Soziale Schichtung und Bildung

Die Auswirkungen der sozialen Schichtung auf die Bildungschancen der Menschen seit der Bildungsexpansion in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

1. Einleitung

Der Begriff der sozialen Schichtung fand seine erste Anwendung bei Theodor Geiger. Er entwickelte und wandte ihn in seinem Modell der gesellschaftlichen Schichtung an. Zu dieser Zeit (in den 1930er Jahren) setzte er seinen Schichtbegriff entgegen das Marxsche Klassenmodell. Das Schichtungsmodell ist, soziologisch gesehen, sehr interessant, denn es erklärt die soziale Ungleichheit aus einem anderen Blickwinkel heraus.

Die Arbeit soll aufzeigen, inwiefern soziale Schichtung sich auf die Bildungschancen der Menschen ausübt. Dazu soll im Folgenden die soziale Schichtung erklärt werden. Doch zu Anfang nehme ich Bezug auf die soziale Differenzierung, denn aus ihr entwickelte sich der Begriff der sozialen Schichtung. Darauf folgt die Definition der sozialen Schichtung und der sozialen Mobilität, die mit der sozialen Schichtung zusammenhängt. Danach werde ich verschiedene Formen der Schichtung aufzeigen. Einen weiteren Punkt nehmen die verschiedene Schichtungsmodelle und Schichtungsgefüge unterschiedlicher sozialer Theoretiker ein, die kurz erläutert werden sollen. Dabei liegt mein Fokus auf dem Schichtungsmodell von Theodor Geiger. Anbei werden die Charakteristika der Schichtungsmodelle zusammengefasst und aufgezeigt, um so einen Einstieg in meine Fragestellung zu gewährleisten.

2. Soziale Differenzierung und soziale Schichtung

Menschliche Ungleichheiten beruhen zum Teil auf den biologischen Unterschieden, die man auch in sozialer Hinsicht unterscheiden kann. Alle Gesellschaften bedienen sich dieser Ungleichheiten als Bausteine gesellschaftlicher Strukturen. Dies ist die Basis verschiedener gesellschaftlicher Positionen und verschiedener sozialer Funktionen.

Unter sozialer Differenzierung wird eine Differenzierung der Positionen, Rollen und Funktionen verstanden. Eine funktionelle Differenzierung wird durch die Kultur bewirkt. Dabei zeichnet sich die Gesellschaft durch arbeitsteilige Spezialisierung und Verteilung der Rollen und Funktionen aus. Menschen werden durch kulturelle Mittel veranlasst, die nötigen Positionen einzunehmen und die entsprechenden Kenntnisse zu erwerben. Dadurch können sie die dazugehörigen Rollen spielen.

Die Methode dabei kennzeichnet sich durch die unterschiedliche Bewertung der Positionen aus. Positionen, die für die Wohlfahrt der Gesellschaft wichtig sind, werden höher bewertet, als Positionen, die nur durchschnittliche Anforderungen stellen. Diese unterschiedliche Bewertung von Positionen ist ein unerlässliches Element der Gesellschaftsstruktur. Daher gibt es keine Gesellschaft ohne eine funktionale Differenzierung und es gibt keine Differenzierung ohne unterschiedliche Bewertung. Aus dieser unterschiedlichen Bewertung von verschiedenen Positionen entwickelt sich eine systematische Rangordnung von über- und untergeordneten Positionen, sozusagen eine Hierarchie von Positionen, die zur sozialen Sichtung führt.

Die Schicht ist ein Begriff der Makrosoziologie und demnach werden Gesellschaften als geschichtete Gesellschaften betrachtet. Ziel ist es die Gesamtbevölkerung einer Gesellschaft in verschieden Gruppierungen – ‚die Schichten’ – zu untergliedern, die sich im Hinblick auf ihre Lebenslagen und den damit zusammenhängenden Chancen unterschieden. Dabei wird meistens eine vertikale Ordnung, bei der die Schichten übereinander liegen, angewandt. Sie unterscheiden sich nicht nur der Art, sondern auch dem Rang nach.

„Als eine Schicht wird eine Anzahl von Personen betrachtet, die Positionen einnehmen, welche ungefähr als gleichwertig betrachtet werden.“ (Mayer, Kurt B.; Buckley, Walter: Soziale Schichtung. Eine Einführung. Stuttgart. 1976. S. 2). Eine andere Definition beschreibt soziale Schichtung folgendermaßen: „Soziale Schichtung bedeutet […] eine Rangordnung oder hierarchische Ordnung einer Gesellschaft, wonach Personen, Familien und/oder Bevölkerungsteile einer sozialen Einheit in ihren jeweiligen Positionen aufgrund eines oder mehrerer Bewertungskriterien sozial höher oder niedriger, angesehener oder unmaßgeblicher eingestuft werden.“ (Wallner, Ernst M., Funke – Schmitt – Rink, Margret: Soziale Schichtung und soziale Mobilität. Heidelberg. 1980. S. 13). Dennoch können nicht alle gesellschaftlichen Positionen in diese systematische Rangordnung einbezogen werden und als Basis für soziale Schichtung dienen. Deshalb wird zwischen nicht geschichteten und geschichteten Positionen unterschieden, die zum Teil mit der Familie zusammenhängen. Der Grund liegt in der Rolle, welche die Familie in der gesellschaftlichen Ranordnung spielt. Demnach muss die Familie den gleichen sozialen Rang haben. Nun wird die soziale Schicht definiert als Familien, die in einer hierarchischen Rangordnung auf der gleichen Stufe stehen. Diese unterschiedliche Wertschätzung bringt Privilegien, Rechte und Einkommen mit sich, welche sich nun in eine Differenzierung der Lebenslage und Lebensführung aufzeigen.

Deswegen ist die Herrschaftsordnung auch streng mit der sozialen Schichtung verbunden, sie verleiht Autorität und Macht.

2.1. Soziale Mobilität

Soziale Mobilität bezeichnet „die Beweglichkeit, d.h. die denkbare Möglichkeit für Personen, Familien oder Bevölkerungskategorien, ihre jeweilige Position zu verändern, sei es einen ‚bewertbaren’ [sic!] Auf- oder Abstieg zu erfahren (vertikale Mobilität), sei es in eine andere Position mit gleich bleibenden Standortwert überzuwechseln (horizontale Mobilität).“ (Wallner, Ernst M., Funke – Schmitt – Rink, Margret: Soziale Schichtung und soziale Mobilität. Heidelberg. 1980. S. 13). Grob gesagt ist es die Bewegung von Personen aus einer gesellschaftlichen Position in eine andere gesellschaftliche Position. Hier wird eine Unterscheidung zwischen horizontaler und vertikaler Mobilität vorgenommen. Horizontale Mobilität beschreibt z. B. die Berufs- und Arbeitsmobilität, während die vertikale Mobilität den Positionswechsel, die Statusveränderung im Sinne eines sozialen Auf- und Abstiegs bedeutet.

2.2. Die Hauptformen der Schichtung: Kasten, Stände, Klassen

Soziale Schichtungen variieren von Gesellschaft zu Gesellschaft und es ergeben sich immer wieder erhebliche Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft. „Soziale Schichtung liegt vor, wenn soziale Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft transparent wird als unter- und überordnende Rangfolge von Bevölkerungskategorien in höher oder niedriger bewerteten Positionen und mit unterschiedlichen Status.“ (Wallner, Ernst M., Funke – Schmitt – Rink, Margret: Soziale Schichtung und soziale Mobilität. Heidelberg. 1980. S. 16). Auch hier gleicht es einer Hierarchie ungleicher Positionen, die aufgrund von Macht, Eigentum, sozialer Wertschätzung und/oder psychischer Belohnung in die sozialen Gruppen eingeordnet werden. Somit geht es um eine soziale Rangordnung und der Begriff kann alle Hauptformen der sozialen Schichtung abdecken. Als soziale Schichtungsformen werden folgende Systeme bezeichnet: das Kastensystem, die Ständeordnung und das Klassensystem.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Soziale Schichtung und Bildung
Untertitel
Die Auswirkungen der sozialen Schichtung auf die Bildungschancen der Menschen seit der Bildungsexpansion in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Soziologie)
Veranstaltung
Die Unterschicht - Die gesellschaftliche Reproduktion sozialer Ungleichheit
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V213502
ISBN (eBook)
9783656416586
ISBN (Buch)
9783656417132
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schichtung, Bildungschancen, Bildungsexpansion, Deutschland, Differenzierung, Mobilität, Kasten, Stände, Klassen, Schichtmodelle, Schichtgefüge, Theodor Geiger, sozial
Arbeit zitieren
Sarah Christ (Autor), 2012, Soziale Schichtung und Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213502

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