War Niccolo Machiavelli selbst ein „Machiavellist“?


Seminararbeit, 2010
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die politische Lage Italiens um

Amoralität

Machiavellis Intention

Uomo di lettere

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Der Zweck heiligt die Mittel“ – diese Weisheit wird wohl mit keinem anderen Staatsphilosophen derart in Verbindung gebracht wie mit Niccolo Machiavelli. Abgeleitet aus dem Familiennamen des aus Florenz stammenden Politikers, Dichters und Philosophen, gilt der „Machiavellismus“ als Synonym für die Entkoppelung von allem Moralischen und der Politik. List, Untreue, Machtstreben und Gewaltanwendung zum Zweck der Realisierung seines persönlichen Vorteils haben, laut weit verbreiteter Meinung, ihren Ursprung bei Machiavelli und seiner in seinen beiden Hauptwerken „il principe“ und „discorsi“ formulierten Thesen und Ratschläge. Dabei hat sich heute diese negative Auslegung Machiavellis Philosophie auch in der ökonomischen Sphäre niedergelassen. Besonders habgierigen und unmoralischen Managern werden beispielsweise „machiavellistische“ Attribute und Züge zugesprochen. Die folgende Arbeit soll der Frage nachgehen, ob Niccolo Machiavelli selbst ein „Machiavellist“ war und die heutige, oben beschriebene Überzeugung gerechtfertigt ist, oder ob diese Simplifizierung keineswegs die Vielschichtigkeit Machiavellis Gedankengänge darlegt. Es gilt also aufzuzeigen, welche aus heutiger Sicht „machiavellistischen“ Thesen der Florentiner in seinem Werk vertritt und vor allem wie diese intendiert sind. Um Machiavellis Schriften verstehen zu können, werde ich im ersten Teil der Arbeit kurz seine wichtigsten Lebensabschnitte und das politische Umfeld Italiens darstellen, um anschließend die scheinbaren Widersprüche im „il principe“ und den „discorsi“ zu analysieren. Dabei sei erwähnt, dass nur eine gänzliche Betrachtung Machiavellis beider Hauptwerke, sein gedankliches Konstrukt zum Vorschein bringt. Die im „Fürsten (il principe)“ geforderte Alleinherrschaft mag im ersten Augenblick deutlich von seiner in den „Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius (discorsi)“ propagierten republikanischen Verfassung abweichen, doch wird dieser Widerspruch unter Berücksichtigung der chaotischen Verhältnisse Italiens im 15. und 16. Jahrhundert und seiner daraus resultierenden Intention relativiert. Dass Machiavelli nicht nur Aufgrund seiner Erziehung und Bildung humanistisch geprägt war und inwieweit diese Tatsache mit seiner Staatsphilosophie zusammenhängt, wird im Anschluss daran aufgezeigt. Die abschließende Zusammenfassung der erörterten Punkte wird zeigen, dass der negative Ruf Machiavellis, auf dem der Grundgedanke des „Machiavellismus“ beruht, unbegründet ist und die intensive Analyse seines Lebens, seines literarischen Nachlasses und seiner Visionen ein gänzlich anderes Bild des verkappten Idealisten zeichnet.

Die politische Lage Italiens um 1500

Um nicht zu deskriptiv vorzugehen, werden in diesem Teil nur die wichtigsten Eckpfeiler seines Lebens erwähnt. Machiavelli wird 1469 in bescheidenen Verhältnissen im damaligen kulturellen Brennpunkt Italiens, Florenz, geboren und erhält während seiner Jugend eine humanistische Ausbildung. Schon früh kommt er also in Berührung mit den klassischen antiken Philosophen, die er später in seinen eigenen Werken rege zitieren wird und die ihm als Vorbild für seine eigenen geistigen Konstruktionen dienen (vgl. Mehmel 1948, S.152). Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass er als erster Philosoph versucht hat, Politik zu erfassen, wie sie wirklich ist und diese im Gegensatz zu seinen antiken Vorgängern nicht in idealisierter Form darstellt (vgl. Stüwe & Weber 2004). Man kann ihn demzufolge durchaus als politischen Empiriker bezeichnen, der allerdings stets den Bezug zur Geschichte suchte, um daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Niccolos politische Karriere beginnt mit seiner Ernennung zum Staatssekretär der zweiten Kanzlei des „Rats der Zehn“. Er ist verantwortlich für die Außen- und Verteidigungspolitik der Republik Florenz und wird auf zahlreiche diplomatische Reisen in ganz Italien und Europa geschickt. Seine Erfahrungen mit den jeweiligen Herrschern und Fürsten wird er in seinem späteren Werk „il principe“ einfließen lassen. Eine besondere Rolle haben seine Gesandtschaftsreisen zu Cesare Borgia, der fälschlicherweise oftmals als das Vorbild des „il principe“ gesehen wird. Nach der Rückkehr der Medici, einer despotischen Herrschaftsfamilie aus Florenz, wird er seines Amtes enthoben und der Verschwörung beschuldigt. Er zieht sich auf sein Landgut in San Casciano in der Nähe von Florenz zurück und beginnt mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Ironischerweise ist sein eigenes Scheitern als Politiker, trotz zahlreicher Erfolge wie zum Beispiel die Zurückeroberung Pisas 1507, der ausschlaggebende Grund für seine philosophischen Hauptwerke, mit denen er weltberühmt wurde. Dirk Hoeges ist der Überzeugung, dass Machiavelli selbst sehr viel „virtu“, auf die ich später näher eingehen werde, besaß. Das heutige Gebiet Italiens war in der Renaissance von einer Vielzahl von kleinen Herzogtümern, „Pseudorepubliken“ und Königreichen geprägt. Daneben bestand darüber hinaus noch der Kirchenstaat. Die territorialen Grenzen waren unklar und von keiner dauerhaften Beständigkeit geprägt. Diese minimalistischen Länder befanden sich im Dauerkriegszustand, gingen willkürlich Allianzen ein und eroberten und plünderten sich gegenseitig. Des Weiteren durchzogen ausländische Heere das Gebiet und förderten das politische Chaos in Italien. Die Berücksichtigung des politischen Chaos im Gegensatz zu der kulturellen Blüte der Renaissance, die Universalgelehrte wie beispielsweise Leonardo Da Vinci hervorbrachte, ist für die folgende Untersuchung Machiavellis Handlungsempfehlungen und seiner damit verbundenen Ziele unverzichtbar. Das zerstückelte und anarchistische Italien ist ebenfalls ein Grund für seine negative Darstellung der Menschen. Kurz gefasst wäre Machiavellis politische Theorie, ohne die eben beschriebenen geschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen, eine andere.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
War Niccolo Machiavelli selbst ein „Machiavellist“?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V214013
ISBN (eBook)
9783656423997
ISBN (Buch)
9783656424208
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
niccolo, machiavelli, machiavellist
Arbeit zitieren
Aleksandar Ilic (Autor), 2010, War Niccolo Machiavelli selbst ein „Machiavellist“?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214013

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