Die Einwanderungspolitik der USA

Von der Kolonialzeit bis 1960


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1. Einleitung

„Jeder Flecken der alten Welt wird unterdrückt. Die Freiheit wird rund um den Globus gehetzt. Asien und Afrika haben sie seit langem vertrieben. Europa betrachtet sie wie einen Fremdling, und England hat sie aufgefordert zu verschwinden. Oh, nimm den Flüchtling auf und bereite beizeiten ein Asyl für die Menschheit!“[1] Dieses Zitat Thomas Paines aus seiner Flugschrift „Common Sense“, die 1776 veröffentlicht wurde, ist bezeichnend für das amerikanische Bild als „[...] letztem Hort der Freiheit und als Asyl für die Menschheit [...]“.[2] Dennoch ist gerade dieses Bild der Vereinigten Staaten von Amerika im Rahmen der Entwicklung bzw. Herausbildung einer nationalen Einwanderungspolitik mehrfach Änderungen unterworfen worden.

Diese Änderungen sind insofern von äußerster Brisanz, als das sie die Einflüsse kennzeichnen, denen die Einwanderungspolitik nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika unterworfen war. Ein wichtiger Faktor stellt hier auch die kolonial geschichtliche Entwicklung der Kolonien dar, die schließlich in die Unabhängigkeit der USA vom Mutterland England mündete und ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Einwanderungspolitik hatte.

Diese Arbeit teilt sich in zwei Bereiche. Der erste Teil bezieht sich auf die Definition der für das Verständnis der nordamerikanischen Kolonisation und der Einwanderungspolitik wichtigsten Begriffe. Der zweite Teil soll nun aufzeigen, wie sich die Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika entwickelt hat, welche Einflüsse von Kolonialzeit und dem Nativismus in der Herausbildung einer bundes- einheitlichen Einwanderungspolitik zu sehen sind, inwiefern sie bedeutsam oder weniger wichtig waren und welche Faktoren sich stringent durch den Entwicklungsprozess zogen. Inwieweit sich Kolonialzeit und Nativismus bedingten, bzw. ob überhaupt eine Verbindung besteht, darauf soll in dieser Arbeit abschließend eingegangen werden.

2. Definitionen

In dieser Arbeit sind die Begriffe Kolonialzeit, Nativismus und Einwanderungspolitik zentrale Bestandteile. Alle drei Begriffe können manchmal auch in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden. Daher ist meines Erachtens eine nähere Definition notwendig, um den genauen Bezug deutlich zu machen.

2.1. Kolonialzeit

Ende des 15 Jahrhunderts und zu Beginn des 16. Jahrhunderts setzte von Europa ausgehend die Gründung von Kolonien in Afrika, Süd- und Nordamerika ein. Während die Portugiesen in Südamerika Kolonien gründeten, besetzten die Spanier große Teile Südamerikas und den südlichen und westlichen Bereich Nordamerikas. Die Niederlande annektierte einige Gebiete in Süd-, Mittel- und Nordamerika, in Afrika sowie in Asien. Sie verloren ihre Kolonien, bis auf die niederländischen Antillen, im Laufe der Zeit jedoch an England, Portugal und Frankreich. Weitere Kolonien unterhielten unter anderem Frankreich, das sich in Nordamerika niederließ, Dänemark, Schweden, Italien, Deutschland und Belgien.[3]

Als letzte große Kolonialmacht ist England zu nennen, das sich das „British Empire“ aufbaute und in Nord-, Mittel- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Teile der Karibik, Afrika, Indien und Asiens, Kolonien gründete.[4]

Die Epoche der Kolonialzeit endete erst nach dem zweiten Weltkrieg, wo die meisten der kolonisierten Staaten unabhängig wurden, wenn dies nicht schon in früherer Zeit geschehen war. Die Kolonialzeit muss jedoch von dem Begriff der Kolonisation unterschieden werden, da dieser auch schon in früherer Zeit für die Herausbildung von Kolonien verwendet wurde; unter anderem bei den Römern oder aber auch den Inkas.

Der Begriff der Kolonialzeit umfasst hier also lediglich die Epoche der Gründung von Kolonien.[5]

Der zentrale Bereich der Kolonialzeit wird hier die Kolonisierung von Nordamerika sein, die mit der Gründung der USA endet und sich nach der Unabhängigkeitserklärung zentral als Einwanderungsgeschichte der Vereinigten Staaten darstellt und sich hier erst eine einheitliche Einwanderungspolitik heraus zu bilden beginnt.

2.2. Nativismus

Der Nativismus bezeichnet eine Überzeugung innerhalb eines Gesellschaftssystem, dass sich vornehmlich für den Erhalt der bestimmter Eigenheiten der eigenen Kultur einsetzt und gegen eine Infiltrierung der gesellschaftlichen Ideale und Eigenheiten von anderen Kulturen ist. Einen besonderen Stellenwert haben hier die besonderen Umstände der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Kolonialzeit, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Nativismus der USA hatten. Der Nativismus konnte sich hier aufgrund von vorherrschenden Ängsten entwickeln, die eine Bedrohung der inneren Gesellschaft von außen suggerierten.[6]

Zentraler Bestandteil ist hier immer auch eine ethnische Komponente, die die Kolonialzeit überdauerte und sich bis 1960 fortsetzen sollte.

Die Grundmotive des amerikanischen Nativismus des 19. Jahrhunderts sind vor allem in der Vorstellung von der „[...] demokratischen Mission Amerikas und das Gefühl der ethnischen Überlegenheit der „Angelsachsen“ [...]“[7] zu sehen.

Zudem ist er ebenfalls von der Ansicht einiger Nativisten geprägt, die in Europa ein Feindbild für das neu geschaffene amerikanische Gesellschaftssystem und die republikanischen Institutionen sahen, sich aus diesen Gründen gegen eine ungehinderte Einwanderung aussprachen und ebenfalls forderten, Amerika solle sich aus europäischen Kriegen und europäischer Politik heraus halten.

Ein weiterer wichtiger Faktor der nativistischen Grundvorstellung, ist die Unterscheidung des angelsächsisch – christlich geprägten Kultursystems der Vereinigten Staaten, dass man als wichtigen Punkt für eine Einwanderung sah und der daher gegen eine asiatische Einwanderung sprach, da diese keine christliche Kulturbasis besaßen.[8]

[...]


[1] Paine, Thomas (1928): Common Sense. In: Arthur Wallace Peach, Hg.: Selections from the Works of Thoma Paine, S.32

[2] Wendler, Hans Jürgen : Universalität und Nativismus: Das nationale Selbstverständnis der USA im Spiegel der Einwanderungspolitik, S. 26

[3] Curtin, Philip D.: The Black Experience of Colonialism and Imperialism; in: Sidney W. Mintz: Slavery, Colonialism and Racism

[4] Claudia Schnurmann: Vom Inselreich zur Weltmacht

[5] Reinhard, Wolfgang: Kleine Geschichte des Kolonialismus , S. 3.

[6] Curran, Thomas J. (1966): Assimilation and Nativism. International Migration Digest, Vol. 3, No. 1, S.15f

[7] Wendler, Hans Jürgen : Universalität und Nativismus: Das nationale Selbstverständnis der USA im Spiegel der Einwanderungspolitik, S. 16

[8] Ebenda, S. 84

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Einwanderungspolitik der USA
Untertitel
Von der Kolonialzeit bis 1960
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Politik der USA
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V212490
ISBN (eBook)
9783656406686
ISBN (Buch)
9783656405566
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einwanderungspolitik, kolonialzeit
Arbeit zitieren
Jennifer Spatz (Autor), 2011, Die Einwanderungspolitik der USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212490

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