Juan Somavia, bis 2012 Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), fordert im Gesamtbericht des Internationalen Arbeitsamtes (IAA) „Das Vorgehen gegen Kinderarbeit forcieren“, dass die IAO ihre Führungsrolle im Kampf gegen die Kinderarbeit weiter ausbauen muss. Aus dem Bericht geht hervor, dass das selbstgesteckte Ziel von 2006, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2016 zu beseitigen, nicht erreicht werden kann. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation gab es 2008 über 215 Millionen Kinder , die arbeiten gehen mussten, um zu überleben. Davon leisteten 115 Millionen Kinder gefährliche Arbeiten. Dazu zählen die Arbeit an gefährlichen Orten sowie unter erschwerten Bedingungen, wie Nachtarbeit oder zu viele Arbeitsstunden. Wie die Entwicklung sich verändert hat, wird im neuen Bericht der IAA, welcher im April 2013 erscheint, dargelegt. Eine wesentliche Verbesserung der Zahlen ist aber kaum zu erwarten.
Seit ihrer Gründung spielt das Thema Kinderarbeit eine zentrale Rolle bei der Arbeit der IAO. Die Ausarbeitung von Konventionen, welche die Kinderarbeit verbieten bzw. einschränken, ist ein wichtiger Schritt bei der Bekämpfung des Problems. Dennoch wird immer wieder kritisiert, dass die Durchsetzung der Normen nicht streng genug befolgt wird und bei Verstößen der Staaten die IAO kaum handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Vereinten Nationen als normativer Rahmen im Kampf gegen Kinderarbeit
3. Die Arbeit der IAO als Sonderkommission der Vereinten Nationen gegen Kinderarbeit
3.1 Ziele und Aufbau der IAO
3.2 Die Normensetzung und -überwachung der IAO und ihre Wirksamkeit
3.2.1 Die Normensetzung der IAO
3.2.2 Die Kontrollverfahren zur Überwachung der IAO-Konventionen
3.3 Kritische Betrachtung der IAO-Konventionen 138 und 182 gegen Kinderarbeit
3.3.1 Konvention 138 über das Mindestalter in der Beschäftigung
3.3.2 Konvention 182 über die schlimmsten Formen der Kinderarbeit
4. Abschließende Analyse zum Kampf der IAO gegen Kinderarbeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) als Sonderorganisation der Vereinten Nationen in ihrem Bemühen, Kinderarbeit weltweit zu bekämpfen, wobei ein besonderer Fokus auf den normativen Instrumenten und deren praktischer Durchsetzung liegt.
- Rolle der Vereinten Nationen als übergeordneter normativer Rahmen für Kinderrechte.
- Struktur und Funktionsweise der IAO als tripartistische Organisation.
- Normensetzung und Überwachungsmechanismen der IAO im Hinblick auf ihre Wirksamkeit.
- Kritische Analyse der IAO-Konventionen 138 und 182 in Bezug auf die Bekämpfung von Kinderarbeit.
- Evaluation des Programms IPEC und der allgemeinen strategischen Ausrichtung der IAO.
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die Kontrollverfahren zur Überwachung der IAO-Konventionen
Der IAO stehen verschiedene Möglichkeiten zur Regeldurchsetzung zur Verfügung. Neben dem Berichtsverfahren sind das Beschwerde- und Klagerecht zwei weitere Kontrollverfahren zur Überwachung der IAO-Konventionen. Ein wichtiges Organ bei der systematischen Normüberwachung ist der Sachverständigenausschuss, welcher sich aus Rechtsexperten zusammensetzt und „vom Verwaltungsrat für drei Jahre gewählt wird.“
Nach Artikel 22 der IAO-Verfassung sind Staaten verpflichtet „dem Internationalen Arbeitsamt jährlich einen Bericht über seine Maßnahmen zur Durchführung der Übereinkommen, denen es beigetreten ist, vorzulegen“. Gewerkschaften sowie Arbeitgeberorganisationen haben das Recht, Stellung zu den Berichten zu nehmen. Die Länderberichte werden anschließend vom IAO-Sachverständigenausschuss überprüft, der die Ergebnisse in einem gesonderten Bericht zusammenfasst. Aufgabe des Ausschusses ist es, auf Fortschritte sowie auf Umsetzungslücken hinzuweisen und gegebenenfalls „Empfehlungen zur Behebung des jeweiligen Problems abzugeben.“
Der Ausschuss kann bei wiederholter Verletzung von Konventionen oder dauerhaften Missständen „Bemerkungen“ (observations) im Abschlussbericht veröffentlichen. Zudem werden „direkte Anfragen“ (direct requests) an Staaten gerichtet, wenn die Länderberichte unvollständig sind oder „die verfügbaren Informationen nicht ausreichen, um eine vollständige Bewertung der Umsetzung internationaler Normen zu ermöglichen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Problem der weltweiten Kinderarbeit ein und skizziert die Rolle der IAO sowie die Forschungsfrage dieser Arbeit.
2. Die Vereinten Nationen als normativer Rahmen im Kampf gegen Kinderarbeit: Das Kapitel erläutert die Bedeutung der AEMR, des IPWSK und der UN-Kinderrechtskonvention als Grundlage für den internationalen Schutz von Kindern.
3. Die Arbeit der IAO als Sonderkommission der Vereinten Nationen gegen Kinderarbeit: Hier werden der Aufbau der IAO, ihre strategischen Ziele und ihre einzigartige tripartistische Struktur detailliert analysiert.
3.1 Ziele und Aufbau der IAO: Dieser Abschnitt beschreibt die historische Verankerung der IAO-Ziele und die Zusammensetzung ihrer Hauptorgane.
3.2 Die Normensetzung und -überwachung der IAO und ihre Wirksamkeit: Das Kapitel thematisiert die Methoden zur Festlegung von Arbeitsstandards und deren Überprüfung durch die IAO.
3.2.1 Die Normensetzung der IAO: Es wird erklärt, wie Konventionen und Empfehlungen zustande kommen und welchen rechtlichen Status sie für Mitgliedstaaten haben.
3.2.2 Die Kontrollverfahren zur Überwachung der IAO-Konventionen: Der Text beleuchtet die Kontrollmechanismen, wie das Berichts- und Klagerecht, und deren Begrenzungen bei der Sanktionierung.
3.3 Kritische Betrachtung der IAO-Konventionen 138 und 182 gegen Kinderarbeit: Eine kritische Analyse der beiden zentralen Abkommen hinsichtlich ihrer praktischen Anwendbarkeit.
3.3.1 Konvention 138 über das Mindestalter in der Beschäftigung: Der Abschnitt diskutiert die Bestimmungen der Konvention 138 und ihre Wirkung auf den Arbeitsprozess von Kindern.
3.3.2 Konvention 182 über die schlimmsten Formen der Kinderarbeit: Es wird untersucht, inwiefern die Konvention 182 neue Akzente setzt und wo ihre inhaltlichen Grenzen liegen.
4. Abschließende Analyse zum Kampf der IAO gegen Kinderarbeit: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Effektivität des IPEC-Programms sowie die strukturellen Herausforderungen der IAO.
Schlüsselwörter
Kinderarbeit, Internationale Arbeitsorganisation, IAO, Vereinte Nationen, Menschenrechte, Konvention 138, Konvention 182, Arbeitsnormen, IPEC, Sozialstandards, Kinderschutz, Ratifizierung, Arbeitnehmerrechte, Weltfriede, Tripartismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Rolle der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) bei der Bekämpfung von Kinderarbeit im Kontext der Vereinten Nationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die normativen Rahmenbedingungen, die Organisationsstruktur der IAO, die Kontrollmechanismen für Arbeitsstandards sowie die Konventionen 138 und 182.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie effektiv die IAO ihre normativen Möglichkeiten ausschöpft und wo die Grenzen ihres Einflusses im Kampf gegen Kinderarbeit liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse internationaler Übereinkommen und Berichte, kombiniert mit einer kritischen Untersuchung der IAO-Strukturen und -Verfahren.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den Aufbau der IAO, die spezifischen Kontrollverfahren der Konventionen sowie eine kritische Evaluation der Konventionen 138 und 182.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation am besten?
Kinderarbeit, IAO, Arbeitsnormen, Menschenrechte, Konventionen, IPEC, Tripartismus und internationale Sanktionsmöglichkeiten.
Warum wird die IAO in der Literatur teilweise als "zahnloser Tiger" bezeichnet?
Diese Bezeichnung bezieht sich auf das Kontrollsystem der IAO, da es an durchsetzbaren Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Mitgliedstaaten fehlt, die gegen ratifizierte Konventionen verstoßen.
Welche Rolle spielt die tripartistische Struktur der IAO bei der Entscheidungsfindung?
Sie ermöglicht eine Einbeziehung von Regierungs-, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern, was laut der Autorin zwar die Interessenvertretung sichert, aber gleichzeitig andere gesellschaftliche Gruppen exkludiert.
- Arbeit zitieren
- Nadine Möller (Autor:in), 2013, Der Kampf gegen Kinderarbeit. Die Internationale Arbeitsorganisation als Sonderorganisation der Vereinten Nationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212241