Integration asiatischer Managementmethoden in die Kostenplanung mittelständischer Unternehmen in Mitteleuropa


Diplomarbeit, 2012

74 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen
2.1 Die Drei-Sektoren-Theorie
2.1.1 Primärer Sektor
2.1.2 Sekundärer Sektor
2.1.3 Tertiärer Sektor
2.1.4 Quartärer und quintärer Sektor
2.2 Veränderungen am Arbeitsmarkt
2.2.1 Prüfung der Drei-Sektoren-Theorie
2.2.2 Einfluss von Verlagerungsaktivitäten
2.2.3 Demografische Entwicklung
2.3 Entwicklung der Wertschöpfung
2.4 Die Kostendifferenz zum Ausland
2.4.1 Produktionsfaktor Arbeit
2.4.2 Transportlogistik
2.4.3 Zugang zu Rohstoffen
2.4.4 Umweltaspekte
2.5 Die China-AG
2.5.1 Historische Entwicklung
2.5.2 Das politische System Chinas
2.5.3 Wirtschaftliche Entwicklung
2.5.4 Expansion im Ausland

3 Bedeutung der Arbeit in der Kultur
3.1 Entstehung der Arbeitsteilung
3.2 Philosophische Hintergründe
3.2.1 Der westliche Kulturkreis
3.2.2 Der asiatische Kulturkreis
3.3 Das Lernen in der Kultur
3.4 Qualitätsverständnis im Unternehmen

4 Methoden in der Produktgestaltung
4.1 Das japanische Keiretsu-System
4.2 Traditionelle Kostenplanung
4.3 Total Quality Management
4.4 Kanban
4.5 Kaizen
4.6 Poka Yoke
4.7 Wertanalyse
4.8 Target Costing
4.9 Kano Modell
4.10 Benchmarking
4.11 Quality Function Deployment (QFD)
4.12 Six Sigma

5 Integrationsansatz in der Praxis
5.1 Das Qualitätsmanagementsystem ISO 9000ff
5.2 Anpassung an die wirtschaftlichen Veränderungen
5.3 Kostenplanung ergänzend zum QMS
5.3.1 Unternehmensinterne Kostenoptimierung
5.3.2 Zusammenarbeit mit Lieferanten
5.3.3 Die Optimierung der Wertschöpfungskette

6 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Gesetze und Rechtsverordnungen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren

Abb. 2.2: Sektorale Verteilung der Beschäftigung

Abb. 2.3: Abhängigkeit der Arbeitsplätze

Abb. 2.4: Verlagerung nach Branchen in Deutschland

Abb. 2.5: Zahl freier IT-Jobs in der Gesamtwirtschaft

Abb. 2.6: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

Abb. 2.7: Altersspezifische Erwerbstätigenquote

Abb. 2.8: Bevölkerungspyramide in Schwellenländern

Abb. 2.9: Beziehung zwischen Einkommens- und Produktivitätsentwicklung

Abb. 2.10: Unterschiedliche Leistungsfähigkeit im Alter

Abb. 2.11: Absinken der Wertschöpfungstiefe

Abb. 2.12: Bruttowertschöpfung der Welt nach Wirtschaftssektoren

Abb. 2.13: Lohnkostendifferenz zum Ausland

Abb. 2.14: Entwicklung des seewärtigen Welthandelsvolumens

Abb. 2.15: Anteile der Verkehrsträger im Güterverkehr in der EU 2004

Abb. 2.16: Vereinfachte Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie

Abb. 2.17: Integrierte Produktpolitik der EU

Abb. 2.18: BIP pro Kopf 2003-2013

Abb. 2.19: Entwicklung chinesischer Exporte und Währungsreserven

Abb. 2.20: Wechselkursschwankungen 2002-2012

Abb. 2.21: Chinesische Direktinvestitionen 1990-2008

Abb. 2.22: Sektorale Verteilung chinesischer Direktinvestitionen

Abb. 3.1: Bedürfnishierarchie nach Maslow

Abb. 4.1: Wertschöpfungspyramide in der Automobilindustrie

Abb. 4.2: Elemente des Toyota Produktionssystems

Abb. 4.3: Preisgestaltungsinstrumente in der Automobilzulieferindustrie

Abb. 4.4: vom Listenpreis zu den Selbstkosten

Abb. 4.5: Kostenrechnung im Unternehmen

Abb. 4.6: Der PDCA Zyklus des KVP

Abb. 4.7: Poka Yoke Beispiel zur eindeutigen Ausrichtung einer Abdeckung

Abb. 4.8: Gliederungskriterien von Funktionen

Abb. 4.9: Funktionskostenmatrix

Abb. 4.10:Zielkostenkontrolldiagramm

Abb. 4.11: Kano-Modell

Abb. 4.12: House of Quality Kaskade mit Qualitätstableaus

Abb. 4.13: System mit Variation

Abb. 4.14: Standardabweichung mit Mittelwertverschiebung bei Six Sigma

Abb. 4.15: Zusammenhang zwischen Komplexität und Prozessausbeute

Abb. 4.16: Phasen und Inhalte des DMAIC Zyklus

Abb. 4.17: Six Sigma und QFD in Verbindung anderer Methoden

Abb. 5.1: erweitertes, prozessbasiertes QMS-Modell der ISO 9004

Abb. 5.2: Schema der Dokumentation in einem QMS

Abb. 5.3: Zulieferintegration beim Target Costing

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2.1: Hauptergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik

Tabelle 2.2: Anteil des jeweiligen Warentyps am EU Außenhandel 2005

Tabelle 2.3: Außenhandel der EU 2004 nach Verkehrsträger

Tabelle 5.1: Top 10 Staaten nach ISO 9001 Zertifikaten

Tabelle 5.2: Top 10 Staaten nach Wachstum an ISO 9001 Zertifikaten

1 Einleitung

Der Wettbewerbsdruck nimmt durch die immer stärkere Globalisierung auf die Unternehmen zu. Während Mitte des vorigen Jahrhunderts die europäischen Unternehmen noch die Preise bestimmen konnten, weil die Nachfrage nach Gütern noch größer war als die Produktion, wandelte sich der Markt in den siebziger und achtziger Jahren zunehmend zum Käufermarkt. Das führte dazu, dass immer mehr auf die Kosten der Leistungserstellung geachtet werden musste.

Unternehmen in Japan haben dies schon in den sechziger Jahren erkannt und Methoden entwickelt, um bereits in der Produktentstehung die Kosten zu beeinflussen und unter definierten Randbedingungen Eigenschaften und Qualität an die Kundenwünsche anzupassen. Durch die erarbeiteten Kostenvorteile konnten japanische Anbieter trotz der Nachteile durch Zölle und Transport ihre Produkte am europäischen und amerikanischen Markt zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Neben der nachlassenden Nachfrage und dem zunehmenden Wettbewerb unter lokalen Anbietern hat dies die Marktsituation nochmals verschärft. Zuerst waren es japanische Unternehmen, hauptsächlich in der Automobilbranche, die trotz ähnlicher Lohnkosten durch ihre Methoden zur Kostensenkung deutlich günstiger anbieten konnten. Heute betrifft es die meisten Bereiche der Massenfertigung, hauptsächlich elektronische Geräte, Kunststofferzeugnisse und Textilien, die zu günstigeren Konditionen in Südostasien produziert werden.

Zu den einzelnen Methoden existiert viel an fachspezifischer Literatur, die jeweils die behandelte Arbeitsweise als ultimative Lösung von Kosten- und Qualitätsfragen anpreist. Man muss jedoch je nach Situation untersuchen, ob sich eine Vorgehensweise für das Vorhaben eignet, oder ob eine Kombination aus mehreren Methoden nicht zielführender wäre. Vielfach wird in der Literatur nicht berücksichtigt, dass sich Modelle aus Japan nicht ohne Modifikation auf westliche Unternehmen übertragen lassen. Zu unterschiedlich sind Organisationsstrukturen und vor allem die kulturellen Voraussetzungen aus der Geschichte zwischen Asien und Europa bzw. Nordamerika. Zudem sind die Methoden großteils in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, getrieben durch Ressourcenknappheit, in Großunternehmen der Automobilindustrie entstanden, womit sich Methoden auch nicht unbedingt für kleine und mittlere Unternehmen beliebiger Branchen in heutiger Zeit eignen müssen.

In den letzten zehn Jahren spielt im produzierenden Bereich der „China Faktor“ die größte Rolle, die Verlagerung der manuellen Produktionstätigkeiten zu Gunsten von geringeren Faktorpreisen scheint für westliche, aber auch für japanische Unternehmen der große Wettbewerbsvorteil zu sein. Man darf jedoch China keineswegs als rückständiges Entwicklungsland sehen, welches auf lange Sicht sein vergleichsweise niedriges Lohnniveau halten wird. Viel mehr entwickelt sich die Wirtschaft mit ihren Sektoren ähnlich wie jene in Europa nach dem zweiten Weltkrieg, getrieben durch die konsequente Wachstumspolitik der Regierung jedoch weitaus schneller. Nicht nur dadurch, sondern auch durch viele volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen ist abzusehen, dass ein Teil der Produktion wieder nach Europa zurückkehren wird, zum Teil unterstützt auch die Expansion asiatischer Unternehmen die Entwicklung im Westen.

In dieser Arbeit werden zunächst die volkswirtschaftlichen Entwicklungen und Trends betrachtet, um zu beleuchten, in welchem Umfeld sich Unternehmen in Europa heute befinden und mit welchen Trends in Zukunft zu rechnen ist. Im folgenden Kapitel wird die geschichtliche Entstehung der über Jahrhunderte gewachsenen gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen in Europa und Asien betrachtet, die die Organisationsformen der Gegenwart geprägt haben. Darauf aufbauend wird die Entwicklung der heute gebräuchlichen Managementansätze behandelt, die in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg entstanden sind und den Inhalt der gegenwärtigen wirtschaftswissenschaftlichen Literatur hinsichtlich der Produktionsprozesse in Unternehmen widerspiegelt. Im Praxisteil wird untersucht, wie sich diese Managementansätze unter Berücksichtigung zukünftiger Trends und der kulturellen Gegebenheiten in mittelständischen Produktionsunternehmen in Mitteleuropa umsetzen lassen.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird anhand statistischer Daten aus Österreich erläutert und mit Studien aus Deutschland ergänzt. Dabei wird angenommen, dass die Daten von Österreich und Deutschland aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen und ähnlicher Entwicklung seit dem zweiten Weltkrieg vergleichbar sind.

2 Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen

2.1 Die Drei-Sektoren-Theorie

Gemäß der Drei-Sektoren-Theorie nach A. G. B. Fisher, C. Clark und J. Fourastié lässt sich die gesamte Produktion der Volkswirtschaft in den primären, sekundären und tertiären Sektor unterteilen (vgl. Pohl 1970: 313). Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit einer Volkswirtschaft verlagert sich vom primären Sektor (Rohstoffgewinnung) über den sekundären Sektor (Rohstoffverarbeitung) zum tertiären Sektor (Dienstleistung) als dominierendem Erwerbsanteil am Gesamteinkommen (vgl. Burr u.a. 2006: 35, s. Abb. 2.1). Die Theorie erwartet (Anmerkung: 1954), dass bei anhaltender Produktivitätssteigerung in der industriellen Fertigung in Zukunft vier Fünftel der Wirtschaftsleistung durch Dienstleistungen erwirtschaftet werden (vgl. Wolff 1990: 63).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren

Quelle: eigene Grafik nach Daten der Statistik Austria, URL: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/volkswirtschaftliche_gesamtrechnungen/
bruttoinlandsprodukt_und_hauptaggregate/jahresdaten/019715.html [Stand: 13.07.2012]

2.1.1 Primärer Sektor

Charakterisiert wird der primäre Sektor (Land- und Forstwirtschaft) in der Herstellung lebensnotwendiger Güter mit mittelmäßigem technischen Fortschritt und Dominanz des Faktors Boden in der Produktion. In Volkswirtschaften mit einem Pro-Kopf-Einkommen nahe dem Existenzminimum ist die Bevölkerung zum Großteil in diesem Sektor tätig (vgl. Pohl 1970: 614) und produziert für den Eigenbedarf. Bei steigendem Einkommen werden zwar höherwertige Nahrungsmittel nachgefragt, jedoch ist eine Steigerung der Produktion nur eingeschränkt möglich und durch die „Kapazität des menschlichen Magens“ begrenzt (vgl. Pohl 1970:322). Eine Steigerung der Produktivität ist durch Einsatz des Faktors Kapital und Spezialisierung in der Produktion möglich, was jedoch zu einer weit über die Nachfrage hinausgehenden Produktion führen würde (vgl. Pohl 1970: 323), die Folge ist die Freisetzung des Faktors Arbeit. In klimatisch begünstigten Ländern kann es trotz hohem Entwicklungsstandard einen großen primären Sektor geben, wenn die Möglichkeit zum Export gegeben ist (vgl. Pohl 1970: 321).

2.1.2 Sekundärer Sektor

Im Gegensatz zum primären Sektor werden im sekundären Sektor (verarbeitendes Gewerbe und Industrie) nicht lebensnotwendige Güter mit starkem technischen Fortschritt und Dominanz des Faktors Kapital hergestellt (vgl. Pohl 1970: 314). Umstritten ist die Klassifizierung der Gewinnung von Bodenschätzen (vgl. Pohl 1970: 315), je nach Faktoreinsatz (Arbeit, Kapital) erfolgt eine Zurechnung zum primären oder sekundären Sektor. Der sekundäre Sektor wird durch den Beginn der wirtschaftlichen Verwertung von Erfindungen ermöglicht, ein hoher technischer Fortschritt erlaubt die laufende Erzeugung neuer Produkte (vgl. Pohl 1970: 323). Eine Steigerung der Produktivität und Substitution des knapp werdenden Faktors Arbeit ist durch den Faktor Kapital möglich (vgl. Pohl 1970: 319). Diese Steigerung erzeugt die Nachfrage nach Kapitalgütern, die für technische Fortschritte in Produktionsverfahren nötig sind, je größer die Möglichkeiten der Kapitalintensivierung sind (vgl. Pohl 1970: 324). Auch in diesem Sektor kommt es zu einer Sättigung, die jedoch aufgrund von Ersatzbedarf nach Ende der Lebensdauer bzw. auch durch geplante Überalterung (s. Wilkens 2012) die Nachfrage erhöht.

2.1.3 Tertiärer Sektor

Ebenso wie im sekundären Sektor entstehen im tertiären Sektor (Dienstleistungen) nicht lebensnotwendige, vornehmlich immaterielle Güter mit geringem technischen Fortschritt und Dominanz des Faktors Arbeit. Die Produktivität wird durch die geistigen Kapazitäten begrenzt (vgl. Pohl 1970: 315). Der tertiäre Sektor wird in einen produktions- und einen einkommensabhängigen Bereich unterteilt. Durch Ausbau der Tauschwirtschaft mit primären und sekundären Produkten werden Dienstleistungen im Bereich Handel, Transport, Verkehr und Nachrichten nachgefragt. Dieser produktionsabhängige Bereich ist in seinem möglichen Wachstum an die anderen Sektoren gekoppelt (vgl. Pohl 1970: 324) und wird nur indirekt durch Einkommenssteigerungen beeinflusst. Im Gegensatz dazu steht der einkommensabhängige Bereich. Steigendes Einkommen und mehr Freizeit führen zu mehr Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich Freizeit, Tourismus, Unterhaltung, sowie häuslichen- und persönlichen Diensten (vgl. Pohl 1970: 315). Eine Produktivitätssteigerung im einkommensabhängigen tertiären Bereich ist wegen der wenig gleichförmigen Nachfrage (vgl. Pohl 1970: 325), mangelnder Lagerfähigkeit und dem örtlichen Bezug der Leistungserbringung nur schwer möglich (vgl. Pohl 1970: 318). Allerdings werden einzelne Funktionen durch Güter aus dem sekundären Sektor substituiert, z.B. Dienstleistungen durch Haushaltsmaschinen oder Reparaturleistungen durch günstige Neuprodukte (vgl. Pohl 1970: 320). Im produktionsabhängigen Bereich ergibt sich eine Produktivitätssteigerung durch EDV-Einsatz (vgl. Pohl 1970:320f), speziell durch die Entwicklung von Anlagen und Programmen für standardisierte Leistungen (vgl. Pohl 1970: 325). Durch sinkende Wertschöpfung (s. 2.3) und vermehrten EDV-Einsatz im primären und sekundären Sektor entsteht jedoch eine Vielzahl von tertiären Berufen wie z.B. im Bereich Forschung und Entwicklung, Kundenberatung (vgl. Pohl 1970: 315), wie auch distributive Aufgaben im Bereich Ein- und Verkauf, Verwaltung und die Notwendigkeit von ordnenden Funktionen in Organisation und Unternehmensführung (vgl. Wolff 1990: 67).

2.1.4 Quartärer und quintärer Sektor

In der Literatur werden noch zwei weitere Sektoren erwähnt, die jedoch in den Wirtschaftsstatistiken keine Verbreitung gefunden haben.

Im quartären Sektor werden Informationsberufe aus den anderen Sektoren zusammengefasst (vgl. Wolff 1990, 64), im weiteren Sinne auch Dienste im Bereich Handel, Finanzierung, Versicherung, Immobilien, sowie politisch regulierte (staatliche) Dienstleistungen (vgl. Ulrich 1984: 24).

Der Begriff Quintärsektor wird schließlich für Dienste im Bereich Gesundheit, Erholung, Bildung und Forschung verwendet (vgl. Ulrich 1984: 24).

Beide Sektoren werden üblicherweise dem tertiären Sektor zugerechnet.

2.2 Veränderungen am Arbeitsmarkt

2.2.1 Prüfung der Drei-Sektoren-Theorie

Anhand statistischer Daten für Österreich ist zu prüfen, ob die Theorie aus dem Jahr 1954 zum heutigen Stand Gültigkeit hat und welche weitere Entwicklung zu erwarten ist. Abb. 2.1 zeigt die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts seit 1976. Der primäre Sektor ist im betrachteten Zeitraum in absoluten Zahlen praktisch gleich geblieben, der relative Anteil sinkt. Die sekundären und tertiären Sektoren zeigen ein deutliches Wachstum, wobei der relative Anteil im sekundären Sektor sinkt. Wie in der Drei-Sektoren-Theorie beschrieben steigt der tertiäre Sektor zu den anderen Sektoren relativ stark an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2: Sektorale Verteilung der Beschäftigung

Quelle: eigene Grafik nach Daten der WKO, URL:
http://wko.at/statistik/Extranet/Langzeit/Lang-Beschaeftigtenstruktur.pdf [Stand: 25.04.2012]

Hinsichtlich der Beschäftigung sinken der primäre und der sekundäre Sektor absolut wie auch relativ, der tertiäre Sektor verzeichnet einen starken Anstieg der Beschäftigung (s. Abb. 2.2). Gemäß der Drei-Sektoren-Theorie ist die Wandlung zur Dienstleistungsgesellschaft in Österreich bereits vollzogen, da die ersten beiden Sektoren rückläufig sind.

2.2.2 Einfluss von Verlagerungsaktivitäten

Im primären Sektor wird lokale Produktion zwar durch Importe substituiert, den größten Rückgang der Beschäftigung verzeichnet jedoch mit einem Anteil von 70% der sekundäre Sektor im Bereich der industriellen Produktion (vgl. VBM u.a. 2005: 7). Nach der Drei-Sektoren-Theorie (s. 2.1) verschiebt sich der Beschäftigungsanteil vom sekundären zum tertiären Sektor, die freigesetzten Arbeitskräfte im sekundären Sektor werden durch steigende Nachfrage nach Dienstleistungen im tertiären Sektor aufgenommen (vgl. Pohl 1970: 314).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3: Abhängigkeit der Arbeitsplätze

Quelle: VBM u.a. 2005: 5

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen im industriellen Bereich hat neben den direkten Auswirkungen einen großen Einfluss auf die Beschäftigung anderer Bereiche der Wirtschaft (s. Abb. 2.3 für die Situation in Deutschland 2005). Eine Veränderung der Anzahl der insgesamt 3,5 Millionen Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie beeinflusst mehr als 5,3 Millionen Stellen in anderen Wirtschaftszweigen. Auf Österreich umgelegt beeinflussen 266.000 Stellen (s. Statistik Austria 2012) 400.000 Stellen in anderen Industriezweigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.4: Verlagerung nach Branchen in Deutschland

Quelle: VBM u.a. 2005: 9

Verlagerte Stellen müssen vom Dienstleistungssektor aufgefangen werden, doch sind gerade Dienstleistungen zunehmend ein Ziel von Verlagerungen (s. VBM u.a. 2005: 9. Abb. 2.4). Verlagerungen betreffen in erster Linie produktionsabhängige Dienstleistungen, die einen stark standardisierten Charakter haben, aber auch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Die Motive sind neben Personalkosten vorrangig Kapazitätsengpässe aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal (vgl. Kinkel u.a. 2008: 31). In dieser Hinsicht ist nur der einkommensabhängige tertiäre Sektor in der Lage die freigesetzten Arbeitskräfte aufzufangen, wenn nicht in die Ausbildung der Bevölkerung investiert wird (vgl. VBM u.a. 2005: 14).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.5: Zahl freier IT-Jobs in der Gesamtwirtschaft

Quelle: Bitkom 2012

In Deutschland fehlen trotz einer Arbeitslosenquote von 6,5% (s. Bundesagentur für Arbeit 2012) aktuell 43.000 IT Fachkräfte (s. Abb. 2.5). Selbst im Krisenjahr 2009 gab es einen Fachkräftemangel. Dem Bedarf steht jedoch nur eine geschätzte Absolventenquote im Studienfach Informatik von 25.000 gegenüber (s. Bitkom 2012). Verlagerungen im IT-Bereich erfolgen zumeist nach Indien, hier gibt es eine gut ausgebildete IT-Elite (vgl. Wildemann 2009b: 2). Durch die hohe Nachfrage an Fachkräften gibt es jedoch eine hohe Fluktuation (vgl. Wildemann 2009b: 5) und stark steigende Löhne (vgl. Wildemann 2009b: 1), was Verlagerungen zunehmend unattraktiv macht. Nicht nur im IT-Bereich besteht eine immer größere Nachfrage an gut ausgebildetem Personal, kaum Bedarf besteht jedoch an ungelernten Mitarbeitern (vgl. Kerber 2008: 92), die im sekundären Sektor freigesetzt werden.

2.2.3 Demografische Entwicklung

Die Altersstruktur in Mitteleuropa weicht mittlerweile deutlich von der klassischen Alterspyramide ab (s. Abb. 2.6). Dies gilt analog für Österreich (s. Statistik Austria 2012b). Während 1910 der Bevölkerungsanteil mit steigendem Alter kontinuierlich abnahm geht der Trend hin zu einem höheren Durchschnittsalter. Die aktuelle, inhomogene Verteilung ist noch geprägt von den Geburtenrückgängen der beiden Weltkriege und der Wirtschaftskrise von 1930, sowie dem Baby-Boom der NS-Zeit und Mitte der sechziger Jahre. Mitte der siebziger Jahre begann der noch anhaltende Geburtenrückgang.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.6: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

Quelle: Sachverständigenrat 2011: 28

Vor allem höher qualifizierte Angestellte stellen die Familienplanung gegenüber der Kariere zurück, die Anforderungen am Arbeitsmarkt (s. 2.2.2) werden in Zukunft diesen Trend verstärken. Dies führt in weiterer Folge zu einem Rückgang an potentiellen Müttern (vgl. Sachverständigenrat 2011: 32).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.7: Altersspezifische Erwerbstätigenquote

Quelle: Statistik Austria 2012a: 48

Laut Prognose liegt zukünftig der größte Bevölkerungsanteil bei ca. 70 Jahren, wobei heute weniger als 10% der Bevölkerung über 65 Jahre noch erwerbstätig ist (s. Abb. 2.7). Um das Pensionssystem aufrecht zu erhalten, müssen die Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess gehalten werden (vgl. Androsch 2012).

In Entwicklungs- und Schwellenländern, die primäres Ziel von lohnkostenbedingten Verlagerungsaktivitäten sind (vgl. VBM u.a. 2005: 10) gleicht die Bevölkerungspyramide (s. Abb. 2.8, links) jener von Deutschland aus dem Jahr 1910 (s. Abb. 2.6). Ausnahme ist China, durch die staatliche Geburtenkontrolle (vgl. Pierk 2012) nähert sich die Bevölkerungsentwicklung jener von Mitteleuropa an (s. Abb. 2.8, rechts).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.8: Bevölkerungspyramide in Schwellenländern

Quelle: eigene Auswertung für 2012 aus United States Census Bureau, URL: http://www.census.gov/population/international/data/idb/informationGateway.php

In den Industrieländern wie in Europa, Japan und den USA ist es üblich, dass die Höhe des Einkommens von Bildungsgrad, Alter, Rang und Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig ist (s. Abb. 2.9, vgl. Dirks 1996: 340).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.9: Beziehung zwischen Einkommens- und Produktivitätsentwicklung

Quelle: Dirks 1996: 341

Dies ist in Tarifverträgen (D), Kollektivverträgen (A), sowie im „Collective bargaining“ bzw. „Collective agreement“ (USA, Kanada) geregelt. Die Produktivität der Mitarbeiter hingegen ist im Durchschnitt beim Berufseintritt am geringsten (Feld I), da das Unternehmen zunächst in die Ausbildung investieren muss (vgl. Dirks 1996: 340), erreicht zur Mitte des Berufslebens ihr Maximum (Feld II) und fällt zum Pensionsantritt hin wieder ab (s. Abb. 2.9, Feld III).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.10: Unterschiedliche Leistungsfähigkeit im Alter

Quelle: prognos 2008: 25

Die Produktivität über das Berufsleben ergibt sich aus der Summe einzelner Faktoren (s. Abb. 2.10). Während die körperliche Arbeitsfähigkeit stark abnimmt, nimmt das Erfahrungswissen mit steigendem Alter zu, die spezifischen Stärken zeigen sich insbesondere in strategischem Denken, überlegtem Handeln, ganzheitlichem Verständnis, hohem Verantwortungsbewusstsein und differenziertem Sprachgebrauch. Die Herausforderung einer altersgerechten Personalpolitik in den Unternehmen ist, die abnehmende Leistungsfähigkeit zu kompensieren und die spezifischen Kompetenzen der Arbeitnehmer zu nutzen (vgl. prognos2008: 26). Die Kompetenzen können für die komplexen Steuerungs- und Führungsfunktionen, die die Verschiebung von sekundären zu tertiären Aufgaben in den Unternehmen erfordern, hilfreich sein. Speziell im Handel ist die Erfahrung von Vorteil, die Kundenschichten unterliegen den selben demografischen Wandel, weshalb hier ältere Verkäufer ein Wettbewerbsvorteil sein können (vgl. Staudacher 2012).

2.3 Entwicklung der Wertschöpfung

Europa ist nach wie vor neben Nordamerika und Japan eine der wirtschaftlich stärksten Regionen der Welt. Trotz Verlagerungsaktivitäten in vielen Industriebereichen mit dem Ziel der Senkung der Herstellkosten (s. VBM u.a. 2005: 6) gibt es dennoch Wertschöpfung im Inland. Am Beispiel Österreich ist in der Gütereinsatzstatistik (s. Statistik Austria 2011) des produzierenden Bereichs zu sehen, welchen Anteil Zukäufe am Produktionswert (ausgesuchte Bereiche mit einer wirtschaftlichen Gesamtproduktion > 1 Mrd €) haben:

- Energieversorgung:
- Bauwesen: ca. 16,5%
- Herstellung von Bauelementen, Halbzeug, Maschinen: ca. 45%
- Schienenfahrzeugbau, KFZ Zulieferung: ca. 52%
- Herstellung von KFZ und landwirtschaftlichen Maschinen: ca. 64%

Im Durchschnitt beträgt der Gütereinsatz 36,2% (s. Statistik Austria 2011). Die Aufstellung oben zeigt, dass die Zukaufanteile bei Investitionsgütern besonders hoch sind. Charakteristisch hier sind lange Wertschöpfungsketten und noch geringer Dienstleistungsanteil in der Werterstellung.

Tabelle 2.1: Hauptergebnisse der Leistungs- und Strukturstatistik

Quelle: Statistik Austria 2012

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dem gegenüber steht die Bruttowertschöpfung aus der Leistungs- und Strukturstatistik (s. Statistik Austria 2012), die für das Jahr 2010 rund 42% der Produktionswerte beträgt (s. Tabelle 2.1). Den höchsten Wertschöpfungsanteil haben Dienstleistungen, der in dieser Arbeit betrachtete Sektor, Herstellung von Waren, nur mehr ca. 30% (s. Tabelle 2.1). Die Vergleichswerte aus dem Jahr 2005 sind 44% für die Bruttowertschöpfung bezogen auf den Produktionswert bzw. knapp 28% bezogen auf die Umsätze (s. Statistik Austria 2012).

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Details

Titel
Integration asiatischer Managementmethoden in die Kostenplanung mittelständischer Unternehmen in Mitteleuropa
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
74
Katalognummer
V213550
ISBN (eBook)
9783656418047
ISBN (Buch)
9783656418818
Dateigröße
7719 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integration, managementmethoden, kostenplanung, unternehmen, mitteleuropa
Arbeit zitieren
Ing Thomas Modliba (Autor), 2012, Integration asiatischer Managementmethoden in die Kostenplanung mittelständischer Unternehmen in Mitteleuropa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213550

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