Minderheitenpolitik im ehemaligen Jugoslawien


Hausarbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Kurzer Überblick der Geschichte Jugoslawiens
2.1. Geschichtebisl945
2.2. 1945 bis 1991
2.3. 1991bisheute

3. Minderheitenpolitik und Probleme
3.1. Kroatien
3.2. Bosnien-Herzegowina
3.2.1. politischeundethnische Trennungen
3.2.2. UmsetzungundProblemederMinderheitenpolitik
3.3. SerbienundKosovo
3.3.1. radikale ethnische Trennungen und fehlender Minderheitenschutz
3.3.2. UnabhängigkeitdesKosovo

4. Umgang und Forderungen der Europäischen Union
4.1. Kritik an EU und UN in der Lösung der Balkanfrage
4.2. Minderheitenfrage als Schlüssel zum EU-Beitritt

5. Fazit

6. LiteraturundQuellen

1. Vorwort

Als Katharina Witt 1984 in Sarajevo ihre erste olympische Goldmedaille gewann, konnte sie nicht ahnen, genauso wenig wie alle anderen Teilnehmer und Besucher der Spiele, dass der Begriff „Fest der Völker“ in Jugoslawien noch ins absolute Gegenteil umschlagen sollte. In weniger als zehn Jahren wandelte sich das Land von einem scheinbar friedlichen und fröhlichen Gastgeber in einen Ort des Grauens, dessen Bürgerkrieg die in Europa als längst überwunden geglaubten Schrecken des Zweiten Weltkrieges in neuer Form wieder aufleben ließ und dessen Folgen noch heute sichtbar sind und wohl auch in naher Zukunft noch nicht überwunden sein werden.

Uns allen sind die Bilder von Sarajevo und Srebrenica noch vor Augen, die symbolisch herhalten müssen für den Krieg zwischen Serben, Kroaten, Bosniaken und Albanern, zwischen orthodoxen und katholischen Christen, zwischen „Gotteskriegern“ und „Ungläubigen“. Ein in vielen Bereichen unübersichtlich erscheinender Konftlikt, dessen Tragweite sich die europäische und die Weltgemeinschaft lange nicht bewusst waren und auch nicht sein konnten oder wollten.

Der Hass unter den verschiedenen Völkern ist tief in der Geschichte des Balkans verwurzelt, die zwar im europäischen Kontext betrachtet werden muss, aber dennoch immer ein wenig außer Acht gelassen wurde. Sie kann aber nicht der einzige Grund sein, für das Ausmaß an Gewalt und die scheinbar unlösbare Situation in der sich die Länder heute befinden.

Im Zuge der europäischen Integration und des aktuellen Kriegsverbrecherprozesses gegen Radovan Karajic, ist eine Aufarbeitung der Geschichte und ein ernsthafter Versuch zur Zusammenführung aller ethnischen Gruppen unausweichlich. Warum dies allerdings so schwierig ist, welche Fortschritte erziehlt wurden und welche Hürden es noch zu überwinden gilt, soll im Folgenden versucht werden zu erläutern. Im Mittelpunkt soll dabei die Frage stehen, ob die Problematik der Minderheiten, wenn sie in den einzelnen Ländern, z.B Bosnien-Herzegowina überhaupt als solche bezeichnen werden können, hinderlich ist für einen künftigen EU-Beitritt, oder ob nicht Europa selbst die Initiative ergreifen muss, indem sie noch mehr auf die Länder zu geht. Denn auch die Verantwortung Europas und der UNO muss hinterfragt werden, wenn es um die Entwicklung des westlichen Balkans geht.

2. Kurzer Überblick der Geschichte Jugoslawiens 2.1. Geschichte bis 1945

Um ein Verständnis darüber zu bekommen, wer die einzelnen Völker überhaupt sind und warum sie sich in der Situation befinden, in der sie heute sind, muss zunächst einmal ein kurzer historscher Abriss Klarheit schaffen.

Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, sollen hier nur die wichtigsten Fakten genannt werden, an deren erster Stelle sich ein Datum befindet, das in der serbischen Geschichte große Bedeutung gefunden hat: Der 26. Juni, der St. Veits Tag, benannt nach einem orthodoxen Heiligen. An diesem Tag im Jahre 1389 fand auf dem sogenannten Amselfeld in der Region des heutigen Kosovo eine Schlacht zwischen Serben und Osmanen statt, die zwar für die Serben mit einer Niederlage endete, aber aufgrund ihres zähen Widerstandes für sie zum Mythos wurde und ganz besonders der Schauplatz Amselfeld. Noch heute wird diesem „gloreichen“ Kampf gedacht, dessen Erinnerung und Verklärung die Grundlage für den Machtanspruch Serbiens an den Kosovo bildet.

In den Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft verbreitete sich erstmals auch der muslimische Glaube auf dem Balkan. Zwar tolerierten die neuen Machthaber andere Religionen, bevorzugten aber konvertierte Christen in der Besetzung von Posten und einflussreichen Machtpositionen. Diese Gruppe von Neu-Muslimen, die später Bosniaken genannt werden, finden aufgrund dieser Bevorzugung in der nichtmuslimischen Bevölkerung kaum Akzeptanz. Sie werden teilweise als Volksveräter angesehen, deren ausschweifender Lebensstil die ideellen und gesellschaftlichen Fronten weiter verhärten ließ.

Bis ins späte 19. Jahrhundert bleibt der Balkan eine von zwei Großmächten besetzte Region: Von Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich. Die Identität geschweige denn Autonomie der kleinen Völker, wie z.B. Bulgaren, Rumänen, Serben, Kroaten usw. kann kaum bzw. gar nicht entwickelt werden. Auch der gescheiterte Slawenkongress im Zuge der Revolution 1848 ist beispielhaft dafür. Serbien ist unterdess zweigeteilt. Die Vojvodina im Norden gehört zu Ungarn, wohingegen die Region um Belgrad und das Kosovo dem Osamanischen Reich angehört. Erst mit dem stückweisen Zerfall des Türkenreiches und dem Berliner Kongress 1878 wird der Südosten Europas neu geordnet. So erreichen Rumänien und Montenegro ihre Unabhängigkeit, Serbien wird vier Jahre später gar zum Königreich. Für Kroatien und Bosnien-Herzegowina gilt dies nicht. Sie bleiben bis 1918 Teil von Österreich-Ungarn.

Serbien entwickelt in dieser Zeit, auch mit Unterstützung des russischen Zarenreiches einen Anspruch auf die Führungsrolle im Balkangebiet. Sie beziehen sich wieder auf die Vergangenheit, in der die Serben als Verteidiger gegen die Osmanen galten und so ist es kein Zufall, dass ausgerechnet der 26. Juni erneut zum Schicksalstag wird. An diesem Tag im Jahre 1914 wird der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen. Ein Ereignis, das eine Kettenreaktion auslöst und im Ersten Weltkrieg mündet. Der Attentäter, Gavrilo Princip, gehört der Untergrundorganisation „Schwarze Hand“ an, die sich für die Unabhängigkeit der Serben in Bosnien-Herzegowina einsetzt. Eine Problematik, die in der Zukunft wieder auftauchen wird.

1918 wird Europa ein weiteres mal neu strukturiert und besonders der Osten- und Südosten bekommt ein neues Gesicht. Die Völker von Slowenien, Kroatien, Bosnien und Serbien werden unter einer Krone (zwangs-)vereinigt, das Königreich Jugoslawien entsteht. Doch Stabilität kehrt nicht ein. Wie in Italien, Deutschland und Spanien gewinnt in Jugoslawien, vor allen im kroatischen Teil die faschistische Bewegung (Ustascha) immer mehr an Kraft und lässt den Zweiten Weltkrieg auf dem Balkan zu einem ersten blutigen Bürgerkrieg werden, der besonders durch Völkermorde gekennzeichnet ist. Den rechtsgerichteten Gruppen, die sich den 1941 eingefallenen Nazis anschlossen, stellt sich der kroatische Serbe Josip Broz, genannt Tito, mit seinen Partisanenkämpfern entgegen. Ihnen gelingt es mit sowjetischer Unterstützung die Deutschen zu besiegen und nach Ende des Krieges einen kommunistischen Staat zu errichten.

2.2. 1945 -1991

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt die Phase der Blockbildungen. Vor allem in Osteuropa tritt die Sowjetunion unter ihrem Diktator Josef Stalin als bestimmende Macht auf und versucht ihre Auslegung des Kommunismus, geprägt durch Unterdrückung und Geheimdiensten, auch auf die Satellitenstaaten zu übertragen. Um den Einfluss so weit wie möglich zu verbreiten, soll sich auch Jugoslawien den sowjetischen Plänen anschließen, das als strategisch sehr bedeutendes Land gilt. Aber der neue Machthaber Tito will sich den Forderungen Moskaus nicht unterwerfen und riskiert sogar eine sowjetische Intervention. Diese findet nicht statt und so gelingt es ihm, sich gegenüber Stalin durchzusetzen und Jugoslawien als blockfreien Staat zu etablieren, der zwar politisch gesehen eine kommunistische Diktatur ist, aber mit einer relativ ausgeprägten Marktwirtschaft auch kapitalistische Züge trägt. Um das Land in dieser Sonderrolle nach außen und nach innen zu stabilisieren, ist es für Tito von Beginn an wichtig, alle Völkergruppen des Landes miteinander zu verbinden. Jugoslawien wird zu einem föderativen Bund, dessen Teilrepubliken alle gleich gestellt werden, um nationale Bewegungen oder Unterdrückungsversuche einzelner zu verhindern. Eine Verschmelzung der ethnischen Gruppen und ein einheitlichesjugoslawisches Volk, wie es das endgültige Ziel Titos gewesen ist, erreicht der Staatschef allerdings nicht. In seiner

Amtszeit gibt es häufig Rangeleien zwischen Kroaten, Serben und Bosniern, auch mit Slowenen, aber Tito erweist sich als Schiedsrichter indem er schlichtet, oder die Parteien gewieft gegeneinander ausspielt. Es gelingt ihm die Balance zu halten, was ihm den Ruf als „roten Habsburger“1 einbringt, eine Anspielung auf den Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn.

Gesellschaftlich gesehen geht es den Menschen im Bund oftmals besser als in den meisten osteuropäischen Ländern. Nicht nur die Vielfalt an Konsumgütern ermöglicht einen relativ hohen Lebensstandart, auch die Möglichkeit der freien Ausreise ist gegeben, was im Laufe der Jahre viele Bürger der DDR als Fluchtmöglichkeit nutzen. Zudem entwickelt sich Jugoslawien als beliebtes Touristenziel. All diese verschiedenen Aspekte erwecken den Eindruck eines verhältnismäßig fortgeschritten Landes, obwohl politische Unterdrückungen und diktatorische Machtverhältnisse nicht verschwiegen werden dürfen. Doch der Schein trügt und die ethnischen Konflikte können nicht überwunden werden, sie treten sogar wieder offen zutage als Tito 1980 stirbt und ein Erbfolgestreit entbrennt, der im Bürgerkrieg endet. Die Nachfolger des Diktators schaffen es nicht die Ordnung aufrecht zu erhalten und nationale Erhebungen nehmen wieder zu. Am 26. Juni 1989 nimmt der auf politischer Ebene gerade neu auftretende serbische Präsident Slobodan Milosevic den 600. Jahrestag der Amselfeldschlacht zum Anlass, die serbische Führungsrolle in Jugoslawien zu fordern und hebt die bis dahin bestehenden Autonomierechte der Regionen Vojvodina und besonders des Kosovo auf. Es folgen im ganzen Land erste Unruhen in deren Folge sich 1991 Kroatien und Slowenien für unabhängig erklären. Die neuen Staaten werden auf Anhieb von den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft anerkannt, genauso wie die ein Jahr später ausgerufenen Republiken Bosnien-Herzegowina und Mazedonien.

2.3. 1991 bis heute

Mit der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens beginnt der Bürgerkrieg der bis 1995 anhalten sollte. Besondere Streitpunkte in diesem Konflikt sind Grenzfragen und damit verbundene Probleme hinsichtlich der Bevölkerungen. Aber in erster Linie stehen Ambitionen der Serben und der Kroaten nach einem Großreich im Vordergrund, die auf pseudohistorischer Grundlage basieren, andererseits auch auf Vormachtstellungen. Der Krieg beginnt vor allem in der kroatischen Region Krajina, der Heimat Titos, in der viele Serben leben und nun nach Autonomie streben. Doch Kroatien lehnt dies ab und steht der serbischen Intervention entgegen. Serbien sieht sich in gewisser Weise als „Verteidiger“ des Bundes und versucht die Seperatisten niederzuschlagen. Da Kroatien und Serbien nach größerer territorialer Macht streben, beschließen der kroatische Präsident Tujman und sein serbischer Gegenspieler Milosevic die Aufteilung von Bosnien-Herzegowina. Der Pakt bleibt zwar geheim, doch mit der Unabhängigkeit von Bosnien 1992 beginnt der Einmarsch serbischer Truppen in die Region um Sarajevo. Die Stadt wird über 1400 Tage lang besetzt bleiben.

Der traurige Höhepunkt des Krieges findet im Massaker von Srebrenica statt, als bosnische Serben unter der Führung von Ratko Mladic und Radovan Karajic eine UN-Schutzzone überrennen und mehr als 8000 Muslime ermorden. An dieser Stelle wird die scheinbare Ohnmacht der UNO und der EU sichtbar, die zwar Truppen in Bosnien stationiert haben, aber nicht einsetzen dürfen. Die Blauhelme müssen dem Grauen tatenlos zuschauen.

Es ist nicht leicht einen Hauptschuldigen des Krieges auszumachen. Das Vorgehen kroatischer Nationallisten bei der Rückeroberung der Kraijna mit systematischem Völkermord erinnert vor allem durch die Brutalität an die Bewegung der Ustascha im Zweiten Weltkrieg. Aber auch die „ethnischen Säuberungen“ die von serbischen Hardlinern durchgeführt werden stehen dem in nichts nach, ebenso wenig wie die radikalen Vorderungen der Bosniaken nach einem muslimischen Staat, die durch „Gotteskrieger“ aus Afghanistan, Saudi-Arabien und Pakistan sowie islamischen Regierungen selbst verstärkt und angeheizt werden.

Mit dem Abkommen von Dayton, vom 14. Dezember 1995 wird der Krieg zwar offiziell für beendet erklärt, einen dauerhaften Friedenszustand erreicht man aber nicht. Bosnien-Herzegowina wird als Staat anerkannt, durch seine Aufteilung in eine muslimisch-kroatische Föderation auf der einen Seite und der „Republik Srpska“ auf der anderen ist er aber dennoch ein äußerst instabiles Konstrukt.

Serbien gilt als Verlierer des Krieges, wenn man überhaupt von Gewinner und Verlierer sprechen kann. Der Streit um den Kosovo, der nur wenige Jahre nach dem Bürgerkrieg abermals entbrennt, wird durch das Eingreifen derNATO-Truppen 1999 relativ schnell entschieden, aber selbst die Unabhängigkeit des kleinen Landes im Jahre 2008 löst die Probleme der Bevölkerung nicht, die noch immer gespalten ist in Serben und Kosovo-Albanern.

Wie sieht die Situation heute aus? Wie gehen die einzelnen Länder mit den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen um, und wie sieht es um einen Beitritt zur EU aus? Diese Fragen sollen an den drei großen ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken erläutert werden. Die Situationen in Slowenien, Mazedonien und Montenegro sollen an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben, da die Länder erstens nicht in solch großem Maße vom Bürgerkrieg begtroffen waren und zweitens die Wichtigkeit der Minderheitenfragen im Dialog mit der EU bei Kroatien, Serbien und Bosnien­Herzegowina liegt.

[...]


1 Ihlau, o.; Mayr, W; Minenfeld Balkan - Der unruhige HinterhofEuropas; BpB, Bonn 2009, Seite 37f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Minderheitenpolitik im ehemaligen Jugoslawien
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V213046
ISBN (eBook)
9783656417217
ISBN (Buch)
9783656417743
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
minderheitenpolitik, jugoslawien
Arbeit zitieren
R. M. (Autor), 2010, Minderheitenpolitik im ehemaligen Jugoslawien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213046

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