In der heutigen von der Globalisierung geprägten Zeit bestehen Warenketten meistens aus einer Reihe von international miteinander agierenden und vernetzten Teilnehmern. Neben der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung und die daraus resultierenden Kostenvorteile für die Unternehmen, gibt es jedoch einige Gefahren und Risiken die durchaus nicht zu unterschätzen sind und eine intensivere Betrachtung erfordern. Neben externen Ereignissen wie z.B. Terrorismus, organisierter Kriminalität, Seuchen und Naturkatastrophen, haben auch interne Störungen und Unfälle Auswirkungen auf das Zusammenspiel und die Geschäftstätigkeit von Unternehmen in einer Supply Chain.
In der jüngeren Vergangenheit können als externe Ereignisse, die Auswirkungen auf die Warenkette von Unternehmen hatten, beispielhaft der Ausbruch von E. Coli Bakterien im Spinat im Jahre 2006 in Nordamerika oder SARS im Jahre 2003 in Asien genannt werden. Diese beiden Ereignisse hatten enorme Behinderungen in Lebensmittel-Warenketten zur Folge. Dabei bestehen auch Interdependenzen zwischen verschiedenen Branchen, so führte die Maul- und Klauenseuche 2001 in Großbritannien zu Engpässen bei der Produktion von Luxus-Wagen, da die Lieferung von Leder beeinträchtigt war. Aber auch Naturkatastrophen, wie zum Beispiel Hurrikan Katrina im Jahre 2005, können erhebliche Auswirkungen auf die Supply Chain von Unternehmen haben und diese im wirtschaftlichen Handeln negativ beeinflussen. Auch interne Ereignisse wie z.B. im Jahr 2000 ein Feuer in einer Fabrik eines großen schwedischen Technologieunternehmens führte zu enormen Produktionsschwierigkeiten innerhalb des Unternehmens. Aber auch aufgrund intensiver Zusammenarbeit mit vorgelagerten Unternehmen in der Lieferkette waren diese ebenfalls betroffen (Domino-Effekt), was zu Schließungen von ganzen Werken führte. Aus diesem Grund ist es für ein erfolgreiches Wirtschaften wichtig, dass interorganisational agierende Unternehmen, ein auf die gegenseitigen Organisationen abgestimmtes Supply Chain Risikomanagement einführen.
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist es aus diesem Grund, auf Basis einer Literaturanalyse, eine Übersicht über die zeitliche Entwicklung und den Einsatz der in Supply Chain Risikomanagement eingesetzten Technologien und IT-Systeme zu erstellen. Ferner wird analysiert, ob sich neuere Trends in der IT auch für den Einsatz in dieser Supply Chain Management Disziplin als nützlich erweisen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Motivation
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Vorgehensweise zur strategischen Literaturanalyse
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Allgemeine begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Supply Chain Management
2.2 Risiko und Risikomanagement
2.2.1 Allgemeines Risiko-Konzept
2.2.2 Supply Chain Risiko
2.2.3 Risikomanagement
2.3 Supply Chain Risikomanagement
2.3.1 Supply Chain Risikomanagement-Framework
2.3.2 Informationssysteme im Supply Chain Risikomanagement
2.3.3 Barrieren des Einsatzes von Supply Chain Risikomanagement
3. Supply Chain Risikomanagement in der Literatur
3.1 Analytische Modelle und Graphentheorie
3.1.1 Ein dynamisches Modell zur Kontrolle von Störereignissen
3.1.2 Bayessche-Netze zur Erstellung von Lieferanten-Risikoprofilen
3.1.3 Graphentheorie zur Einschätzung der Anfälligkeit der Supply Chain
3.2 Frameworks und Modellierungstechniken
3.2.1 Multikriterielle Bewertungs- und Kontrollmethode von Risiken
3.2.2 Delivery Time at Risk - Ein Instrument zur Bestimmung des Einflusses von Supply Chain Risiken auf die Lieferzeit
3.2.3 Ein Framework für eine robuste Supply Chain
3.3 Entwicklung und State-of-the-Art der IT-Unterstützung im Supply Chain Risikomanagement
3.3.1 PAMAS – Ein agentenbasiertes Supply Chain Event Management System
3.3.2 FORWIN – Ein auf Web-Services basierendes SCEM-System
3.3.3 CoS.MA – Ein Multiagentensystem für das mobile SCEM
3.3.4 Multiagenten SCEM-System mit automatischer Korrekturfunktion
3.3.5 Weitere Technologien
3.3.6 Zusammenfassung der IT-Unterstützung im SCRM
4. Cloud Computing – Die Zukunft des SCRM?
4.1 Das Konzept Cloud Computing
4.2 Der Einsatz von Cloud Computing in der Supply Chain
4.3 Der Beitrag von Cloud Computing für das Supply Chain Risikomanagement
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung einer Übersicht über die zeitliche Entwicklung und den Einsatz von IT-Systemen im Supply Chain Risikomanagement auf Basis einer strategischen Literaturanalyse, unter Berücksichtigung neuerer IT-Trends.
- Methodische Literaturanalyse zum Status-Quo der IT-Unterstützung
- Analyse analytischer Modelle und Frameworks zur Risikobewertung
- Untersuchung agentenbasierter und Web-Service-gestützter SCEM-Systeme
- Evaluation von Cloud Computing als zukünftiger Innovationsfaktor im SCRM
Auszug aus dem Buch
3.3.1 PAMAS – Ein agentenbasiertes Supply Chain Event Management System
In dem Artikel PAMAS – An Agent-based Supply Chain Event Management System (Zimmermann & Paschke, 2003) geht es um ein pro-aktives und agenten-basiertes SCEM-System, anhand dessen ein Störereignis in einer Supply Chain frühzeitig erkannt und den nachfolgenden Unternehmen kommuniziert werden kann.
Der Fokus in diesem Artikel liegt auf einer Supply Chain bestehend aus einem Fabrikanten, der bestimmte Produkte herstellt oder bearbeitet und diese über ein Logistik-Unternehmen an seine Kunden, als Endprodukt oder zur weiteren Verarbeitung, verschickt. Es wird angenommen, dass der Logistiker zur Auftragserfüllung die Dienste weiterer Spediteure nutzt, um die Auslieferungen erfolgreich durchzuführen.
Bevor auf die Anwendung eingegangen wird, wird zunächst das Konzept des Agenten erläutert. Eine Definition lässt sich in der Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik (Unland, 2012) finden: „Unter einem intelligenten Softwareagenten wird dabei ein Computerprogramm verstanden, welches flexibel, autonom, vorausschauend und mit einer gewissen Intelligenz ausgestattet in der Lage ist, in einer Umgebung diese zu beobachten und auf für den Agenten relevante Ereignisse angemessen zu reagieren.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Motivation: Einleitung in die Problematik globaler Lieferketten und die Notwendigkeit eines abgestimmten Supply Chain Risikomanagements.
2. Allgemeine begriffliche und konzeptionelle Grundlagen: Definition der zentralen Konzepte wie Supply Chain Management, Risiko, Risikomanagement sowie Darstellung der Barrieren bei der Einführung von Risikomanagementsystemen.
3. Supply Chain Risikomanagement in der Literatur: Analyse der in der Literatur behandelten Modelle, Frameworks und konkreten IT-Systeme wie PAMAS, FORWIN und CoS.MA zur Risikominimierung.
4. Cloud Computing – Die Zukunft des SCRM?: Untersuchung des Einsatzes von Cloud-Technologien und deren Mehrwert in Kombination mit RFID für das Risikomanagement in Lieferketten.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse der IT-Entwicklung im SCRM und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, Supply Chain Risikomanagement, SCRM, SCEM, Informationssysteme, IT-Unterstützung, Agentenbasierte Systeme, Cloud Computing, RFID, Web-Services, Lieferantennetzwerk, Störereignisse, Risikoanalyse, Prozessüberwachung, Robustheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Status-Quo und die technische Entwicklung von IT-Systemen, die Unternehmen dabei unterstützen, Risiken in ihren Lieferketten (Supply Chains) effektiv zu identifizieren und zu managen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die zentralen Felder sind die Grundlagen des Supply Chain Risikomanagements, die Literaturanalyse analytischer Modelle, moderne IT-Lösungen wie Multi-Agenten-Systeme und der aufkommende Einsatz von Cloud Computing.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer Literaturanalyse eine Übersicht zur zeitlichen Entwicklung und zum Einsatz von IT-Systemen im Supply Chain Risikomanagement zu erstellen und neue IT-Trends auf ihren Nutzen hin zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine strategische Literaturanalyse, bei der Fachjournale aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik und Logistik der letzten zehn Jahre systematisch ausgewertet wurden.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf analytische Modelle, Frameworks sowie konkrete IT-Anwendungen wie PAMAS, FORWIN und CoS.MA, die bei der Überwachung und Meldung von Abweichungen in Supply Chains helfen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Supply Chain Risikomanagement (SCRM), Supply Chain Event Management (SCEM), Agententechnologie, Web-Services, Cloud Computing und RFID.
Was unterscheidet das PAMAS-System von anderen Ansätzen?
PAMAS ist ein pro-aktives, agentenbasiertes System, das speziell darauf ausgelegt ist, Störereignisse in der Supply Chain frühzeitig zu erkennen und die beteiligten Akteure automatisiert zu benachrichtigen.
Welche Rolle spielt RFID im Kontext der Arbeit?
RFID wird als Schlüsseltechnologie betrachtet, um durch das Auslesen von Daten an Objekten in Echtzeit eine höhere Transparenz zu schaffen, was wiederum die Basis für eine schnelle Reaktion auf Störereignisse im Risikomanagement bildet.
Warum wird Cloud Computing als zukünftiger Trend diskutiert?
Cloud Computing ermöglicht durch Skalierbarkeit, Flexibilität und den Zugriff via mobile Endgeräte eine effizientere Zusammenarbeit in globalen Netzwerken, was besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kosteneffiziente Lösungen für das Risikomanagement bietet.
Welche spezifische Schlussfolgerung zieht der Autor zur IT-Entwicklung?
Der Autor schlussfolgert, dass sich IT-Systeme im SCRM von einfachen Benachrichtigungs-Tools hin zu komplexen, lernfähigen Systemen mit automatisierten Korrekturfunktionen entwickelt haben, wobei der Trend zunehmend zu Cloud-basierten Lösungen geht.
- Quote paper
- Oktay Gül (Author), 2013, IT-Unterstützung im Supply Chain Risikomanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212012