Zunächst stellt sich die Frage: „Was ist Schüler helfen Schülern?“ Eine neue Form des sozialen Lernens? Förderunterricht für leistungsschwächere Schüler? Oder lediglich eine alternative Unterrichtsform zum Frontalunterricht?
„Schüler helfen Schülern“ steht für das Übertragen der Rolle des Lehrers auf einen Schüler, dessen Funktion darin besteht, meist Gleichaltrigen oder Jüngeren das Lernen zu erleichtern bzw. Hilfestellungen zum selbstständigen Lernen zu leisten.
Die in Deutschland lange Zeit nur sehr selten umgesetzte Idee des Einsatzes eines Schülers als lehrende Person wird in den letzten Jahren immer populärer. Auch unsere Schule hat sich vor etwa über einem Jahr dazu entschlossen und mit uns als Zugehörige der ersten Gruppe von Tutoren startete 2011 das Projekt LeyenHelp.
Unsere Facharbeit beschäftigt sich daher nicht nur mit dem theoretischen Modell „Schüler helfen Schülern“, sondern gewährleistet weiterführend einen Einblick in die Praxis anhand unserer Erfahrungen und Aufzeichnungen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.Theorie
1.1 Allgemeine Informationen zu Schüler-helfen-Schülern
1.1.1 Historischer Hintergrund
1.1.2 Kennzeichen
1.2 Argumente für Schüler-helfen-Schülern
1.3 Voraussetzungen
2. Praxis
2.1 Erwartungen der Beteiligten
2.1.1 Tutoren
2.1.2 Schüler
2.2 Gegenüberstellung LeyenHelp und Silentium
2.3 Rückblick: Haben sich die Erwartungen erfüllt?
2.3.1 Unsere Erwartungen
2.3.2 Rückmeldung eines Lehrers
2.3.3 Auswertung der anonymen Rückmeldebögen
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Facharbeit untersucht das theoretische Modell sowie die praktische Implementierung des Projekts „Schüler helfen Schülern“ (LeyenHelp) am Von der Leyen-Gymnasium, um das Potenzial dieses Konzepts für die schulische Förderung und das soziale Lernen zu bewerten.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen von Tutorenprogrammen
- Anforderungen an Organisation, Lehrkräfte und die teilnehmenden Schüler
- Vergleich zwischen schulinternen Förderstrukturen und bestehenden Modellen
- Analyse praktischer Erfahrungen aus der Sicht der beteiligten Tutoren
- Evaluierung von Lernerfolgen und sozialen Auswirkungen auf das Schulklima
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Historischer Hintergrund
Dass Jugendliche jüngere bzw. gleichaltrige Schüler bei schulischen Leistungen unterstützt haben, weist schon seit Jahrhunderten eine Tradition auf. Eine aufwändige Recherche für gesundheitliche Aufklärung ergab, dass schon in der Antike Jugendliche anderen Kindern ihr Wissen weiter gegeben haben1.Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand in England das „monitorial system“. Dabei übernahmen die sogenannten „monitors“, ausgesuchte Schüler, bestimmte Funktionen und halfen Schülern bei ihren Aufgaben2. Dieses System wurde erstmals unter Leitung von Quäker Joseph Lancaster 1806 öffentlich anerkannt.
Während der industriellen Revolution zeigten sich durch die Anwendung der Methode wirtschaftlich positive Auswirkungen. Aufgrund finanzieller Notlage sollten Schüler als Tutoren ausgebildetes Lehrpersonal ersetzen. Lancasters Methode beeinflusste sogar das internationale Bildungssystem. Trotzdem wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das „monitorial system“ zurück gestellt. Man kann diese Entwicklung mit der Erhöhung der dem Bildungswesen bereitgestellten finanziellen Mittel erklären3.
Erst Anfang der sechziger Jahre kam erneut das Konzept der Schüler helfen Schülern Organisation in den Vordergrund. Durch die aufkommende Kritik an den Bildungswesen und durch den zunehmenden Lehrermangel wurden andere Alternativen gesucht. Zunächst waren es Organisationen für sozial benachteiligte oder lernbehinderte Kinder.
In Deutschland gab es schon seit dem Mittelalter vorläufige Ansätze, bei denen Tutoren Schüler unterrichtet haben oder Helfer, die die Lehrer unterstützt haben4. Jedoch wurde der Einsatz von Lernhelfern in Deutschland nicht wirklich anerkannt. Nur selten wurden Schüler als Tutoren eingesetzt oder gar Organisationen gegründet. Derzeit wird dieses Lernprinzip immer häufiger auch in Deutschland eingesetzt. Viele Schulen bieten dieses Programm an oder integrieren es sogar in den regulären Unterricht, so beispielsweise an der Max-Brauer Schule in Hamburg5.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Theorie: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext von Peer-Tutoring-Systemen und definiert die zentralen Merkmale sowie die theoretischen Argumente, die für eine Integration in den Schulalltag sprechen.
2. Praxis: Im zweiten Teil werden die praktischen Erfahrungen mit dem Projekt LeyenHelp geschildert, Erwartungen der Beteiligten reflektiert, ein Vergleich zu bestehenden Modellen gezogen und der Projekterfolg mittels Befragungen evaluiert.
Schlüsselwörter
Schüler helfen Schülern, Tutoren, Lernhilfe, Peer-Education, Nachhilfe, Lernprozess, soziales Lernen, Leistungssteigerung, Schule, Bildungsbiografie, Didaktik, Tutorenausbildung, Selbstständiges Lernen, Schulklima, Lernförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept „Schüler helfen Schülern“ als Form des sozialen Lernens, bei dem Schüler die Rolle von Lehrenden übernehmen, um Gleichaltrige oder Jüngere bei ihrem Lernprozess zu unterstützen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen der historische Hintergrund solcher Tutorenmodelle, die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen in Schulen sowie die Analyse von praktischen Erfahrungen der Tutoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, das Modell LeyenHelp am Von der Leyen-Gymnasium zu evaluieren, die gesammelten Erfahrungen der Pioniergruppe darzulegen und Verbesserungsmöglichkeiten für die Zukunft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zum theoretischen Rahmen, die Dokumentation eigener Erfahrungen durch Portfolioberichte sowie eine empirische Auswertung anonymer Rückmeldebögen von teilnehmenden Schülern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt über die Vorteile und Voraussetzungen des Programms sowie einen umfangreichen Praxisteil, der die Erwartungen und Ergebnisse des Projekts LeyenHelp kritisch hinterfragt.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Die zentralen Begriffe sind Schüler helfen Schülern, Peer-Education, Lernhilfe, Tutoren und soziale Kompetenzen.
Welchen Stellenwert nimmt der Vergleich mit dem Projekt „Silentium“ ein?
Der Vergleich dient als Benchmarking, um durch die Analyse eines bereits etablierten Projekts Schwachstellen im eigenen, noch jungen LeyenHelp-Programm zu identifizieren und Optimierungspotenziale aufzuzeigen.
Welche Bedeutung haben die anonymen Rückmeldebögen für das Fazit?
Die Auswertung liefert eine quantitative Datenbasis, die zeigt, wie die Schüler den Erfolg der Nachhilfe, die Steigerung ihrer schulischen Leistungen und den Spaßfaktor bewerten, was die subjektiven Erfahrungen der Tutoren untermauert.
- Arbeit zitieren
- Sophie-Eileen Gierend (Autor:in), 2013, Projekt Schüler-helfen-Schülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213266