzumerken, dass die Katholische Kirche drei von 29 Vertretern im Rat des öffentlichen Rundfunks und Fernsehen stellt (Transformationsatlas der Bertelsmannstiftung 2010 Slowenien Stateness/No interference of religious dogmas). Ein weiteres ungelöstes Problem in Bezug auf die staatliche Identität besteht im Zusammenhang mit den sogenannten „gelöschten Bürgerinnen und Bürger“, welche in den Jahren 1992 und 1993 aus dem Register für Daueraufenthaltsgenehmigungen gelöscht wurden. Der Hauptanteil dieser Personen sind Nicht-Slowenen und einige von ihnen waren an den Bewegungen gegen die slowenischen Strategieinteressen im „10-Tage-Krieg“ 1991 beteiligt. Das Verfassungsgericht deklarierte diese Löschung im Jahre 2003 als verfassungswidrig und hob somit den Entzug der Staatsbürgerschaft auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die dritte Demokratisierungswelle ein und definiert das Ziel der Hausarbeit, den Transformationsprozess in Slowenien und dem Kosovo zu untersuchen.
2. Geschichtlicher Rückblick und Gegenwart: Das Kapitel skizziert den Zerfall Jugoslawiens nach Titos Tod und die darauffolgenden Unabhängigkeitsbewegungen der Teilrepubliken.
3. Festlegung der Forschungsfrage: Hier wird das "Dilemma der Gleichzeitigkeit" eingeführt und die Forschungsfrage zu den Ursachen der unterschiedlichen Transformationsverläufe in Slowenien und dem Kosovo formuliert.
4. Theorie, Begriffe, Variablen und Operationalisierung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der System- und Kulturtheorie sowie zentrale Begriffe wie die "Embedded Democracy" und defekte Demokratien.
5. Gegenüberstellung der Entwicklungen im Systemtransformationsprozess von Slowenien und des Kosovo: Der Hauptteil vergleicht systematisch die beiden Länder anhand der Variablen Staatlichkeit, Partizipation, Rechtsstaatlichkeit, institutionelle Stabilität und Integration.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und führt die unterschiedlichen Entwicklungsgrade auf die divergierenden Ausgangsbedingungen sowie sozio-ökonomische und ethnische Faktoren zurück.
Schlüsselwörter
Systemtransformation, Slowenien, Kosovo, Demokratisierung, Embedded Democracy, Defekte Demokratie, Jugoslawien, Rechtsstaatlichkeit, Institutionelle Stabilität, Politische Partizipation, Transformation, Transformationstheorie, Transformation, Transition, Ethnische Konflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Transformationsprozesse von Slowenien und dem Kosovo nach dem Zerfall Jugoslawiens.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Die zentralen Felder sind die politische, wirtschaftliche und staatliche Transformation sowie die Konsolidierung demokratischer Systeme.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit sucht nach den Gründen für die stark unterschiedlichen Entwicklungsverläufe in den ehemaligen Teilrepubliken Slowenien und Kosovo.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin verwendet das "Most Similar Case Design" (MSSD) auf Basis des Transformationsatlas der Bertelsmann Stiftung zur vergleichenden Analyse.
Was genau wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Staatlichkeit, politischer Partizipation, Rechtsstaatlichkeit, institutioneller Stabilität sowie politischer und gesellschaftlicher Integration.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Embedded Democracy, defekte Demokratie, Systemtransformation und das Dilemma der Gleichzeitigkeit prägen das theoretische Fundament.
Warum wird Slowenien oft als erfolgreich in seiner Transformation bezeichnet?
Slowenien zeichnete sich durch ethnische Homogenität, einen hohen ökonomischen Standard und eine konsensorientierte Politik aus, die zur frühen EU-Mitgliedschaft führte.
Welche Rolle spielt die Korruption bei der Bewertung des Kosovo?
Die Arbeit konstatiert eine starke Durchdringung kosovarischer Institutionen durch Korruption und organisierte Kriminalität, was die Konsolidierung der Demokratie erheblich erschwert.
Welchen Einfluss hatten ethnische Konflikte auf die Stabilität?
Die Arbeit zeigt, dass insbesondere im Kosovo ethnische Spannungen und der Nord-Süd-Konflikt die Etablierung eines effektiven staatlichen Gewaltmonopols maßgeblich behindern.
- Citation du texte
- Jeannine Tissat (Auteur), 2011, Systemtransformationsprozess der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211588