Christliche Mystik und Biblische Motive im Strukturalistischen Gefüge in Gottfried von Straßburgs „Tristan“


Seminararbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Vorüberlegungen

2. Tristan in der Scholastik
2.1 Die Tristan Typologie
2.2 Tristan im Vergleich zu biblischen Helden

3 Die Erbsündenlehre im Liebesverhältnis von Tristan und Isolde
3.1 Prolog und Elternvorgeschichte
3.2 Die Minnetrankszene
3.3 Die Baumgartenszene

4. Resümee:

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Vorüberlegungen

Zion, die letzte Enklave der Menschheit ist in Bedrängnis. Morpheus zieht mit seinem Schiff, der Nebukadnezar, und seiner mutigen Besatzung, unter ihnen auch die schöne Trinity, aus, um den EINEN zu finden, den von dem in einer Prophezeiung geweissagt ist die Menschheit zu retten! Doch sie haben Cypher, einen Verräter an Bord. Wie wird die Geschichte wohl enden? Der Film „Matrix“1 ist wohl einer der erfolgreichsten Filme der vergangenen Jahre. In Internetforen wird heiß diskutiert, ob und wie man die zahlreichen Hinweise auf die Bibel interpretieren muss. Dass eine gute Mischung aus Sex, Action und religiösen Anspielungen ein Rezept für Kassenschlager ist, hat aber nicht erst Hollywood gezeigt, sondern hat eine lange Tradition. In dieser Arbeit sollen Sex und Action, nach klösterlicher Tradition, ins Regal gestellt werden und der Aspekt der religiösen Anspielungen in den Vordergrund treten. Die Bibel ist grundlegend für das Selbstverständnis des Mittelalters. Kein anderes Buch hatte so großen Einfluss auf die Lehre, die Dichtung und das alltägliche Leben der Menschen wie sie es hatte. Ihre Bedeutung kommt aber nicht erst nach Guttenberg und Luther zum Vorschein. In der Beschäftigung mit Gottfried von Straßburgs Tristan ist unverkennbar, dass Straßburg direkt Bezug auf biblische Personen und Motive nimmt. Bei genauerer Prüfung lässt sich erkennen wie die christliche Mystik bemüht wird, um das Liebesverhältnis von Tristan und Isolde auszumalen und in seine Liebeskonzeption einzuweben. Deswegen wird Gottfried eine -nicht ganz unumstrittene- Minnereligion zugeschrieben.

Die folgende Arbeit möchte darüber Aufschluss geben, wie Straßburg biblische Motive und christliche Glaubensvorstellungen der Frühscholastik in seinen Tristan Roman einbaut. Zuerst soll die Figuraldeutung des Helden Tristan mit den Topoi der Erzväter und Könige Israels Josef, David und Daniel verglichen werden. Im Anschluss gilt es Gemeinsamkeiten der Erbsündenlehre und der Minnebeziehung zu klären. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengetragen und ausgewerten.

2. Tristan in der Scholastik

Die Frühscholastik nimmt ihren Anfang im 11. und 12. Jh. und wird dann von der Spätscholastik am Ende des 12. Jh. verdrängt. Straßburg schreibt den Tristan kurz nach der Jahrhundertwende, daher ist ein Blick auf die Gegensätzlichkeit der beiden Konzepte nicht unbedeutend. Während die Frühscholastik in der Tradition Anselm von Canterburys (1033-1099) steht, entdeckt die Spätscholastik den Reichtum der vorchristlichen Philosophen neu und fordert die Theologie mit der aristotelischen Philosophie heraus.2 Damit entsteht der Roman quasi zwischen zwei Fronten. Hasebrink zeigt, dass Spuren altgriechischer Tradition, wie z.B. Ovid im Tristan Roman vorhanden sind, als auch lateinische Mystik.3 „Diese ganze sinnlich wahrnehmbare Welt ist wie ein Buch“ schreibt Hugo von St. Victor (1096-1141), „[…] geschrieben vom Finger Gottes […] und die einzelnen Geschöpfe sind wie Figuren, die nicht nach menschlichem Beschluss, sondern durch den göttlichen Willen aufgerichtet sind […].“4 Obwohl Straßburg bezeugt wie Gott für Tristans Lebenslauf verantwortlich ist:

und sagen wir umbe daz kindelîn, daz vater noch muoter haete, waz got mit deme getaete5

,soll nun gezeigt werden nach welchem Konzept Gottfried seinen Tristan aufgestellt hat.

2.1 Die Tristan Typologie

Die Typologie ist Teil der hermeneutischen Exegese und wurde im Mittelalter als Methode zur Deutung biblischer Personen benutzt. Ihr wohnt das Moment inne, die Geschichte eschatologisch, d.h. heilsgeschichtlich im Hinblick auf „die letzten Dinge“ zu werten und die Ereignisse in diesen göttlichen Heilsplan einzuordnen. Sie soll hier als „hermeneutische Methode“ mit „Verweisungscharakter“ im Sinne Weddiges6 gebraucht werden. Straßburg nimmt nicht theologisch Bezug auf die Heilsgeschichte, vielmehr benutzt er die „Semantisch[e]-strukturelle[n] Grammatik“7 der Typologie und wendet sie auf die Figuralgestaltung Tristans an. Auf diese Weise kann man an mehreren Stellen im Tristan Motive „als außerbiblisch-typologisches Verhältnis“8 interpretieren.

2.2 Tristan im Vergleich zu biblischen Helden

Evelyn Jacobson weist darauf hin, dass der Tristan-Topos „remarkably similar to the arrival and acceptance of Joseph at the court of Pharaoh” ist und „which, when compared with the prototype, should provide another means of access to an understanding of Gottfried’s intent.”9 Ebenso weisen Richardson10 wie auch Denomy11 auf eine typologische Verwandtschaft Tristans mit David hin. Außerdem scheint auch ein Vergleich mit Daniel am Hof Nebukadnezars fruchtbar zu sein. Wie lassen sich die Übereinstimmungen in dieser Fülle erklären? Obwohl Jacobson die strukturalistische Verwandtschaft nur in Joseph und nicht zu den anderen Helden der Bibel gesehen hat, hat sie dennoch anhand des Joseph-Topos sechs Elemente herausgearbeitet, die gewissermaßen als Schablone für die Heldenzeichnung im Alten Testament gelten können.

„1. the favorite child made homeless, because of jealousy of or amazement at his excellence;
2. the orphaned child’s appearance and acceptance at a heathen court because of his excellence; 3. the child grows to manhood and rises to position of power second only to that of the ruler; 4. the test, which underscores the fact that, in spite of attainments, and because of his very excellence, the hero remains an outsider;5. punishment which consists in banishment from the court; 6. resolution.”12

Im Folgenden sollen nun Schritt für Schritt die Topoi aufgegriffen und verglichen werden.

1. Tabelle nach eigener Darstellung:13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29

[...]


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_%28Film%29

2 LEONHARDT, (2009), S.34

3 HASEBRINK, Burckhardt: (2002), S. 442ff

4 HUGO von St. Victor nach: SEELBACH, (2008), S. 57

5 TRISTAN 1788-1790

6 WEDDIGE, S.69ff

7 Ebd.

8 „Wer die Typologie als derart übergreifende Denkform versteht, kann z.B. Elternvorgeschichte und Hauptgeschichte in Gottfrieds Tristan und in Parzival als außerbiblisch-typologisches Verhältnis interpretieren.“ WEDDIGE, S. 83

9 JACOBSON: Neophilologus 69 (1985), S.567

10 RICHARDON (1996), S. 85ff

11 DENOMY, (1956), S. 224-232.

12 JACOBSON: Neophilologus 69 (1985), S.570

13 Zum besseren Verständnis habe ich von einer schriftlichen Ausführung abgesehen. Die Darstellungsmethode macht die Vergleiche der Figuraldeutung plastischer. Zudem habe ich an wichtigen Stellen die Bibel zitiert um nur die Spitze des Geschehens darzustellen. Wir dürfen aber nicht den Kontext vergessen in die sie eingebettet ist.

14 Tristan 2138-2143

15 Tristan 1789-2479 (Anm. in den Strophen 2483 und 2843 wird Tristan explizit der ellende genannt)

16 Genesis 37

17 1 Samuel 16,5-7; 10-11

18 Daniel 1 3-4

19 Tristan 2480-3748

20 Ebd. 2833

21 Tristan 3360 ff

22 Genesis 39,2

23 David ist bekannt für sein exzellentes Harfenspiel. Traditionell wird ihm auch nachgesagt der Verfasser der Psalmen zu sein.

24 1. Samuel 16, 14-20

25 Daniel 1, 20 Anm. Als David aufgehört hatte , mit Saul zu reden, verband sich das Herz Jonatans mit dem Herzen Davids, und Jonatan gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz. […] Und Jonatan schloß mit David einen Bund, denn er hatte ihn lieb wie sein eigenes Herz. 1.Samuel 18,2-4 ( Ich möchte an dieser Stelle nur auf das Motiv des ein einic ein aufmerksam machen, dass ich hier zu erkennen glaube.)

26 Tristan 5140- 5170

27 Genesis 39, 2-5

28 Nicht nur das, sondern er bringt auch noch 200 Vorhäute von Philistern als Brautpreis für Sauls Tochter Micha. Obwohl er damit an zweite Stelle rückt, kann Saul David nicht leiden. Davids Nachfolge ist aberunbestritten, da er bereits vor erscheinen am Hofe von Samuel, der auch Saul nach dem Willen Gottes zum König getauft hat, getauft wurde.

29 1.Samuel 18,2

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Christliche Mystik und Biblische Motive im Strukturalistischen Gefüge in Gottfried von Straßburgs „Tristan“
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Seminar "Gottfried von Straßburgs Tristan"
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V211608
ISBN (eBook)
9783656752301
ISBN (Buch)
9783656752318
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
christliche, mystik, biblische, motive, strukturalistischen, gefüge, gottfried, straßburgs, tristan
Arbeit zitieren
David Klein (Autor), 2012, Christliche Mystik und Biblische Motive im Strukturalistischen Gefüge in Gottfried von Straßburgs „Tristan“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211608

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