Diese Hausarbeit soll einen kurzen Überblick über die Arbeit der International Refugees Organisation (IRO) in den westdeutschen Besatzungszonen geben. Die Gründung und das Ende der Organisation werden hier nur grob beschrieben und mit Daten versehen, um sie in einen historische Zusammenhang einordnen zu können. Die Diskussionen, die um diese Ereignisse stattfanden, könne hier nur angedeutet werden. Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt vor allem auf der Betrachtung des Resettlement-Prozesses, da dies der wohl erfolgreichste Teil der Arbeit der IRO gewesen ist. Obwohl gerade zu diesem Thema Einzelschicksale interessant wären und die Vor- und Nachteile dieses Programms verdeutlichen würden, können diese wegen des einzuhaltenden Umfangs dieser Hausarbeit nicht berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gründung der IRO
2.1 Gründe für das Ende der UNRRA
2.2 Der Gründungsprozess der IRO
3. Die Aufgaben der IRO
3.1 Die Unterschiede zur UNRRA
3.2 Die Suche nach Aufnahmeländern
3.3 Der Resettlement-Prozess
3.4 Probleme des Resettlements
4. Das Ende der IRO
4.1 Bilanz
4.2 Übergabe der Verantwortung an deutsche Behörden
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Tätigkeit der International Refugees Organisation (IRO) in den westdeutschen Besatzungszonen zwischen 1947 und 1950 mit einem besonderen Fokus auf die Durchführung und die Auswirkungen der Resettlement-Programme für Displaced Persons.
- Gründungskontext und historische Einordnung der IRO als Nachfolgeorganisation der UNRRA.
- Die organisatorische Struktur und das Aufgabenfeld der IRO im Vergleich zu ihrer Vorgängerin.
- Detaillierte Untersuchung des Resettlement-Prozesses und der Selektionsmechanismen bei der Aufnahme in Drittländer.
- Analyse der Probleme bei der Neuansiedlung, insbesondere die Herausforderung durch den sogenannten "Hard Core".
- Die politische Bilanz der IRO-Tätigkeit und der Prozess der Übergabe der Verantwortung an deutsche Behörden.
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Resettlement-Prozess
Die interessierten Staaten nahmen die DPs aber nicht ohne weiteres auf. Zuvor kam es in den DP-Lagern und in weiteren Lagern speziell für Ausreisebewerber zu einer Fülle von Tests und Überprüfungen. Beim „Eligibility Screening“ wurde überprüft, ob der Antragssteller politisch geeignet war. Er musste selbst beweisen, dass er von den Deutschen verschleppt worden war und nicht kollaboriert hatte. Der militärische Spionageabwehrdienst überprüfte in 21 Teilschritten die Angaben, die von den DPs zu ihrer Verschleppung gemacht wurden. Als nächstes kam es noch in den DP-Wohnlagern zu einer Berufsprüfung. Daraus wurden Empfehlungen zur Weiterbildungen und Sprachkursen erstellt. Bei positiven Resultaten der Trainingsprogramme kam der Betroffene in die Vorauswahl (Preselection) und erste Weiterleitungspapiere wurden ausgestellt. Es folgte die ärztliche Erstuntersuchung, wobei besonderes Augenmerk auf ansteckende und chronische Erkrankungen gelegt wurde, da die Angst vor Seuche groß war. War diese Hürde auch genommen, wurden die gesammelten Informationen von den Sicherheitsbehörden dokumentiert und der betreffende in ein Umsiedlungslager (Resettlement Center) eingewiesen. In diesem Lagern wiederholten sich die Prozeduren unter Aufsicht von Vertretern aus Drittländern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der IRO im Nachkriegsdeutschland ein und definiert das Resettlement als zentralen Betrachtungsschwerpunkt.
2. Die Gründung der IRO: Dieses Kapitel erläutert das Scheitern der UNRRA und den Gründungsprozess der IRO als Reaktion auf die anhaltende Problematik der Displaced Persons.
3. Die Aufgaben der IRO: Es wird dargelegt, wie die IRO ihre organisatorischen Unterschiede zur UNRRA definierte, Aufnahmeländer akquirierte und das komplexe Verfahren der Resettlements sowie dessen Probleme bewältigte.
4. Das Ende der IRO: Das Kapitel zieht eine Bilanz der Neuansiedlungserfolge und beschreibt den schwierigen Übergang der Verantwortung für verbleibende DPs an die deutschen Behörden.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Arbeit der IRO kritisch und hebt hervor, dass der humanitäre Erfolg durch einseitige Auswahlkriterien und die Vernachlässigung schwer vermittelbarer Gruppen getrübt wurde.
Schlüsselwörter
Displaced Persons, IRO, UNRRA, Resettlement, Nachkriegsdeutschland, Flüchtlingspolitik, Besatzungszonen, Neuansiedlung, Hard Core, Arbeitsvermittlung, Humanitäre Hilfe, Rechtsstatus, Internationale Organisationen, Besatzungsmächte, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Rolle und Tätigkeit der International Refugees Organisation (IRO) in den westdeutschen Besatzungszonen zwischen 1947 und 1950.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Gründung der IRO, ihre spezifischen Aufgaben bei der Betreuung von Displaced Persons (DPs) sowie die Prozesse der Neuansiedlung (Resettlement) im Ausland.
Welche Forschungsfrage verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, die Effektivität und die Strategien der IRO zu bewerten, insbesondere unter dem Aspekt, wie erfolgreich die Organisation die Neuansiedlung von DPs gestalten konnte.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die auf Fachliteratur und zeitgenössischen Dokumenten beruht, um die Handlungsspielräume und Ergebnisse der IRO einzuordnen.
Welche Kernpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Resettlement-Prozess, den Hürden für die DPs bei der Ausreise und den Problemen, die durch eine selektive Auswahl der DPs durch Aufnahmeländer entstanden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Displaced Persons, Resettlement, IRO, UNRRA und die sozioökonomische Problematik der Integration im Nachkriegsdeutschland.
Was genau versteht die IRO unter dem sogenannten "Hard Core"?
Der Begriff beschreibt jene DPs, die nach dem "Abschöpfen" der arbeitsfähigen Eliten durch Aufnahmeländer in Deutschland zurückblieben – zumeist Kranke, Alte und Kinder, deren Integration in den deutschen Arbeitsmarkt schwierig war.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Besatzungsmächte?
Der Autor kritisiert, dass die Besatzungsmächte eher ihren eigenen Nutzen durch die Rekrutierung von Arbeitskräften im Blick hatten, anstatt eine breite humanitäre Lösung für alle DPs anzustreben.
Wie gestaltete sich die Übergabe der Verantwortung an deutsche Behörden?
Die Übergabe war von Sorgen um den Rechtsstatus der verbleibenden DPs geprägt und wurde durch ein „Gesetz über die Rechtsstellung heimatloser Ausländer“ im Jahr 1951 geregelt.
- Citar trabajo
- Patrick Buck (Autor), 2004, Die Displaced Persons in Deutschland unter der Verwaltung der International Refugees Organisation (IRO) 1947-1950, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213615