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Die Sprachkrise des 20. Jahrhunderts in Literatur und Kunst.

Eine exemplarische Analyse anhand Rilkes Roman "Malte Laurids Brigge" und Picassos "Les Demoiselles d'Avignon".

Titel: Die Sprachkrise des 20. Jahrhunderts in Literatur und Kunst.

Hausarbeit , 2013 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Lisa Spitze (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Literatur der Moderne ist bestimmt von der Zentralisierung des Individuums und der Subjektivität der Erzählform. Es geht nicht mehr um eine realistische, im Sekundenstil verfasste Prosa und Lyrik (Becker 2007,S.77), sondern um die Darstellung der individuellen Wahrnehmungen und Empfindungen, also die Darstellung „seelischer Vorgänge“ (ebd., S.88). Bemerkenswert ist vor allem die Grundstimmung die in der Literatur der Jahrhundertwende herrscht - sie ist durchsetzt mit der Frage nach der wahren Realität, da „Raum und Zeit“ zu „subjektiven Kategorien“ (ebd.) geworden sind und dem wankenden Verständnis von Sprache. Der Ausdruck der Sprachkrise oder auch Sprachlosigkeit findet hier seine Begründung.
In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob diese Sprachkrise, welche als Gegenstand im Folgenden noch differenzierter dargestellt wird, sich nicht nur in der Literatur, sondern auch in der bildenden Kunst zeigte. Dafür erfolgt eine Annäherung an den Begriff der Sprachkrise selbst und eine Erläuterung, welche Konsequenzen die Autoren der Jahrhundertwende aus dieser Krise ziehen. Im Anschluss wird ein Überblick über die Entwicklung der bildenden Kunst von 1880 zur Moderne gegeben. Es folgt ein Zwischenfazit, in dem die Parallelen der Literatur und Kunst 1900 in Bezug auf die Sprachkrise formuliert werden. Exemplarisch wird anhand Rainer Maria Rilkes Werk „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ (1910) gezeigt, wie Literatur die Sprachkrise thematisierte und selbst zum Gegenstand dieser wird.
Anschließend wird Pablo Picassos bedeutendes Gemälde „Les Demioselles d’Avignon“ (1907) daraufhin betrachtet, ob und wie sich literarische Merkmale der Sprachkrise wie sie in Rilkes Roman zu finden sind, beispielhaft auch in der Kunst präsentieren. Die Ergebnisse dieser Ausführungen werden im Fazit zusammengefasst, in welchem auch eine Beantwortung der vorrangigen Fragestellung, ob sich die Sprachkrise der Literatur auch in der bildenden Kunst 1900 zeigte, stattfindet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sprachkrise in der Literatur 1900

3. Die Entwicklung der Kunst von 1880 zur Moderne

4. Zwischenfazit: Literatur und Kunst der Jahrhundertwende

5. Rainer Maria Rilkes "Aufzeichnungen des Malte L. Brigge" (1910)

6. Pablo Picassos "Les Demoiselles d'Avignon" (1907)

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

A Rainer Maria Rilke - Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort (1889)

B Biografie von Pablo Ruiz Picasso

C Bildbeschreibung „Les Demoiselles d’Avignon“

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich die als Sprachkrise bezeichnete literarische Umbruchstimmung um das Jahr 1900 auch in der bildenden Kunst widerspiegelte und welche Konsequenzen Künstler und Autoren daraus für ihre Werkgestaltung zogen.

  • Analyse der Sprachkrise und des Subjektverlusts in der Literatur der Jahrhundertwende.
  • Untersuchung der Entwicklung der bildenden Kunst vom Impressionismus zur Moderne.
  • Exemplarische Werkanalyse von Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge".
  • Betrachtung von Pablo Picassos Gemälde "Les Demoiselles d'Avignon" unter Aspekten der Sprach- und Subjektkrise.
  • Synthese der Parallelen zwischen Literatur und bildender Kunst hinsichtlich der Darstellung von Identitätskrisen.

Auszug aus dem Buch

2. Die Sprachkrise in der Literatur 1900

Versetzt man sich in die Lager der Gesellschaft um 1900, die sich konfrontiert sah mit den neuen Erkenntnissen der Naturwissenschaft wie beispielsweise Albert Einsteins Relativitätstheorie von 1905, der Industrialisierung und der Urbanisierung, lässt sich der Schritt zur Sprachkrise besser verstehen. Die Frage nach der Wahrheit, mit der sich Friedrich Nietzsche in „Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne“ auseinandersetzt, formuliert den Ausgangspunkt, dass Sprache nur einer willkürlichen und subjektiven Zuordnung von Lauten zur Wahrheit entspricht (vgl. Colli und Montinari 1988, S.879). Da die Realität im Wort folglich nicht greifbar gemacht werden kann, was die Menschheit jedoch permanent versucht, kann es sich in einer Versprachlichung der Welt nicht mehr um die tatsächliche Wahrheit handeln, sondern nur um ein verzerrtes Bild. Nietzsche geht sogar soweit, die anerkannten Wahrheiten als „Illusionen“ zu bezeichnen, „von denen man vergessen hat, dass sie welche sind“ (ebd., S.880f.). Worte sind dabei nichts anderes als doppelte Methapern: die erste Metapher ist die Übertragung eines Nervenreizes in ein Bild und die zweite dessen Formung in einen Laut (vgl. ebd., S.879). Da Sprache nun aber das Handwerkszeug der Schriftsteller beziehungsweise Philosophen ist, versuchen sich diese mit der aufgekommenen Sprachlosigkeit auseinanderzusetzen, ihr entgegen zu wirken oder resignieren gar beim Anblick dieser Sprachkrise und legen ihre Arbeit nieder. Ein Beispiel für eine sprachliche Verarbeitung dieser Krise in der Jahrhundertwende, ist Lord Chandos Brief von Hugo von Hoffmansthal, in dem dem Briefverfasser die Worte abhandenkommen und damit die Welt als Einheit zerfällt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Sprachkrise um 1900 ein und skizziert das methodische Vorgehen, um Parallelen zwischen Literatur und bildender Kunst anhand exemplarischer Werke aufzuzeigen.

2. Die Sprachkrise in der Literatur 1900: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen Ursprünge der Sprachkrise, insbesondere durch Nietzsche, und beschreibt den daraus resultierenden Subjektverlust und die Unfähigkeit, Realität adäquat in Sprache zu fassen.

3. Die Entwicklung der Kunst von 1880 zur Moderne: Der Text gibt einen Überblick über den stilistischen Wandel von der impressionistischen Darstellung der Außenwelt hin zu den subjektiven Ausdrucksformen der Avantgarden um 1900.

4. Zwischenfazit: Literatur und Kunst der Jahrhundertwende: Das Zwischenfazit verknüpft die soziokulturellen Umbrüche mit der Notwendigkeit für Künstler, neue Ausdrucksweisen für die schwindende Autonomie und Identität zu finden.

5. Rainer Maria Rilkes "Aufzeichnungen des Malte L. Brigge" (1910): Die Untersuchung zeigt, wie Rilke die Sprachkrise nicht nur thematisiert, sondern durch eine fragmentierte Erzählstruktur und den Verzicht auf dialogische Klarheit selbst performativ umsetzt.

6. Pablo Picassos "Les Demoiselles d'Avignon" (1907): Anhand von Picassos Schlüsselwerk wird analysiert, wie die Deformation des Körpers und die räumliche Dekonstruktion als bildnerische Entsprechung der Sprach- und Subjektkrise gedeutet werden können.

7. Fazit: Das Fazit bestätigt die Forschungsfrage, dass die Sprachkrise der Literatur eine direkte Entsprechung in der bildenden Kunst der Moderne fand, weist jedoch zugleich auf die Grenzen einer endgültigen objektiven Deutung solcher Kunstwerke hin.

Schlüsselwörter

Sprachkrise, Jahrhundertwende, Subjektverlust, Moderne, Literatur, Bildende Kunst, Rainer Maria Rilke, Pablo Picasso, Identitätskrise, Realitätsverlust, Avantgarde, Impressionismus, Kubismus, Subjektivität, Metaphorizität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die sogenannte Sprachkrise um 1900 und untersucht, wie diese existenzielle Erschütterung des Sprach- und Weltverständnisses sowohl in der Literatur als auch in der bildenden Kunst ihren Ausdruck fand.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind der Zerfall des Subjekts, die Unzulänglichkeit von Sprache zur Erfassung der Realität, der Wandel von der Nachahmung der Außenwelt zur Darstellung der Innenwelt sowie die daraus resultierenden neuen künstlerischen Ausdrucksformen.

Welches Ziel verfolgt die Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, ob und wie sich die literarische Sprachkrise des frühen 20. Jahrhunderts in der bildenden Kunst spiegelte, wobei der Schwerpunkt auf dem Vergleich der Auswirkungen auf die Werkstruktur liegt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine exemplarische vergleichende Analyse, bei der ausgewählte Werke (Rilkes Roman und Picassos Gemälde) als Fallbeispiele dienen, um die theoretischen Konzepte der Sprach- und Identitätskrise greifbar zu machen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Sprachkrise, einen Abriss zur Entwicklung der Kunst zur Moderne sowie die detaillierte Analyse von Rilkes "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" und Picassos "Les Demoiselles d'Avignon".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Untersuchung wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Sprachkrise, Subjektzerfall, Moderne, Autonomie, Deformation und Subjektivität.

Inwiefern zeigt sich die Sprachkrise in Rilkes Roman?

Rilke thematisiert die Sprachkrise durch eine unstrukturierte, tagebuchähnliche Form, den häufigen Einsatz von Monologen statt Dialogen und die Darstellung eines Protagonisten, der zunehmend die Kontrolle über seine Worte und seine Identität verliert.

Wie überträgt Picasso die Krise auf sein Werk "Les Demoiselles d'Avignon"?

Picasso überträgt die Krise durch die Dekonstruktion der Körper in zerklüftete Flächen, maskenhafte Gesichter und eine fehlende Kommunikation zwischen den dargestellten Figuren, was die Zerrissenheit menschlicher Beziehungen symbolisiert.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Sprachkrise des 20. Jahrhunderts in Literatur und Kunst.
Untertitel
Eine exemplarische Analyse anhand Rilkes Roman "Malte Laurids Brigge" und Picassos "Les Demoiselles d'Avignon".
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Sprachkrise und Krisen des Erzählens um 1900
Note
1,0
Autor
Lisa Spitze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V213780
ISBN (eBook)
9783656420460
ISBN (Buch)
9783656444480
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachkrise jahrhunderts literatur kunst eine analyse rilkes roman malte laurids brigge picassos demoiselles avignon
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Spitze (Autor:in), 2013, Die Sprachkrise des 20. Jahrhunderts in Literatur und Kunst., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213780
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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