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Hatte Philipp ADHS? Zur heutigen Rezeption der Hoffmann'schen Geschichte vom 'Zappel-Philipp'".

Título: Hatte Philipp ADHS? Zur heutigen Rezeption der Hoffmann'schen Geschichte vom 'Zappel-Philipp'".

Trabajo Escrito , 2013 , 32 Páginas , Calificación: 1,7

Autor:in: Janka Vogel (Autor)

Pedagogía - Pedagogía curativa y especial
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An einem kalten Winterabend in Frankfurt am Main. Man schreibt das Jahr 1844. Ein Mann kehrt von den Weihnachtseinkäufen heim und hält seiner Frau ein leeres Schreibheft unter die Nase: „Hier ist das gewünschte Buch für den Jungen“. Er werde ein Bilderbuch daraus machen, verspricht er und beginnt das Heft mit Zeichnungen zu füllen, sie danach zu aquarellieren und ein paar Verse darunterzusetzen.
So beginnt die Geschichte des Kinderbuches „Der Struwwelpeter“. Heinrich Hoffmann, der das Bilderbuch für seinen dreijährigen Sohn Carl Philipp geschaffen hatte, ließ sich anlässlich der 100. Auflage im Jahre 1876 dazu hinreißen, eine kleine Entstehungsgeschichte des Struwwelpeter zu verfassen. Ist sie Mythos oder Tatsache? Dies ist angesichts der großen – bis in die heutige medizinische, psychologische und pädagogische Fachliteratur reichenden - Resonanz des Buches eine sich aufdrängende Frage. Zu befürchten steht aber, dass sie in Anbetracht eben dieser lebendigen Wirkungsgeschichte nur schwer zu klären sein wird.
Mythos oder Tatsache? Ob diese Frage beantwortbar ist, sei dahingestellt. Jedoch nötigt sie dazu, weitere Fragen zum Struwwelpeter zu stellen: Welche politischen Umstände herrschten? Wie sah Hoffmanns eigene Kindheit aus? In welcher familiären Situation schrieb er das Buch? Welche pädagogischen Absichten verfolgte er? Wovon ist der Struwwelpeter kunst- und literaturgeschichtlich möglicherweise beeinflusst?
Relevanz erhalten die deshalb im Folgenden durchgeführten Untersuchungen einerseits durch die Aktualität des Struwwelpeter-Buches per se und andererseits speziell durch die in den letzten Jahrzehnten aufgekommene und derzeit an Fahrt gewinnende Debatte um heutige „Zappelphilippe“.
Ursprünglich eine Figur in Hoffmanns Struwwelpeter ist der „Zappel-Philipp“ heute zum Schlagwort einer kindlichen Verhaltensstörung geworden: das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) wird in der einschlägigen Literatur nicht selten auch als „Zappelphilippsyndrom“ bezeichnet. Gängig ist die Bezeichnung auch für die betreffenden Kinder selbst. So beschreiben etwa Hüther et al. ihr Buch „Neues vom Zappelphilipp“ als „[...] ein Buch […] für alle, denen die Zukunft dieser kleinen Zappelphilippe […] am Herzen liegt“.
Was hat die Hoffmann'sche Figur mit diesen heutigen „Zappelphilippen“ gemein? Hat das Kind im Bilderbuch möglicherweise ADHS, beziehungsweise zeigt es nicht Symptome dieser Störung?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte vom Zappel-Philipp

2.1 Hintergrund und Entstehung

2.1.1 Literarische Vorfahren und Geschwister des Struwwelpeter

2.1.2 Vorlagen aus der Kunst

2.1.3 Politische und gesellschaftliche Situation

2.1.4 Geistesgeschichte und pädagogische Wegbereiter

2.2 Biografische Notizen zum Autor Hoffmann

2.3 Die Geschichte und mögliche Deutungen

2.4 Redaktionsgeschichte

2.5 Resonanz

3. Heutige Rezeptionen der Hoffmann'schen Zappel-Philipp-Geschichte

3.1 Literatur über AD(H)S: Ohne den Zappel-Philipp nicht denkbar

3.2 Erstbeschreibung eines Krankheitsbildes?

4. Hoffmann missverstanden? Ein Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die heutige Rezeption von Heinrich Hoffmanns Figur des „Zappel-Philipp“ als vermeintliche historische Erstbeschreibung des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS). Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwiefern diese retrospektive Pathologisierung einer literarischen Figur wissenschaftlich haltbar ist und welche Bedeutung der historische Kontext für das Verständnis des Werkes hat.

  • Historische Entstehungsbedingungen und pädagogischer Kontext des „Struwwelpeter“
  • Die literarische Konstruktion der Figur des Zappel-Philipp
  • Kritische Analyse der heutigen ADHS-Forschung hinsichtlich ihrer literaturhistorischen Interpretationsmuster
  • Untersuchung der Diskrepanz zwischen literarischer Vorlage und medizinisch-psychologischer Instrumentalisierung

Auszug aus dem Buch

Die Geschichte und mögliche Deutungen

Die Ur-Geschichte vom Zappel-Philipp findet sich in der zweiten Auflage des Struwwelpeter, deren Bilder erstmals als Holzschnitte angefertigt waren. Zwischen der ebenfalls neu eingefügten „gar traurige[n] Geschichte mit dem Feuerzeug“ und der „Geschichte von dem Struwwelpeter“ nimmt der Zappel-Philipp den vorletzten Platz im Buch ein. Damit steht die Zappel-Philipp-Geschichte zunächst in keinem inhaltlichen Zusammenhang zu dem daneben Dargestellten im Buch, ist jedoch formal damit verwandt. Die negative Pointe ist allen Warngeschichten im Struwwelpeter gemein. Gerahmt werden die Reime der Zappel-Philipp-Geschichte von einem schlichten Ast-Blätter-Rankwerk.

Zunächst jedoch beginnt die Geschichte, die in drei Akten entfaltet wird, mit der Darstellung eine Alltagssituation: eine Familie beim Essen. Vater, Mutter, Kind sind die Protagonisten. Ob es sich bei diesem Purismus um ein stilistisches Mittel handelt, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu bündeln, oder ob Hoffmann hier die neu aufkommende bürgerliche Kleinfamilie portraitiert, bliebe zu diskutieren. „[...] Das weiße Tischtuch, die Flasche Wein auf dem Tisch und die Kleidung der Personen deuten darauf hin, daß es sich um einen ,gutbürgerlichen' Haushalt handelt [...]“, findet Könneker. Nach unten gezogene Mundwinkel aller Figuren deuten eine negative Grundstimmung an. Philipp sitzt seinen Eltern gegenüber, tritt mit dem linken Fuß gegen den Tisch und hat seine linke Hand zu einer Faust Richtung Vater geballt. Er trägt das gleiche rote Kindergewandt, in welches auch der Struwwelpeter gekleidet ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Entstehungsgeschichte des Struwwelpeter ein und problematisiert die heutige Tendenz, die Figur des Zappel-Philipp als historische Vorlage für das ADHS-Syndrom zu instrumentalisieren.

2. Die Geschichte vom Zappel-Philipp: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Entstehungsbedingungen, die biografischen Hintergründe des Autors Hoffmann, die historische Redaktionsgeschichte und verschiedene Deutungsansätze der berühmten Bilderbuchgeschichte.

3. Heutige Rezeptionen der Hoffmann'schen Zappel-Philipp-Geschichte: Hier wird untersucht, wie die Figur in der modernen ADHS-Literatur zur Chiffre für das Störungsbild wurde und kritisch hinterfragt, ob eine solche Erstbeschreibung des Krankheitsbildes wissenschaftlich legitim ist.

4. Hoffmann missverstanden? Ein Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das ADHS-Syndrom und der literarische Zappel-Philipp in völlig verschiedenen Deutungshorizonten stehen und nicht einfach aufeinander bezogen werden können.

Schlüsselwörter

Struwwelpeter, Heinrich Hoffmann, Zappel-Philipp, ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, Historische Pädagogik, Literaturgeschichte, Pathologisierung, Rezeptionsgeschichte, Kindheit, Erziehung, Medizinische Diagnostik, Biedermeier, Bürgertum, Familienbild

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der literarischen Figur des „Zappel-Philipp“ aus dem Kinderbuch „Struwwelpeter“ und dem heutigen medizinischen Phänomen des ADHS.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Entstehungsgeschichte des Kinderbuches, die pädagogischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts und die moderne psychologische Debatte über Verhaltensstörungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Haltbarkeit der These zu prüfen, dass Hoffmann mit dem Zappel-Philipp bereits eine Erstbeschreibung des ADHS geliefert habe.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und geistesgeschichtliche Analyse, die den historischen Kontext des 19. Jahrhunderts mit modernen Interpretationsansätzen vergleicht und kritisch bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die literarischen Einflüsse auf Hoffmann, seine Biografie, die Entwicklung der Geschichte über mehrere Auflagen sowie die heutige Verwendung des Zappel-Philipp als Chiffre in Fachbüchern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen gehören Struwwelpeter, ADHS, historische Pädagogik, Pathologisierung und Literaturgeschichte.

Warum wird Hoffmann als "missverstanden" bezeichnet?

Der Autor argumentiert, dass Hoffmanns Figur ein literarisches Konstrukt innerhalb eines spezifischen moralisch-pädagogischen Zeitgeistes ist und nicht als objektive klinische Beschreibung eines heutigen medizinischen Krankheitsbildes gewertet werden kann.

Welche Rolle spielt das Familienbild im 19. Jahrhundert?

Das Familienbild dient als Kontext für das Verständnis des Vater-Sohn-Konflikts, der in der Geschichte des Zappel-Philipp dargestellt wird, und spiegelt die bürgerlichen Erziehungsideale der damaligen Zeit wider.

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Detalles

Título
Hatte Philipp ADHS? Zur heutigen Rezeption der Hoffmann'schen Geschichte vom 'Zappel-Philipp'".
Universidad
University of Marburg  (Erziehungswissenschaften)
Calificación
1,7
Autor
Janka Vogel (Autor)
Año de publicación
2013
Páginas
32
No. de catálogo
V213123
ISBN (Ebook)
9783656411048
ISBN (Libro)
9783656411925
Idioma
Alemán
Etiqueta
Heinrich Hoffmann Zappelphilipp Zappel-Philipp ADHS Zappelphilipp-Syndrom Hyperkinetisches Syndrom Frankfurt 19. Jahrhundert Erziehungswissenschaft Pädagogik Biedermeier Struwwelpeter Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom ADS Geschichte Fliegender Robert Bastian der Faulpelz Kinderbuch Bilderbuch Bänkellied Frankfurt am Main Vormärz ADHS-Literatur
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Janka Vogel (Autor), 2013, Hatte Philipp ADHS? Zur heutigen Rezeption der Hoffmann'schen Geschichte vom 'Zappel-Philipp'"., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213123
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