Das Motiv der „Frau Welt“ ist im Mittelalter sehr beliebt und taucht in unterschiedlicher Art und Weise über Jahrhunderte immer wieder auf. Die bekannteste Verwendung des Frau Welt-Motivs findet sich bei Konrad von Würzburg in seiner Versnovelle „Der Welt Lohn“. Diese Novelle entstand laut Bleck vermutlich um 1266 und ist sieben Mal vollständig überliefert. Der Ritter Wirnt von Grafenberg (Verfasser des Wigalois) liest abends in seiner Kemenate eine Minneaventiure, als ihm die wunderschöne Frau Welt erscheint. Sie ist gekommen, um ihm den „hôhen lôn“ zu gewähren und präsentiert ihm ihren stinkenden, von Ungeziefer und Geschwüren bedeckten Rücken. Wirnt ändert sofort sein Leben und nimmt das Kreuz um Buße zu tun.
Dieses Motiv der von vorn wunderschönen Frau mit dem ekelhaften Rücken wurde in der Forschung bisher von Gisela Thiel in ihrer Dissertation am umfangreichsten untersucht, ihre Ergebnisse sind die Hauptgrundlage meiner Hausarbeit.
Die meisten Artikel, die sich umfassend mit dem Thema „Frau Welt“ beschäftigen sind schon über 50 Jahre alt. Neuere Abhandlungen gibt es kaum. Doch warum ist das so? Haben wir das Interesse an diesem Motiv verloren, das über viele Jahrhunderte hindurch aus der mittelalterliche Literatur nicht weg zu denken war? Bis heute finden sich Spuren des Motivs, wenn auch „nur“ durch überlieferte Texte, wie zum Beispiel Konrads „Der Welt Lohn“ oder durch Steinfiguren, wie zum Beispiel am Wormser Dom.
Im Folgenden werde ich das Motiv im Wandel der Zeit darstellen. Zuerst werde ich das Motiv selbst und seine Entwicklung beschreiben. Anschließend werde ich die Umsetzung des Motivs in der mittelalterlichen Literatur anhand einiger Beispiele aufzeigen. Danach komme ich zum Kern meiner Hausarbeit der Verserzählung „Der Welt Lohn“ von Konrad von Würzburg. Diese werde ich hinsichtlich der Verwendung des Motivs untersuchen und analysieren. Abschließend werde ich die weitere Verwendung des „Frau Welt“-Motivs in Literatur und Kunst beschreiben, bevor ich zu meinem Fazit komme.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Motiv „Frau Welt“
III. Umsetzung des Motivs in der mittelalterlichen Literatur
IV. Analyse der Verserzählung „Der Welt Lohn“ Konrads von Würzburg hinsichtlich der Verwendung des „Frau Welt“ – Motivs
V. Spätere Verwendung des Motivs der „Frau Welt“ in Kunst und Literatur
VI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelalterliche Motiv der „Frau Welt“, eine Allegorie, die durch ihre Doppelseitigkeit – eine wunderschöne Erscheinung von vorne und ein von Ungeziefer befallener, ekelhafter Rücken – die Nichtigkeit und Vergänglichkeit irdischer Freuden verdeutlicht. Zentrales Ziel ist die Analyse der Verwendung dieses Motivs in Konrad von Würzburgs Versnovelle „Der Welt Lohn“, um aufzuzeigen, wie das Motiv als Exempla-Dichtung dazu diente, den Menschen zur Weltflucht und zur Hinwendung zu Gott zu animieren.
- Historische Herleitung und Entwicklung des Frau Welt-Motivs
- Strukturanalyse der Verserzählung „Der Welt Lohn“
- Die Rolle der Personifikation in der höfischen Dichtung
- Kontrastierung von Schein und Wirklichkeit als didaktisches Mittel
- Nachwirkungen des Motivs in Literatur und bildender Kunst
Auszug aus dem Buch
IV. Analyse der Verserzählung „Der Welt Lohn“ Konrads von Würzburg hinsichtlich der Verwendung des „Frau Welt“ – Motivs
Konrad von Würzburgs Verserzählung „Der Welt Lohn“ entstand vermutlich um 1266 vor dem Hintergrund des oberrheinischen Palästina-Kreuzzugs 1267. Die Erzählung oder auch Novelle umfasst 274 Verse.
In „Der Welt Lohn“ trifft der Ritter Wirnt von Grafenberg, der gerade in seiner Kemenate Minnegedichte liest auf eine wunderschöne Frau. Er bietet der Frau seinen Minnedienst an, doch diese sagt ihm, er stünde schon längst in ihren Diensten und solle nun seinen verdienten Lohn erhalten. Wie es sich ziemt fragt er nach ihrem Namen und ihrer Herkunft, worauf sie erwidert, man nenne sie Frau Welt. Nun will ihm die Dame seinen Lohn geben, sie dreht sich um und der Ritter sieht ihren mit allerlei Unrat und Getier bedeckten Rücken. Daraufhin verlässt er Frau und Kind und nimmt das Kreuz.
Konrad von Würzburg beginnt seine Erzählung mit den Worten:
„Ir werlte minnære,
vernement disiu mære,
wie einem ritter gelanc
der nâch der werlte lône ranc
beidiu spâte unde fruo.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Motiv der Frau Welt als beliebte mittelalterliche Allegorie und Vorstellung der zentralen Quelle, der Versnovelle „Der Welt Lohn“ von Konrad von Würzburg.
II. Das Motiv „Frau Welt“: Definition der Allegorie als „Traumfrau“ mit ekelhaftem Rücken sowie Erörterung der sprachlichen und religiösen Voraussetzungen für die Entstehung dieses spezifisch deutschen Motivs.
III. Umsetzung des Motivs in der mittelalterlichen Literatur: Untersuchung der Einbettung des Motivs in die Minnedichtung, die Rolle des höfischen Dieners und die wachsende moralisierende Tendenz in der Literatur.
IV. Analyse der Verserzählung „Der Welt Lohn“ Konrads von Würzburg hinsichtlich der Verwendung des „Frau Welt“ – Motivs: Detaillierte Analyse der Handlung, der Symbolik der Protagonisten und der didaktischen Intention, die Leser zu einer Weltflucht zu bewegen.
V. Spätere Verwendung des Motivs der „Frau Welt“ in Kunst und Literatur: Betrachtung der Wandlung des Motivs nach dem Mittelalter, seiner zunehmenden Dämonisierung und seiner Präsenz in der sakralen Kunst.
VI. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des Motivs als spezifisches Kulturgut des Mittelalters, dessen Bedeutung heute historisch gewürdigt werden sollte.
Schlüsselwörter
Frau Welt, Konrad von Würzburg, Der Welt Lohn, Mittelalter, Literaturgeschichte, Allegorie, Minnedienst, Personifikation, Weltflucht, christliche Ethik, Exempla-Dichtung, Wirnt von Grafenberg, Vergänglichkeit, Motivgeschichte, höfische Dichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem literarischen Motiv der „Frau Welt“ im Mittelalter, das eine wunderschöne Frau mit einem grausam entstellten Rücken als Personifikation der materiellen Welt darstellt.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Genese der Allegorie, ihre Bedeutung für den höfischen Ritterstand sowie die didaktische Nutzung zur Vermittlung christlicher Werte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Entwicklung dieses Motivs nachzuzeichnen und insbesondere dessen zentrale Anwendung in Konrad von Würzburgs Werk „Der Welt Lohn“ als Mittel zur Mahnung vor der Vergänglichkeit irdischer Güter zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf die literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten und nutzt als theoretische Basis existierende Forschungsliteratur, insbesondere die Arbeiten von Gisela Thiel und Wolfgang Stammler.
Was wird im Hauptteil der Hausarbeit detailliert behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der strukturellen Untersuchung der Versnovelle „Der Welt Lohn“, der Interpretation der Interaktion zwischen dem Ritter Wirnt von Grafenberg und der Frau Welt sowie deren Wirkung auf das zeitgenössische Publikum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Frau Welt, Konrad von Würzburg, Allegorie, Weltflucht, Vergänglichkeit, höfische Dichtung und Exempla-Dichtung.
Warum spielt die Personifikation des „Rückens“ in „Der Welt Lohn“ eine so entscheidende Rolle?
Der Rücken stellt den Wendepunkt der Handlung dar; durch das Sichtbarwerden des Verfalls und des Ungeziefers wird die Täuschung der Welt enthüllt und der Protagonist zur spirituellen Umkehr bewegt.
Welchen Einfluss hatte der historische Kontext, wie zum Beispiel Kreuzzüge, auf Konrads Erzählung?
Die Arbeit legt nahe, dass die Erzählung in einer Zeit entstand, in der ein Kreuzzug bevorstand, und die Zuhörer aktiv dazu animieren sollte, das irdische Leben zu entsagen und Buße zu tun.
Inwiefern hat sich die Wahrnehmung der Frau Welt nach dem Mittelalter verändert?
Das Motiv wandelte sich von einer höfischen Allegorie hin zu einer stärker dämonisierten Gestalt und verlor schließlich in der Säkularisierung der Moderne seinen religiösen Kerngehalt.
- Citation du texte
- Andrea Benesch (Auteur), 2012, Frau Welt. Ein Motiv im Wandel der Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213990