Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Themen Schulversagen und vorzeitiger Schulabbruch. Das Land Sachsen-Anhalt verzeichnete 2004 mit 12% bundesweit eine der höchsten Schulabbrecherquoten. Deshalb wurde das Programm „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ ins Leben gerufen. Dieses Programm („ESF-Programm“) wird wissenschaftlich begleitet und anhand von Interviews mit Programmbeteiligten evaluiert.
Die vorliegende Arbeit überprüft nun, wie Programmbeteiligte die Rahmenbedingungen und Implementierung, den Prozessverlauf und die Ergebnisse und Wirkungen des ESF-Programms wahrnehmen. Bevor diese Frage mithilfe der Experteninterviews beantwortet wird, wird als theoretische Grundlage genauer auf das Phänomen Schulversagen eingegangen.
Zudem werden Informationen über die Schulsozialarbeit als Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule geliefert. Es soll definiert werden, was Netzwerke sind, welche Aufgaben der Netzwerkkoordinator hat und was unter einzelfallbezogener Netzwerkarbeit zu verstehen ist. Ebenso werden Hintergründe zum ESF-Programm geliefert sowie dessen Programmziele und Programmbestandteile erläutert. Auch auf die wissenschaftliche Begleitung des Programms wird noch einmal genauer eingegangen.
Im empirischen Teil dieser Arbeit werden zunächst Grundlagen zum Experteninterview dargelegt und das Auswertungsverfahren nach Meuser und Nagel anhand der vorliegenden Interviews erläutert. Nachfolgend werden die Einschätzungen der Programmbeteiligten zu den Rahmenbedingungen und der Implementierung des Programms, zum Prozessverlauf und zu den Ergebnissen und Wirkungen des Programms dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schulversagen – ein theoretischer Überblick
2.1 Definition
2.2 Bedingungsfaktoren von Schulversagen
2.3 Intervention
3. Schulsozialarbeit – Kooperation von Jugendhilfe und Schule
3.1 Grundlagen der Kooperation
3.2 Jugendhilfe und Schule
3.3 Schulsozialarbeit
3.4 Forschungsstand und Praxisberichte
4. Netzwerkarbeit
4.1 Was sind Netzwerke?
4.2 Aufgaben des Netzwerkkoordinators
4.3 Einzelfallbezogene Netzwerkarbeit
5. Das ESF-Programm und seine wissenschaftliche Begleitung
5.1 Hintergründe des ESF-Programms
5.2 Programmziele und Programmbestandteile
5.3 Wissenschaftliche Begleitung des ESF-Programms
6. Empirischer Teil
6.1 Erhebungsverfahren – Das Experteninterview
6.2 Auswertung der Experteninterviews nach Meuser und Nagel
6.3 Rahmenbedingungen und Implementierung
6.3.1 Start des Programms
6.3.2 Rahmenbedingungen im Bereich Schule
6.3.3 Rahmenbedingungen für bildungsbezogene Angebote
6.3.4 Konzept des Programms
6.3.5 Nachhaltigkeit und Weiterbestehen
6.4 Prozessverlauf
6.4.1 Ausübung der Schulsozialarbeit
6.4.2 Kooperation von Schulsozialarbeiter und Lehrpersonal
6.4.3 Ausübung der Netzwerkarbeit
6.4.4 Ausübung der bildungsbezogenen Angebote
6.5 Ergebnisse und Wirkungen
7. Fazit und Grenzen
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die subjektive Wahrnehmung der Rahmenbedingungen, der Implementierung, des Prozessverlaufs sowie der Ergebnisse und Wirkungen des ESF-Programms „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ in Sachsen-Anhalt aus Sicht der beteiligten Akteure.
- Analyse des theoretischen Rahmens zu Schulversagen und Schulsozialarbeit
- Untersuchung der Bedeutung von Netzwerkarbeit in Bildungsinstitutionen
- Evaluation der Programmumsetzung mittels Experteninterviews
- Identifikation von Gelingensbedingungen und Hemmnissen der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der Geschichte galt als gebildet, wer möglichst oft verschiedene Schulklassen wiederholt hatte. Heute ist das Gegenteil der Fall. Gibt es auch nicht mehr solch drakonische Strafen wie den Schulpranger, an den Schulversager gestellt wurden, so sind die Folgen von Schulversagen für den Lebensweg der Schüler, durch die immer stärker leistungsorientierte Entwicklung unserer Gesellschaft, doch heute gravierender als früher. Die Schullaufbahn und der Schulerfolg entscheiden über die künftige Biografie des Schülers, über dessen Lebenschancen und Lebenswandel. Schüler ohne Abschluss können in eine Außenseiterposition in der Gesellschaft geraten (vgl. Tupaika 2003, S.11, vgl. Schreiber Kittl/Schröpfer 2002, S.5, vgl. Hurrelmann/Wolf 1986, S.1).
Umso wichtiger ist es daher, dem Schulversagen und vorzeitigen Schulabbruch entgegen zu wirken. Das Land Sachsen-Anhalt verzeichnete 2004 mit 12% bundesweit eine der höchsten Schulabbrecherquoten. Diese will das Land bis 2013 auf 8,6% senken (vgl. Olk/Speck 2008, S.5). Hierfür wurde das Programm „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ ins Leben gerufen, das eine Laufzeit von 2007 bis 2013 hat und mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfond finanziert wird (vgl. www.schulerfolg-sichern.de, Stand 25.04.2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Schulversagens ein, begründet die Relevanz des ESF-Programms in Sachsen-Anhalt und formuliert die Forschungsfrage der Arbeit.
2. Schulversagen – ein theoretischer Überblick: Dieses Kapitel definiert Schulversagen, analysiert Bedingungsfaktoren und diskutiert Interventionsmöglichkeiten.
3. Schulsozialarbeit – Kooperation von Jugendhilfe und Schule: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Kooperation, das Verhältnis zwischen Jugendhilfe und Schule sowie die Definition und Bedeutung von Schulsozialarbeit erläutert.
4. Netzwerkarbeit: Das Kapitel definiert Netzwerke, beschreibt die Aufgaben von Netzwerkkoordinatoren und erläutert die Funktionsweise von einzelfallbezogener Netzwerkarbeit.
5. Das ESF-Programm und seine wissenschaftliche Begleitung: Es werden die Hintergründe, Ziele, Bestandteile des ESF-Programms sowie die methodische Ausrichtung der wissenschaftlichen Begleitung dargestellt.
6. Empirischer Teil: Im Zentrum steht die Auswertung von Experteninterviews, die Einblicke in die Wahrnehmung der Programmumsetzung, Rahmenbedingungen und Prozessverläufe geben.
7. Fazit und Grenzen: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die methodischen Grenzen der Arbeit.
8. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen.
Schlüsselwörter
Schulversagen, Schulsozialarbeit, ESF-Programm, Sachsen-Anhalt, Netzwerkarbeit, Jugendhilfe, Schule, Schulabbruch, Experteninterview, Kooperation, Bildungsbenachteiligung, Schulerfolg, Implementierung, Evaluation, Sozialpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit setzt sich mit der Umsetzung sozialpädagogischer Arbeit im Rahmen des ESF-Programms zur Vermeidung von Schulversagen in Sachsen-Anhalt auseinander und wertet hierfür die Erfahrungen beteiligter Akteure aus.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet die drei Hauptmodule des Programms: die Schulsozialarbeit, die Netzwerkarbeit und die bildungsbezogenen Angebote.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Fragestellung lautet, wie die Programmbeteiligten die Rahmenbedingungen, die Implementierung, den Prozessverlauf sowie die Ergebnisse und Wirkungen des ESF-Programms wahrnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf qualitativen Experteninterviews, die nach dem Verfahren von Meuser und Nagel ausgewertet wurden, um Deutungsmuster und Wissensbestände der Beteiligten zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Schulversagen, Kooperation und Netzwerkarbeit sowie einen empirischen Teil, der die Einschätzungen der Experten zu Start, Konzept, Implementierung und Erfolg des Programms analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wesentlichen Schlagworte sind Schulversagen, Schulsozialarbeit, ESF-Programm, Kooperation, Netzwerkarbeit und Schulerfolg.
Wie bewerten die Experten den Start des Programms?
Der Start wird überwiegend als verzögert und aufgrund bürokratischer Hürden als problematisch beschrieben, was die Motivation der Beteiligten beeinträchtigte.
Welche Rolle spielt die Netzwerkarbeit laut den Experten?
Die Netzwerkarbeit wird als essenziell für die Koordination erachtet, wobei die begrenzte personelle Kapazität der Netzwerkstellen und die Konkurrenz zwischen verschiedenen Projekten als Herausforderungen identifiziert werden.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Nachhaltigkeit?
Das Fazit betont, dass die kurzen Förderperioden und der bürokratische Aufwand die Nachhaltigkeit gefährden; eine Verstetigung der Angebote und eine bessere Integration in das Schulsystem sind notwendig.
- Citation du texte
- Ricarda Albrecht (Auteur), 2010, Wie wird sozialpädagogische Arbeit im ESF-Programm „Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs“ in Sachsen-Anhalt umgesetzt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213726