Zielgruppenarbeit in der Erwachsenenbildung

Das Erreichen von Randgruppen am Beispiel des Interventionsmodells


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die Bedeutung der Zielgruppenorientierung in der Erwachsenen- bildung

2 Erläuterung des Zielgruppenbegriffes
2.1 Zielgruppenorientierung als operationalisierbare Planungskategorie für Adressatenbezug und als didaktisches Handlungsprinzip
2.1.1 Makrodidaktische Handlungsebene
2.1.2 Mikrodidaktische Handlungsebene
2.1.3 Zielgruppenorientierung
2.2 Der Prozess der Formulierung des Zielgruppenbegriffs
2.3 Beschreibungs- und Begründungszusammenhang von Zielgruppenorientierung
2.3.1 Zielgruppenorientierung als Leitbegriff didaktischer Planung, Durchführung und Auswertung
2.3.2 Zielgruppenorientierung als Forschungsprinzip
2.3.3 Zielgruppenorientierung als gesellschaftstheoretische und politische Linie
2.3.4 Zielgruppenorientierung als metatheoretische Linie
2.3.5 Zielgruppenorientierung als methodentheoretische Frage

3 Ansätze der Zielgruppenarbeit
3.1 Der lernpsychologisch begründete Ansatz
3.2 Die politisch akzentuierte Zielperspektive
3.3 Der bildungs- und sozialpolitisch motivierte Ansatz

4 Durchführung der Zielgruppenarbeit mit Hilfe des Interventionsmodelles
4.1 Intention und Interaktionsstruktur des Modelles
4.1.1 Intention des Modelles
4.1.2 Interaktionsstruktur des Modelles
4.2 Zielgruppenorientierung als Prinzip der Felderschließung
4.2.1 Zielgruppenorientierung als Möglichkeit zur Identifizierung sozialer Felder
4.2.2 Zielgruppenorientierung zur Organisation der Kontaktaufnahme
4.2.3 Zielgruppenorientierung als Möglichkeit einer qualitativen Situationsanalyse und teilnehmerorientierten Interessensartikulation
4.2.4 Zielgruppenorientierung als Ansatz kollektiven Lernens
4.2.5 Zielgruppenorientierung in Strategien sozialen Wandels

5 Zielgruppenorientierung als unverzichtbares Element der Erwachsenenbildung

6 Literaturverzeichnis

1 Die Bedeutung der Zielgruppenorientierung in der Erwachsenen- bildung

Noch nie gab es so ein umfangreiches und vielschichtiges Sortiment an Bildungsangeboten für Erwachsene wie heute. Allein in Bayern gibt es ca. 60 Millionen Teilnehmer in über 4000 Einrichtungen mit rund 270000 Veranstaltungen (vgl. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: http://www.km.bayern.de/km/aufgaben/erwachsenenbildung/). Seit ihrer Entstehung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlangte sie immer mehr an Bedeutung und ist vor allem heute, in Zeiten des beschleunigten gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels im Sinne von lebenslangem Lernen und Fortbildungen zu einer nicht mehr wegzudenkenden Notwendigkeit geworden. Als dennoch - im Prinzip - freiwillige Bildungsinstitution hat sie z.B. im Gegensatz zur Schule keine vom Staat vorgegebenen Bildungsinhalte und auch die Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltungen sind nicht, etwa schulpflichtig bedingt, selbstverständlich, sondern müssen erst bestimmt und gewonnen werden, weswegen die Bildungseinrichtung darauf angewiesen ist, sich dieser zwei Aspekte immer wieder neu zu vergewissern. Um dies zu erreichen, bedient sich die Erwachsenenbildung im hohen Maße der Zielgruppenorientierung (vgl. Schiersmann 2005, S. 557).

Die Begründung und Umsetzung der Zielgruppenarbeit beruht auf mehreren Ansätzen, etwa dem lernpsychologisch-begründeten Ansatz, dem bildungs- und sozialpolitisch motiviertem Ansatz sowie der politisch akzentuierten Zielperspektive (vgl. ebd., S. 558).

Aufgrund der Vielschichtigkeit und Komplexität der Zielgruppenarbeit möchte ich hier zunächst einmal den Begriff der Zielgruppenorientierung definieren, wobei ich auch zwischen Adressaten- und Teilnehmerorientierung unterscheiden werde. Des weiteren gehe ich auf den Prozess der Formulierung des Zielgruppenbegriffs nach Mader und seine Begründung der Wichtigkeit von Zielgruppenbestimmungen ein. Da ich den bildungs- und sozialpolitisch motivierten Ansatz der Zielgruppenorientierung für besonders spannend und wichtig halte und die Zielgruppenerreichung hier besonders kompliziert verläuft, werde ich diesen ausführlicher erklären und anschließend eine Möglichkeit dieser Form der Orientierung am Beispiel des Interventionsmodelles nach Schäffter vorstellen und erläutern.

2 Erläuterung des Zielgruppenbegriffes

Im Großen und Ganzen bezeichnet der Begriff „Zielgruppenorientierung“ Kurse oder Veranstaltungen, die ihre Lernziele bereits in der Ankündigung der Kurse auf einen feststehenden Adressatenkreis und dessen Verwendungszweck beziehen und die Teilnehmermenge durch bestimmte Zugangsbedingungen schon vorab einengen. Außerdem konzentrieren sich diese Veranstaltungen z.B. im beruflichen und politischen Bereich auf defizitäre Gruppen mit dem Ziel eine situationale Verbesserung der Lebensbedingungen zu erreichen, während im rein beruflichen Feld auch einfach eine Verbesserung der Verwendungssituation bei bestimmten Gruppen angestrebt werden kann. Ein weiteres Merkmal ist, dass die Gruppe damit schon vor der Veranstaltung besteht, und diese extra für diese Gruppe konzipiert wird (vgl. Schäffter 1981, S. 20f).

2.1 Zielgruppenorientierung als operationalisierbare Planungskategorie für Adressatenbezug und als didaktisches Handlungsprinzip

Für ein funktionierendes System der Erwachsenenbildung ist es wichtig, die Ziele, das Zustandekommen und das Procedere der Veranstaltungen bereits vor Beginn des ersten Zusammentreffens zwischen Erwachsenenpädagoge und Kursteilnehmer maßgeblich zu steuern. Diese notwendige Planung lässt sich einteilen in makrodidaktische, sowie mikrodidaktische Handlungsebenen (vgl. ebd., S. 25).

2.1.1 Makrodidaktische Handlungsebene

Hierzu gehört z.B. die Programmplanung einer Erwachsenenbildungsinstitution. Die Bestimmung der für diese Handlungsebene relevante Personengruppe nennt sich Adressatenorientierung (vgl. ebd., S. 25).

2.1.2 Mikrodidaktische Handlungsebene

Darunter fällt die Präparation sowie die Ausführung der Veranstaltung. Die Personen, die sich dann in den Veranstaltungen befinden nennen sich Teilnehmer, weswegen man in diesem Zusammenhang auch von Teilnehmerorientierung spricht (vgl. ebd., S. 25).

2.1.3 Zielgruppenorientierung

Dieser Begriff verbindet nun die makrodidaktische mit der mikrodidaktischen Ebene. Mittels Zielgruppenorientierung werden also auf makrodidaktischem Niveau konkrete Inhalte dargelegt, womit sich die Veranstaltung auf mikrodidaktischer Ebene leichter planen lässt. Somit wird ein, in der Erwachsenenbildung weit verbreitetes Problem eingedämmt, nämlich das der nicht vorhandenen „Passung“, wenn z.B. die Erwartung und das Können des Pädagogen nicht mit den Erwartungen, Lernbedürfnissen und -voraussetzungen der Kursbesucher übereinstimmt (vgl. ebd., S. 25f).

Zunächst einmal bedeutet Zielgruppenorientierung den Versuch, „Beziehungen, die ein Erwachsenenbildungsträger zu denjenigen, die er als Teilnehmer seines Bildungsangebotes gewinnen möchte, zu definieren und zu analysieren“ (Mader 1982, S. 84), also die Auswahl und Bestimmung einer speziellen Personengruppe, die der Erwachsenenbildner für seine Veranstaltungen gewinnen möchte. Auch Begriffe wie Adressatenbezug und Teilnehmerorientierung fallen unter diese Definition (vgl. ebd., S. 84).

2.2 Der Prozess der Formulierung des Zielgruppenbegriffs

Übliche Benennungen von Zielgruppen sind in der Erwachsenen- bzw. Weiterbildung meist etikettenhafte Benennungen, wie z.B. „jugendlicher Schichtarbeiter“, oder „Behinderte“. Eine solche Etikette reicht allerdings keinesfalls aus, um letztendlich auch wirklich die gewünschte Person bzw. Personengruppe als Mitglied für den jeweils richtigen Kurs zu erlangen. Dafür wird ein entfalteter Begriff benötigt, der sich an der materiellen Konstitution des Beziehungsprozesses, welcher sich zwischen Teilnehmer und Institution entwickeln muss, orientiert (vgl. ebd., S. 84).

Für die Zielgruppenorientierung sind zwei Dimensionen des Beziehungskomplexes, für die Bezeichnungen wie „Schichtarbeiter“, oder „Behinderter“ als Kürzel stehen, wichtig. Zum einen ist es die spezifische Beziehung aus der alltäglichen Umwelt des Bezeichneten, wie z.B. die Arbeitsweltstruktur, die mit „Schichtarbeiter“ bezeichnet wird. Zum anderen wird die, durch die Bildungsinstitution für wichtig erachtete Eigenschaft der Umweltbeziehung durch diese Benennung angegeben (vgl. ebd., S. 85). Ein Problem ist, das nur die ausschnitthafte Realität eines und nicht beider Beziehungspartner herausgehoben wird. Dies kann auch nicht mit der Nennung mehrerer Kriterien gelöst werden, da sie immer nur die Seite des Benannten in der Beziehung beschreibt, nicht aber die des Benennenden (vgl. ebd., S. 86).

Dazu kommt, dass nicht nur die Realität als Motiv für die Lernbeziehung ausreicht, sondern ein Handlungsinteresse vorliegen muss. Deswegen ist die „Analyse der Deutungsmuster und Handlungsinteressen beider Interaktionspartner“ (ebd., S. 86) ebenso wichtig.

Des weiteren dürfen diese Handlungsinteressen nicht beliebig sein, sondern sie sind ausgewählt nach ihrer Fähigkeit, eine gemeinsame Situation die sich Lernender und Lerner teilen – also die Lernsituation – durchzustehen. Die Lebenssituation der Teilnehmer wird durch den Zielgruppenbegriff auf einen Ausschnitt eingegrenzt und wird so in der Lernsituation vermittelt, um Pädagogen und Teilnehmer vor der „Wucht der komplexen Lebenssituation“ (ebd., S. 87) zu schützen.

Somit lässt sich ein Zielgruppenbegriff als Kategorie einer Beziehungsstruktur in materiellen Verhältnissen, als Kategorie historisch gewachsener Deutungsmuster und als Kategorie aktueller sozialer Situation begreifen (vgl. ebd., S. 87).

[...]

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Details

Titel
Zielgruppenarbeit in der Erwachsenenbildung
Untertitel
Das Erreichen von Randgruppen am Beispiel des Interventionsmodells
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Einführung in die Erwachsenenbildung/Weiterbildung
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V213854
ISBN (eBook)
9783656421948
ISBN (Buch)
9783656422778
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zielgruppenarbeit, erwachsenenbildung, erreichen, randgruppen, beispiel, interventionsmodells
Arbeit zitieren
Regina Marsch (Autor), 2010, Zielgruppenarbeit in der Erwachsenenbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213854

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