Bereits zu Lebzeiten Johann Wolfgang von Goethes ist den großen Literaten Deutschlands bewusst, welch große Bedeutung die Übersetzung für die Weiterentwicklung der deutschen Sprache und die deutsche Literatur hat. Seit der luther’schen Bibelübersetzung von 1522/1523 hat sich die deutsche Sprache immer wieder erneuert. Durch die danach folgenden, zahlreichen Übersetzungen wurden fremde Sprachen und literarische Werke in Deutschland eingeführt, welche sich immer mehr etablierten und später in den eigenen Sprachgebrauch aufgenommen wurden. Goethes Einschätzung zur Übersetzung zeigt, wie früh schon erkannt wurde, dass Übersetzungen nicht nur zweckstiftend sondern auch weltbewegend sind, in der Hinsicht, dass Übersetzungen fremde Kulturen einander näherbringen können und den wechselseitigen Austausch untereinander positiv beeinflussen. Die Diskussion darüber, wie eine korrekte Übersetzung auszusehen hat, beginnt bereits in der Antike. Bis heute konnte noch kein einheitliches Ergebnis erzielt werden. Denn Übersetzungen sind keine einfache Arbeit, sie erfordern literarisches Talent, sowie Kenntnis der fremden Sprache und Kultur, um das Original adäquat übertragen zu können. Wie viele große Autoren, versuchte sich auch Friedrich Schiller an einigen Übersetzungen. Seine wohl berühmteste ist die Übertragung der „Phèdre“ von Jean Racine, welche auch das Thema dieser Hausarbeit gestaltet. Zunächst werden die bis dato wichtigsten Übersetzungstheorien erläutert, auf die eine Zusammenfassung der aussagekräftigsten Beiträge deutscher Autoren über die französische Klassik folgt. Diese soll in den rezeptionsgeschichtlichen Hintergrund Schillers einführen und untersuchen, inwieweit diese Rezeption die Übersetzungsarbeit Schillers beeinflusst hat. Daraufhin wird an Hand von ausgewählten Textstellen die Übersetzung Schillers mit dem Original von Racine verglichen. Auf die markantesten stilistischen Veränderungen wird ein Hauptaugenmerk gelegt. So soll dann abschließend erläutert werden, welche Art von Übersetzung Schiller gestaltet hat und wie diese in die Reihe der wichtigsten Übersetzungstheorien einzuordnen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die wichtigsten Übersetzungstheorien
2.1. Johann Wolfgang von Goethe
2.2. Friedrich Schiller
2.3. Friedrich Schleiermacher
2.4. Walter Benjamin
2.5. Aktuelle Übersetzungstheorien
3. Die Rezeption der französischen Klassik
4. Schillers Übersetzung der „Phèdre“ im Vergleich zu Racine
4.1. Metrische Veränderungen
4.2. Verbannung der „französischen Manier“
4.3. Aufhebung der sozialkritischen Intention Racines
5. Fazit
6. Quellen
6.1. Primärliteratur
6.2. Sekundärliteratur
Häufig gestellte Fragen
Warum ist Schillers Übersetzung von Racines „Phèdre“ literaturgeschichtlich bedeutend?
Sie zeigt Schillers Auseinandersetzung mit der französischen Klassik und wie Übersetzungen zur Weiterentwicklung der deutschen Sprache und Literatur beigetragen haben.
Welche Übersetzungstheorien beeinflussten Schiller?
Die Arbeit beleuchtet Theorien von Goethe, Schleiermacher und Benjamin, um Schillers eigenen Ansatz im Kontext seiner Zeit einzuordnen.
Welche stilistischen Änderungen nahm Schiller am Original vor?
Schiller nahm metrische Veränderungen vor, verbannte die „französische Manier“ und schwächte teilweise die sozialkritische Intention Racines ab.
Wie sahen deutsche Autoren die französische Klassik damals?
Die Rezeption war zwiespältig; die Arbeit untersucht, wie diese Wahrnehmung Schillers Entscheidung beeinflusste, das Werk ins Deutsche zu übertragen.
Was erfordert eine „adäquate“ Übersetzung laut dieser Arbeit?
Neben Sprachkenntnissen sind literarisches Talent und tiefes Verständnis der fremden Kultur notwendig, um das Original wirkungsvoll zu übertragen.
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- Charlotte Seeger (Author), 2010, Schiller als Übersetzer von Racines „Phèdre“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212346