Die Entwicklung der Unterentwicklung : Das Beispiel Südkorea


Referat (Ausarbeitung), 1998

23 Seiten, Note: -siehe Kommentar-


Leseprobe

Inhalt

1. Die sozialen Kosten der Industrialisierung

2. Die "Tiger-Staaten"

3. Modell Korea

4. Das Militär

5. Der Militärputsch von 1961

6. Wirtschaftspolitik der Militärregierung

7. Wirtschaftsstruktur - Chaebols und diskriminierte Sektoren

8. Die soziale Lage der Bevölkerung

9. Wirtschaftspolitik

10. Wirtschaftsentwicklung

11. Politische Unterentwicklung

12. Der Schuldenberg

13. Die Krisen und die Asienkriese 1998

14. Vergleichbarkeit und Übertragbarkeit des südkoreanischen Wirtschafts-modells

15. War die südkoreanische Entwicklungsstrategie erfolgreich?

16. Fazit

17. Literaturverzeichnis

"Die gesamte Geschichte Südkoreas ist

eine Geschichte von Kämpfen gewesen"

(Heide 1993 : 272 ).

1. Die sozialen Kosten der Industrialisierung

Die Industrialisierung und die Einführung der Marktwirtschaft sind mit enormen sozialen und ökologischen Kosten verbunden. Am Anfang werden der Gesellschaft viele Opfer abverlangt. Es muß viel investiert und gespart werden und es darf nur wenig konsumiert werden.

" Die Menschen müssen hart arbeiten und verdienen wenig. Sie müssen erbärmliche Arbeits- und Lebensbedingungen ertragen, ehe es ihren Ländern gelingt, Teil der entwickelten Welt zu werden" (Dahrendorf 1995 : 26).

Mit der Zeit ändert sich die Gesellschaft und es wird mehr Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen gefordert. Dies ist grob umrissen das Entwicklungsschema der industrialisierten Länder. Nach Jung gilt dieser Prozeß, wenn auch zeitlich verkürzt, auch für die "Tiger-Länder" und Japan. Spätestens bis zur Jahrtausendwende werden sie (die Tiger) Demokratien sein und die Fesseln des Konfuzianismus abgeworfen haben.

2. Die "Tiger-Staaten"

Die Tiger-Länder werden von mächtigen Staatsbürokratien beherrscht, die - bis auf Ausnahmen - jeder Interessengruppe den Zugang zu wichtigen Ressourcen verwehren. Man spricht hierbei vom Interessenfeudalismus.

Grundlage des "Wirtschaftserfolg" der Tiger-Staaten ist die Ausbeutung der billigen Arbeitskräfte. Die komparativen Kostenvorteile dieser Region sind disziplinierte, mit minimalen Schutzrechten ausgestattete Arbeitskräfte. Die Löhne liegen oft unter dem Existenzminimum. Die Reproduktion ist nur durch den "Informellen Sektor" bzw. die traditionellen Netzwerke möglich. Da durch die Industrialisierung die traditionellen Bindungen zerstört werden oder an Wert verlieren, ist die Reproduktionsfähigkeit eines Bevölkerungsteils nicht mehr gewährleistet. Kark-Bum-Lee bezeichnet dies als kurzfrisitige Reproduktion. Langfristig ist die Reproduktion bei dem Niedriglohn nicht möglich. Das zeigt sich am allgemein schlechten Gesundheitszustand der koreanischen und taiwanesischen Gesamtbevölkerung. Die Möglichkeit einen Einkommensanteil zu sparen, besteht in der Beschränkung der Nahrungsaufnahme bzw. der Verschlechterung der Nahrungsqualität, da beispielsweise in Südkorea der größte Ausgabenanteil der städtischen Arbeitnehmer die Mietkosten sind.

Die ideologische Grundlage, des Entwicklungsmodells der rücksichtslosen Ausbeutung, lieferte der Konfuzianismus (Arbeitsmoral, Familientradition und Unterdrückung der Frauen). Diese Tradition wurde beispielsweise nach dem Wiedereinsetzen der alten Hierarchien in Korea dazu benutzt, den Massen eine systemkonforme Verhaltensweise aufzuprägen. Westliche Verhaltensweisen werden abgelehnt und die Gesellschaft über das Individuum gestellt. Für ein "Tiger-Land" ist es wichtig einen bedeutenden Platz in der Weltwirtschaft einzunehmen andere Ziele, wie Aufbau eines Sozialsystem sind zweitrangig. ( vgl. Pohl 1995, Jung, Dieter). Menschenrechte, Arbeitsschutzbedingungen und soziale Schutzfunktionen des Staates sind nach Ansicht vieler asiatischer Politiker nicht auf ihre Länder übertragbar. Allerdings sieht das ein großer Teil der Bevölkerung anders. Dies zeigt sich dann am "Brain-Drain" der vor allem Singapur und Taiwan zu schaffen macht. Die Mittel- und Oberschichten, die die Möglichkeit haben wandern aus. Ein beliebtes Zielgebiet sind die USA und Kanada.

3. Modell Korea

Das Wachstumsmodell Südkorea fußt auf einer Export-Montagewirtschaft bei Ausbeutung des Landes (hohe Umweltverschmutzung) und der Bevölkerung ( Niedriglöhne, fehlendes Sozialsystem, fehlende Arbeits- /Unfallsicherheit).

Zum Beginn einige Daten über Südkorea:

- Südkorea hat die längste Arbeitszeit und die höchste Unfallrate am Arbeitsplatz (8Tote /Arbeitstag) (Statistisches Bundesamt 1992 : 38) .
- 77% der in einem Mietverhältnis lebenden Haushalte leben in nur einem Zimmer (vgl. Song)
- 1983 standen für 8,3 Mio. Haushalte nur 5,6 Mio. Wohnungen zur Verfügung (vgl. Song & Werning)
- Die Einzigsten, die im Krankheitsfalle ausreichend geschützt sind, sind die gehobenen Beamten (vgl. Cho)
- Südkorea hat die weltweit höchste Sterberate von Vierzigjährigen und
- die höchste Verkehrsunfallrate.
- Unter den 50 weltgrößten Städte steht Seoul bezüglich der Umweltbelastung an dritter Stelle (vgl. Song & Werning)

Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Abzug der Japaner herrschte in Korea kurzzeitig Demokratie. Nach dem Einmarsch der Sowjets in den nördlichen Landesteil löste die USA aus politischen Gründen die Selbstverwaltungsorgane, den Gewerkschaftsbund und den Bauernverband auf und installierte eine Militärregierung. Diese Militärregierung unter Rhee-Syngman rekrutierte ihre Gefolgsleute aus der alten feudalen und bürokratischen Oberschicht, da diese die besser gebildeten und ausgebildeten Personen zur Verfügung stellen konnte. Der ehemalige japanische Verwaltungs- und Polizeiapparat wurde weiter benutzt. Die späteren Industrieunternehmer kamen zum großen Teil aus der Agraroligarchie. Als Entschädigung für die Landreform bekamen sie teilweise die enteigneten japanischen Firmen und Produktionsstätten. Das Feindesvermögen wurde von der USA zu Niedrigpreisen an die der Militärregierung nahestehenden Großgrundbesitzer und japanischen Kollaborateure verkauft. Daraus entstanden die familiengeführten Großkonzerne, die Chaebols, die heute das Wirtschaftsleben in Südkorea bestimmen und auch die wirtschaftliche Elite stellen. (vgl. Marmora & Messner, Ku-Hyun Hann). Proteste gegen Rhee-Syngman und die US-Militärverwaltung wurden gewaltsam unterdrückt. In dem kurzen Zeitraum bis zum Ausbruch des Koreakrieges wurden 200.000 Partisanen getötet!

Im Gegensatz zu anderen Armeen war das Hauptziel der, von der USA ins Leben gerufenen, Armee die Bekämpfung des inneren Aufruhrs. Dementsprechend wurden innerhalb der Armee Gesinnungskontrollen durchgeführt.

Syngman Rhee hatte viele Vorschußlorbeeren (Siehe Lebenslauf im Anhang). Die demokratische Partei KDP setzte ihn an die Spitze und verschaffte ihn den obersten Posten im Land. Sehr zum Ärger der Partei sammelte Syngman Rhee nur persönliche Gefolgsleute um sich herum und besetzte mit ihnen die wichtigsten Posten in der Regierung. Des weiteren baute er sein Amt stärker aus als es verfassungsrechtlich gedacht war, in dem er die Staatsführung auf sich vereinigte und sich auf Lebenszeit als Regierungspräsident einsetzen ließ, obwohl keine Wiederwahl erlaubt war. Da er dadurch keine Machtbasis im Parlament hatte, mobilisierte er den alten Herrschaftsapparat und die alten Eliten. Er gründete zwei Parteien denen er vorstand und ließ die Oppositionspolitiker verhaften.

„Unter diesen Umständen wurde sein Entwurf ... durch ein verfassungswidriges Verfahren – Abstimmung durch Aufstehen – zugestimmt. Die Regierung brachte ein Teil der Opposition durch die Polizei mit Gewalt ins Parlament, um das für eine Verfassungsänderung nötige Quorum zu erreichen. Auch die verhafteten Abgeordneten wurden zur Teilnahme an der Abstimmung gezwungen, und das Gebäude der Nationalversammlung wurde von innen verschlossen. 160 Mitglieder waren für den Verfassungsänderungsentwurf der Regierung, 3 enthielten sich, und 47 saßen im Gefängnis“ (Song 1992 : 74).

4. Das Militär

Aus der von den USA gegründeten Military English Language School (1945-1946) gingen 110 Offiziere hervor. Davon stammten 87 aus der japanischen Armee, 21 aus der mandschurischen Armee und 2 aus der nationalchinesischen Armee. Ziel war es ursprünglich hier Dolmetscher für die US- und die koreanische Armee auszubilden. Die Offiziere der Befreiungsarmeen lehnten die japanisch ausgebildeten Soldaten ab und blieben der Schule fern.

Diese 110 Offiziere dominierten 20 Jahre lang die koreanische Armee.

Sieht man von 27 Offizieren ab deren Laufbahn vorzeitig endete (19 vorzeitige Entlassungen, darunter 10 Kommunisten, 6 Todesfälle während des Militärdienstes, 2 Gefallene des Koreakrieges), so wurden 94% der Absolventen der Schule,... ...zum General befördert.“ (Song 1992 :53).

An die Stelle der Military English Language School trat 1946 die Koreanische Militärakademie. Vom 1946 bis 1948 (1.-6.Jahrgang) wurden 1.254 Offiziere ausgebildet. Danach wurde die Sollstärke aufgestockt, so daß beispielsweise der 8.Jahrgang 1.848 Kadetten besaß. Dies führte später zu Beförderungsstopps und schließlich zur Unzufriedenheit, die dann schließlich in den Militärputsch von 1961 mündete.

Die Putschisten waren eine kleine Gruppe von Offizieren der jüngeren Generation.

„Fast die gesamte erste Generation der südkoreanischen Armeeführung, der Park angehörte, diente in den unteren Rängen oder als Unteroffizier in der japanisch-kaiserlichen Armee.. ..Diese Offiziere waren wie die erste Generation der Konzernleiter vorwiegend japanisch geprägt“ (Song 1992:93).

Die Offiziere der jüngeren (achten) Generation erhielten erstmals eine amerikanische Ausbildung. Trotzdem waren sie noch sehr stark von der japanischen Tradition geprägt.

Man konnte die Armeeoffiziere in 4 Gruppen einteilen:

1. Offiziere die, die japanische Militärakademie durchlaufen hatten und deren Karriere vor oder im 2.Weltkrieg begann. Sie kamen größtenteils aus Südkorea und aus angesehen Schichten und hatten ein ausgeprägtes Elitebewußtsein.
2. Offiziere die, die Mandschurische Militärakademie absolviert hatten und während des 2.Weltkrieges unter den Japanern in der Mandschurei gekämpft hatten. Gegenüber dem übrigen japanischen Militär hoben sie sich durch ihre extreme antikommunistische und antizivile Grundhaltung ab (Song 1992:42). Die meisten von ihnen kamen aus ländlichen, ärmlichen Gegenden und mußten um die gesellschaftliche Anerkennung ringen.
Diese beiden Gruppen hatten die obersten Stellen inne und waren in der Mehrheit.
3. Die sog. „Studenten-Offiziere“. Sie wurden kurz vor Kriegsende 1945 eingezogen, kurz ausgebildet und an die Front geschickt.
4. Offiziere die an der nationalchinesischen Militärakademie ausgebildet wurden und gegen Japan kämpften.

Den beiden letzten Gruppen wurde der Zugang zu den Führungspositionen versperrte, weil ihnen die Ausbildung fehlte (3.Gruppe) oder weil sie als „ideologisierte Befreiungskämpfer“ galten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Unterentwicklung : Das Beispiel Südkorea
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Internationaler Aufbaustudiengang 'Erziehung und internationale Entwicklungen' im Fachbereich 4)
Veranstaltung
Neuere Tendenzen im Entwicklungsdiskurs
Note
-siehe Kommentar-
Autor
Jahr
1998
Seiten
23
Katalognummer
V21400
ISBN (eBook)
9783638250351
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschreibt die Entwicklung Südkoreas nach 1945. Ist die Entwicklung des Landes erfolgreich gewesen? Ist das Modell der 'Tiger -Staaten' auf andere Entwicklungsländer übertragbar? Zur Benotung: Benotung lag zwischen sehr gut und gut. Da ich die Scheine zur Diplomprüfung abgeben musste, kann ich es nicht mehr nachprüfen.
Schlagworte
Entwicklung, Unterentwicklung, Beispiel, Südkorea, Neuere, Tendenzen, Entwicklungsdiskurs
Arbeit zitieren
René Koch (Autor), 1998, Die Entwicklung der Unterentwicklung : Das Beispiel Südkorea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21400

Kommentare

  • Gast am 8.6.2004

    diese Arbeit scheint.

    so weit man das aus dem kurzen öffentlich verfügbaren Auszug entnehmen kann, doch recht oberflächlich und wenig reflektiert zu sein.
    Es werden viele Schlagworte wie Konfuzianismus in den Raum gestellt, welche für gesellschaftliche Missstände als Begründung dienen sollen.
    Eine Überprüfung dieser Behauptungen und mögliche Parallelen zu "nichtkonfuzianistischen" Gesellschaften mit gleichen Phänomenen wären eine interessante Ergänzung

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