Der Sieg des 'Animal laborans' in der 'Vita activa' Hannah Arendts


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Vita activa und Vita contemplativa
1.1 Die drei Grundtätigkeiten der Vita activa
a) Das Arbeiten
b) Das Herstellen
c) Das Handeln
d) Verortung der Grundtätigkeiten

2. Heraustreten des Arbeitens aus der Verborgenheit des Privaten
2.1 Öffentlichwerden des Arbeitens
2.2 Der Weg in die Gesellschaft
2.3 Einfluss auf die Politik

Schluss

Literaturverzeichnis

Den Überfluss ertragen

Wenn Well’ um Well’ sich bricht,

das Zeigen sich versagen,

im Schweigen zu verharren –

O Gott, Du hörst uns nicht.

Aus Überfluss errettet

Uns Gottes Stimme nicht.

Sie spricht nur zu den Darbenden,

den Sehnsüchtigen, den Harrenden.

O Gott, vergiss uns nicht.

(Hannah Arendt)[1]

Einleitung

Ein Überfluss an Geld wird wohl von niemandem negativ bewertet. Erst die Folgen oder die Umstände seines Erwerbes mahnen möglicherweise, sich doch nicht nach ihm zu sehnen.

Über die Ausbreitung der Arbeit und die Kapitalakkumulation ließe sich aus ideologischer Sicht ausgiebig diskutieren. Dies soll jedoch nicht Bestandteil der vorliegenden Arbeit sein, auch wenn Hannah Arendt ein Dienst erwiesen würde, würde man kritischer auf die Bedeutung der Arbeit in der Neuzeit blicken. Dieses Vorhaben bedeutet jedoch eine große Anstrengung, bedarf es doch der völligen gedanklichen Ablösung vom wirtschaftlichen Leben dieser Zeit. Der moderne Mensch ist dem Prozess des Arbeitens und Geldverdienens viel zu sehr verhaftet, als dass er aus dem Stehgreif eine vernünftige kritische Position übernehmen könnte. Dies soll die Aufgabe größerer Geister sein.

Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, den Weg der Arbeit aus seinem Verhaftetsein in der Verborgenheit des Privaten, zur Tätigkeit, die zu einem Ideal erhoben wurde, nachzuzeichnen.

Als Textgrundlage galt die Vita activa von Hannah Arendt.

In der Antike fügt sich das Arbeiten in die Trias der Grundtätigkeiten Arbeiten – Herstellen – Handeln. Da dies die Grundlage für das Verständnis des früheren Verständnisses der Arbeit darstellt, wird den Grundtätigkeiten der erste Abschnitt des Hauptteils gewidmet sein. Eigeleitet wird dieser von einer kurzen Bestimmung der Vita activa und der Vita contemplativa bei Hannah Arendt.

Daran schließt sich im zweiten Abschnitt, der Siegeszuges des Animal laborans an, der sich in dem Ausweiten der Sphäre der Arbeit manifestiert und diese auch noch einmal unter anderen Gesichtspunkten betrachtet. Es wurde der Versuch unternommen, die Ausweitung des Arbeitens in Einzelschritte zu gliedern.

1. Die Vita activa und Vita contemplativa

Hannah Arendt unterscheidet innerhalb der Vita activa drei Grundtätigkeiten - das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln. Der Vita activa wiederum steht die Vita contemplativa gegenüber, weil sie sich keineswegs wie alle anderen Tätigkeiten dort einordnen lässt. Die Kontemplation findet in völliger Ruhe und Unbewegtheit statt. Sie ist absolute ‚Tätigkeitslosigkeit’, denn nur so lässt sich der Blick aus der Beschränktheit des menschlichen Lebens in die Unendlichkeit richten. „Es ist dieses Ewigsein, das sich den veränderlichen Sterblichen nur enthüllen kann, wenn sie mit allen Bewegungen und Tätigkeiten an sich halten und völlig zur Ruhe gekommen sind.“[2]

Wie bereits erwähnt, steht für Hannah Arendt die Vita contemplativa der Vita activa gleichwertig gegenüber. Sie spricht sich somit, entgegen der Antike, nicht für eine Überlegenheit der Vita contemplativa aus.

1.1 Die drei Grundtätigkeiten der Vita activa

Die Vita activa unterscheidet drei Grundtätigkeiten. Ihr Name rührt daher, dass sich jede Aktivität in eine der drei Tätigkeiten einordnen lässt. Im Folgenden werden das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln näher betrachtet.

a) Das Arbeiten

Das Arbeiten entspricht dem biologischen Prozess der Körper und deren Werden und Vergehen. Mit der Arbeit wird das erzeugt, was dem Organismus zu seiner Aufrechterhaltung dient. Da diese Grundtätigkeit mit dem Erschaffen und Verbrauchen verbunden ist, ist ihr Prozess zyklisch. In der Arbeit werden Güter hergestellt, die dann konsumiert werden, um somit zu weiterer Arbeit zu befähigen. Die Güter die auf diese Weise produziert und direkt wieder konsumiert werden sind deshalb Verbrauchsgüter.

Das Arbeiten ist korelliert mit der Notdurft des Lebens, von der auch der Mensch, mag er noch so hoch entwickelt sein, nicht frei ist. Es sichert „das Am-Leben-Bleiben des Individuums und das Weiterleben der Gattung“[3] und ist demnach in der Natürlichkeit verhaftet. Das arbeitenden Lebewesen ist das Animal laborans.

b) Das Herstellen

Das Herstellen bezeichnet den Prozess, der sich von einer Idee bis zu deren Verwirklichung vollzieht und deshalb linear ist. Es werden künstliche Dinge geschaffen, die sich nicht in den Kreislauf von Werden und Vergehen einfügen, sondern ihn überdauern. Der Mensch schafft sich so seine Weltlichkeit, die ihn vor den Einflüssen der bei Hannah Arendt als unerbittlich erscheinenden Natur schützen. Er bringt also seine Welt selbst hervor, sein zu Hause auf der Erde. In Bezug auf die Bedingtheit des Menschen durch Geburt und Tod, ist diese unabhängig von der Sterblichkeit und wurde erzeugt um diese zu überdauern. Da es sich beim Herstellen nicht um einen Kreislauf handelt, bei dem sich das Erzeugte wieder in der Natur ‚auflöst’ um darauf wieder neu bearbeitet zu werden, spricht Arendt dieser Tätigkeit eine gewisse Gewalttätigkeit zu, die der Natur auf Dauer Substanz entzieht. ‚Der Herstellende’ wird in der Vita activa als Homo faber bezeichnet. Er beschäftigt sich mit Nützlichkeit, seine Welt besteht aus Zweckdienlichkeit. Und so ist der Herstellungsprozess für ihn Mittel zum Zweck.

[...]


[1] Ursula Ludz und Ingeborg Nordmann (Hrsg.): Hannah Arendt – Denktagebuch 1950 bis 1973. I. Bd. München 2002, S. 206

[2] Hannah Arendt: Vita activa – oder vom tätigen Leben. München 2010, S. 26

[3] Hannah Arendt: Vita activa – oder vom tätigen Leben. München 2010, S. 18

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Sieg des 'Animal laborans' in der 'Vita activa' Hannah Arendts
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V211975
ISBN (eBook)
9783656398950
ISBN (Buch)
9783656399223
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sieg, animal, vita, hannah, arendts
Arbeit zitieren
Michaela Kuhn (Autor), 2010, Der Sieg des 'Animal laborans' in der 'Vita activa' Hannah Arendts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211975

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