In meiner Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Aussagen, Sachverhalte und Tatsachen. Ein sprachphilosophischer Grundkurs“ befasse ich mich mit dem Aufsatz "Der Gedanke - Eine Logische Untersuchung" von Gottlob Frege, welcher 1918 in einem Heft der "Deutschen Philosophischen Gesellschaft" erschienen ist. In seinem Aufsatz behandelt Frege den Begriff der Wahrheit und unternimmt einen Versuch diesen zu definieren. Zudem führt er auf Basis der Unterscheidung zwischen Dingen der Außenwelt, denen eine Objektivität zukommt und Vorstellungen als subjektiven Denkinhalten, eine weitere Kategorie, das dritte Reich ein, zu welchem die Gedanken zu zählen sind. Im Folgenden werde ich versuchen die Argumentation Freges aufzuzeigen und mich abschließend zu seiner These äußern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufgabe der Logik
3. Der Wahrheitsbegriff Freges
4. Der Gedanke im Kontext der drei Reiche der Realität
4. 1. Der Gedanke im Sinne Freges
4. 2. Vorstellungen und Dinge der Außenwelt
5. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich mit Gottlob Freges Aufsatz "Der Gedanke - Eine Logische Untersuchung" auseinander, um dessen Verständnis von Wahrheit, Logik und die Einteilung der Realität in drei Bereiche zu rekonstruieren und kritisch zu reflektieren. Das zentrale Ziel ist es, die wissenschaftstheoretische Notwendigkeit dieser Kategorisierung zu erörtern und die Abgrenzung der Logik zur Psychologie zu hinterfragen.
- Abgrenzung der Logik von der Psychologie als Disziplinen
- Problematik einer Definition des Wahrheitsbegriffes
- Einteilung der Realität in Außenwelt, Innenwelt und das "Dritte Reich"
- Objektivität von Gedanken und deren Unabhängigkeit von einem Träger
- Kritische Würdigung von Freges Wahrheitskonzeption
Auszug aus dem Buch
4. 1. Der Gedanke im Sinne Freges
Nach Frege ist eine Definition des Wahrheitsbegriffes nicht möglich. Zumindest sollte jedoch seine Anwendung untersucht werden. Zu diesem Zweck ist es nötig sich mit den Gedanken zu befassen, denn es ist „[...] mit jeder Eigenschaft eines Dinges eine Eigenschaft eines Gedankens verknüpft, nämlich die der Wahrheit.“ Träger der Wahrheit sind also die Gedanken und so ist es nötig herauszufinden, um was es sich bei diesen Gedanken handelt. In der Verwendung von Frege handelt es sich bei einem Gedanken um den Sinn eines Behauptungs- oder Mitteilungssatzes, nicht um einen psychologischen Vorgang im Sinne eines Denkprozesses.
Auf diesen Punkt soll nun nicht weiter eingegangen werden, es ist jedoch wichtig ihn zu erwähnen, um aufzuzeigen, in welcher Form der Gedanke mit der Wahrheit verbunden ist. Da wir diesen nun gewissermaßen als den Träger der Wahrheit erkannt haben, kann von diesem Fundament aus auf das Weitere hin untersucht werden. Vom Begriff des Gedanken aus, komme ich zu dem zentralen Punkt des Aufsatzes Freges, nämlich die Einteilung der Realität in drei verschiedene Bereiche, in den der Dinge, der Vorstellungen und der Gedanken.
Für Letztere erfindet Frege einen eigenen Bereich, da diese sich von den Dingen und den Vorstellungen unterscheiden und doch Gemeinsamkeiten mit diesen haben, er nennt diesen Bereich das "Dritte Reich". Dieses "Dritte Reich" ist in dem logischen System Freges von elementarer Bedeutung, da ohne dieses eine Intersubjektivität unmöglich ist. Ausgehend von dem Begriff der Wahrheit müssen aus Freges Sicht einige Eigenschaften von Gedanken genannt werden, die für seine gesamte Argumentation besonders wichtig sind. Zum einen können Gedanken nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden, in diesem Punkt unterscheiden sie sich von allen Dingen der Außenwelt, da diese sinnlich wahrnehmbar sind, desweiteren sind von mehreren Individuuen unabhängig voneinander fassbar, dennoch benötigen sie im Gegensatz zu Vorstellungen keinen Träger, um existieren zu können. In diesem Sinne sind Gedanken nicht als subjektiv psychologische Denkakte zu verstehen wie etwa eine Idee oder eine Meinung, sondern als der objektive Sinn eines Behauptungssatzes wie etwa des
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den zu analysierenden Aufsatz von Gottlob Frege vor und umreißt die Zielsetzung, die Argumentation Freges hinsichtlich Wahrheit und der Einteilung der Realität aufzuzeigen.
2. Aufgabe der Logik: Dieses Kapitel erläutert Freges Abgrenzung der Logik von der Psychologie, indem es die "Gesetze des Wahrseins" als objektiv und unabhängig von psychologischen Denkprozessen definiert.
3. Der Wahrheitsbegriff Freges: Hier wird die Problematik der Definition des Begriffs "wahr" beleuchtet, die bei Frege aufgrund von Zirkularität als nicht möglich erachtet wird, weshalb eine Abgrenzung des Gebrauchs vorgenommen wird.
4. Der Gedanke im Kontext der drei Reiche der Realität: Dieses Hauptkapitel analysiert Freges Postulat eines "Dritten Reiches" für Gedanken, welches notwendig ist, um Objektivität und Intersubjektivität jenseits von subjektiven Vorstellungen und materiellen Dingen zu begründen.
4. 1. Der Gedanke im Sinne Freges: Dieser Unterpunkt definiert Gedanken als objektive Sinne von Behauptungssätzen, die keinen Träger benötigen und unabhängig vom Denkvorgang existieren.
4. 2. Vorstellungen und Dinge der Außenwelt: Dieser Unterpunkt kontrastiert die subjektiven Vorstellungen und die sinnlich wahrnehmbaren Dinge der Außenwelt mit dem objektiven Bereich der Gedanken.
5. Schlussteil: Das Fazit fasst die Relevanz von Freges Einteilung für die Wissenschaft zusammen und übt gleichzeitig kritische Distanz gegenüber einem absoluten Wahrheitsanspruch.
Schlüsselwörter
Gottlob Frege, Wahrheit, Logik, Psychologie, Dritte Reich, Gedanken, Objektivität, Subjektivität, Außenwelt, Vorstellungen, Wissenschaftstheorie, Intersubjektivität, Denkgesetze, Erkenntnistheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt eine sprachphilosophische Analyse des Aufsatzes "Der Gedanke - Eine Logische Untersuchung" von Gottlob Frege aus dem Jahr 1918.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die logische Begründung der Wahrheit, die Differenzierung von Logik und Psychologie sowie die ontologische Dreiteilung der Realität in Außenwelt, Innenwelt und das "Dritte Reich".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Freges Argumentationsgang nachzuvollziehen und kritisch zu prüfen, ob die Annahme objektiver Gedanken für eine funktionierende Wissenschaft zwingend erforderlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Hausarbeit, die den Aufsatz Freges durch Interpretation und kritische Auseinandersetzung mit der philosophischen Fachliteratur erschließt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Abgrenzung der Logik von psychologischen Prozessen erläutert, gefolgt von der Problematik des Wahrheitsbegriffs und der detaillierten Untersuchung des "Dritten Reiches" als Heimstätte objektiver Gedanken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Gottlob Frege, Logik, Objektivität, Gedanken, Wahrheit und die Einteilung der Realität in drei Reiche.
Warum ist laut Frege eine psychologische Betrachtung der Logik unzureichend?
Frege argumentiert, dass die Psychologie mit subjektiven "Fürwahrhalten" operiert, während die Logik nach objektiven Gesetzen des Wahrseins sucht, die unabhängig von individuellen Denkprozessen bestehen müssen.
Wie unterscheidet sich das "Dritte Reich" von der Außenwelt und der Innenwelt?
Das "Dritte Reich" teilt mit der Außenwelt die Unabhängigkeit von einem Träger, aber mit der Innenwelt die Tatsache, dass Gedanken nicht sinnlich wahrnehmbar sind; es bleibt jedoch durch seine objektive Wahrheit einzigartig.
Welche Kritik äußert der Autor an Freges Position im Schlussteil?
Der Autor kritisiert, dass Freges Annahme einer von der Wahrnehmung unabhängigen Welt eine subjektive Setzung darstellt und dass Gedanken möglicherweise kontingent sind, statt einen absoluten, zeitlosen Wahrheitsanspruch zu besitzen.
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- Bachelor of Arts Patrick E. (Author), 2013, Gottlob Frege - Eine logische Untersuchung. Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213017