[...] Wenn die Schüler im Unterricht bei ihren Interessen abgeholt werden sollen, muss das
Musik hören und darüber nachdenken im Musikunterricht mehr Raum einnehmen.
Außerdem sollte verstärkt diejenige Musik einbezogen werden, welche die Schüler in
ihrer Freizeit hören, damit sie sich nicht nur passiv von dieser berieseln lassen, sondern
aktiv am Hörprozess teilnehmen. Auch eine Sensibilisierung für die Einflüsse von Musik
und des gesamten Musikgeschäfts (inklusive Personen-/Bandkult und Marketingtricks der
Werbung) auf die Persönlichkeit ist für den Prozess des Erwachsenwerdens und der
Meinungsbildung wichtig.
Oftmals fällt es Schülern sehr schwer, ein Hörerlebnis mit eigenen Worten zu artikulieren.
Sie sollten deshalb eine Orientierungshilfe erhalten, bei der sie mit ihrer Beschreibung
ansetzen können. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, von denen in
vorliegender Arbeit die Verwendung von Profilen und speziell des Polaritätsprofils
genauer beleuchtet werden soll. In der Forschung (auch in der musikpädagogischen
Forschung) ist dieses unter dem Namen „Semantisches Differenzial“ bekannt, die
Musikmethodik verwendet jedoch überwiegend den Begriff „Polaritätsprofil“1. Zu Beginn der Arbeit erfolgt die Einordnung der Thematik in den Rahmenlehrplan. Dann wird ein
Überblick über Definition und Anwendung des Semantischen Differenzials in Forschung
und Musikunterricht gegeben, woran sich konkrete Vorschläge für seinen Einsatz im
Musikunterricht und der weiteren Vertiefung anschließen. Und in Kapitel fünf findet sich
eine kurze Beschreibung zur Untersuchung des Höreindrucks von Studenten der
Universität Potsdam zu drei Musikstücken aus unterschiedlichem Genre mit Hilfe des
Polaritätsprofils. Verschiedene Vorlagen für Polaritätsprofile werden im Anhang
vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Musik hören und beschreiben als Teil des Musikunterrichts
3. Das Polaritätsprofil oder das Semantische Differenzial
4. Der Einsatz des Polaritätsprofils im Musikunterricht
4.1. Didaktisches Potenzial
4.2. Anwendung
4.3. Auswertung
4.4. Vertiefungsmöglichkeiten
4.5. Abgewandelte Formen
5. Anwendung im Seminar
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der Anwendung von Polaritätsprofilen als methodisches Instrument im Musikunterricht, um Schülern den Zugang zum aktiven Musikhören und zur Artikulation ihrer Hörerlebnisse zu erleichtern.
- Bedeutung von Musikhören und -beschreiben im Musikunterricht
- Theoretische Grundlagen und Definition des Polaritätsprofils
- Didaktisches Potenzial und praktische Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht
- Methoden zur Auswertung und Vertiefung
- Empirische Anwendung des Instruments in einem universitären Seminar
Auszug aus dem Buch
4.2. Anwendung
Vor allem für das erstmalige Hören neuer Musikstücke eignet sich der Einsatz eines Polaritätsprofils. Eine vorschnelle Ablehnung seitens der Schüler gegenüber ihnen unbekannter Musik wird durch die Aufgabenstellung aufgefangen, weil eine differenzierte Einschätzung der neuen Musik gefordert ist. Dabei erweitert sich der Horizont mit jedem Adjektivpaar.
Eine weitere Möglichkeit der Anwendung bietet die Arbeit mit dem Polaritätsprofil vor und nach einer Unterrichtseinheit zu einem neuen Musikstil. Auf diese Weise kann zum Beispiel festgestellt werden, inwiefern es sich auf den Höreindruck auswirkt, ob man einen Musikstil oder ein Musikstück schon oft gehört hat und den Klang gewohnt ist. Auch der Einfluss von Hintergrundwissen auf die Beurteilung von Musik spielt hier vermutlich eine Rolle und kann mit Polaritätsprofilen untersucht werden. Allerdings müssen diesbezüglich Adjektive verwendet werden, die mit einer gewissen Wertung (positiv, negativ) besetzt sind und diejenigen mit derselben Wertung sollten sich auf der gleichen Seite des Profils befinden. Die Wörter „hell, farbig, vertraut und gefühlvoll“ befinden sich demnach auf derselben Seite des Profils und ihre Gegensätze (dunkel, blass, ungewohnt und kühl) auf der anderen. Falls Wissen und Vertrautheit Einfluss auf den Höreindruck haben, sollten sich die Linien der Polaritätsprofile am Ende der Unterrichtseinheit im Gegensatz zu denen am Anfang eher in die Richtung der positiv bewerteten Adjektive verschoben haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Diskrepanz zwischen dem außerschulischen Interesse der Schüler an Musik und deren Wahrnehmung im Musikunterricht sowie die Notwendigkeit, Hörerlebnisse besser artikulieren zu können.
2. Musik hören und beschreiben als Teil des Musikunterrichts: Legt dar, wie der Rahmenlehrplan die Kompetenzbereiche des Hörens und Nachdenkens über Musik definiert und verankert.
3. Das Polaritätsprofil oder das Semantische Differenzial: Führt die theoretische Herkunft der Methode ein und erläutert deren Relevanz als Forschungs- und Unterrichtsinstrument.
4. Der Einsatz des Polaritätsprofils im Musikunterricht: Detaillierte Betrachtung der didaktischen Möglichkeiten, der Durchführung, der Auswertung und weiterer methodischer Varianten.
5. Anwendung im Seminar: Dokumentiert die praktische Erprobung der Methode anhand von drei ausgewählten Musikstücken mit Studenten.
6. Fazit: Resümiert den Einsatz des Polaritätsprofils als wertvolle Methode des aktiven Hörens zur Förderung von Sprachkompetenz und ästhetischer Urteilsbildung.
Schlüsselwörter
Musikunterricht, Polaritätsprofil, Semantisches Differenzial, aktives Musikhören, Hörerlebnis, Musikdidaktik, Urteilsbildung, Unterrichtsmethoden, Musikrezeption, Emotionspsychologie, Kompetenzerwerb, Musikwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit untersucht das Polaritätsprofil (auch Semantisches Differenzial genannt) als Werkzeug, um Schülern im Musikunterricht eine Hilfestellung beim Verbalisieren ihrer persönlichen Hörerlebnisse zu bieten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die Arbeit umfasst theoretische Definitionen, didaktische Potenziale, Anwendungs- und Auswertungsmethoden sowie alternative Formen wie den Adjektivzirkel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, eine Methode vorzustellen, die Schülern den aktiven, reflektierten Umgang mit Musik ermöglicht und die Hemmschwelle zur Artikulation subjektiver Höreindrücke senkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär erläutert?
Die zentrale Methode ist das Polaritätsprofil, ein Skalierungsinstrument, bei dem Musikstücke auf bipolaren Adjektivskalen (z. B. laut – leise) bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung in den Rahmenlehrplan, die methodische Anleitung zur Durchführung im Unterricht und Vorschläge zur statistischen oder visuellen Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Musikdidaktik, Polaritätsprofil, aktives Musikhören, Hörerlebnis, Unterrichtsmethodik und Musikrezeption.
Wie unterscheidet sich der Adjektivzirkel vom klassischen Polaritätsprofil?
Beim Adjektivzirkel gibt es keine graduellen Abstufungen zwischen den Adjektivpaaren; die Begriffe sind stattdessen kreisförmig angeordnet, um Emotionen in einem Bezugssystem darzustellen.
Warum wurde für die Seminarübung eine diverse Musikauswahl getroffen?
Die Auswahl (Oper, Neue Musik, Metal) diente dazu, möglichst unterschiedliche Hörreaktionen zu provozieren und zu prüfen, wie stark der individuelle Musikgeschmack der Studenten die Bewertung beeinflusst.
Was empfiehlt die Autorin für die Auswertung im Unterricht?
Für Schulklassen wird eine visuelle Auswertung (z.B. mittels OHP-Folien) empfohlen, da diese den unmittelbaren Vergleich von Hörerlebnissen ermöglicht und eine Diskussion über musikalische Gestaltungsmittel anregt.
- Citation du texte
- Anne-Christin Schilke (Auteur), 2012, Polaritätsprofile im Musikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212101