Die Erzählkonzeption in "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann

Die Verflechtung der Hauptfiguren Gauß und Humboldt


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Form
1.1 Die Kapitel und ihre Zusammenhänge
1.2 Die zeitliche und räumliche Situierung der Erzählung
1.3 Die Erzählinstanz des Romans

2. Der Inhalt
2.1 Eine Kurzcharakteristik der beiden Protagonisten
2.2 Das Motiv des unverstandenen und verkannten Genies
2.3 Das Vermessen als Leitmotiv
2.4 Die unterschiedlichen Auffassungen von Wissenschaft

Schluss

Literaturverzeichnis

Die Erzählkonzeption in Die Vermessung der Welt

Die Verflechtung der Hauptfiguren Gauß und Humboldt

Einleitung

„Und plötzlich sah ich diese Szene: die beiden alten Männer, der eine, der überall war, der andere, der nirgends war; der eine, der immer Deutschland mit sich getragen hat, der andere, der wirklich geistige Freiheit verkörpert, ohne je irgendwohin gegangen zu sein.“[1]

Die beschriebene Szene meint den Besuch Carl Friedrich Gauß‘ bei Alexander von Humboldt in Berlin anlässlich des deutschen Naturforscherkongresses, wie Daniel Kehlmann es sich vorstellt.

Der Naturforscherkongress schafft den Rahmen, der beide Figuren im Roman verbindet.

Auf welche Weise sich die Verquickungen des Romans sich außerdem darstellen, soll in der vorliegenden Arbeit behandelt werden. Sie ist in die zwei Hauptteile Form und Inhalt untergliedert, die wiederum aus einzelnen Abschnitten bestehen. Dies soll die Möglichkeit geben zunächst die Struktur im Groben kennenzulernen, um sich dann der inhaltlichen Ebene zu widmen. Wie Verwobenheit der beiden Protagonisten wird in allen Abschnitten herausgestellt werden können.

Wenn nur von „Humboldt“ die Rede ist, meint dies stets Alexander von Humboldt. Sollte sein Bruder Wilhelm gemeint sein, ist dies schriftlich eindeutig kenntlich gemacht. Bei „Gauß“ verhält es sich ebenso. Hier ist Carl Friedrich Gauß gemeint. Sollte sein Sohn gemeint sein, so wird dieser, wie im Buch, Eugen genannt.

1. Die Form

1.1 Die Kapitel und ihre Zusammenhänge

Die Kapitel heißen Die Reise, das Meer, der Lehrer, die Höhle, die Zahlen, der Fluss, die Sterne, der Berg, der Garten, die Hauptstadt, der Sohn, der Vater, der Äther, die Geister, der Baum. Die Begriffe sind zum einen Teil der Wissenschaft entnommen. Im besonderen der Geologie, als auch der Botanik und der Physik. Hier lassen sich bereits klare Rückschlüsse auf die beiden Hauptfiguren ziehen – Humboldt, der die Welt bereist und dabei alles kartographiert, als auch der Botanik einen großen Dienst erweist, indem er Pflanzen an den entferntesten Orten untersucht; auf der anderen Seite Gauß, der einerseits ebenfalls selbst Landvermessungen durchführt, aber auch großes Interesse an Himmelsbeobachtungen und Formeln hat.

Als zweite Gruppe neben der eben genannten, die sich unter Wissenschaften zusammenfassen lässt, fallen die Personenbezeichnungen auf. „Der Lehrer“, „Der Sohn“ und „Der Vater“ ließen sich hier einordnen. Die Betitelung „Die Geister“ fällt bei dieser Einteilung ein wenig heraus. Es wäre sicher noch möglich, zählte man sie zu Humboldts Reise, sie hier mit einzuordnen, also zwischen Begriffe wie „Höhle“, „Hauptstadt“ und „Fluss“, da er auf der Reise mit verschiedensten Kulturen, Glaubensvorstellungen und allerlei Mystischem konfrontiert war.

Aber das Kapitel „Die Geister“[2] bezieht sich gar nicht auf Humboldts Reise, sondern spielt bereits nach dieser in Berlin.

Auffallend verhält es sich ebenso mit dem Titel des ersten Kapitels - „Die Reise“[3]. Bei diesem Kapitel handelt es sich nicht um eines, das eine Expedition Humboldts beschreibt, welchen im Roman ein großes Gewicht zufällt. Im ersten Kapitel geht es um eine Reise Gauß‘. Er verlässt auf Einladung Humboldts „zum ersten Mal seit Jahren seine Heimatstadt, um am Deutschen Naturforscherkongress in Berlin teilzunehmen“.[4]

Diese strukturelle Verflechtung der beiden Hauptfiguren und ihrer Handlungsstränge lässt sich noch an weiteren Kapiteln erkennen.

So handelt das Kapitel „Der Lehrer“[5] von Gauß und dessen Intelligenz. Diese wird von einem seiner Lehrer erkannt, woraufhin er nun gefördert wird. Zu Humboldts Ausbildung gibt es zwar kein Kapitel, welches eine entsprechende Überschrift trägt, aber sie wird dennoch erwähnt. Das Kapitel „Das Meer“[6] handelt im Wesentlichen von seinen Studien als junger Mann.

Da ein wesentliches Merkmal beider Figuren ihre Arbeit als Wissenschaftler ist, ist diesen Kapiteln ein gewisse Bedeutung zuzumessen. Sie legitimieren die Bekanntheit, die beiden Figuren im weiteren Verlauf zukommt. Aus diesem Grund wird diese Arbeit im Abschnitt 2.2 näher darauf eingehen.

Im Kapitel „Die Zahlen“[7] wird Gauß‘ Zeit als Student beschrieben, als er neunzehn ist und bereits große Entdeckungen macht, die bisher nur unter dem Namen seiner Professoren publiziert werden. Einmal mehr wird sein Genie beschrieben. Außerdem erklärt er, dass er sich nun auf die Mathematik festlegen wolle, früher sei er mehr an der Philologie interessiert gewesen.[8] „Die Zahlen begleiteten ihn jetzt immer.“[9] Dabei ist es nicht so, dass er lediglich ständig an seiner Forschung arbeitet. Er bedarf der Zahlen regelrecht. sie scheinen ihm eine Welt zu bieten, in der er sich eher zurechtfindet. „Die Zahlen entführten einen nicht aus der Wirklichkeit, sie brachten sie näher heran, machten sie klarer und deutlich wie nie.“[10] Dies kann allerdings nur für eine Wirklichkeit gelten, die sich rational und strukturiert präsentiert. Rein pragmatisch mag Gauß seine Welt im Griff haben, auf der Gefühlsebene ist er weniger begabt. Ähnliches gilt für Humboldt, was auch an dieser Stelle wieder einen Bezug zwischen den beiden und der Textstruktur schafft, obwohl dieses Kapitel nur von Gauß handelt. Auch Humboldt ordnet seine Welt mit Hilfe von Zahlen. Im Grunde ordnet er die gesamte Welt auf diese Weise. Er vermisst und kartiert, verzeichnet und dokumentiert alles, was ihm auf seiner Reise begegnet.

Der botanische Assoziationen weckende Titel „Der Garten“ ließe vermutet, dass das dazugehörige Kapitel von Humboldt handeln würde. Dies ist jedoch nicht der Fall, geht es doch um Gauß‘ Begegnung mit dem Graf von der Ohe zur Ohe.[11] Auch hier schafft der Text also eine Verknüpfung der beiden Hauptfiguren, in diesem Fall über Pflanzen. Kehlmann benennt diese Verknüpfung auch selbst in den Poetikvorlesungen: „ Und der tropische Garten? Ist erstens wieder eine Verbindung zu Humboldt, zweitens ein Element der Kafka-Umkehrung.“[12]

[...]


[1] Ich wollte schreiben wie ein verrückt gewordener Historiker – Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Februar 2006. In: Gunther Nickel (Hrsg.): Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“: Materialien, Dokumente, Interpretationen. Reinbek bei Hamburg 2008, S.27

[2] siehe Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt, Reinbek bei Hamburg 2005, S.317ff.

[3] siehe Die Vermessung der Welt, S. 7ff.

[4] Die Vermessung der Welt, S.7

[5] siehe Die Vermessung der Welt, S.64-83

[6] siehe Die Vermessung der Welt, S.21-63

[7] vgl. Die Vermessung der Welt, S.100ff.

[8] vgl. Die Vermessung der Welt, S.105f.

[9] siehe Die Vermessung der Welt, S.107

[10] siehe Die Vermessung der Welt, S.107

[11] vgl. Die Vermessung der Welt, S.229ff.

[12] Daniel Kehlmann: Diese sehr ernsten Scherze – Poetikvorlesungen. Göttingen 2007, S.34

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Erzählkonzeption in "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann
Untertitel
Die Verflechtung der Hauptfiguren Gauß und Humboldt
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Daniel Kehlmann – zur Prosa eines Weltvermessers im
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V212372
ISBN (eBook)
9783656404316
ISBN (Buch)
9783656405917
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erzählkonzeption, vermessung, welt, verflechtung, hauptfiguren, gauß, humboldt
Arbeit zitieren
Michaela Kuhn (Autor:in), 2011, Die Erzählkonzeption in "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212372

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Erzählkonzeption in "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden