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Die Diachronie der Anredepronomina im Deutschen

Ein Phänomen der Höflichkeit und des Respekts

Title: Die Diachronie der Anredepronomina im Deutschen

Term Paper , 2013 , 21 Pages

Autor:in: Sander Kebnier (Author)

German Studies - Linguistics
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Dieses pragmatische Sprachwandelphänomen ist Grundlage dieser Arbeit. Dabei spielt die Höflichkeit eine entscheidende Rolle. Zunächst wird der Terminus face, der von BROWN und LEVINSON (1987) umfangreich analysiert wurde, vorgestellt und sein Zusammenhang zur Höflichkeit erläutert. Anschließend werden die Anredebestimmen-den Variablen nach BESCH (2003a) untersucht. Diese Konzepte bilden die Ausgangs-sachlage der/dieser Anredeforschung. Anschließend folgt die Untersuchung des sprach-historischen Wandels der Anredepronomina, welcher anhand seiner einzelnen Perioden durchlaufen wird. Die Diachronie, also die zeitgeschichtliche Entwicklung der Sprache, lässt sich dabei in unterschiedliche Systeme bzw. Zeitepochen gliedern. Ziel dieser
Arbeit ist es herauszustellen, welche speziellen Faktoren für die Veränderungen der Anredekonventionen verantwortlich sind und wie diese im gesellschaftlichen Kontext zum Ausdruck gebracht werden bzw. welche Verbindung zur Höflichkeit besteht. Dabei wird abschließend das Konzept einer grammatischen Kategorie Respekt im Deutschen nach Horst SIMON (2003) in das Blickfeld der Untersuchung gestellt. Kann die moderne du-Sie-/sie-Sie-Opposition als grammatisches Phänomen bezeichnet werden?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwei Ausgangsmodelle der Anredeforschung

2.1 Das Face-Modell nach BROWN/LEVINSON (1978)

2.2 Anredebestimmende Variablen nach BESCH (2003)

3. Die Diachronie der Anrede im Deutschen

3.1 Stufe I: Das Germanische

3.2 Stufe II: Vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen

3.3 Stufe III: Das 17. Jahrhundert

3.4 Stufe IV: Das 18. Jahrhundert

3.5 Stufe V: Das frühe 19. Jahrhundert

3.6 Stufe VI: Das Standarddeutsche/Neuhochdeutsche

3.7 Fazit der Diachronie

4. Eine grammatische Kategorie Respekt nach SIMON (2003)

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung der deutschen Anredepronomina als Ausdruck sozialer Höflichkeitskonventionen und erforscht, inwiefern die moderne Anrede als eine grammatische Kategorie des Respekts betrachtet werden kann.

  • Grundlagen der Face-Theorie und soziolinguistische Variablen der Anrede
  • Historische Etappen des deutschen Anredesystems vom Germanischen bis zum Standarddeutschen
  • Analyse des Sprachwandels durch Einfluss gesellschaftlicher Hierarchien und politischer Strukturen
  • Untersuchung der formalen Grammatikalisierung von Höflichkeitsformen

Auszug aus dem Buch

3.2 Stufe II: Vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen

Anfang des 9. Jahrhunderts setzte schließlich eine entscheidende Entwicklung ein, die zu einem radikalen Umbruch im germanischen System führte. In den meisten Sprachen des europäischen Festlandes setzte sich ein ihr/ir anstelle des du gegenüber höhergestellten Personen durch. Beeinflusst wurde dies vom romanischen Vorbild. Folglich wurde für Jahrhunderte die Natürlichkeit der Anredepronomina in bestimmten Bereichen aufgehoben und nur wenige Sprachen kehrten zu dieser zurück. Die Unnatürlichkeit ist dabei, dass ein einzelnes Individuum, ein einzelner Adressat in seiner Persönlichkeit vervielfältigt und mit ihr angeredet wird. Dieses Phänomen lässt sich womöglich nicht auf sprachlichen Einfallsreichtum zurückführen, sondern ist gegebenenfalls Ergebnis einer eher zufälligen historischen Tatsache. Nach dem Tod des Kaisers Theodosius (4. Jh. n. Chr.) teilte jener sein römisches Reich unter seinen Söhnen Arcadius und Honorius auf. Beide regierten gleichzeitig und sprachen von sich als wir. Nachfolgende Kaiser behielten daraufhin diesen pluralis majestatis bei (vgl. KOHZ 1982: 6).

Die frühesten Belege für die Herausbildung jener Opposition, also der Verwendung von ihr/ir anstelle des du zur Anrede einer Einzelperson, sind bereits im Ahd. zu finden. Der älteste Textbeleg ist dabei ein gereimter Brief Mönch Otfrids von Weißenburg an den Konstanzer Bischof Salomo Ende des 9 Jahrhunderts:

(1) Thaz ir mih lertut harto (BESCH 2003a: 2600)

dass Ihr mich so vorzüglich lehrtet

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Definiert Höflichkeit als Produkt gesellschaftlicher Hierarchien und führt in die Thematik der diachronen Anredekonventionen ein.

2. Zwei Ausgangsmodelle der Anredeforschung: Erläutert das Face-Modell von Brown/Levinson sowie die soziolinguistischen Variablen nach Besch als theoretisches Fundament.

3. Die Diachronie der Anrede im Deutschen: Analysiert detailliert die sechs Entwicklungsstufen des deutschen Anredesystems von den germanischen Anfängen bis zur modernen Zweigliedrigkeit.

4. Eine grammatische Kategorie Respekt nach SIMON (2003): Untersucht die syntaktischen und grammatischen Eigenschaften des modernen Sie-Gebrauchs im Hinblick auf eine Kategorie des Respekts.

Schlüsselwörter

Anredepronomina, Höflichkeit, Sprachwandel, Diachronie, Face-Modell, Sozialdeixis, Respekthierarchie, Soziolinguistik, Anredekonventionen, Sprachgeschichte, Pronomen, Grammatikalisierung, Pluralis Majestatis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung (Diachronie) der deutschen Anredepronomina und analysiert, wie sich gesellschaftliche Höflichkeitsformen in der Sprache niederschlagen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Zusammenhang von Hierarchie und Höflichkeit, die soziolinguistischen Bestimmungsfaktoren der Anrede sowie der Wandel von Anredesystemen über verschiedene Jahrhunderte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die speziellen Faktoren für den Wandel von Anredekonventionen aufzuzeigen und zu klären, ob die moderne Du-Sie-Opposition als grammatische Kategorie des Respekts verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine diachrone Analyse auf Basis linguistischer Quellen und theoretischer Modelle der Höflichkeitsforschung (wie dem Face-Modell) angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert die sprachgeschichtliche Entwicklung in sechs spezifische Stufen, von den germanischen Anfängen bis zur heutigen Standardform.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprachwandel, Höflichkeit, Anredepronomina, Diachronie und soziolinguistische Variablen beschreiben.

Warum wurde das "Ihr" früher zur Anrede genutzt?

Die Verwendung von "Ihr" entstand unter anderem durch den Einfluss des romanischen Vorbilds und den pluralis majestatis, um soziale Distanz und Respekt gegenüber Höhergestellten auszudrücken.

Welche Rolle spielt die Situation bei der Wahl der Anrede?

Die Situation wirkt als Steuerungsfaktor: Öffentliche, formale Anlässe fördern eher das Siezen, während private Kontakte das Duzen begünstigen.

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Details

Title
Die Diachronie der Anredepronomina im Deutschen
Subtitle
Ein Phänomen der Höflichkeit und des Respekts
College
University of Hamburg  (Institut für Germanistik I)
Course
Prinzipien des Sprachwandels
Author
Sander Kebnier (Author)
Publication Year
2013
Pages
21
Catalog Number
V211710
ISBN (eBook)
9783656398547
ISBN (Book)
9783656398615
Language
German
Tags
Diachronie Sprachwandel Pronomina Anrede Anredepronomina Pronomen Höflichkeit Respekt Horst Simon Besch Grimm Linguistik Anredewandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sander Kebnier (Author), 2013, Die Diachronie der Anredepronomina im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211710
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