Sibylle Berg und die Liebe

Eine Analyse am Beispiel des Romans "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
16 Seiten, Note: 2,7
Franziska Schmidt (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Formen der Liebe
2.1 Die unerfüllte Sehnsucht
2.2 Sex als Liebesersatz
2.3 Die wahre Liebe?

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Der Mythos der einmaligen Liebe und die unerfüllbare, unglückliche, unmögliche oder gescheiterte Liebe sind oft ästhetisch inszeniert worden. Als kultureller Kommentar illustriert der Liebesmythos soziale Utopien bzw. soziale Ungerechtigkeiten […]; im privaten Schicksal der Liebenden äußern sich Hoffnungen und Erwartungen, Enttäuschungen und Täuschungen, eskapatische und geheime Sehnsüchte der Gesellschaft […].“[1]

Die Auseinandersetzung mit dem Motiv der Liebe findet sich seit Jahrzehnten in der Literatur. Schon im frühesten Mittelalter schrieben Autoren über das Gefühl, den Zustand oder das Unglück Liebe. Dabei hat sich bis heute die Struktur der Geschichten wenig verändert. Sie beschreiben Zustände von Tragik oder Glück, verwenden Gefühle wie Sehnsucht, Einsamkeit oder Angst und orientieren sich dabei an den gesellschaftlichen Umständen der jeweiligen Zeit.

Die Gegenwartsliteratur thematisiert das Motiv der Liebe heute noch genauso oft wie es schon vor hunderten von Jahren in berühmten Werken der Romantik, der Aufklärung und des Sturm und Drangs zu finden war.

Auch Sibylle Berg setzt sich in ihren Romanen mit der Liebe auseinander und bedient sich dabei den üblichen Gefühlsklischees wie der ewigen Suche nach der wahren Liebe und dem vollkommenen Glück. Letzteres greift sie im Roman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ auf. Hier geht es in erster Linie um die Suche nach dem ganz individuellen Glück. Die Protagonisten haben, jeder auf seine Art, persönliche Probleme, befinden sich in einer Lebenskrise oder sind unzufrieden mit sich und der Welt. Sie suchen Auswege und stoßen dabei auf unterschiedliche Ergebnisse. Im gesamten Roman wird deutlich, dass Sibylle Berg besonders auf die Problematik eingeht, dass Liebe oft mit dem vollkommenen Glück verwechselt wird und, dass für viele Menschen ein Leben ohne die große Liebe nicht mehr lebenswert ist.

Doch warum beschäftigt man sich auch heute noch so intensiv mit der Liebe? In ihrer Kolumne schrieb Sibylle Berg dazu: „Alles außer der Liebe ist überbewertet. Sie ist das Einzige, das die Menschheit vor dem Untergang bewahren kann. […] Es hilft keiner Sau, wenn wir uns alle das letzte Gefühl, das uns retten könnte, abgewöhnen.“[2]

Berg geht davon aus, dass die Menschen ohne die Liebe oftmals hilflos und vor allem einsam wären. Die verschiedenen Schicksale ihrer Romanfiguren zeigen, von Sibylle Berg häufig sehr drastisch und manchmal auch bewusst übertrieben dargestellt, wie abhängig man von der Liebe sein kann und wie tragisch die Suche nach eben dieser enden kann.

„Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ wurde 1997 veröffentlicht. Berg bot ihre Geschichte über 50 Verlagen an, erst der Reclam Verlag in Leipzig publizierte diese dann auch. Der Roman besteht aus 88 Episoden, bei denen jeweils im Wechsel ein anderer Protagonist in Erscheinung tritt. Die meisten Handlungen werden auktorial erzählt, jedoch finden sich auch innere Monologe. Die zehn Figuren des Romans kennen sich, sind familiär oder freundschaftlich miteinander verbunden. Jeder hat individuelle Probleme und Krisen in der Liebe und versucht diese auf seine Art zu bekämpfen. Nach und nach werden die Beziehungen zwischen den Romanfiguren enger und schließlich beeinflusst jeder das Handeln des Anderen.

In der folgenden Arbeit wird anhand des Debütromans von Sibylle Berg aufgezeigt, wie unterschiedlich Liebe wahrgenommen werden kann und welche Botschaft zur Liebe Sibylle Berg mit dieser Geschichte vermittelt.

2 Die Formen der Liebe

2.1 Die unerfüllte Sehnsucht

Die Sehnsucht nach Glück, Vollkommenheit, einem zufriedenstellenden Leben und der großen Liebe sind die zentralen Themen in Sibylle Bergs Roman. Ein Großteil ihrer Figuren ist unglücklich, meist mit seinem Liebesleben, und jeder versucht auf eine andere Art und Weise diese Sehnsucht zu stillen und der Einsamkeit zu entkommen. Sibylle Berg sieht die Liebe vor allem als Mittel gegen das von ihr oftmals thematisierte Elend auf der Welt- die gesellschaftlichen, finanziellen und gesundheitlichen Probleme mit denen wir täglich konfrontiert werden. „Jeder sollte einen haben, der ihn hält in der Nacht. Den er hält, um zu spüren, wozu das Leben da sein kann, das uns solche Angst macht.“[3] Berg zeigt in ihrem Debüt, dass aber die Menschen, die sich in festen Beziehungen befinden, nicht zwangsläufig glücklich sind. Motive wie Einsamkeit oder Beziehungsroutine verschlimmern die Situation meist eher als sie zu verändern.

Mit Romanprotagonistin Vera zeigt Sibylle Berg zu Beginn ihrer Geschichte eine verheiratete Frau, die längst in ihrer Ehe verkümmert ist und sich nach Veränderung sehnt. „ […] weil sie einsam ist und weiß, daß sie es bleiben wird. Noch viele Jahre.“[4] Vera hat eine erwachsene Tochter, von der sie jedoch nicht viel mitbekommt. Ihr Ehemann Helge ist ein mäßig erfolgreicher Musiker, der Vera schon seit langem nicht mehr wahrnimmt. Vera zeigt im gesamten Roman wie unzufrieden sie nicht nur mit sich und ihrem Leben, sondern auch mit der Gesellschaft ist. Die Verbindung dieser vielen Frustrationen ist ein typisches Motiv, welches Sibylle Berg zum Ausdruck bringt. Und es wird deutlich, dass die Liebe ein Ausweg aus diesen Frustrationen sein kann. „Sicher ist Liebe idyllisch, [da es etwas ist,] das uns unsere Erbärmlichkeit vergessen lässt.“[5] Romanfigur Vera versucht ihre Art der Frustration mit einem neuem Mann zu bekämpfen. Sie weiß, dass ihr Ehemann Helge sie betrügt. „Ja, denkt Vera, er schläft […] jede Nacht mit einer anderen Frau […].“[6]

[...]


[1] Baackmann, 1995, S. 5.

[2] URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-ueber-liebe-und-partnerschaft-a-838662.html (02.03.2013).

[3] URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-ueber-liebe-a-854264.html (10.03.2013).

[4] Berg, 2008, S. 6.

[5] URL: http://www.umagazine.de/artikel.php?ID=510035 (10.03.2013).

[6] Berg, 2008, S. 26.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Sibylle Berg und die Liebe
Untertitel
Eine Analyse am Beispiel des Romans "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot"
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V212759
ISBN (eBook)
9783656411406
ISBN (Buch)
9783656411659
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sibylle, berg, liebe, eine, analyse, beispiel, romans, leute, glück
Arbeit zitieren
Franziska Schmidt (Autor), 2013, Sibylle Berg und die Liebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212759

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sibylle Berg und die Liebe


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden