Die genaue Herkunft der Tradition der Beschneidung ist nicht bekannt, allerdings sind
Hinweise vorhanden, welche auf das Alte Ägypten hindeuten. Es wurden unter anderem
weibliche Mumien gefunden, die Beschneidungsmerkmale aufweisen. Auch auf einem
Papyrus aus dem Jahr 163 v. Chr. wird die Beschneidung von Mädchen erwähnt.
Die Gründe für die Genitalverstümmelung liegen in den Vorstellungen und
Lebensweisen einer archaischen Welt.
Desweiteren ist diese von keiner Religion vorgeschrieben, aber wird dennoch von
Christen, Moslems und Anhängern anderer Glaubensrichtungen praktiziert.
Die genitale Verstümmelung gilt allerdings als besonders schwerwiegend, da es ein
körperlicher, schmerzhafter und lebensbedrohlicher Eingriff ist.
Aus diesen Gründen ist die Beschneidung von Mädchen in Deutschland strafbar.
In Ägypten ist die weibliche Beschneidung seit 2008 gesetzlich verboten. Allerdings wird
von den Salafisten sowie den Muslimen aktuell eine Legalisierung gefordert. Der
ägyptische Gynäkologe Mohamed Kandeel fordert aktuell nach der kürzlichen
Legalisierung der Beschneidung von Jungen in Deutschland nun die weltweite
Legalisierung der weiblichen Beschneidung. Doch kann die Beschneidung in
Rücksichtnahme auf die Religionsfreiheit weltweit legalisiert werden, wo sie doch eine
Körperverletzung darstellt? Ist hier auf das Recht auf körperlicher Unversehrtheit zu
achten oder doch auf den Glauben? Wie sieht die Rechtslage in Deutschland aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Problembestimmung
2. Situationsanalyse
3. Handlungsoptionen
4. Normative Perspektiven
5. Formulierung eines Standpunktes
Zielsetzung & Themen
Das Thesenpapier untersucht die kontroverse Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung im Spannungsfeld zwischen kulturellen Traditionen, religiösen Überzeugungen und dem universellen Recht auf körperliche Unversehrtheit mit einem spezifischen Fokus auf die deutsche Rechtslage.
- Historische und kulturelle Hintergründe der Beschneidung
- Die gesundheitlichen sowie psychologischen Folgen für Betroffene
- Die deutsche Gesetzgebung und strafrechtliche Einordnung
- Argumente von Befürwortern und Kritikern in der ethischen Debatte
- Diskussion über Präventions- und Aufklärungsansätze
Auszug aus dem Buch
Situationsanalyse
Die Genitalverstümmelung wird zu keinem festen Zeitpunkt vorgenommen. Oft wird die Beschneidung schon im Säuglingsalter durchgeführt, meist aber im Laufe der Kindheit zwischen vier und zehn Jahren. Auch die Beschneidung vor der Heirat oder während der ersten Schwangerschaft ist möglich. Für eine Beschneidung von Mädchen gibt es viele verschiedene Gründe. Beispielsweise die Ansicht, nach der Mädchen, sowie auch Jungen, erst nach der Beschneidung als erwachsen und vollwertig gelten. Auch gibt es Gründe, die eher aus dem Glauben resultieren. Beispielsweise, dass die Klitoris als männlicher Bestandteil angesehen wird und dass bei Männern die weibliche Seele in der Vorhaut des Penises sitzen soll. Daher dient die Beschneidung als eindeutige Festlegung des Geschlechts.
Die Hilfsorganisation Unicef vermutet, dass bis heute 130 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten wurden. Terre des Femmes vermutet, dass alle elf Sekunden ein Mädchen verstümmelt wird. Allein in Deutschland leben geschätzt 20.000 Mädchen, die beschnitten wurden. Die Beschneidung ist in mindestens 26 Ländern Afrikas und im Jemen alltäglich. Während der Beschneidung bleiben die Mädchen unbetäubt. Meistens sind diese unter 15 Jahre alt. Ausgeführt wird die Beschneidung traditionell von Hebammen, Heilerinnen oder Beschneiderinnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problembestimmung: Einführung in die Thematik der weiblichen Beschneidung unter Berücksichtigung historischer Anhaltspunkte und der aktuellen globalen Debatte um ihre Legalisierung.
2. Situationsanalyse: Darstellung der verschiedenen Praktiken und Beweggründe für die Beschneidung sowie eine Einschätzung der betroffenen Fallzahlen weltweit und in Deutschland.
3. Handlungsoptionen: Untersuchung der Argumente für und gegen die Praxis sowie Aufzeigen von Möglichkeiten zur Aufklärungsarbeit und gesellschaftlichen Einflussnahme.
4. Normative Perspektiven: Analyse der rechtlichen Situation in Deutschland unter Berücksichtigung von Grundgesetz, UN-Kinderrechtskonvention und den medizinisch-psychologischen Folgen.
5. Formulierung eines Standpunktes: Darlegung einer persönlichen Position, die sich gegen die Praxis ausspricht, jedoch bei notwendigen Eingriffen eine stark regulierte, medizinisch-sterile Vorgehensweise als Warteregelung diskutiert.
Schlüsselwörter
Weibliche Genitalverstümmelung, FGM, Körperliche Unversehrtheit, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Strafgesetzbuch, Tradition, Aufklärungsarbeit, Kindeswohl, Psychologische Folgen, Medizinische Risiken, Identität, Ethik, Rechtslage, Deutschland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung und analysiert das Spannungsfeld zwischen kulturellen oder religiösen Begründungen und dem rechtlichen Schutz der körperlichen Unversehrtheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Aspekte sind die medizinischen und psychologischen Langzeitfolgen für die Betroffenen, die aktuelle Rechtslage in Deutschland sowie die Frage, wie Gesellschaften und Einzelpersonen auf diese Tradition reagieren sollten.
Was ist das primäre Ziel des Thesenpapiers?
Das Ziel besteht darin, ein differenziertes Bild der Debatte zu zeichnen und eine fundierte, am Kindeswohl und geltenden Recht orientierte Haltung zu dieser schwerwiegenden Thematik zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das Thesenpapier stützt sich auf eine Literaturanalyse von Berichten internationaler Hilfsorganisationen, medizinischen Grundlagenwerken und der juristischen Kommentierung des Strafgesetzbuches und des Grundgesetzes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Situationsanalyse, eine Bewertung von Handlungsoptionen zur Prävention und eine rechtliche sowie ethische Einordnung der Verstümmelung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Genitalverstümmelung (FGM), Menschenrechte, körperliche Unversehrtheit, Rechtslage in Deutschland und Aufklärung charakterisiert.
Wie unterscheidet der Autor zwischen den verschiedenen Methoden der Beschneidung?
Es wird nach dem Grad der Verstümmelung differenziert, von der milden Sunna über die modifizierte Sunna bis hin zur schwerwiegenden Clitoridektomie und der drastischen Infibulation (pharaonische Beschneidung).
Warum lehnt der Autor eine direkte Legalisierung in Krisengebieten ab?
Der Autor argumentiert, dass ein vollständiges Verbot zwar ethisch geboten, aber praktisch kaum durchsetzbar ist, weshalb er als Alternative eine streng regulierte Warteregelung bis zur Volljährigkeit vorschlägt.
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- Madlin Oberstedt (Autor), 2013, Mädchen beschneiden? Eine Diskussion zwischen Glaube und Recht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/212798