Das Strafvollzugsgesetz besagt, dass den Insassen des Strafvollzugs Freizeitbeschäftigungen ermöglicht werden müssen (vgl. §67 StVollzG). Diese sollten entsprechend dem Ziel einer nachhaltigen Resozialisierung (vgl. §2 StVollzG) möglichst so gestaltet sein, dass sie den „schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges [...] entgegenwirken“ und helfen, „sich in das Leben in Freiheit einzugliedern“ (§3 StVollzG). Diese Arbeit behandelt die therapeutischen Möglichkeiten künstlerischer Tätigkeiten im Strafvollzug, wie sie bereits ihren Einsatz in psychiatrischen Institutionen und einigen Haftanstalten finden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Einbettung des Nachhaltigkeitsbegriffes
2.1 Nachhaltigkeit im Begriff des Freiheitsentzuges
2.2 Kunst im nachhaltigen Kontext
3 Bondys und Herrmanns „Erziehung zur Freude“
4 Das Ästhetische: Umsetzung und Bedeutung
5 Votum
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die therapeutischen Möglichkeiten künstlerischer Tätigkeiten im Strafvollzug, um Inhaftierte auf ein straffreies Leben in Freiheit vorzubereiten. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, wie ästhetische Prozesse zur nachhaltigen Resozialisierung und zur Stärkung der Selbstverantwortung beitragen können.
- Nachhaltige Entwicklung im Kontext von Freiheitsentzug
- Die Rolle der Kunst als pädagogische Behandlungsmaßnahme
- Historische Ansätze der „Erziehung zur Freude“ (Bondy/Herrmann)
- Selbstbild-Veränderung durch ästhetische Selbsterfahrung
- Gruppenreflexion als integraler Bestandteil künstlerischer Arbeit
Auszug aus dem Buch
2.2 Kunst im nachhaltigen Kontext
Ganz allgemein findet sich eine Integration künstlerischer Tätigkeiten im Gefängnis im Strafvollzugsgesetz, in dem es heißt, dass den Inhaftierten die Möglichkeit einer individualisierten Freizeitbeschäftigung gegeben werden muss (vgl. §67 StVollzG). Das tatsächliche Angebot ist jedoch von den Institutionen abhängig. Walter Herrmann differenzierte zum Beispiel für den ‚progressiven Strafvollzug‘ (in Hahnöfersand), der sich dadurch auszeichnet, auf die einzelnen Gefangenen intensiver und individualisierter einzugehen, folgende „Veranstaltungen“ (vgl. Herrmann 1997, S.129):
1. Unterricht ( Kenntnisvermittlung, Gewöhnung an geistige Arbeit ).
2. Turnen und Sport ( körperliche Ausbildung, Willensübung ).
3. Spiel ( Gewöhnung an freiwillige Unterordnung ).
4. Vorträge ( Erweiterung des Gesichtskreises, Stärkung der Konzentrationsfähigkeit; bei eigenen Vorträgen: Gewöhnung an produktive geistige Arbeit ).
5. Aussprachen: a) über das Gefängnisleben ( Stärkung der Selbstverantwortlichkeit, Objektivität, Denkfähigkeit, geistige Disziplin ); b) über Fragen der Lebensführung und Weltanschauung ( Weckung und Stärkung sittlicher Kräfte, Aufweisung neuer Möglichkeiten der Lebensgestaltung ).
6. Künstlerische Darbietung musikalischer und deklamatorischer Art ( Weckung der Freude am eigenen Können, an eigener Darstellung und des Verständnisses für gute Kunst ).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den gesetzlichen Rahmen dar und definiert das Ziel, künstlerische Tätigkeiten als Instrument zur nachhaltigen Resozialisierung und Zukunftsverantwortung im Strafvollzug zu untersuchen.
2 Die Einbettung des Nachhaltigkeitsbegriffes: Dieses Kapitel verknüpft den Nachhaltigkeitsbegriff mit dem Freiheitsentzug und erörtert, inwiefern künstlerische Ansätze einen Platz in der sozialen und persönlichen Entwicklung Inhaftierter finden.
2.1 Nachhaltigkeit im Begriff des Freiheitsentzuges: Hier wird analysiert, wie Resozialisierung als Form der „Zukunftsverantwortung“ verstanden werden kann, um Inhaftierte zu einem eigenverantwortlichen Leben zu befähigen.
2.2 Kunst im nachhaltigen Kontext: Dieser Abschnitt beleuchtet gesetzliche Anforderungen und konkrete historische sowie theoretische Modelle, die Kunst als Behandlungsmethode im Strafvollzug integrieren.
3 Bondys und Herrmanns „Erziehung zur Freude“: Das Kapitel analysiert den historischen Ansatz, durch Selbstverwaltung statt Drill und durch künstlerische Betätigung die Persönlichkeit der Jugendlichen positiv zu beeinflussen.
4 Das Ästhetische: Umsetzung und Bedeutung: Hier wird die Rolle des ästhetischen Ausdrucks als therapeutisches Mittel diskutiert, um das Selbstbild der Inhaftierten prozessorientiert und reflektiert zu verändern.
5 Votum: Das Fazit fasst zusammen, dass Kunst weit mehr als bloße Freizeitbeschäftigung ist und als notwendige Behandlungsmethode zur nachhaltigen Persönlichkeitsentwicklung im Strafvollzug dienen sollte.
Schlüsselwörter
Strafvollzug, Resozialisierung, Nachhaltigkeit, Selbstverantwortung, künstlerische Tätigkeit, Kunsttherapie, Selbsterfahrung, Haft, Persönlichkeitsentwicklung, Gruppenreflexion, Freiheitsentzug, Jugendstrafvollzug, pädagogische Maßnahmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Kunst und ästhetischen Prozessen als Mittel zur Resozialisierung und nachhaltigen Lebensgestaltung für Inhaftierte im Strafvollzug.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Nachhaltigkeitsbegriff, der Psychologie des Inhaftierten, der Kunst als therapeutischem Ansatz und der Bedeutung von Selbstbestimmung im geschlossenen System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass künstlerische Tätigkeiten eine wirksame Methode sind, um Inhaftierten ein positives Selbstbild und Eigenverantwortung zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Interpretation von Gesetzen (StVollzG) und der Auswertung pädagogischer sowie psychologischer Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einbettung der Nachhaltigkeit, historische Modelle der Erziehung wie die von Bondy und Herrmann sowie eine Analyse der ästhetischen Umsetzung im Gefängnis.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Wichtige Begriffe sind Resozialisierung, Nachhaltigkeit, Strafvollzug, Selbstverantwortung, künstlerische Behandlungsmethode und Persönlichkeitsentwicklung.
Warum spielt die Selbstverwaltung in den untersuchten Konzepten eine so große Rolle?
Selbstverwaltung wird als Gegenentwurf zu Drill und Zwang gesehen; sie soll Inhaftierten helfen, eigene Kompetenzen zu entwickeln und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.
Welchen Stellenwert hat die Gruppenreflexion bei künstlerischen Projekten?
Die Autorin betont, dass erst durch die verbale Reflexion über das geschaffene Werk in der Gruppe ein echter Lernprozess und eine Erweiterung des persönlichen Horizonts stattfindet.
Was ist mit dem Begriff „Zukunftsverantwortung“ gemeint?
Damit ist die Befähigung der Inhaftierten gemeint, nach der Entlassung ein straffreies, selbstbestimmtes Leben zu führen und sich gesellschaftlich verantwortungsvoll zu integrieren.
- Arbeit zitieren
- Lisa Spitze (Autor:in), 2013, Die Ästhetik und ihre Auswirkungen im Strafvollzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213557