Höfische Liebe. "edel" in Gottfried von Straßburgs "Tristan"


Hausarbeit, 2012
12 Seiten, Note: 1,3
Christian Riebeler (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Etymologie

3. Tugendkonzeption

4. Die höfische Liebe

5. Der Prolog

6. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

In Gottfried von Straßburgs „Tristan“ spielt die Minne die zentrale Rolle. Wie sich die Liebe von verschiedenen Personen im Laufe der Zeit wandelt, oder konstant bleibt. Wie die einzelnen Figuren handeln und welche Beweggründe sie haben ist dabei schon oft durchleuchtet worden.

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich der Thematik der „edelen herzen“ widmen. Es stellt sich die Frage, was ist „edel“ und kann jeder edel sein. Ist es mit dem heutigen „Edelsein“ vergleichbar? Am Anfang der Untersuchung stehen dabei natürlich die etymologischen Wörterbücher. Was bedeutet das Wort ursprünglich? Folgerichtig muss nun analysiert werden, in welchen Zusammenhängen „edel“ im „Tristan“ erscheint. Hierbei benutze ich Fachliteratur um verschiedene Forschungsansätze gegenüberzustellen um gegebenenfalls eine eigene Deutung zu ermöglichen.

Man kann die Bedeutung der „edelen herzen“ aber nicht losgelöst von den verschiedenen Tugendkonzeptionen sehen. Dafür werde ich den Prolog in seiner Bedeutung für die Minne beleuchten. Außerdem werde ich auf die Tugendkonzeptionen und die Aspekte der höfischen Liebe eingehen.

2. Etymologie:

Das Wort edel kommt vom althochdeutschen edili und verändert sich im mittelhochdeutschen zu edele. Zur semantischen Bedeutung sagen die Gebr. Grimm, dass der Adlige zwar edel sei, aber man nicht zwingend ein Adliger sein muss, um edel zu sein. „[…]es stimmt auch zu adelich, adlich, nur dasz dieses auf den stand eingeschränkt bleibt, nicht die hernach verhandelte allgemeinere bedeutung annimmt[…]“1 Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke gibt lediglich einen Verweis auf den Eintrag adel. Hier wird also auf die Abstammung einer Person Bezug genommen.

Laut den Gebr. Grimm ist die Bezeichnung edel jedoch keineswegs nur an den Adel gebunden. Dies wird Anhand der zweiten Definition deutlich:

„noch richtiger aber trennen wir von bloszen vorzügen des standes die des innern menschen und stellen dem vornehmen sogar das edle in diesem sinn entgegen, ein vornhemer mann ist darum kein edler; dem vornehmen ist eine äuszere form eingeprlgt, die ein edler mensch nicht kennt.“2

edel können aber auch Getränke und Speisen sein, ebenfalls gibt es die „edlen Künste“, von denen immer wieder die Rede ist.

Es erscheint also im ersten Moment als gar nicht so klar, welche Bedeutung der „edlen herzen“ im Tristan zugutekommt. Man kann nicht einfach trennen und sagen edel ist nur, wer auch adlig ist, auch wenn in den meisten Wörterbüchern auf die Unterschiede keine Rücksicht genommen wird. Anscheinend war es Gottfried von Straßburg wichtig, dass man Augenmerk auf diese Differenz legt.

Laut Sayce wird edele nur als Synonym für adlig benutzt. Sie sagt, dass sowohl das Publikum als auch die Personen im Werk adlig sind und rechtfertigt damit die These, dass Gottfried von Straßburg damit nichts anderes meint, als adlig.3 Interessant ist hierbei auch, dass edel oft in Verbindung mit Dingen des höfischen Alltags steht.4

W. Spiewok ist jedoch auch der Meinung, dass im Tristan nicht nur der Adel angesprochen wird, sondern sich auch die Bürger wiederfinden können. Er denkt, dass edel auch eine Geisteshaltung sein kann, die jeder haben kann. Sie ist hier nicht an den Adel gebunden. Dies deckt sich mit der zweiten Definition aus dem Wörterbuch der Grimm.

Diese Aussage Spiewoks ist jedoch problematisch zu sehen, da Gottfried von Straßburg, wie zu der Zeit üblich ein Auftragsschreiber war. Seine Aufträge bekam er am Hof von Adligen, die es sich leisten konnten ihr Vermögen für Literatur auszugeben. Hätte Gottfried von Straßburg in einem seiner Werke nun offen einen Konflikt des Adels und des Bürgertums angesprochen, wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass er später keine Aufträge mehr bekäme. Wenn man jedoch der Meinung ist, dass Gottfried von Straßburg keine Konflikte schüren wollte, wohl aber darauf hinweisen, dass es Gemeinsamkeiten zwischen Bürgertum und Adel gibt, dann ist es durchaus plausibel, dass er dies als gemeinsame Geisteshaltung tat, der Geisteshaltung der edelen herzen.

herze hat zur Zeit Gottfried von Straßburgs fast nie die organische Bedeutung. Gemeint ist damit oft der Ausdruck als Platz der Gefühle. Dort sitzen Freude und Hass. herze ist oft mit anderen Worten verbunden, was erkennen lässt, dass das Herz an sich kaum eine Bedeutung hat, lediglich was man damit tut, oder was damit gemacht wird zählt. Wenn das Herz von Minne erfüllt ist, dann beschreibt dies die Machtlosigkeit des Menschen gegenüber seiner Gefühle. herze wird oft in Verbindung mit Begriffen wie oren, ouge und lîp gestellt. Gemeint ist hierbei der ganze Mensch, wenn ein Sinnesreiz über ein Organ aufgenommen oder ausgesprochen wird. Er nimmt es mit ganzen herzen in sich auf.

Stellen, an denen sich herze mit sinne oder mout antreffen lässt, kann man als Synonym betrachten.5

Wenn wir uns nun die Bedeutung der edelen herzen anschauen, muss man den Aspekt der Liebeskonzeption betrachten. Wie bereits gesagt, ist Sayces der Meinung, dass es sich nur um Menschen mit adliger Abstammung handeln kann. Sie ist der Meinung, dass von Forschern gerne mehr gesehen wird, als eigentlich vorhanden ist. Besonders dem Prolog werde hierbei viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet. Aufgrund des Publikums ist diese These natürlich zu vertreten, dennoch gibt es Gegenargumente.

Speckenbach ist der Ansicht, dass Gottfried von Straßburg mit seinen edlen herzen Menschen mit einer besonderen Liebeshaltung meint.

„Den edelen herzen, die die ganze Spannweite von Freude und Leid bejahen und zu tragen bereit sind, soll das Werk vorgelegt werden. Diese durch zwei Wirkungsweisen einer einheitlichen Erfahrung bestimmte Liebe gilt zunächst als Hauptkriterium für die Menschen, die der Welt der edelen herzen angehören. Ihnen fühlt sich Gottfried v. Straßburg verbunden, mit ihnen will er leben oder sterben.“6

Im Prolog lässt sich erkennen, dass Gottfried von Straßburg nicht besonders darauf hinweist, nur die Adligen ansprechen zu wollen. Er richtet sich an die gesamte Welt, in der er die Menschen, mit edlen herzen besonders hervorhebt.

[...]


1 Grimm, Jacob und Wilhelm: Das Deutsche Wörterbuch. Online Version der Universität Trier. http://germazope.uni-trier.de/Projects/DWB (12.10.12)

2 Ebd.

3 Sayce, Olive: Der Begriff edelez herze im Tristan Gottfried v. Straßburgs. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 33: S.389-413, 1959

4 Wolfgang Spiewok: Zum Begriff edelez herze bei Gottfried von Straßburg. In: Weimarer Beiträge, IX. 1963, Bd. 1. S.32

5 Klaus Speckenbach: Studien zum Begriff edelez herze im Tristan Gottfried von Straßburgs. München: Eidos Verlag, 1965, S.17

6 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Höfische Liebe. "edel" in Gottfried von Straßburgs "Tristan"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Gottfried von Straßburg: Tristan
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V213010
ISBN (eBook)
9783656409816
ISBN (Buch)
9783656413509
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
höfische, liebe, gottfried, straßburgs, tristan
Arbeit zitieren
Christian Riebeler (Autor), 2012, Höfische Liebe. "edel" in Gottfried von Straßburgs "Tristan", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213010

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