Gegenstand dieser Arbeit ist, der Ausbruch des Krieges in Bosnien- Herzegowina, dessen
Verlauf und die Intervention der westlichen Mächte. Wobei das Hauptaugenmerk dabei
allerdings auf den Vereinten Nationen (UNO) und der Nordatlantischen
Verteidigungsorganisation (NATO) liegt.
Um den Ausbruch des Krieges sinnvoll nachzeichnen zu können, werde ich zunächst auf die
Situation in Bosnien- Herzegowina vor dem Krieg eingehen. Dazu gehören selbstredend die
politische und wirtschaftliche Lage Jugoslawiens, ebenso wie die „komplizierte
Siedlungsgeographie Bosnien- Herzegowinas“1. Letztere ist unmittelbar mit einem
erstarkenden Nationalismus und der Bildung nationalistischer Gemeinschaften verbunden, die
ihrerseits zu Misstrauen und Unstimmigkeiten führten.
Darüber hinaus sollen die Wahlergebnisse vom Winter 1990 und die Resultate der im März
1991 durchgeführten Volkszählung nicht außer acht gelassen werden, besteht zwischen ihnen
doch ein nicht von der Hand zu weisender Zusammenhang.
Der nächste wichtige Aspekt besteht dann im eigentlichen Ausbruch des Krieges im Frühjahr
1992 und seinem weiteren Verlauf.
In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verlauf des Krieges und im Mittelpunkt dieser
Arbeit steht die Intervention der Vereinten Nationen und das Eingreifen der Nordatlantischen
Verteidigungsorganisation.
Der weitere Verlauf der Arbeit setzt sich damit aus dem chronologischen Kriegsablauf und
dem direkten Bezugnehmen zu Vermittlungsbemühungen, konkreten Maßnahmen und
Interventionen der eben genannten Akteure, bis zum Waffenstillstand am 10. Oktober 1995
zusammen.
Um die einzelnen Schritte zu analysieren und den Wandel in der Politik der westlichen
Akteure deutlich machen zu können, sind die jeweiligen Kriegs- und Verhandlungsbeziehungsweise
Interventionsphasen chronologisch in einzelne Kapitel unterteilt.
Abschließend möchte ich die wichtigsten beziehungsweise umfassendsten wissenschaftlichen
Sekundärwerke über den Krieg in Bosnien- Herzegowina und die mir zur Verfügung
stehenden Primärquellen über die Intervention der westlichen Mächte und der NATO nicht
unerwähnt lassen. [...]
1 In: Eisermann, Daniel: Der lange Weg nach Dayton. Die westliche Politik und der Krieg im ehemaligen
Jugoslawien 1991 bis 1995, S. 93.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Die Entwicklung in Bosnien- Herzegowina bis zum Zerfall des Landes
III. Erste Maßnahmen der Vereinten Nationen
IV. Weitere Maßnahmen der Vereinten Nationen
1.Überwachung der Adria- erste Einsätze der NATO
2. Erste NATO- Jagdflugzeuge in Bosnien- Herzegowina
3. Die Einrichtung der UN- Sicherheitszonen
3.1. Das Zwei- Schlüssel- System
4. Der leichte „Wandel“ in der Politik
5. Der Tiefpunkt in der Konfliktregulierung
6. Die „schnelle Eingreiftruppe“ und das Ende des Kriegs
VI. Schlussbetrachtung
VII. Literatur und Quellen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert den Ausbruch und Verlauf des Krieges in Bosnien-Herzegowina unter besonderer Berücksichtigung der Interventionen der Vereinten Nationen und der NATO. Ziel ist es, die politisch-militärische Dynamik sowie die Effektivität der westlichen Krisenbewältigungsstrategien vor dem Hintergrund einer zunehmenden Eskalation und des Scheiterns früherer Peace-Keeping-Ansätze zu beleuchten.
- Historische Genese des Zerfalls Jugoslawiens und Bosnien-Herzegowinas
- Die Rolle der UN-Resolutionen und des Waffenembargos
- Die sicherheitspolitische Rolle der NATO und die Problematik des Zwei-Schlüssel-Systems
- Die Entwicklung und Problematik der UN-Sicherheitszonen
- Übergang von Peace-Keeping zu Enforcement-Operationen am Ende des Konflikts
Auszug aus dem Buch
Die Einrichtung der UN- Sicherheitszonen
Schon, in der bereits erwähnten Resolution 787 hatte der Sicherheitsrat darum gebeten, „to examine the possibilty of promoting safe areas“. Wie diese Sicherheitszonen aber gestaltet werden sollten, darüber wurde nicht gesprochen.
Bis April 1993 wurden auch keine weiteren Schritte in diese Richtung unternommen.
Erst die sich stetig verschlechternde Lage in Bosnien- Herzegowina und die sich seit Ende 1992 verändernde Kriegssituation schufen einen Handlungszwang.
Schon im Herbst 1992 kam es zu Kämpfen der eigentlich Verbündeten. Die Gründe hierfür lagen in der Verschiebung der Kriegsziele. War es den Serben bereits gelungen einen großen Teil Bosnien- Herzegowina unter ihre Kontrolle zu bringen, versuchten auch die kroatischen Truppen jetzt territoriale Gewinne zu machen und zu sichern. In diesem Zusammenhang kam es zu Gefechten mit muslimischen Verbänden.
Mittlerweile handelte es sich also nicht mehr um einen Zwei-Fronten- Krieg, zwischen den Serben auf der einen und den Kroaten und Muslime auf der anderen Seite, sondern um einen Drei- Fronten- Krieg.
Im April 1993 begann der sogenannte Krieg- im Krieg, zwischen Kroaten und Bosniaken. Die ehemalige Allianz war zerfallen, womit sich die Verteilung der Kräfte, zu ungunsten der Muslime verschob.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Darstellung der Problemstellung und der Zielsetzung der Arbeit sowie ein kurzer Überblick über die verwendeten Quellen und die wissenschaftliche Ausgangslage.
II. Die Entwicklung in Bosnien- Herzegowina bis zum Zerfall des Landes: Analyse der politischen Desintegration, der ethnischen Parteienbildung und der sozioökonomischen Faktoren, die zum Zerfall Jugoslawiens und zum Krieg führten.
III. Erste Maßnahmen der Vereinten Nationen: Untersuchung der anfänglichen Vermittlungsversuche, der Verhängung eines Waffenembargos und der ersten UN-Friedensmissionen.
IV. Weitere Maßnahmen der Vereinten Nationen: Detaillierte Betrachtung der Ausweitung der militärischen Aktivitäten, einschließlich der Adria-Überwachung, der Einrichtung von Sicherheitszonen und der komplexen NATO-Einsätze.
VI. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Analyse der Effektivität westlicher Interventionen und Fazit über die Rolle von UNO und NATO im Bosnien-Konflikt.
VII. Literatur und Quellen: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Sekundärliteratur und der herangezogenen Primärquellen.
Schlüsselwörter
Bosnien-Herzegowina, Krieg, Vereinte Nationen, UNPROFOR, NATO, Sicherheit, Konfliktregulierung, Sicherheitszonen, Waffenembargo, Jugoslawien, Interventionspolitik, Friedensabkommen, Ethnische Konflikte, Zwei-Schlüssel-System, Deliberate Force
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Krieg in Bosnien-Herzegowina und analysiert kritisch die Interventionsbemühungen westlicher Akteure, insbesondere der UNO und der NATO, zwischen 1991 und 1995.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursachen des jugoslawischen Zerfalls, den rechtlichen und praktischen Hürden von Friedensmissionen sowie der Transformation der militärischen Strategien vom klassischen Peace-Keeping zum Peace-Enforcement.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie politisch-institutionelle Hemmnisse, wie das Zwei-Schlüssel-System, die Effektivität internationaler Hilfe behinderten und welche Rolle die NATO bei der letztlichen Konfliktbeendigung spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine chronologische Analyse wissenschaftlicher Sekundärliteratur sowie eine detaillierte Auswertung internationaler Primärquellen, insbesondere UN-Resolutionen und NATO-Communiqués.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen: von der Ausgangslage vor dem Krieg über die Implementierung der UN-Sicherheitszonen bis hin zu den entscheidenden Luftoperationen der NATO unter der "schnellen Eingreiftruppe".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Bosnien-Herzegowina, UNPROFOR, NATO, Sicherheitszonen, Waffenembargo, Konfliktregulierung und Enforcement-Operation.
Warum galt das Zwei-Schlüssel-System als "blockierend"?
Es erforderte die Zustimmung sowohl von UN-Funktionären als auch von NATO-Befehlshabern für militärische Einsätze, was in der Praxis zu Verzögerungen und politischer Handlungsunfähigkeit in kritischen Momenten führte.
Welche Bedeutung hatten die "Sicherheitszonen" für den weiteren Kriegsverlauf?
Die Zonen, wie etwa Srebrenica, sollten humanitäre Hilfe sichern, erwiesen sich jedoch mangels ausreichender militärischer Absicherung oft als Falle, die die Zivilbevölkerung schutzlos zurückließ und die Glaubwürdigkeit der UN untergrub.
- Quote paper
- Anne Freimann (Author), 2002, Der Krieg in Bosnien- Herzegowina und die Intervention der Vereinten Nationen und der Nordatlantischen Verteidigungsorganisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21159