1 Einleitung
Gibt es generell Kennzeichen, an denen sich bestimmen lässt, wie günstig sich Schreibanlässe auf die Entwicklung von Schreibmotivation auswirken? Gibt es auch Schreibanlässe, die jene Faktoren nicht besitzen und Schreibmotivation deshalb eher hemmen? In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, welche Faktoren sich besonders günstig auf die Schreibmotivation auswirken und ob sich daraus dann der Bedeutungsgehalt, den Schreibanlässe für die Schreibmotivation haben, einschätzen lassen kann.
Dazu muss erst einmal deutlich gemacht werden, was Schreibmotivation überhaupt ist. Um den Begriff der Schreibmotivation näher definieren zu können, erschien es mir erforderlich, mich zunächst mit den Begriffen „Motivation“ und „Schreiben“ auseinanderzusetzen. Es gibt zahlreiche und verschiedenartige Motivationsformen. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit habe ich mich bewusst auf jene Formen beschränkt, die erstens in der Schule bedeutsam sind und auf die ich zweitens in meiner späteren Darstellung von Schreibmotivation zurückgreifen werde. Zunächst erkläre ich die Begriffe „ex- und intrinsische Motivation“. Danach beziehe ich mich auf die Lernmotivation und das Interesse als Unterpunkte.
Es gibt diverse Schreibprozessmodelle. In Kapitel 3, in welchem ich auf die Tätigkeit des Schreibens eingehe, habe ich mich auf die Beschreibung eines einzigen Schreibprozessmodells von vielen anderen beschränkt, welches mir für mein Thema aufgrund des Einbezugs der Schreibmotivation sehr geeignet schien.
Danach werde ich anhand der Erläuterungen zum Motivationsbegriff versuchen darzustellen, was Schreibmotivation genau ist und welche Faktoren sie besonders begünstigen.
Hiernach werden Schreibanlässe dargestellt und jeweils genauer auf diese Faktoren zur Begünstigung von Schreibmotivation hin untersucht, was, so hoffe ich, Rückschlüsse auf die Bedeutung dieser Schreibanlässe für die Schreibmotivation erlauben wird.
Da es mir im vorgegebenen Umfang dieser Arbeit nicht gelingen kann, alle mir bekannten Schreibanlässe auf ihren Bedeutungsgehalt für die Schreibmotivation zu untersuchen, habe ich mich auf zwei in der Schule sehr gängige Schreibanlässe beschränkt: Dem Schreiben zu einer Bildergeschichte und dem Schreiben zu Bildern.
In einem Fazitteil werden die Ergebnisse noch einmal kurz und knapp zusammengefasst und in größere Zusammenhänge gestellt.
Im Schlusswort soll dann eine Reflexion erfolgen, eventuelle Probleme erläutert und die Arbeit insgesamt abgerundet werden
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Motivation?
2.1 Extrinsische und intrinsische Motivation
2.1.1 Lernmotivation: Das Erweiterte kognitive Motivationsmodell
2.1.2 Interesse
3 Was ist Schreiben? Das Generalisierte Schreibprozessmodell
4 Schreibmotivation
4.1 Schreibmotivation und Schreibanlässe
4.1.1 Schreibanlass Bildergeschichte
4.1.2 Zur Bedeutung des Schreibanlasses „Schreiben zu einer Bildergeschichte“ für die Schreibmotivation
4.1.3 Schreibanlass Schreiben zu Bildern
4.1.4 Die Bedeutung des Schreibanlasses „Schreiben zu Bildern“ für die Schreibmotivation
5 Fazit: Was bedeuten Schreibanlässe für die Schreibmotivation? Eine Einordnung in größere Zusammenhänge
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern unterschiedliche Schreibanlässe die Schreibmotivation von Grundschulkindern beeinflussen. Dabei wird analysiert, welche Faktoren das Schreiben fördern oder hemmen, mit dem Ziel, die Bedeutung von Schreibanlässen für die Entwicklung einer nachhaltigen Schreibmotivation theoretisch und fachdidaktisch zu begründen.
- Definition und Differenzierung von Motivationsformen (extrinsisch vs. intrinsisch)
- Analyse des Schreibprozesses anhand des Generalisierten Schreibprozessmodells
- Vergleichende Untersuchung der Schreibanlässe "Bildergeschichte" und "Schreiben zu Bildern"
- Bedeutung der Selbstbestimmung und des Interesses für die Schreibfreude
- Implikationen für die Gestaltung eines motivationsfördernden Unterrichts
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Zur Bedeutung des Schreibanlasses „Schreiben zu einer Bildergeschichte“ für die Schreibmotivation
Annette Heinz attributiert den Schreibanlass Bildergeschichte als „alltägliches Beispiel für die Zerstörung von Schreibmotivation“ (Heinz 1991, S.40). Heinz berichtet von Fabian, der für seinen ersten Klassenaufsatz eine schlechte Note erhalten hat, weil er die vorgegebene Reihenfolge der Bildergeschichte verändert hat – so, wie er es aus vorhergehenden Übungsstunden, in denen Bildergeschichten „durchgenommen“ wurden, gewohnt gewesen war (vgl. ebd.). Seine neu entstandene Geschichte war logisch und in sich stimmig (vgl. ebd.). Vor allem – und dies ist, so finde ich, bei einer Bildergeschichte höchst bemerkenswert – hatte er es geschafft, durch die Veränderung der Bildabfolge eine neue Geschichte zu konstruieren, die mit seinen persönlichen Erfahrungen zu tun hatte (vgl.ebd.). Man kann sich leicht vorstellen, wie bedrückend die schlechte Bewertung der Arbeit und der negative Lehrerkommentar (vgl. ebd., S. 40f.) auf Fabian gewirkt haben müssen, von der unvorteilhaften Wirkung auf seine Schreibmotivation ganz zu schweigen. Fabian hat es geschafft, die für ihn sinnlose Bildergeschichte in einen Text umzuwandeln, der für ihn Sinn machte, da er seine eigenen Erfahrungen betraf. Die Schreibmotivation schaffte er sich sozusagen selbst, indem er seine eigenen Erfahrungen einbinden konnte - es war die selbstgeschaffene intrinsische Motivation, die durch den negativen Lehrerkommentar und die schlechte Beurteilung wieder zunichte gemacht wurde. Fabian ist sehr enttäuscht (vgl. ebd., S. 40). Möglicherweise wird er beim nächsten Schreibanlass nur „für den Lehrer“ schreiben – denn er hat die Erfahrung gemacht, dass seine Kreativität nicht erwünscht ist, dass sein „persönliches Schreiben“ keine Anerkennung findet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der persönlichen Motivation der Autorin, die aus einem Schul-Praktikum hervorgegangen ist.
2 Was ist Motivation?: Theoretische Herleitung des Motivationsbegriffs mit Fokus auf die Unterscheidung von extrinsischer und intrinsischer Motivation sowie der Rolle von Interesse und Lernmotivation.
3 Was ist Schreiben? Das Generalisierte Schreibprozessmodell: Darstellung des Schreibens als komplexen, mehrstufigen Prozess, unterteilt in Motivations-, Zielbildungs-, Gedanken- und Produktionsprozesse.
4 Schreibmotivation: Untersuchung der Faktoren, die Schreibmotivation in der Schule begünstigen, und kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Schreibanlässen wie der Bildergeschichte.
5 Fazit: Was bedeuten Schreibanlässe für die Schreibmotivation? Eine Einordnung in größere Zusammenhänge: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse mit dem Appell an einen individuellen, schülerzentrierten Unterricht.
6 Schlusswort: Reflexion über die Verantwortung der Lehrperson und das Plädoyer für eine wertschätzende Rückmeldekultur, die Freude am Schreiben ermöglicht.
Schlüsselwörter
Schreibmotivation, Grundschule, extrinsische Motivation, intrinsische Motivation, Schreibanlass, Bildergeschichte, Schreiben zu Bildern, Generalisiertes Schreibprozessmodell, Selbstbestimmung, Interesse, Flow-Erleben, Schreibdidaktik, Kreatives Schreiben, Unterrichtsgestaltung, Lernumgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Schreibanlässe in der Grundschule gestaltet sein müssen, um die Schreibmotivation von Kindern positiv zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen der Motivation, Modelle des Schreibprozesses sowie die vergleichende Analyse von Schreibanlässen wie der "Bildergeschichte" und dem "Schreiben zu Bildern".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen Schreibanlässe für Kinder persönlich bedeutsam werden und somit eine nachhaltige Schreibmotivation fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender psychologischer und schreibdidaktischer Fachliteratur sowie der Verknüpfung dieser Theorien mit pädagogischen Erfahrungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Motivation, die Analyse des Schreibprozessmodells nach Spitta und die Untersuchung spezifischer Schreibanlässe auf ihr motivierendes Potenzial.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Schreibmotivation, intrinsische Motivation, Selbstbestimmung, Schreibanlass, Bildergeschichte und kreatives Schreiben.
Warum wird die klassische "Bildergeschichte" in der Arbeit kritisch hinterfragt?
Die Autorin argumentiert, dass die starre Vorgabe der Bilder die Kreativität einschränkt, das Bedürfnis zur persönlichen Mitteilung unterdrückt und somit häufig zu Amotivation führt.
Was macht den Schreibanlass "Schreiben zu Bildern" laut der Autorin effektiver?
Dieser Anlass bietet mehr Deutungsoffenheit, erlaubt den Kindern eigene Assoziationen und Erfahrungen einzubringen und unterstützt somit die Selbstbestimmung und das intrinsische Interesse.
- Arbeit zitieren
- Mareike Terborg (Autor:in), 2011, Die Bedeutung von Schreibanlässen für die Schreibmotivation in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213018