Vor- und Nachteile des bilingualen Unterrichts

Mit unterrichtspraktischen Überlegungen zur Konferenz von Versailles 18.01.1919


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. KMK-Konzeptezumbilingualen Unterrichts
3.1. Die Entwicklung des bilingualen Unterrichts in Deutschland
3.2. Verbreitung bilingualen Unterrichts an Schulen in Schleswig Holstein

4. Bilingualer Sachfachunterricht
4.1. ZieledesGeschichtsunterricht
4.2. Ziele des bilingualen Geschichtsunterricht

5. Vor und Nachteile eines bilingualen Geschichtsunterrichts
5.1. Vorteile
5.2. Nachteile

6. Schulpraktisches Beispiel eine bilingual geführten Unterrichtseinheit im Sachfach Geschichte
6.1. Ausgangsvoraussetzungen
6.2. Verlauf der Unterrichtseinheit im Überblick
6.3. Bedingungsanalyse
6.4. Sachanalyse
6.5. Didaktisch-methodischerKommentar
6.6. Lehr-undLernziele

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit 1963 wurde im Zuge des deutsch- französischem Kooperationsvertrags der bilinguale Unterricht Bestandteil des Sachfachunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland. Als Begriffspaar zur Bestimmung der Similarität von Inhalt und Fremdsprache ist in den 90er Jahren CLIL ("contant and language integrated learning") und EMIL ("Enseignement d'une Matière par l’Intégration d'une Langue Étrangère") entstanden. Dabei handelt es sich nicht um einen Fremdsprachunterricht mit sachlichen Elementen, sondern um einen fremdsprachlich erteilten Sachunterricht. In diesem Sinne fördert die Europäische Kommission den Aufbau von zwei Fremdsprachen neben der Muttersprache. Die Entwicklung, die diese Form des Unterrichts seit 1963 nahm, ist noch lange nicht abgeschlossen. Wurde zu Beginn der bilinguale Unterricht vornehmlich an Gymnasien eingeführt, so findet man diese Methode im Zuge der der verstärkten Forderung nach interkulturellem Lernen und der Festigung der Europäischen Union nun auch an anderen Schulformen, wie der Realschule und sogar an der Grundschule.

Obwohl das Konzept des bilingualen Unterrichts von Seiten der Europäischen Union kontinuierlich gefördert wurde, fehlt es immer noch an Konzepten für die praktische Methodik. Vor allem fehlt die Forschung der Sachfachdidaktiker zum Thema eben des Konzeptes der Mehrsprachigkeit.

In den folgenden Kapiteln soll zuerst ein Überblick über den bilingualen Unterricht gegeben werden um dann Vor- und Nachteile der bilingualen Bildungsgänge, unter besonderer Berücksichtigung einer bilingualen Unterrichtseinheit im Fach Geschichte am Gymnasium, zu erörtern. Die zahlreichen erschienenen Aufsätze über Bilingualität waren besonders hilfreich für diese Arbeit. Dabei wurden sowohl die forschenden Untersuchungen der Fremdsprachdidaktiker, als auch der Geschichtsdidaktiker berücksichtigt.

2. Begriffsbestimmung

Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz „Überlegungen zu einem Grundkonzept für den Fremdsprachenunterricht“ vom 07.10.1994 wird der bilinguale Unterricht als „Unterricht mit Teilen des Fachunterrichts in der Fremdsprache“ verstanden.[1] Außerhalb Deutschlands in der Europäischen Union hat sich der Begriff CLIL ( Content and language integrated learning ) bzw. im französischen Sprachraum EMIL ( Enseignement d'une Matière par l’Intégration d'une Langue Étrangère ) durchgesetzt.

Neben dem Begriff des „bilingualer Sachfachunterricht“ und „CLIL“ gibt es noch, den aus Österrich kommenden „Fremdsprache als Arbeitssprache“.[2] Hier werden vier Varianten unterschieden. Bei der ersten Variante wird die Arbeitssprache phasenweise im regulären Fachunterricht eingesetzt, Fachinhalte werden mit der Fremdsprache erarbeitet. Bei der zweiten werden bestimmte sprachliche Fertigkeiten in einem fächerübergreifenden Unterricht erarbeitet, um verschiedene fachspezifische Ausdrucksformen fremdsprachlich bewältigen zu lernen. Die Fremdsprache als Arbeitssprache wird als eine dritte Variante gezielt in einer Reihenfolge von Kleinprojekten im Rahmen von Interessen- und Begabtenförderung verwendet. Die vierte Variante steht dem deutschen Konzept des bilingualen Sachfachunterrichts am nächsten. Bei ihr handelt es sich um einen längerdauernden, ununterbrochenen fremdsprachlichen Fachunterricht in einem oder mehreren Fächern.

Während der englische Begriff CLIL die beiden Bezugspole der Unterrichtsform zu Geltung bringt, also die Unterscheidung von fremdsprachigen Sachunterricht und Unterricht in der Muttersprache,[3] ist der deutsche Begriff „bilingual“ ungenau und missverständlich. So bedeutet bilingual zunächst zweisprachig. In diesem Sinne könnte man den bilingualen Unterricht, als eine zweisprachig geführte Unterrichtseinheit missverstehen. Das Konzept des bilingualen Unterrichts hat aber das Ziel ein Sachthema in einer Fremdsprache zu behandeln, also einsprachig.[4] Es muss hier genau zwischen Fremdsprachenunterricht und dem fremdsprachlich unterrichteten Sachfachunterricht unterschieden werden. Alleiniges Ziel des bilingualen Konzept ist nämlich gerade nicht nur die Ausbildung und Vertiefung einer Fremdsprache, sondern vornehmlich die Fachkompetenz eines Faches, beispielsweise Geschichte. Daher wird in Deutschland der Begriff „bilingualer Sachfachunterricht“ verwand, um den Inhalten und der Vermittlung des Faches selbst, auch in der Begriffsbestimmung gerecht zu werden.

Wenn der bilinguale Unterricht sowohl Fremdsprachunterricht als auch Sachfachunterricht vereint, wird ein weiteres Problem deutlich. So stehen auf der einen Seite die Fremdsprachdidaktiker, welche sich zu einem großen Teil für die Vorzüge eines bilingual erteilten Unterrichts aussprechen, da die Zielkompetenz der Fremdsprachdidaktik der Spracherwerb und Sprachgebrauch ist. Auf der anderen Seite von einigen Sachfachdidaktikern befürchtet wird, dass der bilinguale Unterricht mit seinen unbestreitbaren Vorzügen für den Fremdspracherwerb, auf Kosten der Sachkompetenz in einem Sachfach gehen könnte.

Zu lösen ist dieses Problem der Instrumentalisierung des Sachfachunterricht zu Gunsten des Spracherwerbs nur, wenn inhaltliche Profile und Didaktiken ausgearbeitet werden und neben den Vorteilen der fremdsprachlichen Aspekte des bilingualen Unterrichts auch die Zugewinne für das Sachfach ausgearbeitet werden[5]

3. KMK-Konzepte zum bilingualen Unterrichts

3.1 Die Entwicklung des bilingualen Unterrichts in der Bundesrepublik Deutschland

Mit dem 2006 erschienenen Bericht der Kultusministerkonferenz „Konzepte für den bilingualen Unterricht- Erfahrungsberichte und Vorschläge zur Weiterentwicklung“ wurde der Bericht von 1999 überarbeitet und erweitert. Darin werden diejenigen Schulen Deutschlands aufgeführt, welche bilingualen Unterricht anbieten und die Konzepte der einzelnen Länder zusammengefasst dargestellt.

Die Entwicklung der Schulen mit bilingualem Angebot in Deutschland lässt sich im Vergleich der beiden Berichte an folgenden Zahlen festmachen: gab es 1999 noch 366 Schulen in Deutschland, die bilingualen Unterricht anboten, wurden 2006 schon 847 Schulen erfasst.[6] Diese zu beobachtende zunehmende Konsolidierung von bilingualen Bildungsgängen lässt auf den Erfolg dieses Konzepts schließen. Diese positive Entwicklung steht allerdings einigen negativen Faktoren gegenüber. Das sich vergrößernde personelle Problem an den Schulen kann der Neueinrichtung von bilingualen Bildungsgängen nicht gerade zuträglich sein. Zumal neben diesem Lehrkraftmangel auch das Problem der unzulänglichen Materialien für diese Form des Unterrichts tritt. Es fehlt außerdem die feste Verankerung eines bilingualen Angebots im Schulprogramm.

In den Formen der Umsetzung gibt es an den Schulen sehr unterschiedlich ausgeprägte Modelle. Man unterscheidet zwischen einem „bilingualen Zug oder Zweig“, der „Fremdsprache als Arbeitssprache“ und „bilingualer Module“. Die sehr strukturierte Variante des „bilingualen Zuges“ setzt sich aus fremdsprachlich erteiltem Unterricht in zumeist mehreren Sachfächern und der darauf aufbauenden Qualifikation des bilingualen Abiturs zusammen. Die „Fremdsprache als Arbeitssprache“ wird durchgehend in einem Fach unterrichtet und schließt mit einer Abschlussprüfung in der Fremdsprache. „Bilinguale Module“, die häufig als Einstiegsmodell für das Konzept der „Fremdsprache als Arbeitssprache“ angeboten werden, werden phasenweise im Sachfach unterrichtet und sind in den meisten Fällen noch nicht Bestandteil eines schulischen Gesamtkonzeptes.[7]

3.2 Verbreitung bilingualen Unterrichts an Schulen in Schleswig-Holstein

Bilingualer Unterricht wird in Schleswig- Holstein im Rahmen bilingualer Züge, mehrsprachiger Module und binationaler Züge durchgeführt. Diese Formen des bilingualen Unterrichts werden an unterschiedlichen Schulformen angeboten: an Grundschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien in der Sekundarstufe 1, Gymnasien in der Sekundarstufe 2 und berufsbildenden Schulen. Von 910 allgemein bildenden Schulen in Schleswig- Holstein erteilen 34 Unterricht in der Organisationsform von bilingualen Zügen, 18 in Form von bilingualen Modulen und 1 in Form von binationalen Zügen. Von insgesamt 39 berufsbildenden Schulen enthalten je 2 bilinguale Züge und bilinguale Module.[8]

Die Sprachen des bilingual erteilten Sachfachunterrichts beschränken sich in Schleswig- Holstein auf Englisch, Französisch und Dänisch. Die bilingual unterrichteten Sachfachfächer sind Erdkunde, Geschichte, Politik, Sozialkunde, Wirtschaft, Gesellschaftslehre, Biologie und Mathe.

Die 34 Schulen Schleswig- Holsteins, welche bilinguale Züge anbieten gliedern sich folgendermaßen: 20 Gymnasien, 1 Gesamtschule, 8 Realschulen und 4 Grundschulen mit Englisch als Fremdsprache im Sachfachunterricht, 1 Gymnasium mit Französisch als Sachfachunterrichtssprache und die 4 berufsbildenden Schulen mit Englisch als bilinguale Unterrichtssprache.[9]

4. Bilingualer Sachfachunterricht

4.1 Ziele des Geschichtsunterricht

Im Geschichtsunterricht soll dem Lernenden ermöglicht werden mit der Perspektive aus der Gegenwart die Vergangenheit verstehen zu lernen und selbstständig Rückschlüsse und Bezüge auf die Zukunft zu ziehen. Dazu seien einige Prinzipien für die Gegenstands-, Methoden- und Medienwahl genannt, welche helfen sollen, den Unterricht sinnvoll aufzubauen. So sind Multiperspektivität, Problemorientierung und die Entwicklung von Geschichtsbewusstsein Schlüsselbegriffe, die von der aktuellen Forschung der Geschichtsdidaktiker genannt werden.

Mit ihrer Hilfe werden die Lernenden angehalten die komplexe Dimension von Geschichte, die Historizität, und die Verknüpfung von Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft zu verarbeiten, um ein selbstreflektiertes Geschichtsbewusstsein zu entwickeln.

Dabei muss vor allem beachtet werden den Schülerinnen und Schülern die Vielschichtigkeit der Realität zu vermitteln. Jedes historische Ereignis oder jeder historische Sachverhalt kann grundsätzlich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Die verschiedenen Perspektiven resultieren aus der unterschiedlichen Sichtweise der Völker, der kulturellen Gruppierungen, der Persönlichkeiten oder der Historiker.

[...]


[1] Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister (Hrsg.): Konzepte für den bilingualen Unterricht. 2006. S. 7.

[2] Christ, Ingeborg: Zur Weiterentwicklung des bilingualen Lehrens und Lernens in deutschen Schulen. In: Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht, Jg.4 Bd.2, 1999.

[3] Abendroth-Timmer, Dagmar, u.a.: Didaktiken im Dialog. In: Bonnet, Andreas/Breidbach, Stephan (Hrsg.): Didaktiken im Dialog. 2004, S. 13-27.

[4] Wolff, Dieter: Bilingualer Sachfachunterricht in Europa. In: Finkbeiner, Claudia (Hrsg.): Bilingualität und Mehrsprachigkeit. 2002, S. 7-13.

[5] Thürmann, Eike: Eine eigenständige Methodik für den bilingualen Sachfachunterricht? In: Bach, Gerhard/ Niemeier, Susanne (Hrsg.): BilingualerUnterricht. 32005, S. 71-89.

[6] Sekretariat. 2006, S. 9.

[7] Sekretariat. 2006, S.11f

[8] Sekretariat. 2006, S.14f

[9] Sekretariat. 2006, S. 34f

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vor- und Nachteile des bilingualen Unterrichts
Untertitel
Mit unterrichtspraktischen Überlegungen zur Konferenz von Versailles 18.01.1919
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Einführung in die Geschichtsdidaktik
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V213220
ISBN (eBook)
9783656413981
ISBN (Buch)
9783656414940
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vor-, nachteile, unterrichts, überlegungen, konferenz, versailles
Arbeit zitieren
Jan Sternberg (Autor), 2012, Vor- und Nachteile des bilingualen Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213220

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