In dieser Arbeit habe ich mich mit dem Diskurs über Sprache und über Mehrsprachigkeit in Melinda Nadj Abonjis Roman Tauben fliegen auf beschäftigt.
Es findet im Buch eine ständige Auseinandersetzung mit Sprache statt, mit der Muttersprache, Fremdsprachen, dem Übersetzen von Sprachen und der sprachlicher Heimat.
In Tauben fliegen auf ist die Mehrsprachigkeit allgegenwärtig, einerseits die der Autorin, aber auch als Hintergrundatmosphäre der Handlung – viele Gespräche finden auf Ungarisch statt, Teile der Handlung spielen in Ungarn, die Sprache ist durchbrochen von ungarischen Einsprengseln, aber auch von schweizerischen oder englischen Ausdrücken.
Inhaltsverzeichnis
I. Bedeutung und Stellenwert von Mehrsprachigkeit in der Literatur – ein kurzer Überblick
II. Einleitung
III. Metalinguismus in Tauben fliegen auf
IV. Sprache als Barriere
V. Hierarchisierung einzelner Sprachen
VI. Ungarisch als Sprache der Emotionen
VII. Mehrsprachigkeit der Liebe
VIII. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Motiv der Mehrsprachigkeit in Melinda Nadj Abonjis Roman "Tauben fliegen auf". Ziel ist es, die Funktionen des Sprachwechsels, die Hierarchisierung von Sprachen sowie die Bedeutung der Sprache als Barriere und als Ausdruck von Emotionen innerhalb der Erzählung zu analysieren.
- Metalinguistische Elemente im Roman
- Sprache als Barriere und Integrationshindernis
- Hierarchisierung und Sozialprestige verschiedener Sprachen
- Ungarisch als Sprache der Emotionen und des Privaten
- Mehrsprachigkeit in zwischenmenschlichen Liebesbeziehungen
Auszug aus dem Buch
Metalingualismus in Tauben fliegen auf
In Elke Sturm-Trigakonis Abhandlung „Global playing in der Literatur“ wird Metalingualismus, also das Sprechen über Sprachen, als „Teil der Intention zur Polyglossie“ betrachtet;
Diese Information ist wichtiger Bestandteil der fiktiven Welterzeugung und findet auf einem abstrakteren Niveau statt als wenn die skizzierte fremde Welt einfach mimetisch durch ein fremdes Wort - Eine Interferenz - erzeugt wird, Insofern sind wir an dem Punkt angelangt, an dem die linguistische Definition von Mehrsprachigkeit nicht mehr ausreicht und die literarische Vielsprachigkeit durch zusätzliche Deskriptionskategorien erfasst werden muss.
In Tauben fliegen auf ist die Sprache häufig Thema, einerseits die Sprache, in der gerade gesprochen wird, aber auch Sprache grundsätzlich.
Erzählt wird die Geschichte Ildikos im Inneren Monolog, wobei sich die Erzählsprache in völlig neutralem Hochdeutsch hält, dem man fast nicht anmerkt, ob er von einer schweizerischen, österreichischen oder deutschen Erzählerin stammt. Gelegentlich wird sogar der deutsche Begriff der in der Schweiz üblichen Variante vorgezogen: „Der Eimer“, anstatt „Kübel“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Bedeutung und Stellenwert von Mehrsprachigkeit in der Literatur – ein kurzer Überblick: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung und theoretische Einordnung von Mehrsprachigkeit und Sprachreinheit in der Literaturgeschichte.
II. Einleitung: Die Einleitung führt in die spezifische Mehrsprachigkeit des Romans "Tauben fliegen auf" ein und benennt die Schwerpunkte der Analyse.
III. Metalinguismus in Tauben fliegen auf: Hier wird untersucht, wie die Autorin das Sprechen über Sprache selbst zum integralen Bestandteil der fiktiven Welterzeugung macht.
IV. Sprache als Barriere: Dieses Kapitel analysiert die Integrationshürden der Familie, verdeutlicht am Einbürgerungsverfahren und dem Unverständnis gegenüber der schweizerischen Amtssprache.
V. Hierarchisierung einzelner Sprachen: Die Untersuchung konzentriert sich auf die unterschiedlichen Sozialprestiges von Sprachen und deren bewusste Verwendung durch die Figuren.
VI. Ungarisch als Sprache der Emotionen: Dieses Kapitel beleuchtet Ungarisch als familiäre und emotionale Sprache, die einen Gegenpol zum eher nüchternen Hochdeutsch bildet.
VII. Mehrsprachigkeit der Liebe: Hier wird analysiert, wie sich sprachliche Grenzen in Liebesbeziehungen auflösen oder durch das Mischen verschiedener Sprachen überbrückt werden.
VIII. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung des Sprachdiskurses im Roman.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Tauben fliegen auf, Melinda Nadj Abonji, Migrationsliteratur, Sprachwechsel, Metalingualismus, Sprachbarriere, Soziales Sozialprestige, Ungarisch, Hochdeutsch, Code-switching, Integration, Identität, Interferenz, Emotionale Sprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Autorin Melinda Nadj Abonji in ihrem Roman "Tauben fliegen auf" das Motiv der Mehrsprachigkeit nutzt, um Identität, Heimat und soziale Zugehörigkeit zu thematisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Funktion von Sprache als Barriere, die Hierarchisierung von Sprachen nach ihrem Sozialprestige, das Ungarische als Ausdruck von Emotionen sowie die Rolle der Sprache in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Roman durch den ständigen Diskurs über Sprache auszeichnet und welche Bedeutung der Sprachwechsel für die Charakterentwicklung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die unter anderem Konzepte von Elke Sturm-Trigonakis und Paul Goetsch zur Mehrsprachigkeit in der Literatur heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte: von der Einbürgerungssituation als sprachliche Hürde über die soziale Wertigkeit von Sprachen bis hin zur emotionalen Komponente der Muttersprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mehrsprachigkeit, Migrationsliteratur, Sprachbarriere, Identität und Code-switching geprägt.
Welche Rolle spielt das Ungarische für die Protagonisten?
Das Ungarische fungiert als Sprache der Familie und der Emotionen, die den Charakteren eine tiefere Verbundenheit ermöglicht als das neutrale Standarddeutsch, in dem der Roman verfasst ist.
Wie unterscheidet die Autorin sprachliche Abweichungen?
Melinda Nadj Abonji nutzt konsequent Kursivschrift, um fremdsprachige oder dialektale Ausdrücke von ihrer klaren, hochdeutschen Erzählsprache abzugrenzen.
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- Katharina Bene (Author), 2012, Das Motiv der Mehrsprachigkeit in Melinda Nadj Abonjis Roman "Tauben fliegen auf", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213937