Welche strategische Lage ergibt sich für die EU im Hinblick auf die Kontrolle der Gasförderung und vor allem der Gaspipelines im Kaspischen Raum?
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der Beantwortung der beiden Unterfragen:
(a) Welche politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgen die EU und Russland im Kaspischen Raum?
(b) Was sind die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Mittel, mit denen die Interessen verfolgt werden?
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Die Geopolitik des Kaspischen Raumes
2.1 Der Akteur Europäische Union (EU)
2.1.1 Strategie und Interessen
2.2 Der Akteur Russische Föderation
2.2.1 Strategie und Interessen
3.0 Schlussfolgerungen: Zwei Zukunftsszenarien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strategische Lage der Europäischen Union hinsichtlich der Kontrolle über die Gasförderung und Gaspipelines im Kaspischen Raum im Zeitraum von 1991 bis 2009. Ziel ist es, die politisch-ökonomische Abhängigkeit der EU von russischen Erdgaslieferungen zu analysieren und auf Basis der gegensätzlichen Interessen von EU und Russland zwei Zukunftsszenarien für das Jahr 2020 zu entwickeln.
- Energiesicherheit der Europäischen Union und Abhängigkeit von Russland
- Geopolitische Bedeutung und Ressourcenpotential des Kaspischen Raumes
- Strategien und geo-ökonomische Instrumente von Gazprom und der russischen Regierung
- Herausforderungen für die Diversifizierung der europäischen Gasimporte
- Analyse zukünftiger Machtverhältnisse: "Markt statt Macht" vs. "Das Imperium kehrt zurück"
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Strategie und Interessen
Mit Hilfe der vorgestellten Analyseinstrumente sollen nun die Bedeutung der Energiesicherheit für die Europäische Union (EU) im Hinblick auf den Energieträger Gas und ihre Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen dargestellt werden. Vor diesem Hintergrund werden dann die Energiestrategie der EU und ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen im Kaspischen Raum vorgestellt.
Der Begriff der Energiesicherheit stellt aus der Perspektive des Konsumenten von Energielieferungen (also der EU) eine ununterbrochene, für den eigenen Verbrauch ausreichende Versorgung mit Energierohstoffen zu möglichst günstigen Preisen dar. Die Europäische Kommission hat sich mit der Energiesicherheit der EU in ihren beiden Grünbüchern auseinandergesetzt, die eine Energiestrategie für die Europäische Union formulieren. Hierbei stellte sie fest, dass die Erdgasreserven der EU – die unter den gegenwärtigen technischen und ökonomischen Bedingungen förderbare Menge an Erdgas – nur noch bis 2020 reichen. Unter den Bedingungen des prognostizierten steigenden Erdgasverbrauchs in der EU und der zurückgehenden eigenen Förderung wächst die Importabhängigkeit (in Prozent % zum eigenen Bedarf) von 40 % (1999) auf 70% (2020). 41% der Erdgasimporte der EU wiederum kamen 1999 aus Russland, 2020 werden es rund 60% sein. Damit würde der russische Anteil an den EU – Gasimporten allerdings stagnieren: Schon 2006 lag dieser bei 60 % Prozent.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der europäischen Importabhängigkeit von russischem Erdgas ein und definiert den Kaspischen Raum als strategisch wichtige, aber politisch umkämpfte Diversifizierungsregion für die EU.
2.0 Die Geopolitik des Kaspischen Raumes: Dieses Kapitel analysiert die widersprüchlichen Strategien der EU und der Russischen Föderation in Bezug auf den Kaspischen Raum, wobei besonders die Machtverhältnisse der Pipelineinfrastruktur beleuchtet werden.
2.1 Der Akteur Europäische Union (EU): Hier wird die schwierige Position der EU als weltgrößter Gasimporteur dargelegt, die trotz des Potenzials im Kaspischen Raum bisher an fehlender Kohärenz und unzureichenden Mitteln zur Durchsetzung eigener Interessen leidet.
2.1.1 Strategie und Interessen: Das Unterkapitel erläutert die wachsende Importabhängigkeit der EU und die Notwendigkeit, durch Diversifizierung die Abhängigkeit vom russischen Pipeline-Oligopol zu verringern.
2.2 Der Akteur Russische Föderation: Dieses Kapitel untersucht die Rolle Russlands als dominanter Produzent, der Energie als außenpolitisches Instrument einsetzt, um seine Hegemonie im Kaspischen Raum zu sichern.
2.2.1 Strategie und Interessen: Der Abschnitt verdeutlicht die russische Strategie der Markteroberung und Kontrolle über kaspische Energieressourcen, um das Ziel der Diversifizierung der EU durch das Aufkaufen und Umleiten von Gasreserven zu neutralisieren.
3.0 Schlussfolgerungen: Zwei Zukunftsszenarien: Basierend auf den vorangegangenen Analysen werden die beiden Szenarien "Markt statt Macht" und "Das Imperium kehrt zurück" gegenübergestellt, um die zukünftige Sicherheit der EU-Gasversorgung zu bewerten.
Schlüsselwörter
Energiesicherheit, Europäische Union, Russland, Gazprom, Kaspischer Raum, Gasimporte, Diversifizierung, Pipelineinfrastruktur, Geopolitik, Energieaußenpolitik, Markteroberung, Erdgasreserven, Transitmonopol, Ressourcenabhängigkeit, Zukunftsszenarien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sicherheitspolitische Herausforderung der EU, ihre zunehmende Abhängigkeit von russischen Gasimporten durch alternative Quellen aus dem Kaspischen Raum zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Energiesicherheit, den gegensätzlichen geopolitischen Strategien der EU und Russlands sowie der Rolle staatlicher Energiekonzerne wie Gazprom.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Welche strategische Lage ergibt sich für die EU im Hinblick auf die Kontrolle der Gasförderung und vor allem der Gaspipelines im Kaspischen Raum?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die den Untersuchungszeitraum von 1991 bis 2009 mit Fokus auf die Zeit nach Putins Amtsantritt betrachtet und Zukunftsszenarien für das Jahr 2020 entwirft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Interessen und Mittel der EU und Russlands im Kaspischen Raum, wobei die Infrastruktur als Ausdruck der bestehenden Machtverhältnisse bewertet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Energiesicherheit, Pipelineinfrastruktur, Kaspischer Raum, Geopolitik und die russische Energieaußenpolitik.
Warum ist das Projekt der Transkaspischen Pipeline derzeit schwer realisierbar?
Laut der Arbeit ist das Projekt derzeit nicht umsetzbar, da Turkmenistan den Großteil seiner Gasexporte über langfristige Abkommen an Russland vertraglich gebunden hat.
Welchen Einfluss hatte die globale Finanz- und Wirtschaftskrise auf die russische Strategie?
Die Krise schwächte die russische Wirtschaft und Gazprom, was das Szenario "Markt statt Macht" wahrscheinlicher macht, da Russland nun stärker auf ausländische Investitionen angewiesen ist.
Warum wird Russland im Kaspischen Raum als militärischer Hegemon bezeichnet?
Russland dominiert den Raum durch die größte Flotte und umfangreiche militärische Kapazitäten, was eine abschreckende Wirkung auf westliche Akteure und Unternehmen hat.
- Citation du texte
- M.A. Anton Friesen (Auteur), 2009, Gibt Gazprom Gas?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213683