Hitler- und Selbstdarstellung in den Werken Stefan Zweigs


Seminararbeit, 2012

23 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

Zweigs Humanismus und „Erasmisches Bewusstsein“

Zweig im Kampf gegen Hitler

Zweigs verschlüsselte Kritik an Hitler

Kritische Stimmen

Schluss

Quellenangabe

Einleitung

In meiner Seminararbeit werde ich mich mit dem bekennenden Humanisten Stefan Zweig beschäftigen und mir die Hitlerdarstellung in seinen Werken näher ansehen. Einst einer der erfolgreichsten Autoren Österreichs, ist er heute tragischerweise nicht mehr allen Leuten ein Begriff und auch aus diesem Grund möchte ich eine Arbeit zu diesem großartigen österreichischen Autor schreiben, da es in den letzten Jahren doch ziemlich ruhig um Stefan Zweig geworden ist.

Zuerst werde ich versuchen den Humanismus in Zweigschem Sinn näher zu beleuchten, da sich Stefan Zweig klar als Pazifist und etwas später auch deutlich als Anti-Nationalsozialist deklariert hat. Dies ist ein wesentlicher Gesichtspunkt, da auch die Protagonisten seiner Bücher, die ich besprechen werde, Humanisten sind und einige Ähnlichkeiten im Denkmuster mit Stefan Zweig aufweisen. Er war ein Verfechter der Idee von Toleranz und Freiheit, die er in seiner Zeit nicht finden konnte. Dieses „Erasmische Bewusstsein“[1] ist ein elementarer Teil seines Wirkens und Schaffens, ohne dessen Kenntnis eine nähere Beschäftigung mit diesem Autor nur sehr schwer möglich ist.

Ein weiterer Punkt meiner Arbeit ist Stefan Zweigs Selbstdarstellung in seinen Werken, da einige Figuren doch deutliche Parallelen mit ihrem Autor aufweisen. Es ist interessant, dass sich Stefan Zweig stets nur mit den Figuren identifiziert, die am Ende doch besiegt werden, wohl ein deutliches Zeichen, das auf seinen späteren Selbstmord hinweist. Mit seinen Figuren definiert er sich als entschiedener Gegner von Diktatur und Gewalt und schafft mit seinen Werken ein Manifest des Friedens und der Toleranz.

Anschließend gehe ich auf meinen Kernpunkt dieser Arbeit, nämlich die Hitlerdarstellung in Zweigs „Schachnovelle“, „Castellio gegen Calvin“ und „Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam“ näher ein, da die Hinweise in diesen Werken mehr als eindeutig sind. Speziell werde ich mich näher mit der Lutherdarstellung von Stefan Zweig auseinandersetzen, da diese Darstellung die Literatur am meisten beschäftigt und auch die größte Kritik an Zweigs Schaffen hervorgerufen hat. Weiters werde ich auch darauf eingehen, dass Luther von einigen nationalsozialistischen Autoren für ihre Zwecke missbraucht wurde und somit prädestiniert war für Stefans Zweig Ideologiekritik.

Abschließend gehe ich noch auf einige kritische Stimmen ein, da der Vergleich der zwei größten protestantischen Kirchenführer aller Zeiten mit Hitler nicht bei allen Lesern auf Verständnis gestoßen ist und sich vor allem nach 1945 viel Widerstand gegen Stefan Zweigs Thesen gebildet hat, möglicherweise ein Grund dafür, dass der einstige Humanist Zweig heute nicht mehr gelesen wird.

Zweigs Humanismus und „Erasmisches Bewusstsein“

Unter Humanismus versteht man zunächst eine geschichtlich gewordene Epoche, die mit Dante Alighieri und Petrarca beginnt und im Werk Erasmus´, Phillip Melanchthons, Johannes Reuchlins und Sebastian Castellios ihren Höhepunkt fand, eine vor- oder überreformatorische Größe, die eine europäisch-lateinische Gelehrtenrepublik bezeichnet, an die heute allenfalls noch ein transnationales Studienförderung- und Mobilitätsprogramm vage erinnert.“[2]

Zweig gehörte zum assimilierten österreichischen Bürgertum, welches sich der humanistischen Weltanschauung verschrieben hat. Stefan Zweig versuchte in seinen Werken zu beweisen, dass die humanistische Idee der Welt noch nicht zwangsläufig aufgegeben werden muss, jedoch zeigte er deutlich deren Schwäche auf. Eine der größten Schwächen des Humanismus blieb für ihn dessen bloße Gelehrsamkeit, da er keine praktischen Akzente setzte. Erasmischer Humanismus bedeutete für Zweig das Ausloten und Ausschöpfen von Spielräumen.[3]

Im Jahr 1935 entwarf Stefan Zweig ein Manifest zur „Lösung des jüdischen Problems in schöpferischer Form“[4], welches ein Appell an die Welt über die Lage der Juden im Deutschen Reich war. In diesem Manifest versuchte Stefan Zweig das „Erasmische“ ins Jüdische mit einzubeziehen und mit Hilfe des Humanismus eine Lösung für diese ausweglose Situation zu finden.[5]

In Triumph und Tragik möchte Stefan Zweig „die Aussagekraft der humanistischen Idee in Zeiten des Faschismus erproben“[6] und zeigen, dass dieses Gelehrtendasein nur tragisch enden kann. Er wollte dieses Kulturprinzip kritisch prüfen und sehen, ob es dem Faschismus überhaupt standhalten kann.[7]

Unter dem „Erasmischen“ versteht Stefan Zweig das Vermittelnde, so wie es Erasmus von Rotterdam gelebt hat. „Erasmisch meint für Zweig das Kosmopolitische und die Bejahung des Wurzellosen“[8], so spricht er auch von einem Unabhängigkeitszwang unter dem Erasmus stand. Das Bekenntnis zu einem freien Europa ist Teil dieses „Erasmischen“, so wie auch die Erfassung der Welt in geschriebenen Worten.[9]

Stefan Zweig sah im Humanismus allerdings nicht „ein Heilmittel gegen die Gebrechen des Ideologismus“[10], sondern versuchte mit dessen Hilfe eine Ideologiekritik zu veranschaulichen. Er fand im Erasmischen zwar zum Teil ein Gegenmittel zum Faschismus, doch erkannte er im Humanismus bereits die erste neuzeitliche Ideologie, von der Lehre der Idee.[11]

Zweig war aber auch klar, dass sich der Humanismus an den Bedürfnissen und den Problemen der Menschheit vorbeientwickelt hat und vermerkt hierzu:

„Niemals hat bisher der erasmische Gedanke Geschichte gestaltet und sichtbaren Einfluß genommen auf die Formung des europäischen Schicksals: der große humanistische Traum von der Auflösung der Gegensätze im Geiste der Gerechtigkeit, die ersehnte Vereinigung der Nationen im Zeichen gemeinsamer Kultur ist Utopie geblieben, unerfüllt und vielleicht nie erfüllbar innerhalb unserer Wirklichkeit.“[12]

Eben weil sich das Erasmische als Utopie versteht und mit seiner Unerfüllbarkeit rechnet, setzt es sich von herkömmlichen Ideologien ab. Gerade in dieser Aussichtlosigkeit hat Stefan Zweig die Perspektive im Erasmischen erkannt, da es durch alle Generationen hinweg präsent bleibt.[13]

Aus Stefan Zweigs Sicht bleibt allerdings die Frage, inwieweit der Humanismus, durch seine Anthropozentrik, zur Selbstüberhöhung des Menschen und in weiterer Folge zum Faschismus beigetragen hat. Der Humanismus steht in den Werken Zweigs auf derselben Ebene, wie die Überwindung des Menschenopfers, wodurch jedoch Calvin, durch die Opferung Servets am Scheiterhaufen, den Humanismus selbst zu Grabe getragen hat und hinter diese Ebene zurückfällt.[14]

Zweig im Kampf gegen Hitler

Stefan Zweigs Werke sind voller Querverweise auf seine eigene Person, da er sehr viel seiner Persönlichkeit in seine Figuren mit einfließen ließ.

„Was Stefan Zweig einmal über Thomas Mann urteilte, läßt sich auf ihn selbst beziehen: [15] Mit jedem Strich an einem Porträt ergänzt er das seine: wo er zu reflektieren scheint, werden seine Gegenstände Reflexe; […] Dieses Autoplastische, dies unbeabsichtigt Selbstbildnerische […] der Darstellung […] steigert den literarischen Reiz.“[16]

Eine rein autobiographische Lesart seiner Texte ist allerdings nicht möglich, da es doch sehr deutliche Unterschiede, zwischen dem Autor und seinen Schöpfungen gibt. So ist zum Beispiel Erasmus von Rotterdam ein ewiger Migrant, unfähig und unwillig sich andere Sprachen und Kulturen anzueignen, ganz im Gegensatz zu Stefan Zweig selbst, der bedingt durch seine Emigration, zusätzlich zum Französischen, seine Fremdsprachenkenntnisse verbesserte, um doch noch heimisch werden zu können.[17]

[...]


[1] Gelber, Mark H. [Hrsg.]: Stefan Zweig und Europa/ Mark H. Gelber; Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.). - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2011.

[2] Gelber, Mark H. [Hrsg.]: Stefan Zweig und Europa/ Mark H. Gelber; Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.). - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2011. S. 13.

[3] Ebenda S.15.

[4] Vgl. Schiller, Kay: Gelehrte Gegenwelten. Überhumanistische Leitbilder im 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2000. S.13.

[5] Gelber, Mark H. [Hrsg.]: Stefan Zweig und Europa/ Mark H. Gelber; Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.). - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2011.

[6] Ebenda

[7] Gelber, Mark H. [Hrsg.]: Stefan Zweig und Europa/ Mark H. Gelber; Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.). - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2011. S. 13.

[8] Ebenda

[9] Ebenda

[10] Ebenda S. 23.

[11] Ebenda

[12] Zweig, Stefan: Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam. S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main. 1981.

[13] Gelber, Mark H. [Hrsg.]: Stefan Zweig und Europa/ Mark H. Gelber; Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.). - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2011. S. 13.

[14] Ebenda

[15] Strigl, Daniela: Biographie als Intervention. Zum Problem biographischen Erzählens bei Stefan Zweig – Fouché und Erasmus. Noch nicht erschienen.

[16] Zit. in Karl Müller, Das Dämonische „innen im Kreise der Natur“: Stefan Zweigs Reflexionen über das Künstlertum. In: Matjaž Birk, Thomas Eicher (Hgg.), Stefan Zweig und das Dämonische. Würzburg 2008, S. 12-35. Hier: S. 16.

[17] Gelber, Mark H. [Hrsg.]: Stefan Zweig und Europa/ Mark H. Gelber; Anna-Dorothea Ludewig (Hrsg.). - Hildesheim [u.a.]: Olms, 2011.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Hitler- und Selbstdarstellung in den Werken Stefan Zweigs
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V211788
ISBN (eBook)
9783656398516
ISBN (Buch)
9783656398578
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbst-, hitlerdarstellung, werken, stefan, zweigs
Arbeit zitieren
Alexander Wimmer (Autor), 2012, Hitler- und Selbstdarstellung in den Werken Stefan Zweigs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211788

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