Wasser und Musik miteinander zu verbinden, wurde schon von vielen Komponisten künstlerisch verwirklicht – ‚Die Moldau‘ von Smetana, Händels ‚Wassermusik‘ oder ‚La Mer‘ von Debussy - um nur einige zu nennen, die sich in einer Minute finden lassen.
Im Roman ‚Symphonie für Jazz‘ wird ein Jazzmusiker beschrieben, der eine Symphonie komponieren will. Die Erzählung durchziehen Wassermetaphoriken und -Symboliken. Um diese soll es in der vorliegenden Arbeit gehen. Gleichzeitig wird der Versuch unternommen, eine Verbindung zwischen Wasser und Jazz herauszukristallisieren.
Es sind in ‚Symphonie für Jazz‘ natürlich noch unzählige Symboliken mehr zu finden. Im Folgenden soll noch auf einige von ihnen Rücksicht genommen werden. Sie finden hier jedoch nur Erwähnung, wenn sie im direkten Kontext zum Wasser stehen, beziehungsweise beim Verständnis eines solchen Kontextes hilfreich sind. Wegen einer vermuteten Opposition zum Wasser wird Feuer, auch in Form der Sonne näher betrachtet; ebenso verschiedenste Arten des Windes. Den größten Raum nimmt das Wasser im Roman in Gestalt des Meeres ein. Es ist der Ort, an dem die größten Stürme beheimatet sind. Außerdem soll es auch um die Verbindung von Alkohol und Wasser gehen, die in der Erzählung durch den ‚Fliegenden Holländer auf seinem Alkoholschiff‘ dargestellt wird. Wasser und sein Einfluss auf John van Marays Musik ist ein weiterer Abschnitt der vorliegenden Arbeit. Wobei zugegebenermaßen alles einen Einfluss auf Johns Musik hat und in seiner Musik Platz findet. Da es wie bereits erwähnt vordergründig um das Wasser und besonders das Meer gehen wird, erscheint diese Einteilung dennoch am sinnvollsten.
Die Herangehensweise an die Bearbeitung der erwähnten Symboliken bestand darin, entsprechende Textstelle ausfindig zu machen. Wie bereits erwähnt, werden Alkohol, Feuer/Sonne/Licht und Wind/Stürme nur erwähnt, wenn sie dem Verständnis des Wasserkontextes dienlich sind. Allerdings sind selbstverständlich auch nicht sämtliche Textstellen aufgeführt in denen Wasser eine Rolle spielt. Auch diese mussten sich dem größeren Kontext unterordnen, welchen diese Arbeit zu verfolgen anstrebt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.
2.1 Wasser und Johns Musik
2.2 Wasser und Alkohol
2.3 Wasser, Wind und Wetter
2.4 Wasser, Feuer und Sonne
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Wassermetaphoriken und -symboliken im Roman „Symphonie für Jazz“ von René Schickele und analysiert, wie diese in Verbindung mit anderen Elementen wie Feuer, Wind und Alkohol das Innenleben und den kreativen Prozess der Hauptfigur John van Maray widerspiegeln.
- Symbolik des Wassers und dessen Verbindung zum Jazz
- Die Rolle von Alkohol und Naturphänomenen als Spiegel psychischer Zustände
- Wechselwirkung zwischen John, Johanna und den verschiedenen Naturelementen
- Darstellung von kreativer Entgrenzung und künstlerischer Arbeit
Auszug aus dem Buch
Wasser, Wind und Wetter
In den folgenden Zeilen findet sich eine sehr kompakte Mischung der verschiedenen Darstellungsformen von Geräuschen, die der Text gebraucht: „Brrrr – um! plotzt die Brandung. Brum! Krach der Kräche. Donnernder Applaus. Ein Zischen, Sausen: Brr – rr – rr rum!“ (Schickele, S. 5) Zum einen ist die Interjektion „Brum!“ in verschieden gedehnten Varianten vorhanden. Das Ausrufungszeichen als Interpunktion verstärkt dabei noch den Eindruck des Lärms. Es handelt sich um ein lautes, plötzliches Geräusch. Die verbalisierte Lautmalerei „plotzt“ unterstreicht den Eindruck. Das es nichts Lauteres zu geben scheint, mach „Krach der Kräche“ unmissverständlich klar. Das Nomen steht für eine Höchstform von Lärm. „Donnernder Applaus“ verwendet die Tonmalerei adjektivisch, bei „Ein Zischen, Sausen“ wurde sie substantiviert. Allen Ausdrücken ist eine implizite große Lautstärke gemeinsam.
Als John im Chalet am Meer lebt, spielt das Motiv der Heulboje eine große Rolle. Zunächst zeichnet es mitverantwortlich für Johns Unbehagen. Ihr Geräusch raubt ihm den Schlaf. „Für sechzig Tage Trübsinn und sechzig Nächte Geheul, von dem ich nicht einmal weiß, woher es stammt. O dies Geheul draußen auf dem Meer!.“ (Schickele, S. 35) In dem Moment hat das Geheul noch Macht über ihn. Sie taucht an der Stelle der Geschichte auf, als er am Meer ankommt und weder schlafen noch arbeiten kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Symbolik der Wassermetaphern im Roman „Symphonie für Jazz“ ein und erläutert die methodische Herangehensweise zur Untersuchung der Korrelation zwischen den Naturelementen und dem Protagonisten.
2. Wasser und Johns Musik: Dieses Kapitel beleuchtet die enge, rhythmische Verbindung zwischen dem Meer und der musikalischen Schaffenskraft von John van Maray, wobei das Meer sowohl als Inspirationsquelle als auch als Spiegel seiner inneren Unruhe fungiert.
2.1 Wasser und Johns Musik: Vertiefende Analyse der musikalischen Metaphorik in Bezug auf Johns Arbeitsprozess, das Scheitern und die finale Überwindung seiner Ängste im Spiegel der Natur.
2.2 Wasser und Alkohol: Untersuchung der Intertextualität zur Sage des „Fliegenden Holländers“ und der symbolischen Verknüpfung von Alkoholkonsum, Traumwelten und der Suche nach Erlösung durch Liebe.
2.3 Wasser, Wind und Wetter: Analyse der lautmalerischen Darstellung von Naturgewalten und der Rolle der Heulboje als Ausdruck des menschlichen Versuchs, Macht über die unberechenbare Natur auszuüben.
2.4 Wasser, Feuer und Sonne: Betrachtung der gegensätzlichen und verbindenden Symbolik von Feuer, Sonne und Wasser in Bezug auf die Charaktere Johanna und Angelica und deren Einfluss auf John.
3. Schluss: Zusammenfassende Deutung des Meeres als Inbegriff der Unberechenbarkeit, die den kreativen Prozess des Jazz-Komponisten John van Maray als eine lebenslange Reise durch die Weiten seines Seelenlebens charakterisiert.
Schlüsselwörter
Symphonie für Jazz, René Schickele, Wassermetaphorik, Jazz, Symbolik, John van Maray, Fliegender Holländer, Naturdarstellung, Kreativität, Musik, Literaturanalyse, Meer, Entgrenzung, Johanna, Psychologische Deutung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Verwendung von Wassermetaphoriken im Roman „Symphonie für Jazz“ und zeigt auf, wie diese die psychologische Entwicklung des Protagonisten John van Maray begleiten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Symbolik der Naturelemente Wasser, Feuer und Wind sowie deren Interaktion mit den menschlichen Hauptfiguren und dem musikalischen Schaffen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen den Natursymbolen und dem Jazz als künstlerischem Ausdrucksmedium herauszukristallisieren und die Entwicklung des Protagonisten innerhalb dieses Kontexts zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, bei der relevante Textstellen identifiziert, kontextualisiert und in Bezug zur Gesamtsymbolik des Werkes gesetzt werden.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung spezifischer Naturerscheinungen wie das Meer, den Wind und das Wetter sowie deren symbolische Verknüpfung mit Alkohol, menschlichen Beziehungen und der musikalischen Identität.
Was charakterisiert diese Arbeit?
Besonders prägend ist die Verknüpfung von literarischer Symbolanalyse mit philosophischen Aspekten der Natur als unberechenbare Macht und deren Spiegelung im kreativen Jazz-Prozess.
Welche Bedeutung hat das Meer für den Protagonisten John?
Das Meer fungiert für John sowohl als Angsttraum und unberechenbare Naturgewalt als auch als notwendiger Spiegel seines Inneren, den er braucht, um kreativ tätig zu sein.
Wie lässt sich die Rolle von Johanna im Roman zusammenfassen?
Johanna wird symbolisch mit dem Feuer verknüpft und stellt für John eine lebenswichtige, wenn auch konfliktreiche Bezugsperson dar, die ihn in seiner Entwicklung maßgeblich beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Michaela Kuhn (Autor:in), 2011, Das Motiv des Wassers in "Symphonie für Jazz" von René Schickele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212366