Unterschiede in der Sportberichterstattung bei der Darstellung von Frauen- und Männersport

Eine kritische Bewertung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

32 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Geschichte des Frauensports und seiner Berichterstattung
1.1 Frauensport im alten Griechenland
1.2 Frauensport in der Neuzeit, Olympische Spiele

2. Kritische Stimmen zur Berichterstattung
2.1 Marie-Luise Klein und Ihre Analyse der Printmedien von 1986
2.2 Stimmen anderer Kritiker, Sicht der Medizin
2.3 Kritische Anmerkungen aus dem Ausland

3. Eine aktuelle Stichprobe und deren Analyse und Bewertung
3.1 Vorstellung der verwendeten Printmedien
3.2 Analyse: Umfang und Anzahl der Berichte
3.3 Analyse: Verteilung
3.4 Analyse: Aktualität
3.5 Analyse: Leistungsebene
3.6 Analyse: Sportarten
3.7 Analyse: Bilder

Fazit und kritische Beurteilung der Ergebnisse der Analyse

Liste der verwendeten Literatur und Anhang

Einleitung

In vielen gesellschaftlichen Bereichen bestehen heute noch deutliche Unterschiede in der Wertschätzung und Darstellung von männlicher und weiblicher Arbeit und Tätigkeit.

Sei es das verschwindend geringe Vorhandensein der Frauen in Entscheidungspositionen von Unternehmen und Politik, sei es das daraus resultierende divergierende allgemeine Lohnniveau oder auch die schlechteren Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten für Frauen. Erwähnt sei hier nur das bekannte und gerne zitierte „niederbayrische katholische Arbeitermädchen vom Lande“.

Natürlich sind diese Aussagen nicht allgemeingültig und in den letzten Jahrzehnten hat sich die berufliche und gesellschaftliche Stellung der Frau in Deutschland sicherlich verbessert, aber diese Postulate sollen zunächst die Grundlage für die vorliegende Hausarbeit stellen.

Von diesen Annahmen ausgehend soll untersucht werden, wie weit die Emanzipation der Frau im Sport fortgeschritten ist. Hierbei soll vor allem die Sportberichterstattung genauer unter die Lupe genommen werden. Selbstverständlich ließe sich ein Ansatz auch über Mitgliedszahlen in Sportvereinen oder über den Anteil weiblicher Funktionäre in Schlüsselpositionen finden, dies soll jedoch zunächst ausgeklammert bleiben, da die vorhandenen Zahlen die oben angeführten Ansichten durchweg bestätigen.

Ziel der Arbeit soll es sein, die These zu bestätigen, dass Frauen in der Sportberichterstattung im Allgemeinen durchweg anders als Männer dargestellt werden. Bei ihnen zählen weniger die Leistung als der schöne Schein, weniger Einsatz und Ehrgeiz als Eleganz und Weiblichkeit.

Allerdings möchte ich es nicht versäumen im Verlauf der Arbeit auch auf fortschrittliche und objektivere Berichte über Frauen einzugehen, die, zwar noch in der Minderheit, aber doch nicht zu übersehen sind.

Als Medium zum Nachweis der Berichterstattung dient bei der vorliegenden Arbeit hauptsächlich die Zeitung.

Einerseits rührt dies daher, dass die Aussagen, die schwarz auf weiß auf dem Papier stehen, leichter nachzuprüfen sind, andererseits würde eine Arbeit mit TV-Sendungen und Videoaufzeichnungen den Rahmen dieses Werkes sprengen.

Zum dritten wäre eine solche Auseinandersetzung auch nicht unbedingt sinnvoll, da vorhandene Tendenzen in den Tageszeitungen durch die begrenzte Sendezeit im Fernsehen und die notwendige Kommerzialisierung und Dramatisierung zwecks Werbeeinnahmen, vor allem im Privatfernsehen, nur intensiviert werden.

Die Hausarbeit ist in drei größere Teile aufgegliedert. Zu Beginn soll dem Leser ein Einblick in die Geschichte des Frauensports vom alten Griechenland bis zu den modernen olympischen Spielen geliefert werden. Dieser Abschnitt dient vor allem der Einführung ins Thema und soll dem Leser einen Überblick über die tatsächlichen Zahlen und Daten sporttreibender Frauen liefern, bevor auf die dazugehörige Berichterstattung eingegangen werden wird.

Im zweiten Teil befasse ich mich mit den Werken ausgewählter Kritiker. Hierbei soll insbesondere die Abhandlung von Marie-Luise Klein diskutiert werden, deren 1986 verfasste „Analyse der Printmedien“ bis heute kaum Nachfolger in ähnlich erschöpfendem Umfang im deutschsprachigen Raum gefunden hat.

Der dritte Abschnitt dieser Hausarbeit dient der Überprüfung und modernen Einschätzung der Thesen von Marie-Luise Klein. Anhand einer zufällig ausgewählten Stichprobe zweier Tageszeitungen soll in einem ähnlichen Aufbau wie bei Marie-Luise Klein untersucht werden, inwieweit sich die Berichterstattung von 1986 bis heute geändert hat und, ob Thesen von damals auch heute noch uneingeschränkt Gültigkeit besitzen.

Da ich das Referat zusammen mit einem Kommilitonen ausgearbeitet und vorgetragen habe, ist mir bewusst, dass es in der schriftlichen Ausarbeitung gelegentlich zu Überschneidungen und Ähnlichkeiten bei der Auswahl von Quellen und Arbeitsstruktur kommen kann. Dies liegt zuallererst daran, dass die Fülle von aktueller wissenschaftlicher Literatur zu diesem Thema eher dünn besiedelt ist und man hauptsächlich auf die Forschungen von Marie-Luise Klein aus den Achtzigern angewiesen ist. Um dennoch andere Ansätze zu wählen, haben wir jeweils unterschiedliche Schwerpunktliteratur benutzt, wobei ich auch versucht habe, englischsprachige Fachliteratur, die weitaus aktueller ist als die deutsche, mit einzubeziehen.

Weiterhin habe ich bei meiner Untersuchung der aktuellen Stichprobe, neben der obligatorischen BILD-Zeitung, auch eine etwas weniger im Bereich der Regenbogenpresse beheimatete Zeitung herangezogen, um Vergleiche zu ziehen.

Ich denke, dass durch diese Maßnahmen gewährleistet ist, zwei Hausarbeiten zu verfassen, die, obgleich auf ähnlichen Quellen begründet und vom Thema her nahe verwandt, dennoch unterschiedliche Akzente setzten und individuelle aussagekräftige Ergebnisse erzielen.

1 Geschichte des Frauensports und seiner Berichterstattung

1.1 Frauensport im alten Griechenland

Die Art und Weise in der Medien vom Frauensport berichten, ist natürlich eng verknüpft mit der Geschichte der sporttreibenden Frauen. Gab es keinen Sport, dann gab es natürlich auch keinerlei Berichterstattung. Existierte hingegen Frauensport, ist nicht immer auch davon auszugehen, dass wir davon auch Kenntnis erhalten. So sind wir bei der Analyse des Sports in der Antike auf die griechischen Geschichtsschreiber wie Plutarch oder Platon angewiesen. Unabhängige andere Quellen gibt es für diese Zeiträume leider nicht, so dass eine differenzierte Betrachtung des Frauensports nur eingeschränkt möglich ist. Als Ursprungsland der „Gymnastik und Agonistik“[1] ist Griechenland weithin bekannt, jedoch finden sich sporttreibende Frauen nur selten, da ihnen die „ausgeprägte patriarchalische Gesellschaftsordnung“[2] im Wege stand. Diese bedeutete für die Frauen den Rückzug auf Haus, Herd und Kindergebären. Zur Schule, und damit Teilnehmen am Sportunterricht, durften lediglich die Knaben.[3]

Ausnahmen gab es jedoch. Allen voran der Stadtstaat Sparta. Hier hatten sich Mädchen wie Knaben, nach der Verfassung des Lykurg[4], sportlichen Übungen in der Erziehung zu unterziehen. So spricht Plutarch von „Laufen, Weitsprung, Speerwurf, Diskuswurf, Ringen, Faustkampf, Pankration (Allkampf), Ballspiel, Reifentreiben und Tanz“[5], die die Frauen hauptsächlich nackt absolvierten, was Platon dazu verleitete zu folgern:

“...die Jünglinge,..., zwar nicht mit mathematischer, aber mit erotischer Gesetzlichkeit anzog.“[6]

Und Plutarch meint weiter, dass „dieser Brauch auch ein starker Anreiz zum Heiraten sei.“[7]

Hierin nun bereits eine Wertschätzung zu sehen, wie anders Frauensport als derjenige der Männer aufgefasst wird, nämlich auf Weiblichkeit und Ästhetik, weniger als auf Sport ausgerichtet, halte ich für unangebracht.

Zwar finden sich entsprechende Berichterstattungsmuster auch noch heute und das Symbol der nackt Sport treibenden Frauen wird heute gerade in der Boulevardpresse gerne aufgegriffen, wenn es um knappe Badeanzüge und Tenniskleidung geht, aber so muss man doch, denke ich, die damaligen Verhältnisse und die Stellung der Frau im Kontext sehen, die heute doch um einiges emanzipierter ist.

Für die damalige Zeit aber galten Spartanerinnen, verglichen mit ihren griechischen Mitbürgern, durchaus als „freizügig und selbstbewusst“[8] und man glaubte, dass derartige trainierte Frauen und ebenso trainierte Männer „besonders kräftige und gesunde Kinder zur Welt bringen würden“[9], eine Tatsache, die, zieht man die kriegerischen Erfolge der Spartaner zur Rate, kaum zu leugnen ist.

Es ist davon auszugehen, dass im Laufe der Zeit und durch die von Platon postulierte „vollkommene politische Gleichstellung von Mann und Frau“[10], die Erziehung und der Sportunterricht für Frauen auch auf andere Gegenden Griechenlands ausgeweitet wurde.

Neben den staatlichen Erziehungsprogrammen Spartas gab es auch kultische Wettläufe (Agone), an denen Mädchen beteiligt waren. So zum Beispiel der alle vier Jahre stattfindende Lauf der Jungfrauen zur Ehre der Göttin Hera in Olympia.[11]

Zu den olympischen Spielen waren verheiratete Frauen unter Androhung der Todesstrafe nicht zugelassen.[12] Jungfrauen hingegen durften den Spielen als Zuschauer beiwohnen oder an hippischen Wettbewerben selbst teilnehmen. Zwei weibliche Olympiasieger sind sogar namentlich überliefert.[13]

Insgesamt gesehen spielte der Frauensport im antiken Griechenland, entsprechend der Stellung der Frau im Leben, nur eine untergeordnete Rolle und auch in den anderen mediterranen Hochkulturen der Antike waren sportreibende Frauen weithin unbekannt.[14]

1.2 Frauensport in der Neuzeit, Olympische

Spiele

Die geringwertige Stellung des Frauensports im antiken Griechenland ist im Hinblick auf die folgenden Jahrhunderte noch verhältnismäßig groß. Man kann für die sich anschließenden 2000 Jahre den Frauensport als praktisch nicht existent ansehen. Einschränkend ist jedoch festzuhalten, dass sich auch der Männersport in diesem Zeitraum kaum weiterentwickelt hat.[15]

Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in einigen wenigen Nationen in Schulen Mädchensport, genannt Mädchenturnen, eingeführt – etwa ein halbes Jahrhundert nach dem Knabenturnen.[16]

Lange Zeit waren „moralische Bedenken und falsche Vorstellungen von der physischen Leistungsfähigkeit des weiblichen Geschlechts“[17] ein Hemmnis. Erst seit Ende des 1.Weltkriegs hat sich der Mädchensport in den Schulen etabliert.

„Der sportliche Kampf gebührt dem Mann, der Natur des Weibes ist er wesensfremd.“[18] Dieser Grundsatz bestimmte auch lange Zeit den Wettkampfsport. Bei den ersten drei Olympiaden der Neuzeit waren keine Frauen vertreten, erstmals durften sie 1908 in London im Bogenschießen und Eiskunstlaufen an den Start gehen.[19] In der Folgezeit wurden die Wettkämpfe von „Damen“ (nicht mehr Frauen) ausgeweitet, zunächst über die Schwimmwettbewerbe in Stockholm und Antwerpen bis schließlich 1928 in Amsterdam auch erstmals weibliche Olympioniken die Laufbahnen der Stadien und die Turngeräte betreten und benutzen durften.[20]

In der Folge wächst das Wettkampfprogramm der Damen bei Olympia stetig, jedoch immer im Schatten der Männer. Noch bei der Olympiade in Seoul 1988 standen 72 Damenwettbewerbe 151 der Herren gegenüber, 2186 Frauen und 6279 Männer nahmen teil.[21]

Bei der letzten Olympiade in Sydney 2000 liefen bereits 4069 Damen zur Eröffnungsfeier ins Olympiastadion ein (6582 Herren). Die Athletinnen nahmen an 25 der 28 angebotenen Disziplinen teil.[22] Hinzugekommen waren im Damenprogramm beispielsweise Gewichtheben und der Triathlon.

[...]


[1] Buhmann, Horst. “Frauensport im alten Griechenland“ S.48, in: Jakobi, Paul/Rösch, Heinz-Egon [Hg.]. “Frauen und Mädchen im Sport“, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1988

[2] Buhmann. S.48

[3] vgl. Buhmann. S.48

[4] vgl. Plutarch, Lykurg 14 (aus Fußnote bei Buhmann. S49)

[5] vgl. Properz 3,14 (aus Fußnote bei Buhmann. S49)

[6] Platon, Politeia 458 d. (aus Fußnote bei Buhmann. S.50)

[7] Plutarch, Lykurg 15 (aus Fußnote bei Buhmann. S.50)

[8] Buhmann. S.51

[9] ebd. S.50

[10] Buhmann. S.52

[11] vgl. ebd. S.52

[12] vgl. ebd. S.55

[13] Plutarch, Agesilaos 20,1 (aus Fußnote bei Buhmann. S.56)

[14] vgl. Buhmann. S.57

[15] vgl. ebd. S.58

[16] vgl.Buhmann. S.58

[17] Buhmann. S58

[18] ebd. S.58

[19] vgl. Kamper, Erich, „Lexikon der 14 000 Olympioniken“ (aus Fußnote bei Buhmann. S.56), siehe dazu aber auch Grafik2 in dieser Hausarbeit

[20] ebd.

[21] Ebd., siehe dazu auch unter http://www.olympic.org/uk/games/past/index_uk.asp?OLGT=1&OLGY=1988 und Grafik3

[22] http://www.olympic.org/uk/games/past/index_uk.asp?OLGT=1&OLGY=2000 und Grafik3

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Unterschiede in der Sportberichterstattung bei der Darstellung von Frauen- und Männersport
Untertitel
Eine kritische Bewertung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Sport, Medien, Cultural Studies
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
32
Katalognummer
V21292
ISBN (eBook)
9783638249430
ISBN (Buch)
9783638647021
Dateigröße
868 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterschiede, Sportberichterstattung, Darstellung, Frauen-, Männersport, Sport, Medien, Cultural, Studies
Arbeit zitieren
Sebastian Goetzke (Autor), 2003, Unterschiede in der Sportberichterstattung bei der Darstellung von Frauen- und Männersport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21292

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