Die folgende Arbeit möchte darüber Aufschluss geben, wie Straßburg biblische Motive und christliche Glaubensvorstellungen der Frühscholastik in seinen Tristan Roman einbaut. Zuerst soll die Figuraldeutung des Helden Tristan mit den Topoi der Erzväter und Könige Israels Josef, David und Daniel verglichen werden. Im Anschluss gilt es Gemeinsamkeiten der Erbsündenlehre und der Minnebeziehung zu klären. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengetragen und ausgewerten.
Zion, die letzte Enklave der Menschheit ist in Bedrängnis. Morpheus zieht mit seinem Schiff, der Nebukadnezar, und seiner mutigen Besatzung, unter ihnen auch die schöne Trinity, aus, um den EINEN zu finden, den von dem in einer Prophezeiung geweissagt ist die Menschheit zu retten! Doch sie haben Cypher, einen Verräter an Bord. Wie wird die Geschichte wohl enden? Der Film „Matrix“ ist wohl einer der erfolgreichsten Filme der vergangenen Jahre. In Internetforen wird heiß diskutiert, ob und wie man die zahlreichen Hinweise auf die Bibel interpretieren muss. Dass eine gute Mischung aus Sex, Action und religiösen Anspielungen ein Rezept für Kassenschlager ist, hat aber nicht erst Hollywood gezeigt, sondern hat eine lange Tradition. In dieser Arbeit sollen Sex und Action, nach klösterlicher Tradition, ins Regal gestellt werden und der Aspekt der religiösen Anspielungen in den Vordergrund treten.
Die Bibel ist grundlegend für das Selbstverständnis des Mittelalters. Kein anderes Buch hatte so großen Einfluss auf die Lehre, die Dichtung und das alltägliche Leben der Menschen wie sie es hatte. Ihre Bedeutung kommt aber nicht erst nach Guttenberg und Luther zum Vorschein. In der Beschäftigung mit Gottfried von Straßburgs 'Tristan' ist unverkennbar, dass Straßburg direkt Bezug auf biblische Personen und Motive nimmt. Bei genauerer Prüfung lässt sich erkennen wie die christliche Mystik bemüht wird, um das Liebesverhältnis von Tristan und Isolde auszumalen und in seine Liebeskonzeption einzuweben. Deswegen wird Gottfried eine – nicht ganz unumstrittene - Minnereligion zugeschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorüberlegungen
2. Tristan in der Scholastik
2.1 Die Tristan Typologie
2.2 Tristan im Vergleich zu biblischen Helden
3 Die Erbsündenlehre im Liebesverhältnis von Tristan und Isolde
3.1 Prolog und Elternvorgeschichte
3.2 Die Minnetrankszene
3.3 Die Baumgartenszene
4. Resümee:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Gottfried von Straßburg biblische Motive und christliche Glaubensvorstellungen der Frühscholastik in seinen Tristan-Roman integriert, um das Liebesverhältnis der Protagonisten darzustellen und einzuordnen.
- Figuraldeutung des Helden Tristan im Vergleich zu biblischen Gestalten (Josef, David, Daniel)
- Analyse der Erbsündenlehre im Kontext der Minnebeziehung
- Strukturalistische Untersuchung der Tristan-Typologie
- Bedeutung der Minnetrankszene als Parallele zum Sündenfall
- Einfluss christlicher Mystik auf die Liebeskonzeption
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Tristan Typologie
Die Typologie ist Teil der hermeneutischen Exegese und wurde im Mittelalter als Methode zur Deutung biblischer Personen benutzt. Ihr wohnt das Moment inne, die Geschichte eschatologisch, d.h. heilsgeschichtlich im Hinblick auf „die letzten Dinge“ zu werten und die Ereignisse in diesen göttlichen Heilsplan einzuordnen. Sie soll hier als „hermeneutische Methode“ mit „Verweisungscharakter“ im Sinne Weddiges gebraucht werden. Straßburg nimmt nicht theologisch Bezug auf die Heilsgeschichte, vielmehr benutzt er die „Semantisch[e]-strukturelle[n] Grammatik“ der Typologie und wendet sie auf die Figuralgestaltung Tristans an. Auf diese Weise kann man an mehreren Stellen im Tristan Motive „als außerbiblisch-typologisches Verhältnis“ interpretieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Vorüberlegungen: Hinführung zur Thematik der biblischen Anspielungen in Gottfried von Straßburgs Werk und Definition der Forschungsabsicht.
2. Tristan in der Scholastik: Untersuchung des geistigen Hintergrunds der Frühscholastik und deren Einfluss auf die Konzeption des Tristan-Romans.
2.1 Die Tristan Typologie: Erläuterung der angewandten hermeneutischen Methode zur strukturellen Deutung der Tristan-Figur.
2.2 Tristan im Vergleich zu biblischen Helden: Analyse struktureller Parallelen zwischen Tristan und biblischen Gestalten wie Josef, David und Daniel.
3 Die Erbsündenlehre im Liebesverhältnis von Tristan und Isolde: Analyse des thematischen Bogens zwischen Erbsündenlehre und Minne, ausgehend von der Elternvorgeschichte.
3.1 Prolog und Elternvorgeschichte: Bedeutung der Vorfahren und des vererbbaren Schicksals als Vergleichsfolie für die spätere Liebesbeziehung.
3.2 Die Minnetrankszene: Deutung des Minnetranks unter Rückgriff auf Augustins Zeichenlehre und Parallelen zum Sündenfall.
3.3 Die Baumgartenszene: Vertiefung des Sündenfall-Motivs und symbolische Einordnung der Vereinigung der Liebenden.
4. Resümee:: Zusammenführung der Ergebnisse und Bewertung der Frage nach einer vermeintlichen säkularen Religion bei Straßburg.
Schlüsselwörter
Gottfried von Straßburg, Tristan, Frühscholastik, Typologie, Biblische Motive, Erbsündenlehre, Minne, Minnetrank, Augustins Zeichenlehre, Unio Mystica, Heilsgeschichte, Figuraldeutung, Literaturbetrachtung, Mittelalter, Liebeskonzeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die christlichen und biblischen Einflüsse in Gottfried von Straßburgs „Tristan“ und untersucht, wie diese Motive zur Gestaltung der Hauptfiguren und ihrer Liebesbeziehung genutzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Typologie, die Erbsündenlehre, das Motiv des Sündenfalls und die Verbindung von weltlicher Minne mit frühscholastischen Glaubenskonzepten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Straßburg biblische Motive als strukturelles Gerüst verwendet, ohne dass der Roman dadurch zu einer rein theologischen oder heilsgeschichtlichen Schrift wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die strukturalistische Figuraldeutung und hermeneutische Exegese, um Vergleiche zwischen Tristan und biblischen Figuren wie Josef oder David zu ziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des scholastischen Hintergrunds, den typologischen Vergleich mit biblischen Helden sowie die Analyse zentraler Schlüsselszenen wie den Minnetrank und die Baumgartenszene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlagworten zählen Tristan, Typologie, Frühscholastik, Minne, Sündenfall, Erbsündenlehre und Gottfried von Straßburg.
Wie wird die Rolle des Minnetranks in der Arbeit bewertet?
Der Minnetrank wird als ein zentrales, zwiespältiges Element interpretiert, das einerseits den Sündenfall und die Vertreibung (Todesmotiv) parallelisiert, andererseits aber auch als freiheitsstiftendes Moment der Liebe betrachtet werden kann.
Welche Bedeutung kommt der "Baumgartenszene" zu?
Sie wird als explizite Wiederholung des Bildes vom Sündenfall gedeutet, in der Tristan und Isolde in eine gartenähnliche Umgebung wie Adam und Eva gestellt werden, was ihre Verbannung einleitet.
- Citation du texte
- David Klein (Auteur), 2012, Christliche Mystik und Biblische Motive im Strukturalistischen Gefüge in Gottfried von Straßburgs „Tristan“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211608