Projektunterricht in der Waldorfschule. Kompetenzen und Defizite der Projektpädagogik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was versteht man unter Projektunterricht
1.1 Historische Entwicklung
1.2 Begriffsklärung
1.3 Phasen des Projektunterrichts

2. Kompetenzen und Defizite des Projektunterrichts
2.1 Kompetenzen des Projektunterrichts
2.2 Defizite des Projektunterrichts

3. Beispiel Waldorfpädagogik
3.1 Entwicklungen der Waldorfpädagogik
3.2 Grundlegende Prinzipien der Waldorfpädagogik
3.3 Projektunterricht an Waldorfschulen

4. Fazit

1. Was versteht man unter Projektunterricht?

Oft findet einmal im Jahr in jeder Schule eine Projektwoche statt, Projektunterricht hingegen fast monatlich. Diese Form des Unterrichts bereitet den Schülerinnen und Schülern große Freude, da dieser oftmals als Spaß- und Freizeitvergnügen aufgefasst wird. Auch für die Lehrkräfte ist diese Unterrichtsvariante häufig nicht arbeitsintensiv. Aber handelt es sich bei diesem Unterricht wirklich um Projektunterricht? Ist das der ursprüngliche pädagogische Gedanke? Es scheint, als ob das eigentliche reformpädagogische Konzept und seine Ziele sekundär geworden sind, primärer Bedeutung wird der Abwechslung im Unterrichtsalltag beigemessen. Ist dies jedoch der richtige und zukunftsweisende Weg? Ist das Projektlernen beziehungsweise der Projektunterricht nicht der Unterricht der Zukunft? Die Vergangenheit zeigt, dass sich der gewöhnliche Fachunterricht und der Projektunterricht sinnvoll und praktikabel ergänzen.

Beginnend soll eine kurze Übersicht zum Begriff des Projektunterrichts gegeben werden. Anschließend werden die Kompetenzen und Defizite der Projektpädagogik erläutert. Ferner soll die Thematik am Beispiel der Waldorfschule beschrieben und erklärt werden.

1.1 Historische Entwicklung

Der Begriff Projekt wird erstmals im 16. Jahrhundert in Italien erwähnt, wo an einer römischen Akademie projektartige Wettbewerbe durchgeführt wurden. Projekt wurde somit sinngemäß als „Entwurf, Konstruktion oder Plan“ übersetzt (Bovet/Huwendiek 2000, S. 93). Ab 1700 lieferten Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1826) und Friedrich Fröbel (1782-1852) erste Ideen für die Projektmethode. Lernen sei nach den oben genannten Herren von Selbstbestimmtheit und Selbständigkeit geprägt. Ferner lerne man nicht nur mit dem Kopf, sondern es sei ein Gleichgewicht zwischen dem „Kopf, dem Herzen und der Hand“ (Jürgens 2004, S. 120). Zwei Jahre später wurden an der Academie Royal d´Architecture in der französischen Hauptstadt Paris Wettbewerbe für Bauvorhaben ausgerichtet, deren Entwürfe den Namen „projets“ trugen.

Ab 1870 begannen zahlreiche Pädagogen in den Vereinigten Staaten von Amerika den pädagogischen Pragmatismus zu begründen, welcher der Praxis eine primäre, der Theorie eine sekundäre Bedeutung zuordnet. Außerdem „sucht der pädagogische Pragmatismus danach, welche Erfahrungen, welches Handeln notwendig sind, um identitätsbildende Prozesse, die der Selbstverwirklichung des Heranwachsenden dienen, zu ermöglichen“ (Bovet/Huwendiek 2000, S. 94). Einer der wichtigsten Vertreter ist John Dewey (1859-1952). Die Erfahrung, welche für die „identitätsbildenden Prozesse“ unabdingbar sind, stellen für Dewey alle Aktionen und Reaktionen dar, welche zwischen dem Menschen und seiner unmittelbaren Umwelt geschehen. Diese Erfahrungen lassen sich wie folgt in passive und aktive Erfahrungen gliedern. Aktive Erfahrungen gehen vom Menschen auf seine Umwelt aus, wohingegen passive von der Umwelt auf den Menschen ausgehen. Durch diese Erfahrungen soll und muss der Mensch lernen, um anschließend angemessen zu reagieren. Aufgrund dessen gibt es eine individuelle Entwicklung der „Erziehung“ und eine soziale Entwicklung beziehungsweise Weiterentwicklung der „Demokratie“. Das Ziel der menschlichen Entwicklung ist nach Dewey, dass der Mensch die Beziehungen zu den Dingen und seiner unmittelbaren Umwelt durchschaut und versteht. Durch das Verstehen der Umwelt kann der Mensch folglich zielgerichtet und planvoll handeln. Des Weiteren lässt sich für Dewey die Theorie und Praxis nicht trennen, da die Praxis der „Motor für die Entwicklung neuer Erkenntnisse“ ist. Um das Interesse für neue Erkenntnisse zu wecken ist es immens wichtig, dass Fragestellungen und zu erörternde Probleme aus dem alltäglichen Leben kommen, da dies die Motivation ungemein fördert. Neben diesen Aspekten ist der Projektunterricht für Dewey ein Mittel zur Gestaltung und Demokratisierung der Gesellschaft und der Schule. Die Demokratisierung tritt ein, wenn die Gesellschaft nachhaltig gestaltet und positiv verändert wird (Jürgens 2004, S. 119ff).

Im Jahre 1918 wird der Akzent des Projektunterrichtes vom werkorientierten Arbeiten zum zweckgerichtetem Handeln verlagert. Dies geschieht durch den amerikanischen Pädagogen William H. Kilpatrick (1871-1965). Durch diese Verlagerung des wichtigen Akzents wird der Projektunterricht für soziale Aktivitäten geöffnet, da nun nicht mehr nach Anleitung gearbeitet wurde, sondern es entwickelte sich selbstbestimmtes und selbständiges Arbeiten der Schülerinnen und Schüler (Tulodziecki/Herzig/Blömeke 2009, 239). Als Projekt galt „jedes von einer Absicht geleitete Sammeln von Erfahrungen, jedes zweckgerichtete Handeln, bei dem die beherrschende Absicht als innerer Antrieb (1.) das Ziel der Handlung bestimmt, (2.) ihren Ablauf ordnet und (3.) ihren Motiven Kraft verleiht“ (Kilpatrick 1921, S. 283, zit. nach Bossing 1967, S. 119).

Anfang der 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelte sich auch die Projektmethode in Russland. Bedeutende Vertreter sind hier Blonskij (1884-1941) und Makarenko (1888-1939). Ziel der sogenannten Arbeitsschulen in Russland war eine klassenlose Gesellschaft nach kommunistischer Ansicht. Jeder Mensch sollte in das bestehende Kollektiv eingeordnet werden (Jürgens 2004, S. 120f).

In Deutschland entwickelte sich der Projektunterricht ab 1960 als Beitrag zur äußeren Schulreform. Der Projektunterricht wurde in der Sekundarstufe II eingeführt, jedoch lediglich als Projektwochen. In dieser Phase der Entwicklung waren die Hoffnungen groß, dass der Projektunterricht die gängigen Lehrformen verbessert und weiterentwickelt, um so die Bildungsreform voranzuleiten. Diese Hoffnungen und Wünsche traten jedoch nicht ein, da der Projektunterricht oftmals skeptisch betrachtet wurde und die äußere Schulreform scheiterte. In den 1980-er Jahren konzentrierte man sich nach Scheitern der äußeren Schulreform auf die Innere. Es wurden Projektelemente als Orientierungen im Fachunterricht integriert und anstatt von Lehrplänen entwickelte sich der Offene Unterricht. In dieser Zeit kam jedoch auch starke Kritik auf, Argumente wie Projektunterricht sei stark freizeitorientiert und nicht als wissensorientierter Unterricht anzusehen wurden angebracht. In den letzten Jahren gewann der Projektunterricht immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt aufgrund der PISA-Leistungen. Es wurde auch erkannt, dass der Fachunterricht und der Projektunterricht kombiniert angeboten werden müssen, um eine bestmögliche Bildung zu garantieren (Bovet/Huwendiek 2000, S. 95ff).

1.2 Begriffsklärung

Fast täglich lesen und hören wir den Begriff Projekt, ohne uns über die Bedeutung oder den Sinn des Wortes Gedanken zu machen. Auch bedienen sich viele Unternehmen diesem Begriff, beispielsweise wirbt eine namhafte Baumarktkette mit dem Spruch „Mach es zu deinem Projekt“. Das Wort Projekt (lat. proicere= vorauswerfen, entwerfen, planen) ist sinngemäß als Entwurf, Konstruktion oder Plan zu übersetzen (Bovet/Huwendiek 2000, S. 93). Somit ist ein Projekt in pädagogischer Hinsicht ein konkretes Lernunternehmen, welches eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern entwirft, plant, durchführt und Lösungsansätze findet. Diese Definition wird durch folgende Merkmale unterstützt. Ein wichtiger Aspekt des Projektunterrichtes ist, dass die Schülerinnen und Schüler die Frage- oder Problemstellung selbständig festlegen, so dass sie von Beginn an in die Planung des Lernprozesses integriert sind. Des Weiteren ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler die Materialien, welche zur Bearbeitung notwendig sind, selbst beschaffen. Eventuell ist eine Hilfestellung durch die Lehrkraft vonnöten, jedoch ist dies der Altersstruktur der Lerngruppe anzupassen. Wichtig ist außerdem, dass den Lerngruppen freie Lernwegwahl gewährleistet wird, da sonst kein selbstbestimmtes Lernen stattfinden kann. Weiterhin ist zu erwähnen, dass das selbstgesteuerte Lernen keine Voraussetzung für den Projektunterricht darstellt, sondern lediglich ein Ziel dieser Form des Offenen Unterrichts. Ferner soll den zu unterrichtenden Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben werden, sich einer beliebigen Gruppe anzuschließen, frei nach Neigungen und Interessen. Durch diese Gruppenarbeit werden die sozialen Kompetenzen der Kinder entwickelt und perfektioniert (Hepp/Münzinger 2001, S. 4ff)

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Details

Titel
Projektunterricht in der Waldorfschule. Kompetenzen und Defizite der Projektpädagogik
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Unterricht beobachten, rekonstruieren, initiieren
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V211900
ISBN (eBook)
9783656398141
ISBN (Buch)
9783656398776
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
projektunterricht, zukunft, lernens
Arbeit zitieren
Johannes Mücke (Autor:in), 2011, Projektunterricht in der Waldorfschule. Kompetenzen und Defizite der Projektpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211900

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