Zu allererst werde ich in meiner Arbeit auf Lessing eingehen und seine Mitleidkonzeption näher beschreiben, da diese sehr wichtig für seine Trauerspiele ist und für die Gattung des Dramas insgesamt. (...)
Anschließend werde ich auf die Physiognomik und die Lehre der Körpersäfte eingehen, um den historischen Kontext der Träne näher zu beleuchten und auch welche Bedeutung die Träne in dieser Theorie hat.
Weiters werde ich mich mit einem Punkt beschäftigen, den ich „Allgemeine Tränentheorie“ genannt habe und mich mit der Frage auseinandersetzen, wie man denn beim Publikum Tränen hervorrufen kann und worauf es ankommt, dass der Zuseher zu Tränen gerührt ist. Dieser Punkt bezieht sich auf dramaturgische Aspekte, wie man beim Publikum Mitleid erregt.
Als nächstes werde ich mich Lessings Texten zuwenden, da diese für meine Fragestellungen am interessantesten und am besten geeignet sind. Ich beginne mit „Miss Sara Sampson“ und arbeite einige wichtige Aspekte heraus, die Tränen auf der Bühne erzeugen und welche Wirkung sie auf das Publikum haben. Danach beschäftige ich mich mit „Emilia Galotti“, da sie, obwohl vom selben Autor, doch ganz andere Prioritäten setzt und im Gegensatz zur „Sara“ nicht so viele Emotionen aufkommen lässt.
(...) Ein Vergleich dieser Werke bietet sich aufgrund desselben Autors und der breiten Diskussion der vergangenen Jahrhunderte an, da bereits Lessings Zeitgenossen diese beiden Werke ausführlich miteinander verglichen.
(...)
Eine weitere wichtige Frage ist die, nach den rührenden Elementen des Textes und wie diese eingesetzt werden. Ich werde versuchen herauszuarbeiten welche Handlungen und Gespräche die Dramatik auf der Bühne verstärken und somit das Publikum zu Tränen rühren. So meint Mattenklott hierzu:„ Tränen sind hier als eine Ursprache der Natur zu verstehen, sie sind die unmittelbarste Äußerung der Affekte.“ Es gibt einige Textstellen, an denen sich dieses Zitat beweisen lässt und genau diese versuche ich in meiner Arbeit herauszufiltern.
Die letzte und abschließende Frage, die ich mir zu diesem Thema gestellt habe, ist: Warum war „Emilia Galotti“ nicht so ein großer „Weinerfolg“ wie „Miss Sara Sampson“? Ich werde die beiden Texte eingehend miteinander vergleichen und versuchen herauszuarbeiten warum selbst Herder und Goethe die Emilia als kalkuliert bezeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lessing und das Mitleid
3. Die Träne im historischen Kontext
4. Allgemeine Tränentheorie
5. Miss Sara Sampson
6. Emilia Galotti
7. Vergleich beider Werke
8. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die dramaturgische Funktion und symbolische Bedeutung von Tränen in Gotthold Ephraim Lessings Trauerspielen „Miss Sara Sampson“ und „Emilia Galotti“ vor dem Hintergrund seiner Mitleidskonzeption und zeitgenössischer physiognomischer Lehren.
- Lessings Konzeption des Mitleids im klassischen Drama.
- Historische Bedeutung der Träne im Kontext der Physiognomik und Säftetheorie.
- Dramaturgische Strategien zur Emotionserzeugung beim Publikum (Tränenberedungseffekt).
- Vergleichende Analyse der Tränen- und Körpersprachendarstellung in „Miss Sara Sampson“ und „Emilia Galotti“.
Auszug aus dem Buch
Miss Sara Sampson
In der „Miss Sara Sampson“ geht es um „die Problematik der Empfindungen und um die sich wechselnden Affektzustände und Gemütsverfassungen.“ Die Empfindungen der Figuren stehen im Mittelpunkt, dies merkt man daran, dass Tränen vergossen, Emotionen untersucht und Gefühle analysiert werden. Erst die Gefühle bringen die tragischen Verwicklungen in Gang, sei es nun Marwoods Eifersucht, oder Sir Williams Starrsinn.
Die Figuren leben jene Gefühle auf der Bühne aus, die der Zuseher erst durch das Stück erfahren soll. „Trauerspiel ist nicht nur Spiel vor Mitleidigen und Gerührten, wie es das Gebot der Wirkungspoetik verlangt, es zeigt seinerseits auch mitleidsfähige und gerührte Figuren.“ Außer Marwood, welche nur aus strategischen Gründen Emotionen vortäuscht, zeigen alle Figuren die Emotionen, die die Zuseher entwickeln sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor stellt das Thema „Einübung in das Mitleid“ vor und definiert die methodische Herangehensweise an Lessings Dramen sowie die historische Einordnung der Tränentheorie.
Lessing und das Mitleid: Dieses Kapitel erläutert Lessings Abkehr von aristotelischen Regeln zugunsten einer Mitleidskonzeption, die den empfindsamen Helden ins Zentrum stellt.
Die Träne im historischen Kontext: Der historische Diskurs über Körperlichkeit und Säftetheorie wird analysiert, um die Wandlung der Träne vom körperlichen Symptom zur Ausdrucksform der Seele zu verdeutlichen.
Allgemeine Tränentheorie: Hier werden dramaturgische Techniken wie der „Tränenberedungseffekt“ erörtert, mit denen Autoren beim Publikum gezielt Mitleid hervorrufen.
Miss Sara Sampson: Das Stück wird als Paradebeispiel für die Bedeutung von Empfindungen und die Rolle von Tränen als Tugendsymbol innerhalb des Dramas untersucht.
Emilia Galotti: Die Analyse zeigt, dass Lessing hier einen anderen Weg geht, indem Tränen reduziert und Körpersprache als Kritik an höfischer Verstellung eingesetzt wird.
Vergleich beider Werke: Die unterschiedlichen Intentionen und die divergierende Gewichtung von Handlung gegenüber Reflexion in den beiden Trauerspielen werden gegenübergestellt.
Abschließende Bemerkungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass Lessing in beiden Werken unterschiedliche dramaturgische Ansätze verfolgte und zieht ein Fazit über die anhaltende wissenschaftliche Diskussion um diese Werke.
Schlüsselwörter
Lessing, Mitleid, Tränen, Trauerspiel, Miss Sara Sampson, Emilia Galotti, Dramaturgie, Aufklärung, Physiognomik, Empfindsamkeit, Wirkungspoetik, Affekte, Körpersprache, Tränenberedungseffekt, Theaterrequisit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die dramaturgische Rolle und die Bedeutung von Tränen in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichen Trauerspielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind Lessings Mitleidskonzeption, die historische Tränentheorie sowie die Analyse von Tränendarstellungen in seinen Dramen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Lessing Tränen als erzählerisches Mittel und als Auslöser für Emotionen beim Publikum in seinen Stücken einsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin bzw. der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse in Verbindung mit einem historischen Vergleich, gestützt auf einschlägige Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Lessings Dramaturgie und der historischen Tränentheorie sowie eine detaillierte Analyse der Werke „Miss Sara Sampson“ und „Emilia Galotti“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Lessing, Mitleid, Empfindsamkeit und Tragödientheorie beschreiben.
Warum unterscheidet sich die Rolle der Tränen in „Miss Sara Sampson“ von jener in „Emilia Galotti“?
In „Miss Sara Sampson“ dienen Tränen der Verstärkung von Emotionen und Tugenddarstellung, während sie in „Emilia Galotti“ stärker in ein festes dramatisches Gefüge eingebunden sind und oft als Kritik an höfischer Künstlichkeit fungieren.
Welche Rolle spielt die Physiognomik im historischen Teil der Arbeit?
Die Physiognomik dient dazu, den zeitgenössischen Kontext der Träne zu erklären, indem sie Tränen mit der Säftetheorie und der Hierarchie der menschlichen Körperfunktionen verknüpft.
Wie bewertet der Autor den „Weinerfolg“ der beiden untersuchten Dramen?
Der Autor stellt fest, dass „Miss Sara Sampson“ aufgrund seiner emotionalen Offenheit als „Weinerfolg“ gilt, während „Emilia Galotti“ durch eine distanziertere, handlungsorientiertere Gestaltung von Zeitgenossen teilweise als zu kalkuliert wahrgenommen wurde.
- Arbeit zitieren
- Alexander Wimmer (Autor:in), 2012, Mitleid und Tränentheorie im Theater anhand Lessings "Miss Sara Sampson" und "Emilia Galotti", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211787