Polaritätsprofile im Musikunterricht

Musik hören und erleben


Hausarbeit, 2012
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Musik hören und beschreiben als Teil des Musikunterrichts

3. Das Polaritätsprofil oder das Semantische Differenzial

4. Der Einsatz des Polaritätsprofils im Musikunterricht
4.1. Didaktisches Potenzial
4.2. Anwendung
4.3. Auswertung
4.4. Vertiefungsmöglichkeiten
4.5. Abgewandelte Formen

5. Anwendung im Seminar

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Musik spielt im Alltag der meisten Schüler eine große Rolle. In ihrer Freizeit haben viele der Jugendlichen ständig Kopfhörer in den Ohren oder im eigenen Zimmer zu Hause läuft die Musikanlage. Eine beträchtliche Anzahl von ihnen spielt sogar selbst ein Instrument. Scheinbar besteht großes Interesse an Musik. Dieses spiegelt sich dagegen selten äquivalent im Musikunterricht wieder. Stattdessen scheinen die Schüler gelangweilt und uninteressiert. Eine mögliche Erklärung liegt darin, dass im Unterricht erstens mehr über Musik gesprochen wird, die die Schüler weder hören noch selbst musizieren wollen und zweitens Fakten, Wissen und Können im Vordergrund stehen. Genau das sind jedoch nicht diejenigen Ansätze, weshalb sich Schüler in ihrer Freizeit mit Musik beschäftigen. Vielmehr stehen bei ihnen die Emotionen im Fokus, welche die Musik in ihnen auslöst. Mit ihrer Hilfe kann die Stimmung unterstrichen werden, in der man sich befindet, oder aber sie wird verbessert. Man kann Liebe, Freude, Aggressionen und vieles mehr in der Musik wiederfinden.

Wenn die Schüler im Unterricht bei ihren Interessen abgeholt werden sollen, muss das Musik hören und darüber nachdenken im Musikunterricht mehr Raum einnehmen. Außerdem sollte verstärkt diejenige Musik einbezogen werden, welche die Schüler in ihrer Freizeit hören, damit sie sich nicht nur passiv von dieser berieseln lassen, sondern aktiv am Hörprozess teilnehmen. Auch eine Sensibilisierung für die Einflüsse von Musik und des gesamten Musikgeschäfts (inklusive Personen-/Bandkult und Marketingtricks der Werbung) auf die Persönlichkeit ist für den Prozess des Erwachsenwerdens und der Meinungsbildung wichtig.

Oftmals fällt es Schülern sehr schwer, ein Hörerlebnis mit eigenen Worten zu artikulieren. Sie sollten deshalb eine Orientierungshilfe erhalten, bei der sie mit ihrer Beschreibung ansetzen können. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, von denen in vorliegender Arbeit die Verwendung von Profilen und speziell des Polaritätsprofils genauer beleuchtet werden soll. In der Forschung (auch in der musikpädagogischen Forschung) ist dieses unter dem Namen „Semantisches Differenzial“ bekannt, die Musikmethodik verwendet jedoch überwiegend den Begriff „Polaritätsprofil“[1]. Zu Beginn der Arbeit erfolgt die Einordnung der Thematik in den Rahmenlehrplan. Dann wird ein Überblick über Definition und Anwendung des Semantischen Differenzials in Forschung und Musikunterricht gegeben, woran sich konkrete Vorschläge für seinen Einsatz im Musikunterricht und der weiteren Vertiefung anschließen. Und in Kapitel fünf findet sich eine kurze Beschreibung zur Untersuchung des Höreindrucks von Studenten der Universität Potsdam zu drei Musikstücken aus unterschiedlichem Genre mit Hilfe des Polaritätsprofils. Verschiedene Vorlagen für Polaritätsprofile werden im Anhang vorgestellt.

2. Musik hören und beschreiben als Teil des Musikunterrichts

„Wahrnehmen und Verstehen von Musik ist eine komplexe Fähigkeit, die an ständiges Lernen im Sinne einer zunehmenden Differenzierung und Bewusstwerdung gebunden ist.“[2] Durch eine Schulung der Wahrnehmung kann man die Schüler für Höreindrücke sensibilisieren und ihnen dadurch ein vielschichtigeres Erleben von Musik ermöglichen. Dies ist eine der Aufgaben des Musiklehrers.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folgende Zitate aus dem Rahmenlehrplan von 2008 beziehen sich speziell auf die Empfindung und Erfahrung von Musik und räumen diesen Bereichen einen wichtigen Platz im Musikunterricht ein:[3]

Des Weiteren gliedert der Rahmenlehrplan den Musikunterricht in drei fachbezogene Kompetenzbereiche, in welchen die Schüler Fähigkeiten entwickeln und ausbauen sollen:[4]

1. „Musik wahrnehmen und verstehen
2. Musik gestalten
3. Nachdenken über Musik“

Da sich das Polaritätsprofil auf die Bewertung und Einschätzung von Erlebnissen und Empfindungen bezieht, lässt es sich innerhalb des Musikunterrichts in den ersten und dritten Bereich einordnen.

Eine genauere Beschreibung des ersten Bereichs umfasst die Feststellung, dass „Musikhören im Unterricht ein Vorgang [ist], der aktive Zuwendung und Aufmerksamkeit erfordert“.[5] Der Lehrer sollte demnach methodische Bausteine einfügen, um die Schüleraktivität während des Musikhörens anzuregen und zu fördern. Sogar das Gespräch über das Hörerlebnis wird konkret im Rahmenlehrplan gefordert, indem von einem „Austausch individueller Wahrnehmungen“[6] die Rede ist.

In den Ausführungen zu Kompetenzbereich drei wird betont, dass „beim Nachdenken, Sprechen und Schreiben über Musik […] individuelle Erfahrungen geklärt, strukturiert und mit bereits vorhandenen Erkenntnissen in Zusammenhang gebracht“ werden sollen. Der Musikunterricht muss demnach den Dialog über Musik und das Erleben von Musik beinhalten und fördern.

3. Das Polaritätsprofil oder das Semantische Differenzial

Definition

Das Semantische Differenzial wurde 1957 von Osgood et al. entwickelt und erlangte seine Bekanntheit im deutschsprachigen Raum durch Hofstätter (1957, 1977). „Es handelt sich um ein Skalierungsinstrument zur Messung der konnotativen Bedeutung bzw. der affektiven Qualitäten beliebiger Objekte oder Begriffe.“[7] Dazu wird das zu beurteilende Objekt auf bipolaren Ratingskalen eingestuft, wobei es weniger um einen sachlichen oder denotativen Zusammenhang geht, sondern die „metaphorische Beziehung bzw. gefühlsmäßige Affinität“[8] im Mittelpunkt steht. Die Verbindungslinie zwischen den angekreuzten Bewertungsfeldern stellt das spezielle Wirkungsprofil des Musikstücks dar.[9]

Als Forschungsgegenstand

Vor allem in der Marktforschung hat das Polaritätsprofil als Forschungsmethode einen festen Platz. Seinen Einzug in die musikpädagogische Forschung fand es im Zuge der Kombination von Systematischer Musikwissenschaft und Musikpädagogik.[10] Die Methode wird vor allem deshalb gern eingesetzt, weil sie vom Objekt unabhängig ist, verschiedene Gedanken verknüpft, relativ gut bekannt und erprobt sowie schnell und ohne großen Aufwand im Unterricht umzusetzen ist. Laut Reinecke ermöglicht sie verschiedene Blickwinkel des Subjektiven, darunter „die unmittelbar angesprochene Emotion, die konnotative Bedeutungen implizierenden Assoziationen und Aspekte gesellschaftlicher Verankerung der Urteile in Stereotypen“[11]. Die erste musikpädagogische Studie mit dem Polaritätsprofil wurde 1969 von Brömse und Kötter unter der Fragestellung durchgeführt, warum Schülern eine bestimmt Musik gefällt oder nicht. Das Resultat war eine direkte Verbindung zwischen Bekanntheit und Beliebtheit von Musik. Den Schülern bekannte Stücke wurden differenzierter bewertet als ihnen unbekannte.[12] Auch Klaus-Ernst Behne (1975), Hans-Günther Bastian (1980) und Wulf Dieter Lugert (1983) verwendeten die Methode schon vor vielen Jahren für musikpädagogische Forschungsfragen. Heute hat sie ihre Bedeutung für die musikpädagogische Forschung weitestgehend verloren.[13]

Musikunterricht

In Schulbüchern für den Musikunterricht findet sich das Polaritätsprofil schon seit 1975, erlangte jedoch keinen hohen Bekanntheitsgrad. 2007 widmet Oliver Krämer dem Thema „Mit Profilen arbeiten“ ein ganzes Kapitel im „Handbuch Musik-Methodik“[14] und definiert das Polaritätsprofil als Unterrichtsmethode für den Bereich des Sprechens über Musik. Aktuell werden solche Profile im Musikunterricht als Möglichkeit der Selbsterfahrung und Anregung zur Diskussion verwendet. Mit Hilfe des Polaritätsprofils können für die Musikpädagogik und den Musikunterricht Erkenntnisse in folgenden Bereichen gewonnen werden:[15]

- „Prozesse der Urteilsbildung im Zusammenhang mit Kompetenzerwerb im Musikunterricht und zur Ermittlung von Veränderungen der Urteilsbildung als Effekte des Musikunterrichtes,
- Bedingungen und Voraussetzungen des Musikunterrichts,
- unterrichtsmethodische Verwendung im Zusammenhang mit dem Sprechen über Musik im Musikunterricht.“
Weitere mögliche Ansätze zum Gebrauch des Polaritätsprofils in der Musikpädagogik könnten zukünftig sein:[16]
- „nichtstandardisierte Profile zu entwickeln für den Gebrauch in der Schule mit leicht handhabbaren Auswertungsanleitungen;
- die Untersuchung des Einsatzes des Semantischen Differentials im Musikunterricht als Beitrag zur musikpädagogischen Unterrichtsforschung, die subjektive Anteile der Musikrezeption einbezieht;
- Studien zum Urteilen, Sprechen über Musik und Wissen über Urteilsstrukturen im Zusammenhang des Kompetenzerwerbs im Musikunterricht“

Durch die starken emotionalen Bezüge von Musik könnte die Musikpädagogik ein wichtiger Fokus für den zukünftigen Gebrauch der Methode „Polaritätsprofil“ sein.

4. Der Einsatz des Polaritätsprofils im Musikunterricht

4.1. Didaktisches Potenzial

Bei der Arbeit mit Profilen müssen die Schüler, laut Krämer, konzentriert zuhören, sich intensiv über ihre eigenen Empfindungen Gedanken machen und diese auch artikulieren. Deshalb birgt das Polaritätsprofil viel didaktisches Potenzial in sich. Dies zeigt sich zunächst in der Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Hören und dadurch einer Förderung der Ausdauer in diesem Bereich. Durch die Vorgabe von Adjektivpaaren werden die Schüler für ihre persönliche Wahrnehmung von Musik und die subjektiven Perspektiven musikalischer Erfahrung sensibilisiert. Gleichzeitig erweitern und vertiefen sie ihren Wortschatz in Bezug auf die Beschreibung von Musik. Durch den Fokus auf die Verbalisierung des eigenen Empfindens erfolgt eine Förderung ihrer sprachlichen Kompetenzen und darüber hinaus ihres Selbstvertrauens. Außerdem werden die Schüler im Umgang mit dem Polaritätsprofil auf den Zusammenhang zwischen objektiven Merkmalen und subjektiver Wirkung von Musik aufmerksam gemacht und lernen, diese gegeneinander abzugrenzen.[17] Durch die vielen verschiedenen Ansichten in der Klasse, wird eine gegenseitige Akzeptanz gefördert. Wenn es gelingt, die Meinung des anderen ohne Kommentar stehen zu lassen, erfolgt eine Absenkung der Hemmschwelle, die eigenen Gedanken einfach zu äußern.[18]

4.2. Anwendung

Vor allem für das erstmalige Hören neuer Musikstücke eignet sich der Einsatz eines Polaritätsprofils. Eine vorschnelle Ablehnung seitens der Schüler gegenüber ihnen unbekannter Musik wird durch die Aufgabenstellung aufgefangen, weil eine differenzierte Einschätzung der neuen Musik gefordert ist. Dabei erweitert sich der Horizont mit jedem Adjektivpaar.

[...]


[1] Vgl. Schulten, S. 114. Krämer nennt es „Polaritätsprofil“; Krämer, Mit Profilen arbeiten, S. 149-151. Mittelstädt nutzt den Begriff in einer leicht abgewandelten Form: „Polaritätenprofil“; vgl. Mittelstädt, S. 176-177. Buschendorff dagegen verwendet den Begriff „Erlebnisprofil“; vgl. Buschendorff, S. 161.

[2] Krämer, Strukturbilder, S. 37.

[3] Rahmenlehrplan, S. 11.

[4] Rahmenlehrplan, S. 12.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Bortz/Döring, S. 185.

[8] Bortz/Döring, S. 185.

[9] Vgl. Krämer, Mit Profilen arbeiten, S. 149.

[10] Vgl. Schulten, S. 114.

[11] A.a.O., S. 119.

[12] Vgl. a.a.O., S. 120.

[13] Vgl. a.a.O., S. 120-121.

[14] Vgl. Krämer, Mit Profilen arbeiten, S. 145-153.

[15] Schulten, S. 121.

[16] A.a.O., S. 122.

[17] Vgl. Krämer, Mit Profilen arbeiten, S. 146.

[18] Vgl. Bahr/Wisskirchen, S. 93.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Polaritätsprofile im Musikunterricht
Untertitel
Musik hören und erleben
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V212101
ISBN (eBook)
9783656405207
ISBN (Buch)
9783656405993
Dateigröße
2789 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
musik, anwendung, polaritätsprofilen, musikunterricht
Arbeit zitieren
Anne-Christin Schilke (Autor), 2012, Polaritätsprofile im Musikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212101

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